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Apple in China: Milliardenverluste durch Garantie-Betrug

10.10.2018 | 12:51 Uhr |

Durch organisierten Betrug bei Garantie-Reparaturen sollen Apple Stores in China Miliarden verloren haben – ein Problem auch für Schnäppchenjäger.

Noch vor wenigen Jahren war es üblich, dass man mit einem defekten iPhone in einen Apple Store kam und ihn mit einem Ersatzgerät verließ – zumindest innerhalb der Ein-Jahres-Garantie. In China kostete Apple diese anerkennenswerte Geschäftspolitik offenbar jedes Jahr Milliarden, wie "The Information" in einem längeren Report berichtet (kostenpflichtig): Pro Woche gab es laut Bericht im Mai 2013 über zweitausend Garantie-Fälle, mehr als in jedem anderen Store weltweit. Grund dafür waren aber offenbar keine Qualitätsprobleme, sondern kriminelle Banden. Die offenbar vom organisierten Verbrechen in China angeheuerten "Kunden" erschienen in den Apple Stores mit gestohlenen oder aufgekauften iPhones, die zuvor oft bereits ausgeschlachtet und verwertet worden waren – vermutlich in dem nahen Elektronikmarkt Huaqiangbei. Möglich ist dies durch eine hohe Nachfrage nach gebrauchten iPhones und günstige „ Frankenphones “ sind sehr verbreitet. Die funktionierenden Einzelteile werden weiterverkauft oder zu neuen „refurbished“ iPhones zusammengesetzt, die alten iPhones vor der Abgabe im Apple Store dann mit Ersatzdisplays oder defekten Akkus versehen – manchmal nicht mal das. Mehr als 60 Prozent aller Reparaturen in China sollen 2013 laut dem Artikel betrügerischer Natur gewesen sein. So hatte Apple 2013 für Reparaturen eigentlich einen Betrag von 1,6 Milliarden vorgesehen, die Kosten beliefen sich aber dann auf 3,7 Milliarden. Dass es sich nicht um reguläre Reparaturen handelte, zeigten die Registrierungen der neuen Geräte: Statt auf den Account des alten iPhones wurden laut internen Beobachtungen von Apple 60 Prozent mit einer neuen Apple ID versehen – also weitergegeben.

Um dies zu bekämpfen führte Apple ein Reservierungssystem ein, um die Besitzverhältnisse zu überprüfen. Allerdings wurde das System sehr bald von Hackern angegriffen. Angestellte in den Apple Stores wurden bestochen, bedroht und Kundendaten von Hackern gestohlen – was wohl auch zeigt, dass es sich nicht um einzelne Amateure handelte. Es entwickelte sich ein Katz-und-Maus-Spiel: So führte Apple Diagnosesoftware ein, die iPhones auf gefälschte Bauteile prüfte und die Betrüger gaben daraufhin nur noch nicht mehr startfähige Geräte ab, wie ehemalige Angestellte "The Information" berichteten. Erst 2016 hatte Apple erste Erfolge bei der Eindämmung, so werden Geräte vor dem Austausch jetzt in Reparaturzentren geprüft und es gibt eine stärkere Kontrolle der Hersteller von Komponenten sowie Markierungen für die Identifizierung von Akkus und CPUs. Offenbar mit Erfolg, 2017 sind die Ausgaben für Reparaturen erstmals leicht gefallen und laut Bericht sollen nur noch etwa 20 Prozent der Garantiefällen Betrugsfälle sein. Angeblich sollen aber Garantie-Betrugsfälle jetzt verstärkt in andere Ländern auftauchen, etwa in VAE und der Türkei.

Empfehlung : In den letzten Jahren ist aufgefallen, dass Apple bei Garantiereparaturen weniger kulant geworden ist. Vermutlich sind einfach zu viele Betrügereien passiert, die nun unbescholtene Kunden ausbaden müssen. Nicht vergessen sollte man als Kunde außerdem die andere Seite der Verwertungskette: So erscheinen auf Ebay ja immer öfter „neuwertige“ iPhones, die neu aussehen aber mit einem Billig-Akku oder Austausch-Bildschirm ausgestattet wurden .

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