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Apple Watch 2018: Druck von innen und von außen

03.01.2018 | 07:50 Uhr |

Alles gut mit der Apple Watch? Die Uhr wurde zu der meist verkauften Uhr 2017, Apple hat dabei Rolex überholt.

Stolz wie Oskar hat Tim Cook auf der Keynote im September eine interaktive Grafik gezeigt: Dabei sprang die Apple Watch im weltweiten Ranking der meistverkauften Uhren auf Platz eins und Apple überholte als Uhrenhersteller sogar Rolex. Eine starke Ansage! Es ist also an Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen? Der Eindruck könnte schnell entstehen: Die Apple Watch Series 3 bringt schon alles, was die meisten Nutzer brauchen – Telefonieren ohne iPhone, Musik hören, Trainieren, Benachrichtigungen erhalten und allgemeinen auf dem Laufenden zu bleiben. Doch wir finden, in der Apple Watch steckt noch viel mehr Potential. Dieses wird sich ab 2018 entfalten.

Experimenteller Baukasten fürs iPhone und iPad

Zwar verkauft sich die Apple Watch immer besser, zu den Umsätzen des iPhone besteht aber nach wie vor ein riesiger Abstand. So kann sich Apple  Experimente erlauben und Technologien ausprobieren, die später ihren Einsatz in größeren Geräten finden. Beispiele gefällig? Diese gab Apple mit 3D-Touch, dem OLED-Display und drahtlosem Laden. Diese Technologien erschienen zuerst auf der Apple Watch, später konnte der Hersteller die ausprobierten Materialien und Techniken beispielsweise in das neue iPhone implementieren. Ob wir tatsächlich mal ein Keramik-iPhone in den Händen halten werden, bleibt aber unwahrscheinlich. Der nächste mögliche Schritt, den Apple hier gehen kann, ist aber der Umstieg auf Micro-LED-Displays. Bereits 2014 hat Apple die kleine Firma LuxVue aufgekauft, die sich auf Micro-LEDs spezialisierte. Nach neueren Berichten arbeitet Apple bereits an einer Produktionsanlage, die solche Bildschirme herstellen kann. Micro-LEDs liefern kontrastreicheres Bild und sind stromsparender im Vergleich zu den OLED-Displays. Dazu bekäme Apple mehr Freiheit bei der Gestaltung der smarten Uhr: Micro-LEDs können auch besser biegbar sein.

Genug Freiheit?

Wir sind hier realistisch – das kleine Gerät wie die Apple Watch wird wohl rechenintensive Aufgaben wie Machine Learning der Gesundheitsdaten nie möglich machen: Viel zu wenig Platz bleibt für einen leistungsstarken Akku, der solchen Luxus erlauben würde. Daher werden die meisten Grundaufgaben wie Backup, Ersteinrichtung etc. nach wie vor über das iPhone laufen müssen. Was durchaus im Bereich des Möglichen liegt, sind mehr watchOS-Apps, die kein iPhone-Sync mehr benötigen.

Nicht nur App-Entwickler haben Nachholbedarf, sondern auch Apple selbst und Mobilfunkprovider. Die Series 3 LTE ist in Deutschland nur mit einem Telekom-Vertrag zu haben. Die Ausrede von Vodafone, man beobachte das Interesse der Nutzer, ist nach Monaten seit dem Verkaufsstart wohl nur scheinheilig: Der Telekom sind in den ersten zwei Wochen die Aktivierungsnummer für die eSIM in der Apple Watch LTE ausgegangen , der Anbieter war auf den Ansturm der Kunden kaum vorbereitet. So bleibt es zu hoffen, dass O2 und Vodafone zumindest 2018 in Sachen Apple-Watch-Verträge nachziehen.

Und sonst?

Apple hat in der Vergangenheit immer wieder ernsthaft betont, dass man die schlaue Uhr zu einem veritablen Fitness- und Gesundheitsgerät machen will. Es gibt mittlerweile zig Apps, die einen zu mehr Bewegung anspornen, Herzdaten auswerten und so weiter und so fort. Kann aber Apple zusätzliche Sensoren einbauen, die noch mehr vitale Daten liefern? Schaut man sich nicht im Bereich des Möglichen sondern des Wünschenswerten um, sind die Bereiche Blutzucker-Messung und Blutdruck-Messung die nächsten potentiellen Forschungsfelder. Nicht nur für Apple, sind doch Diabetes (Typus 2) und Bluthochdruck sowie deren Folgekrankheiten längst zu Volksleiden geworden.

Anfang des Jahres kursierten Berichte , dass Apple seit rund fünf Jahren an einer Methode arbeite, die den Blutzucker mit optischen Sensoren vermessen soll, doch dies ist wohl noch die Zukunftsmusik. Momentan gibt es auf dem Markt keine zuverlässigen Methoden zur nicht-invasiven Messung von Blutzucker, ein interessantes Projekt findet jedoch gerade an der Goethe-Universität in Frankfurt: Die Wissenschaftler dort haben einen Weg gefunden , wie man die Körperflüssigkeit mit optischen Sensoren auf Zuckergehalt messen kann.

Etwas realistischer, weil nicht so umständlich sieht es mit der Blutdruckmessung aus. Apple hat hierfür bereits mehrere Patente angemeldet , das zwar zusätzliche Sensoren vorsehen, damit hat aber der Hersteller durchaus schon Erfahrungen gesammelt. Zum einen wird ein Beschleunigungssensor wie im iPhone benötigt, zum anderen ein photoplethysmographischer Sensor, ähnlich wie einer bereits in der Apple Watch eingebaut. Die Idee dahinter ist, die Pulsschläge direkt am Herz und am Handgelenk zu messen, die Zeit dazwischen zu berechnen und so den Blutdruck herzuleiten. Für die zusätzlichen Sensoren wird ein Extra-Armband benötigt, dieser wird dann separat von der Uhr vertrieben, wie es jetzt schon der Fall mit Alive Cor Kardiaband der Fall ist.

Die Apple Watch misst seit ihrer ersten Version den Puls und die Algorithmen der Uhr sind laut Studien in der Lage, Vorhofflimmern akkurat zu erkennen. Doch hat die Pulsmessung ihre Grenzen, d a sie nur einen der drei von einem Herzschlag erzeugten Werte tatsächlich erfasst . Das soll sich bald ändern und die Apple Watch  in komplettes EKG erstellen können, berichtet Bloomberg . Die Messung läuft aber nicht nebenbei, die Probanden müssen mit der Hand, welche die Uhr nicht trägt, den Rahmen der Uhr mit zwei Fingern drücken. Diese schickt dann einen nicht spürbaren elektrischen Strom durch den Körper, der den Herzschlag genauer vermessen hilft. Damit soll eine genauere Diagnose der Herzgesundheit möglich sein und vor allem eine Prognose des Infarktrisikos.

Fazit

Die Apple Watch ist immer noch ein Nebengeschäft für Apple, für die Weiterentwicklung des Unternehmens ist die Uhr nicht zu unterschätzen. Diese hält dem Unternehmen aus Cupertino die Türe in Bereiche wie Medizin, Gesundheit und Sport offen, das sind die Branchen, die vor wenigen Jahren keinerlei Verbindung zu Apple hatten, wo jetzt aber der Konzern zu einem ernstzunehmenden Player geworden ist.

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