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Mac Mini 2018 im Macwelt-Test: T2 ist ein Rechenmonster

13.11.2018 | 13:30 Uhr |

Viele haben das nicht mehr geglaubt: Nach über vier Jahren aktualisiert Apple den Mac Mini. Und das Update ist alles andere als halbherzig. Wir testen eines der neuen Exemplare.

Schon der allererste Mac Mini aus dem Jahre 2005 hatte viele Anhänger. Steve Jobs stellt ihn damals mit den Worten vor: „Nun gibt es keine Entschuldigung mehr!“. Das bezog sich vor allem auf seinen günstigen Preis, denn der erste Mac Mini kostete nur 500 US-Dollar. Davon sind wir inzwischen weit entfernt, doch der Mac Mini hat nichts von seinen Charme eingebüßt. Manche nutzen ihn als komfortablen Media-Player im Wohnzimmer, andere bauen sogar ganze Server-Farmen mit tausenden von Mac Minis auf. Seine flexiblen Einsatzmöglichkeiten und die geringen Abmessungen waren schon immer seine Stärken. Nun gibt es eine neue Version, die laut Apple das größte Mac-Mini-Update aller Zeiten sein soll.

Fazit und Inhalt

„Totgesagte leben länger“ und da ist er wieder, der Mac Mini! Kein Gigant, aber ein ernstzunehmender Rechenzwerg, der allerhand leistet. Im Test schaffen wir es überdies nicht, trotz Dauerbelastung, den Lüfter des Mac Mini zu hören. Damit ist sein Platz als Media-Player im Wohnzimmer weiterhin gesichert. Aber auch bei dem ein oder anderen Software-Entwickler dürfte er sich Freunde machen. Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit mehrere 4K-Monitore anzuschließen. Alle normalen Alltagsaufgaben meistert er sowieso. Nur als Spielemaschine eignet er sich nicht. Wer das will, muss entweder zusätzlich eine externe Grafikkarte per Thunderbolt anschließen oder auf ein anderes System ausweichen. 

Ausstattung und Anschlüsse
Eindrucksvolle CPU-Leistung
Test aus der Praxis: Xcode Turnaround
Grafikleistung – Fortschritt und doch Rückschrit t

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Ausstattung und Anschlüsse

Schon die Gehäusefarbe, im Apple-Jargon „Space Grau“ genannt, deutet darauf hin, dass sich der neue Mac Mini an anspruchsvollere Anwender richtet, ist der Farbton doch vor allem durch den iMac Pro bekannt geworden.

Der Arbeitsspeicher lässt sich nun austauschen. SO-DIMM-Steckplätze machen es möglich. Bis zu 64 GB RAM sind machbar!
Vergrößern Der Arbeitsspeicher lässt sich nun austauschen. SO-DIMM-Steckplätze machen es möglich. Bis zu 64 GB RAM sind machbar!
© iFixit.com

Zwei Basisversionen bietet Apple an, einen Vierkerner mit 128 GB SSD und einen Sechskerner mit 256 GB SSD. Beide kommen mit 8 GB RAM, allerdings sind bis zu 64 GB möglich, was ein unglaublicher Wert für diesen kleinen Rechner ist. Das Gute hieran: Der Arbeitsspeicher ist nicht – wie noch beim Vorgänger von 2014 – fest auf der Hauptplatine verlötet, er befindet sich in zwei SO-DIMM-Steckplätzen, an die man mit ein wenig Schrauber-Talent gut herankommt. Die Kollegen von iFixit haben den Mac Mini bereits bis auf die letzte Schraube zerlegt . Der Arbeitsspeicher ist relativ einfach zugänglich, was man vom internen SSD-Speicher leider nicht behaupten kann, denn der ist fest auf dem Mainboard verlötet. 128 GB sind längst nicht mehr zeitgemäß, wer mehr will, muss jedoch tief in die Tasche greifen. Wie beim aktuellen Macbook Air ruft Apple Mondpreise für zusätzlichen SSD-Speicher auf. 256 GB kosten 240 Euro mehr, es gibt Optionen für 512 GB (480 Euro), 1 TB (960 Euro) und für 2 TB Flash-Speicher legt man satte 1920 Euro auf den Tisch des Hauses. Irre! Wer das nicht will, kann allerdings deutlich günstigere Massenspeicher benutzen.

iFixit hat den Mac Mini auseinander genommen. Auf der Hauptplatine erkennt man u.A. den T2-Chip (gelb umrandet) und den Flash-Speicher (orange umrandet), der leider nicht austauschbar ist.
Vergrößern iFixit hat den Mac Mini auseinander genommen. Auf der Hauptplatine erkennt man u.A. den T2-Chip (gelb umrandet) und den Flash-Speicher (orange umrandet), der leider nicht austauschbar ist.
© iFixit.com

Wie? Extern! Dazu bietet der Mac Mini gleich vier Thunderbolt-3-Ports und zusätzlich noch zwei USB-3.0-Anschlüsse. Genug also, um viele externe Massenspeicher oder Displays (sogar bis 5k!) anzuschließen. Ach ja: An den Einsatzplatz im Wohnzimmer hat Apple ebenfalls gedacht, ein 4k-fähiger HDMI 2.0 Port für Fernseher ist mit an Bord, prima!

Ein kleines Detail am Rande: Das Netzteil ist nach wie vor im Gehäuse integriert, es leistet aber im Vergleich zum Vorgänger fast doppelt soviel. Statt 85 Watt sind es nun 150 Watt. Warum? Nun, die internen Komponenten verbrauchen sicher nicht soviel Strom, aber wer weiß, was der Anwender alles an den USB- und Thunderbolt-Ports anschließen will? Viele externe Komponenten bekommen ihre Versorgungsspannung per USB geliefert. Thunderbolt 3 darf bis zu 44 Watt an externe Geräte liefern. Damit hier nicht gleich beim ersten stromhungrigen Gerät alles zusammenbricht, hat Apple das Netzteil ordentlich dimensioniert! Sehr löblich!

Eindrucksvolle CPU-Leistung

Ausstattung und Schnittstellen sind als schon mal prima, nun zur Performance. Zum Test schickt uns Apple die „kleine“ Version, die man für 900 Euro bekommt. Damit ist der Mac Mini seit 2005 quasi doppelt so teuer geworden. Aber man bekommt auch deutlich mehr Leistung. Intels aktuelle achte Core-i-Generation kommt nun zum Einsatz. Damit überspringt der Mac Mini drei ganze Chip-Generationen, denn der Vorgänger kam noch aus der „Haswell“-Serie (4. Generation).

Über 2,5 GB/s liest die interne SSD des Mac Mini. Beim Schreiben fällt die leiste auf gut 600 MB/s zurück. Das liegt aber auch an der Kapazität der SSD in unserem Testgerät (128 GB). Die 256 GB-Version verfügt über mehr Speicherkanäle und dürfte beim Schrieben schneller sein.
Vergrößern Über 2,5 GB/s liest die interne SSD des Mac Mini. Beim Schreiben fällt die leiste auf gut 600 MB/s zurück. Das liegt aber auch an der Kapazität der SSD in unserem Testgerät (128 GB). Die 256 GB-Version verfügt über mehr Speicherkanäle und dürfte beim Schrieben schneller sein.

Der Prozessor hört auf den Namen Intel Core i3-8100B aus der „Coffee-Lake-S“-Serie. Was das „B“ bedeutet, ist bislang unklar, denn in Intels CPU-Liste findet sich derzeit nur eine Variante ohne diesen Zusatz.

Über 14500 Punkte erreicht der Mac Mini in Geekbench 4. Die vier Kerne der CPU machen sich positiv bemerkbar,
Vergrößern Über 14500 Punkte erreicht der Mac Mini in Geekbench 4. Die vier Kerne der CPU machen sich positiv bemerkbar,

Core i3 bedeutet allerdings auch, dass der Chip kein Hyperthreading bietet, das die vier Kerne unter Volllast deutlich besser auslasten könnte. Das macht sich dann beispielsweise beim 3D-Rendering in Cinema 4D bemerkbar. Der Multi-CPU-Faktor liegt mit 3,86 unter 4. Die vier CPUs lassen sich also nicht voll ausnutzen. Dennoch liefern sie eine erstaunliche Rechenkapazität. Geekbench 4 meldet über 14500 Punkte, damit rangiert der Mini in unmittelbarer Nachbarschaft zu den iMac und Macbook Pro Modellen aus dem vorigen Jahr. Nettes Detail am Rande: Der Mac Pro aus dem Jahre 2009 mit acht Rechenkernen schaffte diese Leistung nicht ganz. Nach zehn Jahren überholt der Mac Mini also einen ehemaligen Top-Profi-Mac. Auch nicht schlecht!

Der Compute-Test in Geekbench 4 zeigt, dass die Leistung der Intel-GPU im Vergleich zur Vorgänger-Generation (Intel Iris) gesunken ist. Der Grund: Der Grafikkern verfügt über weniger Compute-Units.
Vergrößern Der Compute-Test in Geekbench 4 zeigt, dass die Leistung der Intel-GPU im Vergleich zur Vorgänger-Generation (Intel Iris) gesunken ist. Der Grund: Der Grafikkern verfügt über weniger Compute-Units.

Test aus der Praxis: Xcode Turnaround

Ok, synthetische Benchmarks sagen nur wenig aus, also greifen wir uns einen echten Praxistest heraus. Software-Entwickler, die Apps fürs iPhone programmieren, kennen den so genannten „Turnaround“ nur allzu gut. Damit ist die Zeit gemeint, die vergeht, wenn man nach einer Änderung im Quellcode den Build-Prozess anstößt und die neue App-Version dann auf dem Gerät oder im Simulator startet und zum Testen bereit ist. So etwas macht jeder Programmierer zig Mal an einem Arbeitstag. Da der Mac Mini sich durchaus als Entwicklermaschine eignet, bauen wir ein passendes Szenario auf. Es besteht aus Xcode 10 und einer durchaus komplexen iOS-App (Swift 4.2, Core Data, Master-Detail-Views, jede Menge Grafik-Assets etc.). Xcode startet die App im Simulator. Der steht allerdings schon bereit, die Startzeit des Simulators messen wir nicht mit. Wohl aber die Zeit bis zur vollständigen Installation der App im Simulator.  

Der Mac Mini zeigt sich dieser Aufgabe mehr als gewachsen. Seine Turnaround-Zeit liegt bei unter 20 Sekunden, ein exzellenter Wert! Unser Vergleichssystem (Macbook Pro Retina 2012) benötigt hier fast 10 Sekunden mehr.

Eine weitere Besonderheit, die sich in der Praxis auswirken kann, ist der T2-Chip , den wir schon im Macbook Air testen konnten. Apple setzt den Chip im Mac Mini als SSD-Controller, für Echtzeit-Datenverschlüsselungen und Sicherheitsfunktionen ein, doch er kann beispielsweise auch als Video-Encoder für das HEVC-Format fungieren. Wir testen das mithilfe von Final Cut Pro und Compressor. Tatsächlich liefert der T2 Chip unglaubliche Resultate, die uns schon beim Macbook Air zum Staunen brachten. Benötigt unser Vergleichssystem zum Encoding eines Test-Videoclips über 14 Minuten, ist der Mac Mini dank T2 in 17 Sekunden fertig! Einmal mehr appellieren wir hier an Apple, die Möglichkeiten dieses Chips für Entwickler freizugeben. Er scheint ein echtes Rechenmonster zu sein.

Grafikleistung – Fortschritt und doch Rückschritt

Es gab mal eine Mac-Mini-Konfiguration mit diskretem Grafikchip (Baujahr 2011), doch diese Zeiten dürften endgültig vorbei sein. So greift der neue Mac Mini auf den internen Grafikkern von Intel zu, der auf den Namen „Intel UHD Graphics 630“ hört. Bei unseren Tests stellen wir allerdings fest, dass dieser Chip im Vergleich zur Vorgängergeneration (Intel Iris Pro Graphics) teilweise signifikant langsamer arbeitet. Wir machen das beispielsweise am Benchmark „Gaston“ fest, der die Rechenleistung aller verfügbaren Komponenten (CPU- und Grafikkerne) zusammenfasst und damit Fraktale ausrechnet. Dabei schlägt beispielsweise das Macbook Air aus dem Jahre 2017 den aktuellen Mac Mini (und auch das aktuelle Macbook Air) um Längen. Wie kann das sein? Wir nehmen Kontakt zum Gaston-Programmierer Richard Kurz auf und haken nach. Richard kommt dem Problem schnell auf die Schliche. Der neue Grafikern verfügt zwar grundsätzlich über leistungsfähigere Compute-Units, enthält aber deutlich weniger davon (24 statt 48). Im Vergleich zum letzten Mac Mini Modell von 2014 ist das allerdings immer noch ein Fortschritt. Dennoch: Die Aktuelle Intel-Chipsatzgrafik stellt insgesamt einen Rückschritt dar, das darf man ruhig so deutlich sagen. Apple will hier offensichtlich sparen (vor allem am Stromverbrauch) und stattdessen auf externe Grafiklösungen verweisen, die sich dank Thunderbolt 3 ja nun auch gut einsetzen lassen.  

Fazit

„Totgesagte leben länger“ und da ist er wieder, der Mac Mini! Kein Gigant, aber ein ernstzunehmender Rechenzwerg, der allerhand leistet. Im Test schaffen wir es überdies nicht, trotz Dauerbelastung, den Lüfter des Mac Mini zu hören. Damit ist sein Platz als Media-Player im Wohnzimmer weiterhin gesichert. Aber auch bei dem ein oder anderen Software-Entwickler dürfte er sich Freunde machen. Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit mehrere 4K-Monitore anzuschließen. Alle normalen Alltagsaufgaben meistert er sowieso. Nur als Spielemaschine eignet er sich nicht. Wer das will, muss entweder zusätzlich eine externe Grafikkarte per Thunderbolt anschließen oder auf ein anderes System ausweichen. 

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