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Apple Watch soll die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi aufgezeichnet haben

16.10.2018 | 09:45 Uhr |

Erneut spielt die Apple Watch eine Rolle in einem mutmaßlichen Kriminalfall. Dieses Mal allerdings mit großer politischer Sprengkraft. Die Apple Watch Series 3 des Journalisten Jamal Khashoggi soll angeblich seine Ermordung in der Saudi-Arabischen Botschaft aufgezeichnet haben. Doch es gibt begründete Zweifel.

Einige Tage nach der mutmaßlichen Ermordung von Jamal Khashoggi kursieren Gerüchte, dass eine Apple Watch die Tat aufgezeichnet haben könnte. Darüber berichtet unter anderem das Handelsblatt. Khashoggi betrat am 02. Oktober die Saudi-Arabische Botschaft in Istanbul und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Der Journalist, der unter anderem für die Washington Post schrieb, genoß weltweit ein hohes Ansehen. Er unterstützte die Reformen in Saudi Arabien, kritisierte aber gleichzeitig den zunehmend autoritären Führungsstil von König Salman. 2016 wurde in Saudi-Arabien ein Publikationsverbot gegen ihn verhängt, kurz darauf ging er ins Exil.

Verlobte wartet vergeblich

Am besagten Tag wollte er Unterlagen für seine Hochzeit abholen, seine Verlobte wartete vor der Botschaft. Als Khashoggi nach mehreren Stunden noch nicht wieder aufgetaucht war, kontaktierte die Verlobte Mitglieder der türkischen Regierung, mit denen das Paar befreundet war. Wenige Tage danach berichteten amerikanische Medien unter Berufung auf Quellen in der türkischen Regierung von einer mutmaßlichen Ermordung Khashoggi´s, von der es auch Ton- und Bildaufnahmen gäbe. Seit einigen Tagen ist die Rede von der Apple Watch des Vermissten. Diese hat angeblich die Tat aufgezeichnet. Das damit verbundene iPhone habe Khashoggi bei seiner Verlobten gelassen. Die Aufnahmen seien direkt in die Cloud geladen worden. Doch es gibt Zweifel an dieser Version der Geschichte.

Aufnahme einer Überwachungskamera vor der Saudi-Arabischen Botschaft. Seitdem wurde Khashoggi nicht mehr gesehen.
Vergrößern Aufnahme einer Überwachungskamera vor der Saudi-Arabischen Botschaft. Seitdem wurde Khashoggi nicht mehr gesehen.
© REUTERS, REUTERS TV,

Angebliche Aufnahme der Tat durch Apple Watch nicht plausibel

Die Verbindung von iPhone und Apple Watch über Bluetooth hat nur eine sehr begrenzte Reichweite. Laut Apple beträgt die Reichweite bis zu 100 Metern, unter realen Bedingungen aber eher weniger. WLAN-Netzwerke in der Umgebung sowie feste Hindernisse wie Wände verringern die Reichweite. Dementsprechend ist es unwahrscheinlich, dass eine Bluetooth-Verbindung mit einem iPhone außerhalb der Botschaft gehalten hätte.

Natürlich kann eine Apple Watch ab der Series 3 auch selbstständig über Mobilfunknetze eine Internetverbindung herstellen. Genau dieses Modell trug der Journalist bei mehreren TV-Auftritten. Allerdings gibt es in der Türkei keine Anbieter, die diese Funktion unterstützen. Deshalb wäre eine direkte Internetanbindung der Apple Watch über Mobilfunknetze nicht möglich gewesen.

Wie kommt also die Nachricht zustande? Experten vermuten, dass die türkische Regierung ungern zugeben möchte, ausländische Botschaften mit Abhörvorrichtungen ausgestattet zu haben. Das Gerücht in die Welt zu setzen, eine Apple Watch habe die Vorgänge in der Botschaft aufgezeichnet, macht deshalb durchaus Sinn. Dadurch wäre es möglich zu erklären, wie Audioaufnahmen aus der Botschaft zustande kamen. Wären da nicht die technischen Ungereimtheiten an dieser Erklärung.

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