2249427

Apple gerät beim Thema Smart Home ins Hintertreffen

30.01.2017 | 14:40 Uhr |

Entwickler berichten über Einschränkungen bei der Produktion und Zertifizierung von Homekit-Geräten.

Mit Homekit bietet Apple eine Plattform für so genannte Smart Home-Geräte wie automatisch sich anpassende Thermostate, steuerbare Lampen und andere nützliche Geräte für das intelligente Heim. Aktuell scheint Apple gegenüber seinen Konkurrenten Google und Amazon aber etwas ins Hintertreffen geraten zu sein. Als größter Rivale gilt in den USA Amazons Lösung echo , ein über den Sprachassistenten Alexa steuerbares Lautsprechersystem. Mit so genannten Skills kann das Gerät nicht nur Musik abspielen und bei Amazon Produkte bestellen, mittlerweile steuert es auch etwa 250 Geräte: Per Sprachbefehl kann man sein Auto von BMW abschließen oder Hue-Lampen steuern. Für das Jahresende hatte Apple ein Angebot an über hundert Homekit-Geräten versprochen, was Cupertino nach unserer Zählung aber nicht ganz geschafft hat. Noch schlechter sieht es auf dem deutschen Markt aus. Offensichtlich ist Amazon hier etwas schneller und konnte auch den Konkurrenten Google mit seinen Nest-Produkten abhängen.

Ein Artikel bei Reuters liefert Hinweise, woran dies liegen könnte. Will ein Hersteller ein Produkt mit Amazons Alexa-Plattform kompatibel machen, muss er nur Softwarecode an Amazon schicken , für das optionale Label „Works with Alexa“ ist ein Gerätetest erforderlich. Weit ausführlicher sind die Vorgaben von Apple: Jedes Homekit-Produkt soll einen speziellen Chip nutzen, der zwischen 50 Cent und 2 US-Dollar kostet und bestimmte Wi-Fi- und Bluetooth-Chips verwenden. Laut Reuters darf ein Produkt außerdem  nur in einer von Apple zertifizierten Fertigungsanlage hergestellt werden – oder muss diese von Apple zertifizieren lassen. Dabei handelt es sich aktuell um 800 Hersteller, die aber nur im seltenen Falle auf Produkte für das Smart Home spezialisiert sind. Für die Entwickler eines neuen Produktes eine große Einschränkung, die auch die Kosten stark erhöhen kann. So konnte ein Startup, das eine intelligente Lampe produzieren wollte, nicht den gewünschten Hersteller nehmen. Produkte muss man außerdem von Apple testen lassen, was drei bis fünf Monate dauern könne. Einige Entwickler sehen diese ausführlichen Tests aber auch positiv. So würde ein fehlerfreies Produkt schließlich auch die Marktchancen erhöhen.

Apples starke Einschränkungen hätten positive Effekte, so können sich die Käufer eines Homekit-Produkte auf einfache Konfiguration und hohe Produktsicherheit verlassen. Im Unterschied zu anderen Produkten setzt Apple schließlich auf Geräte ohne Internetanbindung, was Angriffe von Hackern oder Datenspionen verhindern soll. So machte etwa das Protokoll Zigbee durch eklatante Sicherheitsmängel auf sich aufmerksam. Ob sich Apple mit diesem Konzept aber ohne Probleme gegen Amazon und Google durchsetzen wird, erscheint ungewiss.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2249427