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Adventure Life is Strange für iOS im Test

08.01.2018 | 14:52 Uhr |

Mit der jungen Fotografie-Studentin Max lässt sich nun auch auf iOS-Geräten das düstere Geschehen von Arcadia Bay erkunden. Zeitmanipulation gehört zu ihren Fähigkeiten.

Life is Strange ist ein Episoden-Adventure in fünf Teilen, das aber nicht etwa von Telltale Games stammt, obwohl es auffällige Ähnlichkeiten gibt. Etwa in dem comicrealistischen Animationsstil, in der Unterteilung nach Episoden und dadurch, dass unserer Entscheidungen Auswirkungen auf das Spielgeschehen haben. Tatsächlich aber stammt Life is Strange vom französischen Entwickler Dontnod Entertainment, publiziert durch Square Enix. Die erste Episode für den PC erschien schon 2015. Für die iOS-Version hat man als Grundlage die Spiele-Engine von Unreal 4 genutzt. Das tut der Grafik sehr gut, die in allen Teilen stimmig und ansprechend wirkt.

Gelungener Genremix

Life is Strange ist eine faszinierende Mischung aus mehreren Genres. Zum einen haben wir es in der Fotografie-Studentin Max Caulfield mit einer jungen Frau in einem sozusagen typischen Coming-of-Age-Drama zu tun. Freundschaften mit anderen Mädchen oder Frauen sowie jungen Männern gewinnen ganz stark an Bedeutung, Eltern treten oft als störende Hintergrund-Elemente zum Beispiel über das Handy auf. Sie entdeckt ihre eigenen Fähigkeiten, etwa ihr Auge für anspruchsvolle Fotos, für die sie eine Polaroid benutzt. Doch dann wird sie plötzlich mit einer Kraft in ihr selbst konfrontiert, die nunmehr in Richtung Mystery verweist: Max kann nämlich die Zeit für einen bestimmten Moment zurückdrehen. So weit, dass sie bestimmte Situationen konstruktiv verändern kann, indem sie etwa ihre Kommilitonin Chloe vor einem Mord im Mädchenklo schützt oder sich aus peinlichen Situationen herausbringt, wenn sie einen Namen nicht mehr weiß oder ähnliches mehr.

Das heißt, sie erlebt eine bestimmte Situation, und wenn diese ihr nicht gefällt, hat sie beziehungsweise hat der Spieler die Möglichkeit, über die entsprechenden Schalter auf dem Display eine Aktion direkt rückgängig zu machen oder die Zeit über einen längeren Abschnitt zurück zu spulen. Dann kann Max ihr erlangtes Wissen einsetzen, damit es nun für sie günstig verläuft oder sie Menschen und Tieren helfen kann. Insgesamt finden sich so Elemente von Adventure, Rollenspiel und ein Hauch von Action in Life is Strange harmonisch versammelt.

Klischeehafte und differenzierte Persönlichkeiten

Max ist eine sehr sympathische, eher zurückhaltende Protagonistin im Spiel. Mit ihr taucht man ein in eine typische, vielleicht auch klischeehafte US-amerikanische College-Umgebung mit protzigen Kerlen und zickigen Cheerleader-Girlies, die primär ihr nächstes Sexdating im Kopf haben. Aber auch Charaktere, die hier nicht mithalten können oder wollen, die Probleme haben oder wie Max einfach die eigene Persönlichkeit und Identität suchen, tauchen hier auf. Insofern ist Life is Strange ein durchaus differenziertes Adventure, in dem allerlei problematische und zwielichtige Personen auftauchen. Und mit Max fragt man sich immer wieder, darf man ihnen vertrauen oder sind sie sogar gefährlich? Immerhin ist ein Mädchen verschwunden, und mit der engen Freundin Chloe findet man mit Max bald heraus, dass hinter der strahlenden Oberfläche der Universität allerlei menschliche und kriminelle Abgründe lauern.

Schöne Grafik, hakelige Steuerung

Die Grafik, auch mit schönen Lichtreflexen und stimmiger Umgebung, lässt sich auf unserem iPad Pro 10,5 Zoll gut ansehen und genießen. Wir bewegen uns mit einfachen Taps und Rundumsicht durch Gänge, Räume und Natur. Das ist manchmal etwas hakelig, in manchen Ecken und an Hindernissen bleibt man mitunter ungünstig hängen. Mit Tastatur und Maus auf Mac oder PC ist die Übersicht deutlich besser. Gerade wenn Dialoge auftreten, um etwas anzusehen oder zu benutzen, muss man oft ein wenig nachhelfen, um in die richtige Position zu geraten. Dafür speichert das Spiel jederzeit. Wenn wir Pause machen oder uns mit anderen Apps beschäftigen, können wir anschließend  direkt weitermachen, wo wir aufgehört hatten. Für alle Fälle findet nach Wunsch auch eine Synchronisierung des Speicherstands mit der iCloud statt. Die Spiellänge beträgt allein für diese erste Episode ”Chrysalis” gut über zwei Stunden.

Mobile Extras

Speziell auf Mobilgeräten erscheint Life is Strange mit Emojis und Cosplay-Stickern. Außerdem kann man seinen Fortschritt nahtlos auf sozialen Medien teilen und die Entscheidungen in der eigenen Geschichte mit denen der Freunde vergleichen. Schick ist der neue Fotomodus, mit dem man Bilder im Spiel aufnimmt. Er bietet nun die neue Option, die Fotos mit Filtern zu bearbeiten und sie über die iOS-Funktion zu teilen. Passend ist der lizenzierte Indie-Soundtrack mit Alt-J, Foals, Angus & Julia Stone, José González und weiteren Interpreten.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Life is Strange Episode 1 gibt es im App Store für 3,49 Euro , der Download beträgt knapp 1 GB. Weitere Episoden sind per In-App-Kauf erhältlich, die Preise sind unterschiedlich. Ein Season-Pass für alle Episoden schlägt mit knapp zehn Euro zu Buche. Vorausgesetzt wird mindestens iOS 10.10.

Fazit und Empfehlung

Man taucht mit Life is Strange tief in eine jugendliche und von zumeist weiblichen  Adoleszenzproblemen geprägte Welt hinein. Das mag einem als zumal männlicher Erwachsener manchmal befremdlich erscheinen, als wäre man Fehl am Platz. Aber in weiten Teilen erscheint Life is Strange fast wie eine Feldstudie, in der man unglaublich viel authentisch Wirkendes über diesen Abschnitt im Leben junger Menschen erfährt. Nicht alles ist up-to-date, etwa die Handy-Nachrichten, die noch im schlichten SMS-Stil verfasst sind, ganz ohne WhatsApp-typische Emojis zum Beispiel. Doch die Dialoge, die Verhaltensweisen und die Art, wie die College-Studierenden sich einrichten oder kleiden usw., wirken überzeugend. Vor allem aber ist Life is Strange ein cooles Spiel mit der faszinierenden Möglichkeit, über Zeitmanipulation bereits Geschehenes und eigene Entscheidungen zu revidieren. Spannend ist es zudem. Insofern können wir allen, die sich durch diese Spielbeschreibung und die Screenshots angelockt fühlen, das Spiel auf iOS-Geräten nachdrücklich empfehlen.

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