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Apple bringt 245 Milliarden US-Dollar in die USA zurück

18.01.2018 | 17:39 Uhr |

Apple will in den nächsten fünf Jahren 350 Milliarden US-Dollar in die heimische Wirtschaft stecken und neue Jobs schaffen. Auch ein zweiter Campus ist geplant.

Apple hat am Mittwoch angekündigt , die neuen Steuergesetze zu nutzen und im Ausland gehortetes Geld in die USA zurückzuführen. Dabei werde der Mac-Hersteller 38 Milliarden US-Dollar an Steuern bezahlen, was bedeutet, dass Cupertino fast sein komplettes Auslandsvermögen zurückholt, nämlich 245 Milliarden US-Dollar. Apple rühmt sich, dass es eine derart hohe Steuerzahlung in der Geschichte der USA noch nicht gegeben habe. Bisher wäre bei der Rückführung von Kapital der übliche Unternehmenssteuersatz von 35 Prozent fällig gewesen, nach der Steuerreform fallen nur noch 15,5 Prozent "Repatriierungssteuer" an.

Von den übrig gebliebenen 207 Milliarden US-Dollar will Apple nicht nur Dividenden und Aktienrückkäufe finanzieren und somit Anlegern einen Teil ihres Geldes zurückgeben, sondern vor allem in die Zukunft investieren. Wie Apple bekannt gibt, wolle man vor allem in drei Bereichen in den USA Geld ausgeben und Jobs schaffen. Zum einen werde man direkt bei Apple neue Stellen finanzieren, an lokale Zulieferer und Fertiger Aufträge vergeben und vor allem das Wachstum der App-Wirtschaft unterstützen. Schon jetzt sehe man sich als Urheber von zwei Millionen Arbeitsplätzen in den USA und werde zunächst 20.000 weitere schaffen. Teil des Investitionsprogramms werde auch ein neuer Technologiecampus sein. In den nächsten fünf Jahren will der Mac-Hersteller 350 Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft pumpen, in diesem Jahr werden es 55 Milliarden US-Dollar sein. Apple sei eine Erfolgsgeschichte, die sich so nur in den USA habe ereignen können, man sei stolz, nun etwas zurückgeben zu können, zitiert Apples Presseerklärung den CEO des Unternehmens Tim Cook.

Sonderbonus für alle Mitarbeiter

In Folge der Rückholung des Geldes in die USA verspricht Apple seinen Mitarbeitern weltweit einen Sonderbonus, berichtet Bloomberg unter Bezug auf informierte Quellen. Der Bonus besteht in eingeschränkt stimmberechtigten Aktien im Wert von 2500 US-Dollar und soll in den nächsten Monaten gewährt werden. Dieses sei ein Zeichen des Vertrauens in Apples Zukunft, erklärt Tim Cook in einer Mail an Bloomberg, Vollzeit- wie Teilzeitbeschäftigte seien für diese Sonderzahlung berechtigt. Jede Spende an gemeinnützige Organisationen seiner Mitarbeiter werde Apple zudem bis Ende des Jahres verdoppeln, bis zu einem Maximalbetrag von 10.000 US-Dollar.

Welche Standorte um Apples Gunst buhlen

Apple hat angekündigt, seinen zweiten Campus an einem anderen Standort als in Cupertino zu eröffnen. Schon schießen Spekulationen ins Kraut, wo denn der Mac-Hersteller sein künftiges Technologie-Support-Center bauen werde. Geek Wire spekuliert über den Standort Seattle, während der Atlanta Business Chronicle die Hauptstadt Georgias, eben Atlanta, ins Spiel bringt. Eine bereits bestehende Niederlassung außerhalb des Silicon Valley hat Apple bereits ausgebaut, sein Rechenzentrum in Reno, Nevada, will der iCloud-Betreiber in seiner Kapazität verdoppeln. Just gestern erschien Apple-CEO Tim Cook zur Eröffnung eines neuen Logistikzentrums Apples in der Innenstadt von Reno und ließ sich vom Gouverneur des Staates und der Bürgermeisterin der Stadt dafür loben, der von der vor acht Jahren eingesetzten Rezession besonders gebeutelten Region wieder neues Leben eingehaucht zu haben. So erfreulich das für den Norden Nevadas und den künftigen Standort des zweiten Campus auch ist, Apple kann nicht überall sein. Verloren gegangen Jobs etwa in der Automobilindustrie von Detroit oder im Bergbau in Kentucky kann und will der Mac-Hersteller nicht zurückbringen.

Update: Die Kehrseite der Medaille

Als "Apples doppelte Heuchelei" bezeichnet Spiegel Online Apples Ankündigung  38 Milliarden US-Dollar an den US-Fiskus zu bezahlen. Denn beruhe diese Maßnahme nicht auf Freiwilligkeit, Apple sei im Gegenteil vom Gesetzgeber dazu gezwungen. Dafür seien die Finanzbehörden Apple enorm entgegen gekommen, die letzte Rate der Steuerschuld sei erst in acht Jahren fällig. Solange könne Apple auch dieses Geld investieren, wobei der Konzern auf seine Investitionen in den USA weitere Steuererleichterungen erhalte. Wenn Apple großspurig ankündige, etwas "zurückgeben zu wollen", sei das bigott, denn  das Geld habe Apple über lange Jahre dem Fiskus vorenthalten. Auch einen anderen Aspekt sehen Steuerexperten in den gesetzlich verabschiedeten Maßnahmen. Da US-Unternehmen gezwungen werden, auch im Ausland erwirtschaftete Gewinne daheim zu versteuern, trockne das zwar Steueroasen aus, schade aber den Ökonomien der Länder, in denen Apple seine Profite erzielt. Denn speziell in der EU bliebe kein Steuergeld aus den Geschäften von US-Unternehmen mehr hängen. Die Nationalisierung der US-Wirtschaft schade also allen anderen Ländern.

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