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Apple: "Wir verkaufen keine Nutzer-Daten (erst ab 9 Mrd. USD)"

02.10.2018 | 08:33 Uhr | Halyna Kubiv

Apple verdient sein Geld mit Hardware, nicht mit Nutzer-Daten – dies behaupteten Tim Cook und Co. schon mehrmals.

Das Mantra " Wir verkaufen keine Nutzer-Daten " hat Apple vor allem in der letzten Zeit stĂ€ndig wiederholt: Wenn Facebook mit negativen Schlagzeilen kĂ€mpfen musste, konnte Tim Cook immer versichern, Apple-Usern wĂŒrde so etwas nicht passieren. TatsĂ€chlich ist Apple ein Musterknabe in Sachen DSVGO – in einem neuen Portal können die Nutzer eigene Daten einsehen, auch in anderen Bereichen versucht das Unternehmen, so wenig Daten wie möglich zu sammeln und zu verarbeiten. 2016 fĂŒhrte der iPhone-Macher medienwirksam einen Streit mit dem FBI um einen iPhone-Sperrcode und dahinter versteckte Daten. Das FBI musste sich aber geschlagen geben und greift seitdem laut einigen Berichten  auf dubiose Lösungen wie Greyshift zurĂŒck. Auch hier spielt Apple wohl ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Machern – um genau diese Lösung auszusperren, verlangt ja iOS 12 bei Lightning-Zubehör einen Sperrcode.

Beim Thema Zugriff von Dritten behandelt Apple die Nutzer-Daten fast schon vorbildlich: Die Facebook- und Twitter-Integration mit den Nutzerkonten ist mittlerweile fast komplett verschwunden, Safari sperrt hartnÀckige Cookies immer besser aus, so dass sich die Werbeindustrie immer lauter beklagt.

Dieser vorbildliche Datenschutz endet aber an einer gewissen Grenze: Sobald Google mit einem siebenstelligen Beitrag winkt, wird sogar ein Exklusiv-Vertrag unterschrieben . Es geht konkret um eine Abmachung zwischen Apple und Google, Googles Suchmaschine als Standard-Einstellung in iOS und macOS in Safari zu belassen. GrundsĂ€tzlich verrechnet Google solche Ausgaben als Traffic Aquisition Cost, die sich bei seiner Mutter Alphabet pro Quartal auf rund drei Milliarden US-Dollar belĂ€uft . "Business Insider" hat nun ausgerechnet, dass der Großteil davon ausschließlich an Apple fließt . Google verrechnet dabei die Kosten pro Suche und Zugriff auf die Suchmaschine, mit Apple existiert noch ein Zusatz-Vertrag zu den Standard-Einstellungen in iOS und macOS. Das Wirtschaftsmagazin geht sogar so weit zu behaupten, Safari auf dem iPhone, iPad und Macs seien fast schon der grĂ¶ĂŸte Traffic-Bringer fĂŒr die Google-Suche.

Aus Googles Sicht ist ein Exklusiv-Vertrag mit Apple durchaus sinnvoll: Das Unternehmen sichert sich so ein quasi ungebrochenes Monopol bei der mobilen Suche, die iOS-Alternative Android wird ja im eigenen Hause entwickelt. Die mobilen Daten sind fĂŒr das Unternehmen und fĂŒr die nĂ€chste Generation von Werbung immens wichtig – Google bietet den Werbetreibenden sogar eine Offline-Auswertung , die beantwortet, ob der Nutzer nach der Online-Anzeige auch ein lokales GeschĂ€ft besucht hat. Ohne PrĂ€senz auf den mobilen GerĂ€ten ist eine solche Auswertung gar nicht möglich.

FĂŒr Apple ist die Lage aber weit problematischer. Ganz klar, ein paar Milliarden US-Dollar mehr machen sich sofort in der Quartalsbilanz bemerkbar, selbst bei Apple. Der wichtige Bereich "Services" wĂ€chst dadurch ebenfalls schneller und rĂŒckt immer weiter in den Vordergrund. Andererseits sind solche VertrĂ€ge fĂŒr das Unternehmen nicht (mehr) ĂŒberlebenswichtig – ob "Services" bei Apple um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wachsen oder um 10, ist fĂŒr den Erfolg nicht mehr ausschlaggebend, schließlich verkauft Apple fleißig Apple-Music- und iCloud-Abos und das an immer mehr Nutzer. Google Suche bleibt der einzige Dritt-Service, das unter iOS und macOS voreingestellt ist, Youtube verschwand seit iOS 6 von den vorinstallierten Apps , Google Maps – ebenfalls mit iOS 6 aus der Karten-Anwendung in iOS .

Man kann auch nicht sagen, dass Google im Suchmaschinenmarkt konkurrenzlos ist. Microsoft bietet mit Bing eine gute Alternative,  DuckDuckGo mischt ebenfalls seit ein paar Jahren den Markt auf. In den letzten Jahren sind außerdem noch ein paar neue Suchmaschinen wie Ecosia oder Qwant dazugekommen. iOS und macOS bieten in den Einstellungen dazu noch die Yahoo-Suche und Yandex aus Russland an. Der springende Punkt bleibt aber die voreingestellte Suchmaschine! Welche Option dort eingestellt ist, wird von ungefĂ€hr 90 Prozent der Nutzer auch verwendet. Denn nur die wenigsten wĂŒhlen sich durch die Einstellungs-Fenster in iOS, um eine andere Suchmaschine auszuwĂ€hlen. Diese Suchanfragen sind jedoch vielleicht nur ein Teil, aber ein wertvolles Reservoir an Nutzer-Daten, die Google auswertet und mit denen das Unternehmen noch weiter sein Monopol unter den Suchmaschinen ausbaut.

Wenn Apple schon behauptet, "Wir verkaufen keine Nutzer-Daten", sollte das Unternehmen dies auch konsequent umsetzen und zumindest von der Voreinstellung der Google-Suche in Safari unter iOS und auf dem Desktop absehen. Besser wĂ€re, bei der ersten Suche im Internet wĂŒrde dem Nutzer eine Standard-Liste der Suchmaschinen vorgeschlagen. Erst bei dieser Vorgehensweise kann man von einer freien Wahl der Anwender sprechen. Denn solche Voreinstellungen, noch dazu tief im System verborgen, darf man nicht unterschĂ€tzen: Beim Umstieg auf Apple Maps unter iOS hatte Google Maps knapp ein Jahr nach der EinfĂŒhrung rund 90 Prozent der iOS-6-Nutzer verloren . Diese waren nicht gewillt oder zu bequem, die Anwendung als App oder gar im Browser zu nutzen. Der Umstand, dass bereits eine funktionierende Alternative existiert, hat sie von dem Wechsel abgehalten. Eine freie Wahl der Suchmaschine unter iOS und macOS wĂŒrde sich positiv auswirken: FĂŒr die Nutzer, weil sie eine Suchmaschine bewusst auswĂ€hlen und vielleicht andere Anbieter ausprobieren, von denen sie bisher nichts wussten; fĂŒr andere Suchmaschinen, denen iOS und macOS neue Nutzer beschert; fĂŒr Google, weil Marktdominanz zur Stagnation fĂŒhren kann; und fĂŒr Apple selbst, weil es dann tatsĂ€chlich keine Nutzer-Daten mehr verkauft.

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