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Apple: Neues Rekordquartal, zurückhaltende Aussichten

02.11.2018 | 06:26 Uhr |

Apple verdient so gut wie nie zuvor, die Börse straft aber zurückhaltende Prognosen ab. Ab dem nächsten Quartal wird Apple keine Stückzahlen für das iPhone mehr nennen.

Apple hat für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2017/18 ein weiteres Rekordquartal vorgelegt, mit seinem Ausblick auf das erste Quartal 2018/19 Wall Street aber enttäuscht. Für das Septemberquartal bilanzierte Apple einen Umsatz von 62,9 Milliarden US-Dollar, was einen Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Gewinn pro verwässerter Aktie stieg gar um 41 Prozent auf 2,41 US-Dollar. Das gesamte Nettoeinkommen beträgt für das Quartal 14,125 Milliarden US-Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr hat Apple 101,839 Milliarden US-Dollar eingenommen und dabei einen Nettogewinn von 59,531 Milliarden US-Dollar mitgenommen. Vor einem Jahr waren das noch 88,186 Milliarden US-Dollar Umsatz und 48,351 Milliarden US-Dollar Nettogewinn.

Außerhalb der USA hat Apple im vierten Quartal 61 Prozent seiner Umsätze eingefahren, besonders in Asien waren diesmal die Zuwächse stark, 34 Prozent in Japan und 22 Prozent im Rest des Wirtschaftsraumes.

Eindrucksvolle Zahlen - und dennoch fiel der Aktienkurs des Unternehmens nachbörslich um sieben Prozent, womit der Börsenwert wieder unter die Bilionenmarke fiel – Apple bleibt aber wertvollstes Unternehmen, mit großem Abstand vor Microsoft und Amazon. Denn für das angelaufene Quartal gibt Apples Finanzchef einen Umsatzhorizont von 89 bis 93 Milliarden US-Dollar vor. Das ist mehr als die 87 Milliarden US-Dollar aus dem Weihnachtsgeschäft 2017, aber weniger als die Wall-Street-Erwartungen von 98 Milliarden US-Dollar. Es ist nicht das erste Mal, dass Apples Aktienkurs nach Bekanntgabe einer Rekordbilanz fällt, weil das Unternehmen zeitgleich nur vorsichtige Aussichten für den nächsten Dreimonatszeitraum gibt, die dann meist deutlich übertroffen werden.

Kaum mehr iPhone verkauft - deutlich mehr Umsatz

Im Berichtszeitraum hatte Apple 46,89 Millionen iPhones verkauft, kaum mehr als die 46,7 Millionen Geräte des Vorjahres. Das iPhone XR, das nach Ansicht der Analysten zum Kassenschlager werden dürfte, ging in die Bilanz noch gar nicht ein, dafür die neuen Modelle iPhone XS und iPhone XS Max. im Vorjahr war es umgekehrt, iPhone 8 und 8 Plus konnte Apple noch vor Ende September herausbringen, das teurere iPhone X folgte im November.  Entscheidend ist aber der Umsatz, den Apple in der Sparte macht - und dieser ist deutlich gestiegen, von 28,846 Milliarden US-Dollar auf 37,185 Milliarden US-Dollar, der Umsatz pro Gerät stieg also von 618 auf 793 US-Dollar. Wenn das etwas günstigere iPhone XR merklich in die Bilanz eingeht, wird dieser Wert aber wieder fallen.

Wie viele Geräte von jedem Modell Apple verkauft hat, sagt das Unternehmen nicht - und in Zukunft wird man auch gar nicht mehr die Stückzahl erfahren. Finanzchef Luca Maestri begründet dies damit, dass diese Kennzahl den aktuellen Stand der Geschäfte nicht wiedergebe. Schon ab dem nächste Quartal muss man sich also mit dem Umsatz allein begnügen und kann die Geräteanzahl nur noch mehr abschätzen.

iPad schwach, Mac stärker als erwartet, Services und andere legen deutlich zu

Weniger Umsatz hat Apple in der iPad-Sparte gemacht, dieser fiel von 4,8 Milliarden im Vorjahr auf 4,01 Milliarden im September 2018. Die Verkäufe fielen von 10,3 auf 9,7 Millionen Stück. Im Berichtszeitraum hatte es jedoch keine neuen iPads gegeben, das iPad 6 war schon Ende März herausgekommen, die neuen iPad Pro hat Apple erst in dieser Woche vorgestellt. Vor einem Jahr waren die iPad Pro 10,5 und 12,9 aber noch relativ neu.

Der Mac legt beim Umsatz zu, von 7,17 auf 7,41 Millionen US-Dollar, die Verkäufe sinken leicht um zwei Prozent auf 5,3 Millionen Stück.

Das Services-Geschäft hat gegenüber dem Vorjahr um beeindruckende 17 Prozent zugelegt, die 9,98 Milliarden US-Dollar Umsatz verfehlen die Wall-Street-Erwartungen von 10,2 Milliarden US-Dollar aber knapp. In die Services gehen unter anderem Apple-Music-Abos und App-Verkäufe ein. Auch einen starken Zuwachs erlebten die "anderen" Verkäufe, von 3,2 auf 4,23 Milliarden US-Dollar. Die Apple Watch hat dabei sicher wesentlichen Anteil, Apple nennt dafür aber seit jeher keine konkreten Zahlen, ebensowenig für Homepod und Airpods.

Was Apples Bilanz für das Q4 bedeutet - Analyse von Jason Snell

Die Zahlen lügen nicht: Apple legt ein weiteres Rekordquartal als Teil eines Rekord-Geschäftsjahres vor. Der Umsatz betrug fast 63 Milliarden Dollar, der Gewinn mehr als 14 Milliarden Dollar, und für das Jahr erzielte Apple 265 Milliarden Dollar Umsatz und fast 60 Milliarden Dollar Gewinn. Es ist das achte Quartal in Folge des Umsatzwachstums des Unternehmens, und dieses Wachstum hat sich in jedem dieser Quartale beschleunigt. Apple ist ein gesundes Unternehmen; ein gesünderes könnte man nicht finden, wenn man es noch so sehr versucht.

Ja, die Apple-Aktie ist unter Druck geraten, weil Apple Aussicht auf den Geldbetrag, den das Unternehmen im laufenden Quartal zu verdienen erwartet - tatsächlich leicht unter dem liegt, was die Analysten der Wall Street erwartet haben. Fürs Protokoll, der Umsatz, den Apple auf zwischen 89 und 93 Milliarden Dollar geschätzt hat wäre der höchste Umsatz, den Apple je in einem Quartal erzielt hat, das Wachstum läge irgendwo zwischen 1 und 5 Prozent. Mit anderen Worten: Bereiten Sie sich für Ende Januar oder Anfang Februar 2019 auf ein weiteres Apple-Rekordquartal vor.

Aber wie immer lohnt es sich, zwischen den Zeilen der von der US-Börsenaufsicht zur Offenlegung vorgeschriebenen Tabellen zu lesen und auf die Besonderheiten der rituellen Telefonkonferenz des Unternehmens mit Finanzanalysten zu hören, um zu erkennen, was das Unternehmen plant. Hier sind ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind.

iPhone-Verkäufe rückläufig

Einer der Gründe, warum Apple für das nächste Quartal ein langsameres Umsatzwachstum als in den Vorquartalen prognostiziert, ist die einfache Tatsache, dass seine Strategie zur Veröffentlichung der iPhones völlig konträr zur Strategie vom letzten Jahr ist. Damals wurden die günstigsten Modelle (iPhone 8 und 8 Plus) Monate vor dem teureren iPhone X ausgeliefert. In diesem Jahr ist das Gegenteil der Fall, denn das iPhone XS und XS Max kamen gegen Ende des Quartals in den Handel, das iPhone XR ist erst seit einer Woche erhältlich.

Die Folge: Während des Weihnachtsgeschäfts  im vergangenen Jahr rollte die erste Welle der Verkäufe des iPhone X, während dieses Jahr iPhone XS und XS Max ihren ersten Schwung schon im Septemberquartal erlebten. Das versucht man Analysten als einen "harten Vergleich" zu verkaufen: Das ist die Formulierung von Apple CFO Luca Maestri, als ihn in der Telefonkonferenz die Analystin Shannon Cross nach der Umsatzprognose für das Q1 2018/19 fragte.

Tim Cook schätzt China und die globale Wirtschaft

Wenn Sie Tim Cook in den letzten Jahren zugehört haben, wissen Sie, dass er bezüglich Apples Zukunft in China schwer optimistisch war und es auch bleibt. Auf die Frage von Analyst Wamsi Mohan am Donnerstag, ob Apple eine Verlangsamung des Wachstums  in einigen Schwellenländern sehe, machte Cook Währungsprobleme in einigen Ländern dafür verantwortlich, in denen  Apple sich gezwungen sah, die Preise  zu erhöhen ,was den Umsatz beeinträchtigte: Konkret in der Türkei,  in Indien, Brasilien und Russland war das der Fall.

Aber Cook ging es vorrangig darum, China aus diesem negativen Bild auszuschließen. "Unser Geschäft in China war im letzten Quartal sehr stark – wir sind um 16 Prozent gewachsen", sagte er und verwies auf das starke Wachstum des iPhone.

Als dunkle Wolken hängen über dem China-Geschäft aber die Folgen eines eskalierenden Zollstreits und anderen Aspekten eines Handelskrieges, der Apple massiv schaden könnte, da es viele seiner Geräte in China montieren lässt – und auch viele Produkte dort verkauft. Analystin Katy Huberty fragte Cook, ob er Pläne zur Diversifizierung der Lieferkette von Apple habe, vermutlich um dem Unternehmen eine Absicherung der Produktion zu bieten, falls sich die Beziehungen zwischen den USA und China so weit verschlechterten, dass sie einen Einfluss auf die Fähigkeit von Apple haben könnten, Produkte zu produzieren und zu versenden.

Cook wies zunächst die Prämisse der Frage zurück und wies darauf hin, dass Apple-Produkte "wirklich überall hergestellt" werden, in den USA, Japan, Korea und China. Er erklärte weiter, warum dies der beste Ansatz sei: "Ich denke, dass dieses Basismodell, bei dem man sich die Welt ansieht und das Beste in verschiedenen Bereichen findet, nicht aus der Mode kommt. Ich denke, es gibt einen Grund, warum sich die Dinge so entwickelt haben, und ich denke, es ist großartig für alle Länder, die daran beteiligt sind und deren Bürger."

Tim Cook begeistert von Gesundheit und AR

Keine Bilanzpressekonferenz vergeht ohne mindestens einen Versuch, etwas über zukünftige Produktstrategien von den verschwiegenen Apple-Chefs zu erfahren. Diesmal war es Wamsi Mohan, der Cook mit einer Frage über die zukünftige Rolle von Apple im Gesundheitswesen in Versuchung führte. Cook antwortete etwas überraschend mit einer vagen, aber positiven Antwort:

Appe ist während seines Finanzgesprächs nicht weiter ins Detail gegangen, aber es ist klar, dass das Unternehmen in der Gesundheitsversorgung einen großen Teil seiner Zukunft sehe, wie es auch während der Vorstellung der Apple Watch im September diskutiert wurde.

"Apple hat eine große Chance im Gesundheitswesen, und Sie können aus unseren letzten Jahren ersehen, dass wir ein intensives Interesse an Produkten und Dienstleistungen dafür hegen.... Ich möchte nicht über die Zukunft sprechen, weil ich nicht verraten will, was wir genau tun. Aber das ist ein Bereich, der für uns von großem Interesse ist."

Das ist so ziemlich das Maximum, was man aus einem Apple-Manager herausholen kann, wenn es um zukünftige Produktausrichtungen geht. Erwarten Sie, dass in den nächsten sechs Monate sich die Kommentarspalten mit Interpretation darüber füllen, was Cook damit meinen könnte, dass Gesundheit "eine große Chance" und "ein Bereich von großem Interesse"  für Apple ist.

Inzwischen gibt es noch einen weiteren Bereich von großer Bedeutung - die erweiterte Realität - der Cook und seinen Kollegen am Herz zu liegen scheint. Analyst Mike Olson will eine Verlangsamung der AR-Entwicklung sehen, Cook unterbrach seine Rede, um zu verkünden, dass er "eine andere Ansicht" in dieser Angelegenheit habe. Er verwies auf Demonstrationen von neuen AR-Produkten, die er auf seinen Reisen um die Welt im vergangenen Monat von Entwicklern bekommen habe. Er sei "wirklich glücklich damit, wo die Dinge im Moment stehen".

10 Stück oder weniger

Schließlich kündigte Apple überraschend an, dass es ab dem nächsten Quartal nicht mehr die Anzahl der verkauften Produkte melden werde. Das bedeutet, dass wir zwar immer noch wissen werden, wie viel Umsatz  Mac, iPad und iPhone alle drei Monate generieren, aber wir werden nicht mehr genau sehen können, wie viele Macs, iPads und iPhones Apple jeweils verkauft.

Maestri erklärte die Maßnahme damit, dass Apple der Meinung sei, diese Zahlen könnten irreführend sein. Das Unternehmen legt schon jetzt nicht dar, welche Modelle sich im Einzelnen im Quartal gut verkaufen. In diesem Berichtszeitraum sah Apple starkes iPhone-Wachstum am oberen Ende der Produktlinie, aber das wurde durch eine insgesamt nur schwach gestiegene Stückzahl relativiert. Natürlich scheint die aktuelle Strategie von Apple darin zu bestehen, den Umsatz in einer Zeit mit abflachendem Verkaufswachstum zu steigern, nur noch den Umsatz zu nennen, passt sich in diese Strategie ein. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass Apple, wenn es wirklich kommunizieren wollte, wie gut bestimmte Modelle im Einzelverkauf abschneiden, diese Informationen offenlegen könnte.

Apple will also die Informationen, die es über sein Unternehmen preisgibt, weiter einschränken. Da es anscheinend keine gesetzlichen Vorschriften gibt, die von den Unternehmen verlangen, die Verkaufszahlen zu nennen (im Gegensatz zum Umsatz), werden wir diese Zahlen also nicht mehr sehen. Stattdessen werden wir anhand von Umsatzzahlen, gelegentlichen Fakten, die von Apple-Führungskräften in Analystenkonferenzen oder auf Folien bei Medienveranstaltungen gezeigt werden, und den (häufig schlechten) Schätzungen unabhängiger Analysten uns Stückzahlen zusammenreimen müssen.

Als Schlusswort der Analystenkonferenz bemühte Tim Cook eine etwas seltsame Supermarkt-Analogie. Das Wachstum der installierten Basis (eine Zahl, die auf verschiedene Weise definiert werden kann, so dass sie das immer das widerspiegelt, was Sie von ihr erwarten) und die Kundenbindungszahlen seien wichtiger als die Stückzahlen. Und außerdem, wen kümmert es, wie viele Artikel Sie in Ihrem Warenkorb haben, wenn Sie Ihre Kreditkarte an der Kasse herausholen?

"Das ist ein bisschen so, als ob du zum Markt gehst und deinen Wagen zur Kasse schiebst, und der Kassierer oder die Kassiererin sagt: "Wie viele Einheiten hast du da drin?" Es spielt aber keine Rolle, wie viele Einheiten da drin sind, bezogen auf den Gesamtwert dessen, was im Wagen ist."

Ich werde das im Hinterkopf behalten, wenn ich das nächste Mal Erdnussbutter bei Whole Foods kaufe.

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