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Apple-Care-Alternativen: Cancom, Gravis, Cyberport, Notebooksbilliger

20.06.2017 | 16:27 Uhr |

Apples Garantieverlängerungen Apple Care und Apple Care Plus sind teuer, Händler wie Gravis, Cancom und Notebookbilliger haben aber Alternativen im Angebot.

Apple Care und die iOS-Variante Apple Care Plus sind nicht gerade billig. Käufer eines iMacs zahlen 179 Euro für drei Jahre Garantie, für das Macbook Pro sind sogar 349 Euro zu berappen. Es gibt aber günstigere Alternativen zur Apple Garantie: Jeder größere Elektromarkt und viele Apple-Händler bieten neben Apple-Geräten auch Produktversicherungen an. Der Unterschied zu Apple Care ist eigentlich gar nicht so groß, ist doch auch Apple Care eigentlich eine Versicherung, hinter der der Konzern AIG steht.

Hat Apple Care Vorteile?

Fragt man Apple-Care-Kunden nach den Vorteilen von Apple Care oder Apple Care Plus , nennen viele iPhone-Nutzer den Expressaustausch. Apple hat hier zwar zuletzt die Bedingungen verschärft, noch immer aber bekommt man nach einem Unfall ein neuwertiges Gerät zugeschickt. Bei einem Ausfall erhält man das Ersatzgerät kostenlos, bei einem Unfallschaden ist eine Selbstbeteiligung von 99 Euro fällig. Zu Apple Care gehören außerdem drei Jahre Telefonsupport – der gelegentlich ein Problem direkt löst, falls es sich nur um ein Softwareproblem handelt. Seit Kurzem deckt Apple auch Akkus besser ab. Der Mac-Hersteller tauscht einen Macbook- oder iPhone-Akku aus, falls dessen Kapazität innerhalb der drei Jahre Vertragszeit auf weniger als 80 Prozent absinken sollte. Früher musste die Minderung schon mindestens 50 Prozent betragen. Kunden können nicht zuletzt bei der Reparatur im Apple Store gute Qualität erwarten. Mehr zu Apple Care erfahren Sie aber in diesem Beitrag .

Was man wissen sollte:

Eigentlich gibt es zwei Kategorien von Versicherungen: Die günstigste Version ist in der Regel ein Schutz gegen hohe Reparaturkosten. Das kann sehr sinnvoll sein. Bei einem Macbook Pro 15 Zoll etwa wird es richtig teuer, wenn außerhalb der Herstellergarantie die Grafikkarte ausfällt oder der Bildschirm plötzlich schwarz bleibt. Hier handelt es sich eigentlich eher um eine Garantieverlängerung, die bei einem Mac vor allem für das zweite und dritte Nutzungsjahr interessant ist. Gibt doch Apple nur ein Jahr Herstellergarantie und die zwei Jahre Gewährleistung sind nicht immer problemlos durchzusetzen. Bei der zweiten Art von Versicherung schützt man sich vor Schäden, ähnlich wie bei der Kaskoversicherung eines Autobesitzers. Vor allem beim teuren Macbook oder einem nagelneuen iPhone sorgt sich schließlich so mancher vor Gerätestürzen, plötzlichen Kaffee-Bädern und Taschendieben. Auch Apple bietet mit Apple Care Plus für seine iOS-Geräte eine solche erweiterte Garantie.

Handy-Versicherungen in der Kritik

Nicht ohne Grund haben Versicherungen für Elektrogeräte unter Verbraucherschützern einen miesen Ruf. Vor allem Versicherungen für Handys, oft wird hier Jamba genannt, werden von Verbraucherschützern oft kritisiert. Der Grund dafür sind hohe Gebühren und oft sehr weit gehende Ausschlussklauseln. So fassen Versicherungen „Fahrlässigkeit“ manchmal sehr weit – bei einem iPhone-Diebstahl gilt dafür manchmal schon der Transport in einer Umhängetasche. Laut Gerichtsurteil gilt es übrigen auch als fahrlässig, wenn man in einem Zug auf die Toilette geht und sein Notebook auf dem Tisch liegen lässt. Und jede Versicherung versucht als ersten Schritt festzustellen, ob jemand anders haftbar ist – etwa der Dieb, der Hersteller für einen Defekt oder die Haftpflichtversicherung eines Kaffee-Verschütters.

Angesichts hoher Kosten und eines hohen Eigenanteils bei einer iPhone-Reparatur käme der Kunde nebenbei oft billiger weg, wenn er Reparaturen selber zahlt. Unter Umständen gilt das ebenso für Apple Care Plus wie für Jamba-Versicherungen. Das hängt aber immer von den jeweiligen Reparaturen ab. So scheint sich nach Berichten Apple Care für die Apple Watch oft zu lohnen: Serviceleistungen außerhalb der Garantie kosten nämlich je nach Modell zwischen 241 und 291 Euro.

Um das Prüfen von Vertragsbedingungen wie Zeitwert, Ausschlüsse, Leistungsumfang und Selbstbehalt kommt man deshalb nicht herum. Nach unserer Meinung sollte man außerdem die Versicherung an seine Bedürfnisse anpassen. Ein Schutz vor Diebstahl und Bruch ist vor allem für eine mobil genutztes Macbook sinnvoll, bei einen iMac  genügt wohl eine günstige Erweiterung der Garantie – auf drei Jahre. Nicht vergessen sollte man, dass Schadensfälle oft durch andere Versicherungen bereits abgedeckt sind: Ein Diebstahl etwa über eine Hausratversicherung.

Angebote im Überblick

Cancom

Bekannt ist Cancom vor allem unter Freiberuflern und Firmenkunden, hier sind die Anforderungen an schnellen Support deutlich höher als bei Heimanwendern. Vorort-Service ist bei Apple-Händlern selten, gehört hier aber zum Angebot. Das Konzept ist allerdings komplex: Grundlage ist ein Cancom Care Vertrag , den man wahlweise als „Pick-up and Return“ oder „Vor-Ort“ buchen kann. Der Vorort-Besuch, bei dem ein Techniker das Gerät beim Kunden repariert, kostet natürlich mehr: Bei der Abholvariante zahlt man für einen iMac 75 Euro (ohne Mehrwertsteuer), bei einem Vorort-Service 99 Euro (ohne Mwst.). Möglich ist auch eine Versicherung über 60 Monate, etwa wenn man den Mac über fünf Jahre abschreiben oder leasen will.

Für Firmen und Freiberufler gibt es außerdem das Angebot „Productivity Plus“ für weitere 59 Euro für drei Jahre. Nutzer eines iMac oder Mac Pro können außerdem zusätzlich die Option "Quick Fit" wählen. Für 79 Euro Zusatzgebühr garantiert Cancom dann die Wiederherstellung innerhalb von 48 Stunden.

iPhone und iPad kann man ebenfalls vor teuren Reparaturen schützen, hier ist die Laufzeit allerdings wahlweise 24 oder 36 Monate. Wählen kann man zwischen den Verträgen "Cancom Care Complete" und "Cancom Care Complete Plus" - Letzterer schützt auch vor „eigenverschuldeten Beschädigungen“ und man bekommt am nächsten Tag ein Austauschgerät.

Gravis

Zwei verschiedene Garantieerweiterungen bietet Gravis an, den Hardwareschutz Standard und Hardwareschutz Pro . Bei der Standardversion erhält man Schutz „vor Konstruktions, Material- und Herstellungsfehlern“. Der Schutz greift also, wenn nach zwei Jahren Akku oder Grafikkarten plötzlich ausfallen. Verschleiß ist ausgenommen, bei einem Akkuproblem muss es sich um einen technischen Defekt “im Sinne der Definition des Herstellers handeln“ - also etwa ein plötzliches Aufblähen oder komplettes Versagen. Der Hardwareschutz ist nach unserer Meinung trotz mäßiger Abdeckung sinnvoll, vor allem für das dritte Jahr. Gilt doch die Apple-Garantie nur ein Jahr, die Gewährleistung des Händlers nur zwei Jahre. Für einen iMac zahlt man hier 90 Euro, ein Macbook 100 Euro und einen 15-Zöller 150 Euro.

Der Vorteil bei Gravis: Bei einem Schadensfall kann man das Gerät in eine der 42 Filialen bringen – bei einer nahen Filiale ein echter Vorteil. Leihgeräte gibt es ebenfalls: Ein Macbook kann man für 60 Euro mieten, ein iPhone für 20 Euro. Als Versicherung steckt übrigens Targo hinter den Verträgen.

Der Hardwareschutz Pro ist dagegen ein Kaskoschutz und schützt vor „Bedienungsfehlern, Elementarschäden, Brand und Überspannung". Schäden durch Flüssigkeit und Sturzschäden sind ebenfalls abgedeckt. Ausschlussgrund ist, wie üblich, grobe Fahrlässigkeit. Die Selbstbeteiligung liegt bei 50 Euro, je nach Schadensfall. Was uns auffiel: Ein Akku gilt erst als defekt, wenn die Leistung unter 50 Prozent abfällt. Bei Apple Care gelten schon weniger als 80 Prozent Kapazität als Schaden.

Versichern kann man neben Macs auch iOS-Geräte, hier ist allerdings die Laufzeit mit 24 Monaten weit kürzer und deckt genau genommen nur die Gewährleistungsfrist ab. Für 80 Euro erhält ein iPhone-7-Besitzer Hardwareschutz, der Kaskoschutz Hardwareschutz Pro kostet 150 Euro.

Auch hier muss man aber auf die Selbstbeteiligung achten, so wird „Im Falle von Ungeschicklichkeit des Versicherungsnehmers (z.B. Sturz, Bruch, Flüssigkeiten, Bedienungsfehler) oder Diebstahl, Einbruchdiebstahl, Raub wird bei mobilen Rechnern (bzw. sonstigen der Bauart nach tragbaren Computern) eine Selbstbeteiligung in Höhe von 25% vom Brutto-Verkaufspreis des Gerätes“ fällig.

Notebooksbilliger

Auch Notebooksbilliger hat eine Garantieverlängerung im Angebot, eine spezialisierte Elektronikversicherung von Schutzbrief 24. Zielgruppe sind Privatkunden, man kann sie aber auch für gewerblich genutzte Geräte abschließen. Hinter Schutzbrief 24 steht übrigens die Axa, versichert werden Geräte mit einem bestimmten Betrag und für 24 Monate – die 24 Monate beginnen erst nach Ablauf der Herstellergarantie, es wird also das zweite und dritte Nutzungsjahr versichert. Bei einem Gerätewert mit dem Kaufpreis von 2500 bis 3000 Euro beträgt die Einmalprämie 169 Euro, bei einem Betrag von 1000 bis 1500 Euro sind es 70 Euro. Es geht hier um reine Reparaturkosten, die Versicherung schützt vor „Konstruktionsfehler, Guss- und Materialfehler, Berechnungs-, Werkstätten- oder Montagefehler.“ Kostenfrei repariert Notebooksbilliger das Gerät, stellt ein gleichwertiges Gerät bereit oder ermittelt den Zeitwert.

Für teure Smartphones gibt es auch bei Notebookbilliger einen Kaskoschutz, den Schutzbrief 2 Jahre . Im Unterschied zum Schutzbrief 24 schützt er zwei Jahre gegen Sturzschäden und Flüssigkeitsschaden. Der Selbstbehalt liegt bei 20 Prozent. Ungünstig:  Kostet ein Gerät über 1000 Euro, wird eine Prämie von 120 Euro fällig, kostet es knapp unter 1000 Euro nur 90 Euro.

Cyberport

Bestellt man über den Shop von Cyberport ein Macbook Pro, wird einem ein Apple-Care-Vertrag angeboten - mit 280 Euro übrigens deutlich günstiger als bei Apple. Alternativ bietet Cyberport aber eine Versicherung an. Der „Cyberport Apple Extra-Schutz 36 Monate (2000 bis 3000 Euro)“ kostet ohne Diebstahlschutz 160 Euro, inklusive Diebstahlschutz 256 Euro. Im Unterschied zu Notebooksbilliger beginnt die Versicherung ab Kauf. Geschützt ist man damit vor Sturz- und Fallschäden, Flüssigkeitsschäden und Schäden durch Dritte. Bei Beschädigungen liegt der Selbstbehalt bei guten 10 Prozent, bei Eigentumsdelikten bei 25 Prozent. Günstiger ist auch hier eine reine Garantieverlängerung, die „Cyberport Extra-Garantie 24 Monate“ - hier beginnt die Garantie nach Ablauf der Apple-Garantie. Für ein Macbook Pro (2000 bis 3000 Euro) zahlt man ähnlich wie bei Notebooksbilliger 130 Euro.

Fazit: Völlig überzeugend finden wir weder die Angebote von Apple noch die Alternativangebote. Vor allem die Kasko-Versicherungen sind dank hoher Selbstbeteiligungen und vieler Ausschlussklauseln hochproblematisch. Was kann man empfehlen? Sinnvoll finden wir Reparaturversicherungen für teure und anfällige Macs: Bei einem teuren Macbook Pro 15 Zoll fiel in den früheren Generationen etwa öfter mal die Grafikkarte aus, was kostspielige Reparaturen nach sich zieht. Bei einem preiswerten iPhone SE, das auch günstig zu reparieren ist, rentiert sich eine Versicherung wohl nur im Einzelfall. Bei einem iPhone 7 Plus ist dagegen Apple Care Plus keine schlechte Wahl .

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