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Apple wirft alternative Youtube-App aus dem App Store

04.09.2017 | 12:54 Uhr | Stephan Wiesend

Der erfolgreiche Youtube-Player ProTube wurde aus dem App Store entfernt - auf Wunsch von Youtube, das auch andere Apps entfernen lässt.

Nicht jeder ist von der offiziellen Youtube-App des Alphabet-Konzerns begeistert, eine interessante Alternative war seit 2014 die App ProTube von Jonas Gessner. Der Entwickler hatte dabei von Anfang an Ärger mit Apple bzw. Youtube. Nicht ohne Grund, besaß doch die erste App eine Download-Funktion für Youtube-Videos und war äußerst erfolgreich. Von Apple wurde diese Download-Funktion allerdings schon bald untersagt, und der Entwickler musste mit anderen Funktionen punkten – auch um seine Kunden zufriedenzustellen. Das gelang, die App verkaufte sich auch ohne Download-Funktion gut. So unterstütze ProTube im Unterschied zur offiziellen App 4K-Videos, das Abspielen mit 60fps und bot eine komfortable Oberfläche sowie Playlists. Am ersten September wurde die App jetzt plötzlich von Apple aus dem Store genommen, Links auf die App führen ins Leere.

Die Hintergründe erfährt man über die Webseite des Programmierers : Schon vor einem Jahr hatte Youtube erstmals das Entfernen der App verlangt, da ProTube gegen die Nutzerbedingungen von Youtube verstoße – die Forderung wurde dann in den laut Entwickler sehr schwierigen Verhandlungen näher präzisiert und auf Forderungen konkretisiert: Der Autor sollte Funktionen wie das Abspielen mit 60 fps entfernen, den Audio-Only-Modus, das Abspielen von Audio im Hintergrund und einiges mehr. Laut Entwickler ist vermutlich der neue Abo-Dienst Red von Youtube der Grund, der für 10 US-Dollar im Monat viele Funktionen der 5-Dollar App Pro Tube bietet – auch andere Hersteller alternativer Youtube-Player hätten bereits so genannte Takedown Requests bekommen.

Der deutsche Programmierer hatte nun drei Alternativen: Er hätte die angemahnten Funktionen entfernen und die App kostenlos machen können. Dann hätte aber jeder zahlende Käufer plötzlich eine funktionsreduzierte App als Update erhalten, auch nach einer Systemwiederherstellung. Der Zugriff auf die Youtube-API ist außerdem in der Anzahl der Zugriffe begrenzt, eine kostenlose App hätte aber unter Umständen zu viele Nutzer angezogen. Die zweite Möglichkeit wäre eine juristische Auseinandersetzung mit Youtube gewesen, eine viel zu teure Option. Außerdem bestand die Gefahr, dass Youtube einfach den Zugriff der App auf Youtube sperrt. Als dritte und letzte Möglichkeit blieb nur noch die Möglichkeit die App aus dem Store zu nehmen. Das war außerdem die einzige Option für die Käufer, die App weiter nutzen zu können. Im Interesse seiner Kunden entschied sich Gessner deshalb für diese Option.

Zukünftige Updates für die App sind allerdings nicht möglich. Auch eine Veröffentlichung auf Cydia also für iPhones mit Jailbreak mache laut Gessner wenig Sinn. Es gebe kaum noch iPhones mit Jailbreak und auch Apps im Cydia Store sind auf den Zugriff per Youtube API angewiesen. In Zukunft will sich der Programmierer deshalb auf ein neues Projekt konzentrieren – allerdings werde dieses ganz sicher nicht auf einer Schnittstelle eines Drittherstellers wie der Youtube-API basieren.

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