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Apple hat ein Team aus Ex-NSA-Agenten gegen Leakers

21.06.2017 | 09:34 Uhr |

Aus der Sicht von Apple stellen Leaks ein unglaublich hohes Risiko dar: Der Überraschungseffekt geht bei den Apple-Keynotes verloren und die Konkurrenz weiß bereits im Vorfeld, was Apple auf den Markt bringen wird. Für die Presse sind diese Leaks natürlich ein gefundenes Fressen. Und wie es der Teufel so will, wurde in genau so einem Leak nun verraten, welche Maßnahmen Apple gegen eben solche ergreift.

Vor kurzem erst berichteten wir darüber , welche Sicherheitsmaßnahmen Apple bei der Geheimhaltung des Projektes „iPhone“ Anfang der 2000er Jahre ergriff und dabei glatt aus einem Hollywood-Streifen hätten stammen können. "The Outline" berichtet nun über ein Sicherheits-Briefing von Apple, das weitere, fast schon unglaubliche Maßnahmen im Kampf gegen vorzeitige Veröffentlichung von Informationen – auch Leaks genannt – seitens der Presse offenbarte. Die Ironie hätte dabei nicht großartiger sein können, denn genau dieses Sicherheitstreffen sollte eigentlich geheim bleiben.

Demnach hat jemand das Briefing mitgeschnitten und zeigt somit, wie Apple seine Mitarbeiter im Kampf gegen die Leaks schult. Das stundenlange Treffen war das erste von vielen weiteren geplanten und wurde von den drei hochrangigen Sicherheitsdirektoren David Rice, Lee Freedman und Jenny Hubbert mit dem Ziel geführt, etwa 100 Mitarbeitern zu erklären, wie zukünftig noch weniger Informationen ungewollt an die Außenwelt gelangen.

Angestellte von NSA, FBI und US-Militär

Zu diesem Zweck beschäftigt Apple eine geheime Anzahl an Ermittlern auf der ganzen Welt, um zu verhindern, dass brisante Informationen an Konkurrenten, Fälscher und die Presse gelangen – und die letztendlich auch die Lücke in den eigenen Reihen schließen. Manche dieser Ermittler haben in der Vergangenheit bei US-Sicherheitsbehörden, wie der NSA, oder Ermittlungsbehörden, wie dem FBI, gearbeitet. Dazu kommen ehemalige Mitarbeiter aus dem Secret Service und dem US-Militär.

Während des Treffens bekamen die Mitarbeiter Videos zu sehen, in denen unter anderem Tim Cook zu sehen war, wie er neue Produkte auf Apple-Keynotes vorstellte. In einem der ersten Videos sagte ein Apple-Mitarbeiter: „Wenn ich in der Presse über einen Leak lese, dreht sich mir der Magen um. Es macht mich einfach krank.“ Ein anderer Mitarbeiter soll gesagt haben: „Wenn Sie diese Informationen verraten, dann ist das ein Verrat an uns allen. Es ist unser Unternehmen, der Ruf unseres Unternehmens und die ganze harte Arbeit von vielen verschiedenen Teams.“

Die Sicherheit und Wahrung der Informationen sollen vor allem für Apple-CEO, Tim Cook, zu einem wichtigen Punkt seiner Agenda-Liste geworden sein, so Greg Joswiak, Apples Vice President of iPod, iPhone and iOS Product Marketing. „Tatsächlich sollte es für jeden einzelnen Mitarbeiter bei Apple wichtig sein, dass wir so etwas nicht länger tolerieren. Ich habe sehr großes Vertrauten darin, dass wenn wir schlaue Mitarbeiter einstellen, sie darüber nachdenken und verstehen werden und schließlich das Richtige tun werden und ihre Lippen versiegelt bleiben.“

Undichte Stellen in China und in Cupertino

Besonderen Fokus legt das Apple Sicherheits-Team zudem auf die Produktionsketten. Historisch betrachtet, ergaben sich die meisten Leaks, wenn bestimmte Bauteile aus den Fabriken in China gestohlen wurden. So veröffentlichte die Presse im Jahr 2012  beispielsweise noch vor der offiziellen Keynote Fotos vom iPhone 5. Dieses Problem gehört jedoch laut Apples Sicherheitsteam der Vergangenheit an. Demnach hat Apple die Anzahl der Leaks, welche aus den Produktionsfabriken stammen, so stark verringern können, dass mittlerweile sogar mehr Leaks über den eigenen Apple Campus in Kalifornien erfolgen. Insgesamt gelangen im letzten Jahr mehr Informationen über den Campus nach draußen, als in allen Produktionsketten zusammen, von 2014 bis 2016 habe man die Leaks aus der Produktionskette um 99 Prozent verringern können.

Dabei musste Apple die durchaus kreativen Methoden innerhalb der Sicherheitslücken ausfindig machen. So sollen Angestellte in den Fabrikhallen bestimmte Bauteile – zwischen ihren Haaren oder unter ihrer Kleidung versteckt – nach draußen versucht geschmuggelt zu haben. Die Versuchung war aber auch groß: Leaker boten den Arbeitern hohe Summen, die oft einem Jahresgehalt entsprachen. Apple habe auch selbst zehntausend von nach draußen geschmuggelten Gehäusen auf dem Schwarzmarkt aufgekauft und somit die Lücken gestopft.

Erste Ergebnisse

Seitdem Apple die Sicherheitsmaßnahmen verdoppelt hat, konnte das Ermittler-Team Rekordarbeit leisten: „2014 wurden 387 Gehäuse gestohlen. 2015 waren es 57, davon wurden 50 in der Nacht der Keynote gestohlen, was besonders hart war.“ 2016 sollen laut Sicherheitsdirektor Rice insgesamt 65 Millionen Gehäuse produziert worden sein, von denen gerade einmal vier gestohlen wurden.

Dass diese Maßnahmen nun erste Früchte tragen, zeigte sich bereits bei der letzten WWDC 2017. Es wurde viel über ein Konkurrenzprodukt zu Amazon Echo spekuliert, handfeste Beweise für ein solches Gerät – oder gar geleakte Fotos – konnte die Presse jedoch nicht vor der Keynote veröffentlichen. Es bleibt daher abzuwarten, ob Apple seine Sicherheitsmaßnahmen auch bist zur Vorstellung des nächsten iPhones aufrechterhalten kann.

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