2343543

Apple Leaks: Warum Wirtschaftsmagazine hinter Gerüchten her sind

16.04.2018 | 13:43 Uhr |

29 Leaker hat Apple im letzten Jahr erwischt, wie ein an Bloomberg durchgesickertes Memo berichtet.

Dass Apple kein Verständnis für plapperhafte Mitarbeiter hat, ist nicht neu. Schon seit den Anfängen wacht Apple mit rigide vorgehenden Sicherheitsleuten und Spezialfirmen wie Global Security vor so genannten „Leaks“ . Trotz steigender Sicherheitsbemühungen sind in den letzten Jahren aber auffallend viele Informationen über neue Produkte durchgesickert. Dabei ist Apple in diesem Spiel kein Anfänger und geht mit den erwischten Mitarbeitern hart um: Wie ein sofort an Bloomberg durchgesickertes Memo berichtet, hat Apple im letzten Jahr gleich 29 Firmenangehörige erwischt. Das im internen Firmenblog veröffentlichte Memo soll ausdrücklich vor der Weitergabe von Informationen warnen und hebt vor allem die Konsequenzen hervor: 12 dieser Mitarbeiter hätte Apple sogar festnehmen lassen, also vermutlich angezeigt. Diese Mitarbeiter würden nicht nur entlassen, bei der Suche nach einer neuen Stelle würden sie große Probleme bekommen. Denkbare Gründe für die Anzeige wären nach unserer Einschätzung etwa Diebstahl und Einbruch in ein IT-System.

Es ist aber kein Zufall, dass dieses interne Memo sofort in die Hände des Bloomberg-Journalisten Mark Gurman gelangte und sofort veröffentlicht wurde. Der Kampf um Informationen über Apple-Produkte ist in den letzten Jahren offensichtlich härter geworden. Nach unserer Meinung wohl auch aus einem finanziellen Grund: Jedes Gerücht über Apple-Produkte sorgt nicht nur für Werbeeinnahmen und journalistischen Ruhm, es bringt sofort den Kurs der Aktie AAPL in Bewegung und kann sogar den ganzen Smartphone-Markt beeinflussen. So sollen die Leaks vor Einführung des iPhone X  die Begeisterung stark gedämpft haben, wie etwa die Bank Oppenheimer vermutet. So ist es nicht zufällig immer wieder der Finanznachrichtendienst Bloomberg, der über Verzögerungen bei der iOS-Entwicklung berichtete, oder Pläne über ein iPad mit Gesichtserkennung.

Noch vor wenigen Jahren waren es eher kleine Blogs wie die längst eingestellte Webseite "Think Secret", die Gerüchte über Apple-Produkte veröffentlichten. Es ist eigentlich üblich, dass Apple-Mitarbeiter „off the records“ Details zu kommenden Produkten verraten. Vertrauliche Gespräche zwischen Firmenangehörigen und Fachjournalisten sind keine Seltenheit. Handelte es sich dabei um einen Journalisten eines IT-Magazins wie Macworld oder Macwelt, konnte sich der Apple-Mitarbeiter auf dessen Verschwiegenheit verlassen – im Interesse beider Seiten. In den letzten Jahren ist aber Apple nicht nur ein Börsengigant geworden, Apple ist auch in den Fokus von Nachrichtenquellen wie Bloomberg geraten, die weit weniger Skrupel bei dem Bruch von NDAs oder dem gezielten Aushorchen von Apple-Mitarbeitern haben. Vor allem Bloomberg-Journalisten gelten dabei als besonders aggressiv, erhalten diese doch sogar einen Bonus, wenn ihre Nachricht einen Aktienkurs verändert .

Schließlich verdient das äußerst verschwiegene Unternehmen sein Geld nicht mit Werbeeinnahmen, sondern dem exklusiven Vorabzugang zu Finanzdaten – dem pro Jahr 20 000 Dollar teuren Bloomberg Terminal. Aber auch der für Apple Leaks bekannte Journalist Ming-Chi Kuo ist ja kein Blogger, sondern Analyst des Unternehmens KGI Securities, der kostenpflichtige Vorab-Berichte veröffentlicht. Die breite Masse der Mac-Nachrichtenseiten erreichen diese Informationen ja immer erst etwas später.

Die Kontaktaufnahme scheint übrigens vor allem durch soziale Medien zu erfolgen.  So klingt es fast schon wie ein elterlicher Rat, wenn Apple im Memo seine Mitarbeiter warnt, sie sollten misstrauisch sein, wenn sie von Journalisten und Analysten per LinkedIn, Twitter oder Facebook kontaktiert.  „While it may seem flattering to be approached, it’s important to remember that you’re getting played.“ Im Memo versucht Apple Vorstand Greg Joswiak deshalb auch an das Gewissen der Mitarbeiter zu appellieren.  Jeder ist schließlich bei Apple, um sein Bestes zu geben und nur durch Verschwiegenheit könnte man diese Beiträge ehren.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt, den man nicht vergessen sollte. Laut Steve Troughton-Smith gäbe es eigentlich nur zwei Gründe, warum Firmenangehörige Interna ausplaudern: Mitarbeiter, die so von ihrer Arbeit begeistert sind, dass sie unbedingt davon erzählen wolle und unzufriedene Mitarbeiter, die sich rächen wollen. Neben schärferen Sicherheitskontrollen könnte ja vielleicht auch ein besseres „Betriebsklima“ dafür sorgen, dass zu viele Interna verraten werden. Zumindest derjenige, der das Memo an Bloomberg weitergeleitet hat, war sicher kein zufriedener Mitarbeiter.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

2343543