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Apple Watch Series 5 im ersten Praxis-Test

23.09.2019 | 18:07 Uhr | Halyna Kubiv

Apple Watch Series 5 ersetzt die Series 4. Zwei neue Gehäuse-Varianten kommen und dazu ein immer eingeschaltetes Display.

Seit letztem Freitag kann man sich die neue Apple Watch Series 5 direkt bei Apple oder bei einem Drittanbieter besorgen, wir testen unser neues Gerät also mittlerweile seit mehreren Tagen. Während man nach der Keynote etwas enttäuscht geseufzt hat, weil es nicht all zu viele Neuerungen gab, hat sich in der Praxis das Always-On-Display aber als eine durchaus nützliche Innovation herausgestellt.

Always-On-Display der Apple Watch Series 5

Wen die technischen Hintergründe interessieren, für diejenige haben wir in diesem Artikel recherchiert und bei Apple nachgefragt, was es mit Always-On auf sich hat. Aber auch ohne viel Hintergrundwissen erkennt man sofort, dass Always-On die Nutzung der Apple Watch etwas komfortabler gestaltet. Unter Always-On versteht Apple ein Verhalten des Dispays im Ruhezustand, bei Series 5 wird der Bildschirm nicht komplett schwarz wie bei den Vorgänger-Versionen. Die Helligkeit der Anzeige wird etwas gedimmt, je nach App und Einstellung verschwinden ein paar Anzeigen, bei den hellen Zifferblättern wird eine dunkle Variante eingeblendet. Aber die Grundinformationen wie die Uhrzeit und in der Trainingsapp die Herzfrequenz sind immer sichtbar. So genügt jetzt ein Seitenblick auf das Handgelenk, um die Uhrzeit abzulesen, keine Bewegungen oder Taps notwendig. Die ästhetische Seite kommt meist bei solchen Gadget-Tests zu kurz, aber mit Always-On sieht eine Apple Watch wie eine richtige Uhr mit vollwertigen Display aus. Bislang hat man die meiste Zeit am Handgelenk einen schwarzen Klumpen geführt, der nur nach Anheben oder Antippen aufleuchtete, jetzt ist immer ein Zifferblatt zu sehen.

Wie Always-On der Apple Watch funktioniert

Grundsätzlich wird das Always-On aktiviert, wenn die Apple Watch in den Ruhemodus gehen soll. Den Zeitabstand kann der Nutzer aber selbst festlegen. Mit watchOS 6 stehen zwei Optionen zur Auswahl: Nach 15 und nach 70 Sekunden, diese kann man in der Watch-App am iPhone unter "Allgemein – Display aktivieren – Per Tippen" einstellen. Diese Einstellung steuert eigentlich, wie lange der Bildschirm nach dem Tippen angezeigt werden soll, diese wirkt sich nun auch auf Always-On aus. Die Einstellung selbst kann man nach Wunsch de- und wieder aktivieren: ebenfalls in der Watch-App am iPhone unter "Helligkeit & Textgröße – Immer ein". Neben dem Regler für "Immer ein" gibt es hier noch eine interessante Option: Beim deaktivierten Display kann man die sensitiven Komplikationen ausblenden. Dazu gehören Komplikationen, die persönliche Infos darstellen wie die nächsten Kalendertermine, Herzfrequenz oder Nachrichten.

Man kann auf der Apple Watch Series 5 das Display auch komplett ausschalten, dies funktioniert nach wie vor im Theater-Modus (über den Wisch nach oben von der unteren Seite des Bildschirmes). Die Uhr bleibt dann schwarz, eingehende Benachrichtigungen werden nicht angezeigt, auch das Taptic Feedback, also leises Vibrieren, bleibt stumm. Wenn man im Theater-Modus einmal auf das Display tippt, wird eine normale Anzeige eingeblendet, nach 15 oder 70 Sekunden wird der Bildschirm wieder schwarz.

Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Arten der Always-On-Anzeige auf dem Watch-Display:

1. Ist das Standard-Zifferblatt eingeblendet, verschwindet im Always-On-Modus der Sekundenzeiger, das helle Zifferblatt wird abgedunkelt, je nach der Einstellung verschwinden auch die sensiblen Komplikationen.

2. Bei einer aktiven App wird der Inhalt dieser App verschwommen und abgedunkelt dargestellt, es blendet sich eine digitale Zeitanzeige, ähnlich der im Gangreserve-Modus.

3. Die interessanteste Variante des Always-On sieht man wohl bei der aktivierten Trainings-App. Hier rechnet der Timer in Sekunden und nicht mehr in Millisekunden wie bei einem normal eingeschalteten Display, die Kalorien- und Herzfrequenz-Anzeige wird im Sekundentakt aktualisiert, die Herzfrequenz verschwindet jedoch nicht vom Display, selbst wenn man die Einstellung "Sensitive Komplikationen" aktiviert hat.

Diese ständige Herzfrequenz-Anzeige beim Training ist ausgesprochen nützlich, vor allem für diejenigen, die nach Herzfrequenz-Zonen trainieren wollen. Der Trick dabei: Man trainiert (für Fettverbrennung) am effektivsten, wenn man in der sogenannten aeroben Zone bleibt, heißt, die Herzfrequenz während des Trainings 70 bis 80 Prozent des eigenen Maximalpuls beträgt. Für diese genaue Puls-Beobachtung lassen manche Fitnessstudios gar Brustgurte abonnieren, mit der Apple Watch Series 5 funktioniert dies noch bequemer als zuvor.

Akkulaufzeiten beim eingeschalteten Always-On-Display

Apple verspricht bis zu 18 Stunden an Akkulaufzeiten auch beim immer eingeschalteten Bildschirm, an diese Werte kommen wir in etwa in unserem Stress-Test der neuen Uhr. Anders als beim iPhone oder Mac gibt es (noch) keine automatisierten Stress-Tests, die eine Vergleichsbasis zwischen mehreren Modellen oder gar Herstellern erschaffen können, so haben wir die neue Watch mit auf eine Wanderung mit genommen.

Wir haben die Uhr um 7:10 von der Ladestation abgenommen, die Ladung betrug logischerweise hundert Prozent. Bei einer siebenstündigen Wanderung lief auf der Uhr die Komoot-App, die die Orientierung im Gelände erleichtern sollte, tatsächlich hat die App mit ständigen und meist unnötigen Benachrichtigungen genervt. Gleichzeitig hat die Apple Watch rund zehn Minuten nach dem Tour-Start ein Gehen-Training festgestellt, bis zu der Spitze, also knapp zweieinhalb Stunden lief noch die Aufzeichnung von diesem Gehtraining. Ein Vorschlag für Gehreserve, also gleichzeitig ein Indiz für 10 Prozent Ladung hat sich bei uns erst um 20 Uhr, also schon zu Hause eingeblendet. Komplett leer war die Uhr erst um halb zwölf in der Nacht, alles in allem sechzehneinhalb Stunden bei sehr vielen Benachrichtigungenen, Routen-Navigation einer Wander-App und einer Training-Aufzeichnung über mehrere Stunden.

Eine Bedingung für solche Laufzeiten ist, dass die Apple Watch mit dem iPhone gepaart bleibt. Apple weist 1,5 Stunden Gesprächsdauer über LTE auf , 10 Stunden Audio-Wiedergabe vom Speicher der Apple Watch und 7 Stunden Audio-Streaming mit LTE. Bei den Trainings kann die neue Apple Watch bis zu 10 Stunden Indoor-Training aufzeichnen, bis zu 6 Stunden Outdoor-Training mit Verwendung von GPS, lediglich 5 Stunden Outdoor-Training, wenn die Smartwatch nicht auf das Smartphone, sondern auf das LTE-Netz zurückgreift. In knapp zweieinhalb Stunden kann man die neue Uhr auf 100 Prozent aufladen, das bestätigt auch unser Praxis-Test.

Kompass

Noch eine Hardware-Neuerung, die Apple der Series 5 spendiert hat, ist die Kompass-App und entsprechend ein eingebauter Kompass. Die App ist übrigens in watchOS 6 nicht vorinstalliert, man muss sie aus dem Apps Store zunächst laden. Noch eine Voraussetzung: Eine entsprechende App muss auch auf dem iPhone installiert werden. Zum Start muss man den Kompass kalibrieren, dafür hält man die Uhr bzw. das Handgelenk möglichst horizontal, damit sich die Fadenkreuze im Zentrum der App decken. Das Fadenkreuz wird aus grau weiß, auf dem Bildschirm wird nun der magnetische Norden und Süden festgestellt. Dazu zeigt die App die geografischen Weiten- und Längengrade, die Gefälle und die Höhe über dem Meeresspiegel. Über einen festen Druck auf den Bildschirm kann man noch den Kompasskurs feststellen. Die App versteht sich ebenfalls auf der geografischen Nordrichtung, diese wechselt man in den Einstellungen der Apple Watch: Einstellungen – Kompass – Geografischer Norden.

Fazit:

Auf der Bühne gezeigt war die Always-On-Option der Apple Watch eher enttäuschend, im Alltag erweist sich das Feature als äußerst nützlich. Erstaunlicherweise muss man für die Bequemlichkeit des ständig aktivierten Bildschirmes nicht mit den Akkulaufzeiten bezahlen, die von Apple ausgewiesenen Stunden stimmen mit unseren Praxiswerten in etwa überein. Ob man im Alltag den Kompass ständig gebrauchen wird, wagen wir zu bezweifeln, zumindest wenn man schnell eigene Höhen wissen muss, kann die App schnell helfen.

Ursprünglicher Artikel vom 10. September 2019

Anders als bei der  Keynote vor einem Jahr hat Apple-CEO Tim Cook nicht auf der Bühne im Steve Jobs Theater geprahlt, Apple sei der größte Uhrenhersteller der Welt. Wenn man bedenkt, wie populär mittlerweile die smarte Uhr geworden ist – laut Cook immerhin die populärste ihrer Art – hatte man wieder Zahlen mit vielen Nullen erwartet. Doch gleich nach der Übergabe an Stan Ng präsentiert dieser lieber Features statt Zahlen.

Always-On-Display

Die neue Technologie hat Apple eigentlich bereits mit Series 4 eingeführt: Ein LTPO-Display kann man bereits im Vorgänger-Modell finden . Low Temperature Polysilicone und Oxide Display, das bedeutet die Bezeichnung LTPO für den Bildschirm. Die Technik erlaubt beispielsweise längere Akku-Laufzeiten bei gleicher Helligkeit und Nutzungsdauer. Dieses Jahr hat Apple aber eine andere Richtung eingeschlagen, denn die Akkulaufzeiten bleiben gleich: 18 Stunden wie bei der Series 4. Dafür bleibt aber das Display immer aktiviert. Der Umgebungslicht-Sensor misst die Helligkeit im Raum oder draußen und passt die der Anzeige an, beim Anheben des Armes leuchtet der Bildschirm wie gehabt auf. Die Series 5 zeigt dabei immer das aktuell ausgewählte Zifferblatt, man kann also nun unauffällig auf das Handgelenk schielen und neben anderen Informationen auch nach der Uhrzeit spähen. Wahrscheinlich nicht umsonst hat Apple im Promovideo für die Uhr immer wieder betont, die Apple Watch kann auch die Zeit anzeigen. Na, endlich…

Neue Gehäuse-Varianten

Der Hersteller hat immer wieder betont, die Apple Watch sei das persönlichste Apple-Gerät, das man sich kaufen kann. Schier unendliche Varianten konnten sich die Käufer erstellen, wenn man bedenkt, dass die Watch zuletzt in zwei Größen, zwei Gehäuse-Varianten (Aluminium und Edelstahl) und drei Farben ausgeliefert wurde. Dazu waren alle sechs Monate mehrere Dutzend Armbänder verfügbar. Nun haben die Kunden noch mehr die Qual der Wahl: Die Apple Watch Series 5 kann man sich in einer Keramikvariante (Weiß) kaufen. Dazu kommen zwei Farbschattierungen des neuen Titan-Gehäuses: Weiß bzw. Silber und Schwarz. Apple hatte bereits mit Keramik-Gehäusen experimentiert, die Series 3 kam als Edition-Version, diese wurde  ein Jahr später eingestellt. Titan ist jedoch neu in Apples Produktportfolio – sieht man vom TiBoook (Powerbook G4 Titanium) aus den Jahren 2001 und 2002 ab. Schon die physische Apple Card ist aus Titan gefertigt, aber diese kann man nicht so wirklich als Apple Hardware einordnen. Die Titan-Variante kostet im Store ab 849 Euro, die Keramik-Variante ab 1399 Euro.

Apple Watch aus Titan in der Space-Schwarz-Variante
Vergrößern Apple Watch aus Titan in der Space-Schwarz-Variante
© Apple

Preisgestaltung: Apple Watch etwas teurer

Apple hat im Vergleich zum Vorjahr die Preise leicht angehoben, mit einer Ausnahme: Die Apple Watch Series 3 kostete noch vor einem Jahr 299 Euro als Einstiegs-Smartwatch, nun kann man Series 3 für 229 Euro kaufen, die LTE-Variante kostet immerhin 329 Euro. Das Modell ist aber mittlerweile zwei Jahre alt.

Bei der aktuellen Einstiegs-Variante, also Apple Watch Series 5 40 mm im Aluminiumgehäuse, hat sich der Preis um 20 Euro geändert, statt 429 Euro (wie bei Series 4) kostet nun eine solche Uhr 449 Euro. Bei der LTE-Version müssen die Käufer ebenfalls 20 Euro drauflegen: Series 4 40 mm LTE kostete ab 529 Euro, Series 5 in der gleichen Konfiguration – ab 549 Euro.

Technische Details

Im Inneren der Uhr hat sich kaum was geändert. Statt des S4-Prozessors ist nun der S5-Chip eingebaut, der Wireless Co-Prozessor bleibt der gleiche – W3. Die Display-Charakteristika führt Apple ebenfalls identisch mit Series 4 auf: LTPO OLED Display mit 1000 Nits. Der Kompass ist selbstverständlich neu, dazu hat Apple einen verbesserten Umgebungslichtsensor eingebaut. Die Uhr ist in beiden Varianten mit und ohne LTE etwas dicker geworden: Statt 10,7 mm Tiefe misst die Uhr 10,74 mm.

Der Kompass

Diese Neuerung konnte Apple bis zur Keynote geheim halten. Die Series 5 ist mit einem Kompass ausgestattet, an der Software-Seite spendiert Apple der Uhr auch eine neue App, ebenfalls Kompass genannt. Mit dem neuen Sensor erhalten beispielsweise Apple Karten die gleichen Funktionalitäten wie auf dem iPhone, die Anwendung zeigt, in welche Richtung man schaut. Die dezidierte App hält noch einige Dateien parat: Länge, Breite, Neigung und Höhe. Wir freuen uns schon, die neue Funktion beim Wandern auszuprobieren.

Die Kompass-App auf der Apple Watch Series 5
Vergrößern Die Kompass-App auf der Apple Watch Series 5

Internationaler Notruf

Die LTE-Variante kann nun in mehreren Ländern einen Notruf tätigen, egal wo ursprünglich die Uhr gekauft wurde. Ist die Fallerkennung aktiviert, ruft die Uhr ebenfalls den Notruf in mehreren Ländern. Das funktioniert laut Apple in 150 Ländern.

Internationaler Notruf in 150 Ländern
Vergrößern Internationaler Notruf in 150 Ländern

Neues bei watchOS 6

Anders als bei vorherigen Keynotes hat Apple fast gar nichts zu den Software-Updates gesagt. Auf der Bühne ist man kurz auf die neuen Funktionen wie Menstruationsüberwachung und Warnungen vor zu lauten Geräuschen eingegangen. Apple öffnet sich der Forschung nicht nur an den bewährten Kliniken wie in Stanford, sondern liefert eine neue Research-App für alle Forschungseinrichtungen. Mit watchOS 6 erscheinen auch neue Zifferblätter, Apple nennt explizit drei davon: Meridian, Modular Kompakt und Solar.

Meridian-Zifferblatt ist neu in WatchOS 6.
Vergrößern Meridian-Zifferblatt ist neu in WatchOS 6.
© Apple

Verfügbarkeit

Die neuen Apple Watches kann man im Store ab heute bestellen, in den Stores erscheint Apple Watch Series 5 ab 20. September.

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