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Apple in Europa: 1,7 Mio. Jobs, 20 Mrd. für Entwickler

15.06.2018 | 08:34 Uhr | Stephan Wiesend

Apple hat Zahlen vorgelegt, nach denen allein der App Store 1,7 Millionen Arbeitsplätze geschaffen hat.

US-Konzerne werden in Europa nicht nur positiv gesehen, Apple hat aber immer wieder betont, dass der Verkauf von iPhones und Apps in Europa neue Arbeitsplätze schafft. Mit geradezu einer Flut an Geschäftszahlen will dies jetzt Apple noch einmal bestätigen. Wie auf der neuen Seite apple.com/de/job-creation nachzulesen, habe Apple in Europa nämlich stolze 1 760 000 Arbeitsplätze geschaffen. Davon sind zwar nur 22 000 Mitarbeiter bei Apple selbst angestellt, zumeist im Apple Store. Weitere 170 000 Arbeitsplätze garantieren aber Aufträge von Apple an 4300 europäische Zulieferer und Auftragsfirmen, Einzelhandel, Gebäudemanagement oder auch Logistik. Laut Apple erhielten diese allein im letzten Jahr Aufträge im Wert von 10 Milliarden. Die größte Anzahl der europäischen Zulieferer sitzt in Deutschland, zu den 767 Firmen gehören, Apple nennt etwa die Firmen Sedak und Dula.

Das größte Aufgebot stellt nach Rechnung von Apple aber die große Schar der App-Entwickler in Europa, auch App Economy genannt. Hier hat Apple erstmals interessante Daten veröffentlicht: Laut der Studie sind dank den App Store seit 2008 etwa 1 570 000 Arbeitsplätze entstanden. Seit 2008 gingen bereits Zahlungen von 20 Milliarden Euro an europäische Entwickler, ein Markt der in den letzten Jahren um 28 Prozent gewachsen ist. Interessant ist bei Apples Zahlen die Verteilung der App-Entwickler: Mit 291 000 Entwicklern ist England der größte Markt, Deutschland mit 262 000 Entwicklern auf Platz zwei und Frankreich mit 220 000 Entwicklern auf dem dritten Rang. Auffällig: 92 Prozent der Umsätze der europäischen Entwickler kommen aus dem Ausland. Besonders viele App-Entwickler gibt es in den drei Städten Paris, Amsterdam und London mit jeweils knapp 100 000 Arbeitsplätzen, in Deutschland sind vor allem Berlin (71 000) und München (56 000) die Zentren. Aber auch Köln/Düssledorf (26 000), Stuttgard (22000), Hamburg (20000) und Frankfurt (19 000) sind wichtige Drehscheiben. Über eine Millarde Euro sollen laut Apple deutsche Entwickler über den App Store verdient haben.

Apple ist aber auch bemüht, die Entwickler zu unterstützen und arbeitet mit Schulen und Universitäten zusammen, seit 2016 gibt es außerdem in Neapel die erste iOS Developer Academy

Apples Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen, die Zahlen der Zulieferer basieren auf so genannten Typ-1-Beschäftigungsmultiplikatoren des US Bureau of Economic Analysis, die App-Economy-Arbeitsplätze basieren auf einer Studie von Michael Mandel „The App Economy in Europe“ von April 2018.

Unsere Meinung:

Im Zusammenhang mit der Steuernachzahlung in Irland hat Apples Ruf gelitten, Tim Cook hat aber immer wieder betont, dass das Unternehmen nicht nur Geräte verkauft, sondern auch Arbeitsplätze in Europa schafft. Das ist sicher richtig, ist doch auch Europa  wichtiger Zulieferer von Apple – viel Wertschöpfung findet schließlich bei Lieferung durch DHL und Verkauf beim Mediamarkt oder Gravis statt.

Etwas problematischer finden wir allerdings die Zahlen zur App Economy, hier tritt ja Apple weniger als „Einkäufer“ denn als Vermittler zwischen App-Entwickler und App-Käufer auf. Laut einer älteren Studie arbeiten App Entwickler außerdem meist gleichzeitig für das iOS und das Android-System. Angesichts von 300 000 Entwicklern erscheinen Einnahmen von einer Milliarde etwas knapp. In der Praxis erhalten aber viele Entwickler ihren Lohn ja nicht über Apple sondern einen Auftraggeber – beispielsweise von Ikea, Amazon, Telekom oder Springer. Und ohne iPhone gäbe es nun mal keine Ikea-App...

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