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Apple Watch Series 5: Wohin die Reise geht

31.12.2018 | 08:35 Uhr |

Lange Batterielaufzeiten, größerer Bildschirm, EKG-Funktion: Kann Apple mit der Smartwatch noch eine Revolution schaffen?

Nach jeder Keynote von Apple werden sofort Unkenrufe laut: Wo bleibt denn die nächste Revolution? Unter Steve Jobs hätte es das nicht gegeben... Fragt man jedoch, was man sich Revolutionäres im kommenden iPhone wünscht, fallen die Antworten jedoch nicht so spektakulär aus. Auf die Wunschliste unserer Leser schafft es jedes Jahr vor allem eine bessere Batterie – kein revolutionäres Feature.

Wir meinen jedoch, man verpasst gerade eine wirkliche Umkrempelung, die gerade jetzt stattfindet – mit der Apple Watch. Nach der Selbstfindungsphase mit der Series 1 und 2, bzw. mit watchOS 2 und 3 hat Apple mittlerweile herausgefunden, wohin es mit der eigenen Smartwatch geht: Diese wird nicht zum Mini-iPhone auf dem Handgelenk, sondern zum ultimativen Gesundheitstracker. Denn momentan ist es ziemlich absurd: Wir wissen ganz genau, um wie viele Zentimeter pro Jahr das Eis am Nordpol schmilzt oder wie schnell die Hochvogel-Spitze in Allgäu wegbricht, doch wer schon einmal versucht hat, abzunehmen, weiß, wie schwierig es ist das eigene Gewicht zu erfassen und vor allem daraus schlau zu werden.

Apple hat vor allem beim Herzschlag eine solide Grundlage erschaffen, die Apple Watch misst nicht nur den Herzschlag, sondern erstellt seit kurzem auch ein EKG – zumindest in den USA. Der nächste logische Schritt in diesem  Bereich wäre neben zusätzlichen Sensoren mittels maschinellen Lernens die von Nutzern freigegebene Daten auszuwerten, Muster zu erkennen und gegebenenfalls aus diesen Mustern Vorschläge oder Warnungen zu generieren.

Wie es geht, zeigt die neue Funktion zur Erkennung von Vorhofflimmern. Es ist aber denkbar, dass mit der zunehmenden Datenmenge an aufgezeichneten Herzschlagdaten weitere Diagnosen der Herzkrankheiten möglich sind. Die Wissenschaftler hinter der App Cardiogram haben beispielsweise gezeigt, dass anhand der Daten sich Schlafapnoe und Bluthochdruck diagnostizieren lassen. Auch Apple arbeitet in dieser Richtung: Gefühlt alle zwei Wochen beteiligen sich immer neue Kliniken an den Forschungen mit ResearchKit, Apple heuert ab und zu im Bereich ebenfalls aktiv Mitarbeiter an, zuletzt wurde der ehemalige CEO vom Medizin-Startup Mango Health im Health-Team von Apple eingestellt .

Design und Form vs. "innere Werte"

Wir erwarten im nächsten Jahr keine grundlegende Änderungen bei der Form der Apple Watch. Schließlich hat der Hersteller nach vier Generationen die Series 4 runderneuert und dabei den Bildschirm vergrößert. Beste Zeit also, an den "inneren Werten" zu arbeiten. Dies ist auch unter einem anderen Aspekt notwendig: Drei Jahre war der Smartwatch-Markt Apple allein überlassen, die üblichen Verdächtigten mussten auf den alten Chip von Qualcomm setzen, Fitbit war vor allem im Segment Fitness-Tracker stark. Fitbit hat vor allem mit der neuen Versa den Markt aufgemischt, aber auch andere Hersteller werden spätestens Anfang 2019 mit neuen Modellen auf den Markt drängen. Der Grund: Qualcomm hat endlich den Nachfolger-Chip seiner Wearable-Sparte gebracht, die angekündigten Werte können sich sehen lassen. Snapdragon 3100 erlaubt bis zu zwei Tage Akkulaufzeit im Vollbetrieb und bis sieben Tage Akkulaufzeit im Sparmodus. Die Apple Watch Series 4 genauso wie der Vorgänger liefern schon jetzt solide Laufzeiten, bis zu zwei vollen Tagen reicht es noch nicht ganz. Die 48 Stunden Akku sind jedoch bei einer zukünftigen Funktion enorm wichtig, aber dazu später. Dass Apple die magische Marke von 48 Stunden durchbrechen kann, ist bereits im nächsten Jahr realistisch: Nach den Geschwindigkeitsverbesserungen des S5 können sich die Hardware-Ingenieure auf die Stromsparfunktionen beim kommenden Prozessor konzentrieren. Dazu kursieren seit geraumer Zeit Gerüchte, dass Apple in Herstellung von stromsparenden Micro-LED-Bildschirmen investiert. Die kommende Apple Watch ist ein perfekter Kandidat für die neuartige Technologie, schließlich hat Apple auch die OLED-Displays zunächst für seine Smartwatches vorgesehen, zwei Jahre später kamen dann iPhones, in der Zukunft sind auch OLED-iPads denkbar.

Eine weitere mögliche Entwicklung ist einer neuer Co-Prozessor, der nur die Gesundheitsdaten auswertet und diese entweder für die Apps oder watchOS aufbereitet. Seit August 2018 kursieren Gerüchte , dass Apple extra dafür ein Ingenieursteam aufstellt. Die Entwicklung wäre für Apple nur konsequent: Seit dem A7, also dem iPhone 5S ist in jedem iPhone ein Motion-Co-Prozessor vorhanden. Mit S1 startete Apple die Produktlinie der Smartwatch-Chips, mit W1 – eine Bluetooth-Linie, denn W2 ist mittlerweile in der Apple Watch ab Series 3 angekommen, W1 wurde ursprünglich in Airpods und manchen Beats-Kopfhörer eingesetzt. Nicht zu vergessen sind ebenfalls T1 und T2 – Die Touch-Bar-Chips, die mittlerweile auch in den Macs ohne Touch Bar wie der iMac Pro zu finden sind. Ein H1 – Health Co-Processor ist in einer solchen Familie nur ein nächster logischer Schritt.

Schlaftracking

Etwas überraschend hat Apple das Zubehör von seinem aufgekauften Startup aktualisiert – Beddit wird in der Version 3.5 im Apple Store verkauft. Die kleine Firma hat Apple Anfang Mai 2017 übernommen, bei Apple dauert es meistens knapp zwei bis drei Jahre, bis die neue Technologie in eigenen Produkten erscheint. Die Apple Watch 5 wäre also ein perfekter Kandidat für die neue Schlaf-Tracking-App auf Grund von Beddit-Technologie. Und da kommen wir zu dem Punkt aus den letzten Absätzen: Apple wird den Nutzern nicht zumuten, für die Schlaftracking teures Zubehör zu kaufen, sondern muss die Funktion in die Apple Watch bzw. watchOS implementieren. Alle notwendigen Sensoren sind ja bereits vorhanden, das wäre nicht das Problem. Die meisten Nutzer sind gezwungen, die Apple Watch in der Nacht aufzuladen, entweder jede Nacht oder jede zweite Nacht. Um zuverlässiges und lückenloses Schlaftracking anzubieten, muss Apple also zwingend das Akku-Problem lösen – zwei Tage Akkulaufzeit sind fast schon ein Muss, dazu ist noch eine Schnellladefunktion notwendig. Das Ladeszenario wird sich somit grundlegend ändern, statt auf dem Nachttisch wird der Nutzer seine Apple Watch während des Duschens aufladen können. Die Smartwatch kann so auch in der Nacht an bleiben.

Kamera in der Apple Watch?

Selbst für phantasiereiche James-Bond-Erfinder war eine Kamera in der Uhr wohl zu viel des Guten. Ok, eine Casio in "Octopussy" konnte zumindest Videos abspielen, das kann die Apple Watch noch nicht. Aber anscheinend arbeiten Apples Ingenieure auch an einer Kamera in der Apple Watch . Wozu soll sie denn nun gut sein? Ein Patent zeigt es, dass es womöglich für die Face ID nützlich wäre . Die Face ID sowie die Touch ID wird jedoch an einer Apple Watch nicht unbedingt benötigt, legt man die Uhr meistens nur selten ab. Wenn aber im Zuge dieses Experiments die Ingenieur eine Face ID ohne die notwendige Kerbe im Bildschirm schaffen, werden ihnen alle iPhone-Nutzer ab iPhone X danken. Ein weiterer Einsatz für die Kameras in der Apple Watch zeigt noch ein Patent: Der Infrarot-Sensor, der auch für die Face ID notwendig ist , und der zusätzliche UV-Sensor könnten an der Watch andere Dienste leisten – nämlich festlegen, ob der Nutzer genügend Sonnenschutz aufgetragen hat. Solche Gadgets sind nicht neu, so hat beispielsweise Netatmo bereits vor vier Jahren etwas Vergleichbares vorgestellt .

Weiteres Zubehör

Die Apple Watch hat wie jedes Apple Produkt eine Zubehör-Industrie um sich geschaffen. Wie wichtig diese ist, zeigt die vergangene September-Keynote. Jeff Williams hat auf der Bühne ausdrücklich beteuert, dass alle bereits gekauften Armbänder mit den neuen Modellen kompatibel sind. Die Apple Watch 4 ist ja um zwei Millimeter größer geworden. Anhand der Patente wird jedoch sichtbar, dass sich das Watch-Team bei der Armband-Idee so richtig austoben kann: Es gibt ein Patent zu einem aufblasbaren Armband , das dann den Blutdruck messen kann. Wir finden jedoch, dieses Problem kann Apple eleganter lösen. Es gibt ein Patent für ein touch-sensitives Armband , der Nutzwert dieser Erfindung erschließt uns aber wenig. Interessant ist beispielsweise ein Armband mit eingebautem Zusatzakku . Damit kann die Apple Watch zu einem Dauerläufer werden, allerdings mit zwei solchen Power-Straps: Trägt der Nutzer das eine, wird das andere aufgeladen. Der Akku wird so nie leer. 

Während solche Anwendungen noch Zukunftsmusik sind, hat Apple auf der vergangenen Keynote gezeigt, dass womöglich Airpods noch näher mit der Apple Watch integriert werden können. Neben einfach nur "Hey Siri!" aufrufen kann man die Airpods noch weit breiter bei der Apple Watch einsetzen: Starte Lauftraining, starte einen Timer, antworte auf die Nachricht von Mama. Die Einsatzzwecke sind hier wie auf dem iPhone unendlich. Der einzige Haken – die Apple Watch muss entweder im bekannten WLAN-Netz hängen oder eine LTE-Verbindung aufbauen.

Fazit

Knapp vier Jahre nach der Markteinführung der Apple Watch steht das Unternehmen und mit ihm zusammen die Nutzer immer noch erst am Anfang der langen Reise Richtung digitale Gesundheit. Manche Schritte werden im Hintergrund passieren, so dass die Nutzer diese erst im Nachhinein wahrnehmen. Manche jedoch wie beispielsweise Blutdruckmessung mittels Oszillometrie oder Blutzuckermessung werden hohe Wellen schlagen. Aber davon werden wir sicherlich im kommenden Jahr berichten.

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