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Adventure-Test: "Lost Horizon 2" für iOS

11.05.2018 | 12:14 Uhr |

Animation Arts hat den zweiten Teil der Lost-Horizon-Serie für iOS veröffentlicht und bietet ein teils anschauliches, teils aber für kleine Displays recht komplexes Spiel.

Auf Grundlage der Unity-3D-Engine, die für die Portierung auf mobile Geräte genutzt wurde, sieht das Mystery-Adventure "Lost Horizon 2" tatsächlich in weiten Teilen recht gut aus. Sehr gut gefallen haben uns insbesondere die Zwischensequenzen, die viel Stimmung und Atmosphäre aufs Display bringen. An sich spielt die Geschichte im Jahr 1956: Als der Scout der British Army Fenton Paddock während eines Einsatzes am Suezkanal von der Entführung seiner Tochter Gwen erfährt, begibt er sich zusammen mit Nazi-Jägerin Anna auf eine gefährliche Befreiungsaktion weit hinter den Eisernen Vorhang. Am Ende muss er nicht nur verhindern, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer wird, er sieht sich auch vor die Wahl gestellt, sein eigenes Leben für das seiner Tochter zu opfern.

Starke, aber bedrückende Szenen im Nazireich

Doch es beginnt eindrucksvoll schon in der Zeit des Nazi-Reiches, als der Vater zweier Töchter in seiner eigenen Wohnung von SS-Schergen brutal ermordet wird. Seine Töchter konnte er zum Glück noch verstecken, wobei bereits die intensive Hilfe von uns als Spielern erforderlich ist. Die dunklen Uniformen der Nazi-Mörder wirken recht authentisch, die Hakenkreuze wurden aber entsprechend angepasst, sodass sie nicht anstößig oder verboten wirken. Diese Szene wird ganz am Ende des Spiels noch einmal eine wichtige Rolle spielen, sodass sich hier auf geschickte Weise eine Klammer um das Geschehen in den fünfziger Jahren schließt.

Asgard und Runenrätsel

Letztlich ist man hinter einem Wikingerartefakt her, das den Nazis zum Endsieg verhelfen sollte. Aber auch der damalige sowjetische Geheimdienst KGB ist dem Artefakt auf der Spur und entführt Paddocks Tochter. Es gibt einige Verwirrspiele um die agierenden Figuren sowie rasante Verfolgungsjagden. Während des Spiels kommen Locations in Bayern, Moskau, Sandhurst in England, Jersey, Gotland und Island zum Zuge. Schließlich geht es im mythischen Asgard und mit dem geheimnisvollen Lebensbaum Yggdrasil ganz tief in die altnordische Mythologie, welche von den Nazis geschätzt wurde.

Bevorzugt auf Englisch

Bei dem Spiel kann man verschiedene Sprachen einstellen, wir haben es vorzugsweise auf Englisch und mit englischen Untertiteln gespielt. Die deutsche Synchronisierung ist nicht schlecht, klingt aber insgesamt flacher. Letztlich ist das aber Geschmackssache. Und auf jeden Fall begleitet einen diese Entscheidung für viele Spielstunden, die "Lost Horizon 2" bietet, wobei man solche Parameter jederzeit wieder umstellen kann.

Die Bedienung von "Lost Horizon 2" erfolgt genretypisch statt mit Maus und gegebenenfalls Tastatur einfach über Taps und Wischbewegungen auf dem iPad, die Steuerung und Menüführung wurde für Mobilgeräte optimiert.

Knackige Rätsel, nerviges Inventar

Das Inventar am oberen Rand, in dem sich Gegenstände auch kombinieren lassen, ist gelegentlich etwas unübersichtlich und zudem störrisch, wenn man wiederholt Objekte auf den Bildschirm ziehen will, um auszuprobieren, ob sie dorthin gehören und was sie auslösen. Dann muss man das Inventar mitunter schließen und neu öffnen, was schnell geht, aber trotzdem nervig ist. Immerhin lässt sich der Spielstand jederzeit und auch in mehreren Slots speichern. Gelegentlich gibt es Quicktime-Events, bei denen man auf dem Bildschirm rasch handeln muss, aber das ist insgesamt sehr selten. Dialoge lassen sich jederzeit durch einen einfachen Tap unterbrechen, was gerade bei Untertiteln, wenn man die Sätze schon vor sich sieht, beim Tempo recht hilfreich ist. Insgesamt macht das gelegentlich trickreiche Öffnen von Türen, Knacken von Schlösser oder Kombinieren von Artefakten trotz mancher Frustmomente Spaß.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Das Adventure erfordert mindest iOS 10 und läuft ab iPhone 5 oder mindestens iPad 4. "Lost Horizon 2" ist unter diesem Link  im App Store verfügbar . Der Preis dafür liegt bei 5,40 Euro. Eine Android-Version im Google Play Store ist hier erhältlich , der Preis ab Android 4.1 liegt bei 4,99 Euro (Diskussionen und Spekulationen über den auffälligen Preisunterschied sparen wir uns an dieser Stelle).

"Lost Horizon 2" im App Store

Fazit und Empfehlung

"Lost Horizon 2" ist für Fans von klassischen Adventures mit mythischem und Mystery-Hintergrund sowie historischen Anspielungen auf das ”Dritte Reich” und vor allem die Fünfzigerjahre während der Frühzeit des ”Kalten Krieges” auch auf dem iPad oder iPhone spielenswert. Manchmal verliert man freilich den Überblick, wenn eine Location in der Totalen dargestellt wird und man nicht genau weiß, wo die eigene Spielfigur ist und wo man nun hin soll. Auch die per kleinen Lupen jederzeit angezeigten Hotspots helfen da nur begrenzt weiter. Die Figuren sind insgesamt recht hölzern und haben wenig Tiefe. Und gegen Ende werden die Rätsel, an denen kein Mangel herrscht, doch auch etwas kleinteilig und unübersichtlich. Immerhin gibt es einen integrierten Walkthrough, sodass man kaum auf externe Hilfen etwa im Internet zugreifen muss, wenn man mal feststeckt. Alles in allem hat uns das Game trotz der manchmal krausen Ideologie mit den alten Wikingern im Hintergrund gut unterhalten.

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