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Apple und Entertainment, 2017 und 2018

06.01.2018 | 08:00 Uhr |

Apple TV: Das sind eine Settop-Box, eine App, eine Infrastruktur - und womöglich schon bald ein Streamingservice.

Am heutigen Dreikönigstag endet die Weihnachtszeit, das neue Jahr geht am Montag dann so richtig los. Ein bisschen Rest der Feiertagsstimmung retten man sich noch, wie an jedem 6. Januar steigt das letzte Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen. Auf welchem Programm kann man nochmal sehen, wie sich Richard Freitag und Andreas Wellinger um den Kristallpokal in Form eines Adlers bemühen? Live-Sport ist womöglich der letzte Hort des linearen Fernsehens, alles andere ist in Mediatheken, Streamingdienste, Online-Videorekorder und dergleichen abgewandert. Der Zuseher lässt keine Programmplaner mehr entscheiden, wann er was ansehen möchte. Wobei manche Programme ein derartiges Verhalten geradezu herausforderten, indem sie spannenden Dokumentationen, ambitionierte Fernsehspiele oder Spielfilme für Kenner gerne mal im Nachtprogramm versteckten, während zur Prime-Time immer die gleichen flachen und/oder billigen Produktionen liefen.

Im Jahr 2018 wird Apple in den Ring steigen, vielleicht erst gegen Ende des Jahres, aber gewiss nicht viel später. Was genau dabei herauskommt, ist derzeit schwer zu sagen, es ist aber offensichtlich, dass Apple jede Menge Geld in die Hand nimmt und Spezialisten für originäre Inhalte angeheuert hat.

Schon vor über sechs Jahren hieß es, Apple wolle einen eigenen Fernsehapparat bauen. Nicht auszuschließen, dass in Cupertinos Laboren tatsächlich Prototypen entstanden, derartige Projekte aber wegen geringer Margenaussichten eingestampft wurden. Dann hieß es, Apple wolle einen Internet-TV-Streaming-Service etablieren, der in den USA und nicht nur dort das (lineare) Kabelfernsehen zerstören werde. Zu einem deutlich niedrigeren Preis die besseren und leichter aufzufindenden Inhalte, das wäre doch was. Gut möglich, dass Verhandlungen mit den großen Netzen und Rechteinhabern weit gediehen waren, aber aber irgendwann den Stecker zog und Ende 2015 daher mit dem neuen Apple TV und seinem Betriebssystem tvOS das neue Postulat ausgab: "Die Zukunft des Fernsehens liegt in Apps".

Das mag nicht verkehrt sein, nur verliert der Zuschauer schnell den Überblick, wenn Serien, Filme, Live-Events auf dutzende von Apps verteilt sind, für die er auch noch etliche Abos unterhält. Die App "TV", die Apple 2016 in den USA und 2017 endlich auch in Deutschland herausgebracht hat, schafft ein klein wenig Abhilfe. Auch mit Siris Hilfe findet man schneller sein Programm, unter Umständen auch die Vierschanzentournee. Nur müssen da eben alle Anbieter mitmachen und ihre Programminformationen an TV weitergeben und Logininformationen zentral verwalten lassen.

Der TV-Dienst Apples wird auf diese Art und Weise langsam durch die Hintertür Realität, zuletzt kam auch Amazon Prime Video auf das Apple TV und damit noch mehr Inhalte, in den die TV-App stöbern kann.  Was aber immer noch der Fall ist: Für all das muss man viele Abos unterhalten, insbesondere Live-Sport fällt ins Gewicht. Die Championsleague beispielsweise teilen sich DAZN und Sky auf, ab kommender Saison ist das ZDF komplett draußen. Will man alle Spiele seines Vereins sehen, benötigt man mindestens zwei Abos. Bei den Olympischen Winterspielen im Februar kommt hinzu, dass die weltweiten Rechte die Discovery-Gruppe gekauft hat, Eurosport lässt sich Live-Übertragungen und Zusammenfassungen zur hiesigen Primetime teuer bezahlen, ARD und ZDF bekommen nur Krümel vom Kuchen ab. Was den öffentlich-rechtlichen Sendern aber die Möglichkeit gebe, endlich einmal kritischer über das Doping verseuchte Ringespektakel zu berichten, aber das nur nebenbei.

Was darf man aber nun von Apples TV-Service wirklich erwarten? Sehr wahrscheinlich integriert der Anbieter seine TV-Formate zunächst in Apple Music, das ist im vergangenen Jahr bereits mit "Planet of the Apps" oder anderen Formaten geschehen. Damit könnte man gewiss weitere Kunden zum Streaming locken und dann womöglich die TV-Sektion in einen eigenen Dienst auslagern, dabei das Kombi-Abo Musik und TV teurer verkaufen, aber das ist vorerst Spekulation.

Was keine Spekulation ist: Das Apple TV 4K kann nun endlich auch 4K in HDR darstellen. Brillante Farben, hohe Auflösung, so wird das Heimkino zum Vergnügen. Sofern man den passenden Bildschirm hat. Apple hat sich wie erwähnt, nicht in den wenig Margen trächtigen TV-Apparate-Markt getraut, Cupertino gibt nicht einmal eine konkrete Empfehlung für ein passendes TV-Gerät ab. Wobei der für 2018 erwartete Profi-Monitor nicht nur Nutzer des modularen Mac Pro erfreuen dürfte, sondern auch TV-Zuschauer, die etw auf ihrem Zweitgerät auch mit 27 oder 30 Zoll auskämen. Wir dürfen auf 2018 gespannt sein.

Hier lesen Sie aber zunächst noch, was wir über Apple, Apple Music, Apple TV und anderes Entertainment 2017 zu berichten wussten:

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