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Apples Airpower und Co.: Was Sie über kabelloses Laden wissen sollten

17.04.2018 | 11:30 Uhr |

Nie wieder geknickte Lightning-Kabel, keine verschmutzten Buchsen und keine Suche nach dem Ladegerät. Qi und Apples Airfuel versprechen mehr iPhone-Komfort im Alltag. Dies sollten Sie dazu wissen.

Die elektrische Zahnbürste hat es, teure Akkuschrauber haben es und auch die RFID-Diebstahl-Tags funktionieren vom Grundsatz so: Energieübertragung ohne Kabel. Die neuen iPhone-Modelle sind jetzt ebenfalls reif für Strom ganz ohne Kabel. Nicola Tesla wäre stolz. Worauf  Sie beim Kauf von Ladezubehör achten müssen, und was Sie über die neue Funktion wissen sollten.

Dank der neuen kabellosen Ladefunktion von iPhone 8 und iPhone X müssen Nutzer sich jetzt mit einer weiteren Kategorie Zubehör auseinandersetzen. Apple setzt dabei auf den Qi-Standard.

Für den Alltag hat das positive Folgen: Keine defekten Kabel mehr und viele andere Vorteile . Alle Ladegeräte sind miteinander kompatibel, so werden Sie nie wieder das falsche Ladekabel dabei haben. Die unterstützte Ladeleistung kann je nach Ladegerät und Endgerät jedoch variieren. Dazu gibt es mit kabellosem Laden keine mechanische Abnutzung von Steckern und Buchsen. Wie von alleine: einfach hinlegen und schon wird das iPhone geladen. Ob auf dem Nachttisch oder im Auto.

Die Spule ist der Energieübertrager bei induktiven Geräten.
Vergrößern Die Spule ist der Energieübertrager bei induktiven Geräten.
© Belkin

Was Sie über Qi wissen sollten

Die elektrische Energie wird bei Qi und anderen Methoden kontaktloser Übertragung nicht per Kabel übertragen, sondern über ein elektromagnetisches Feld. Das Prinzip induktiver Ladung kann man sich wie einen klassischen Trafo vorstellen. Nur dass hier die Trafo-Spule zweigeteilt ist: ein Teil im Sender und ein Teil im Empfänger. Das geht leider auf Kosten der Ladezeit und Effizienz. Drahtloses Laden ist nicht perfekt. Ein Haken ist die Effizienz der Stromübertragung: zwischen Senderantenne und Empfänger geht Leistung verloren. Mindestens zehn Prozent zusätzlich zu den Schaltverlusten, die jedes Netzteil hat.

Manche sprechen von bis zu 40 Prozent Verlusten. Wie exakt die beiden Spulen anliegen und der effektive Abstand der Spulen zueinander ist maßgeblich für diesen Schwund. Hüllen und andere Faktoren verschlechtern den Wirkungsgrad weiter. Das ist zum einen ein klein wenig Stromverschwendung und verlängert zum anderen die Ladezeit. Die iPhones unterstützen maximal 7,5 Watt induktive Ladeleistung. Damit lädt das iPhone immer noch ein wenig langsamer als mit dem 5-Watt-Ladegerät und deutlich langsamer als mit einem kräftigen Ladegerät.

Schnell mal die neuesten Benachrichtigungen zu checken, ist nicht so einfach, wenn das iPhone auf der Ladeschale liegt. Ständig den Ladevorgang zu unterbrechen, verlängert nur die Ladezeit und kann die Lebensdauer des Akkus verkürzen. Wenn es darum geht, schnell zwischendurch möglichst viel Kapazität in kurzer Zeit zu tanken, dann ist ein Kabel mit einem kräftigen Netzteil immer noch die beste Lösung. Ein iPad- oder USB-C-Ladegerät von Apple lädt hier deutlich schneller, ebenso wie auch einige Drittanbieterladegeräte. Mit der vergleichsweise langen Ladedauer eignet sich kabelloses Laden eher für die gemütliche Akkuregeneration über Nacht.

Übrigens keine Sorge: Qi-Ladestationen „senden“ nicht ununterbrochen „Strom“ in die Umgebung, wenn kein Gerät darauf liegt. Ähnlich wie ein normales Ladegerät wird nur dann Leistung übertragen, wenn auch ein Verbraucher anliegt. Dazu besitzt der Qi-Standard einen schmalen Datenkanal, mit dem sich Lader und Gerät verständigen.

Elektrosmog-Gefahr?

Viele Menschen haben eine irrationale Angst vor jeder Form von „Strahlung“. Ein Ladegerät, das den Strom per Strahlung abgibt, könnte da der größtmögliche Angstgegner sein. Tatsächlich hat die Strahlung von Qi wie jede hochfrequente elektromagnetische Strahlung nur eine kurze Reichweite. Deshalb funktioniert Qi auch nur über die wenigen Millimeter Distanz zwischen Sender und Empfängerantenne – eine Smartphonehülle kann hier schon zu viel Hürde sein.

Anders als WLAN (bei dem die Sendeleistung minimal ist) sendet Qi zielgerichtet direkt zur Empfängerantenne und nicht in alle Richtungen. Der Qi-Standard sieht zudem eine Abschirmung an Sender- und Empfängerspule vor. Hinweise, dass die Drahtlos-Ladung potenziell schädlich ist, gibt es aktuell nicht. Falls Sie sich dennoch unwohl bei diesem Thema fühlen, nutzen Sie es einfach nicht. Auch ein iPhone mit induktiver Ladefunktion ist für Sie dann kein Problem. Die Empfängerantenne im iPhone ist rein passiv und sendet selbst nicht.

Worauf sollte man beim Kauf einer Qi-Ladeschale achten?

Da alle Ladeschalen exakt das Gleiche tun, könnte man sich hier fragen, ob es denn eine teure Markenlösung sein muss. Ganz grundsätzlich gibt es bei Qi-Ladestationen bisher keine Apple-spezifischen Eigenschaften. Die Lader sind standardisiert. In der Tat bestehen Qi-Lader nur aus relativ wenigen Bauteilen. Es gibt ein klassisches kleines Schaltnetzteil für die Spannungswandlung und dazu einen Controller als Taktgeber und Überwacher des Systems, plus die Leistungsstufe und Spule. Besonders günstige Lösungen kommen gar ohne eigenes Netzteil, sondern nur mit einem USB-Anschluss als Eingang für die Stromversorgung. Das macht diese flexibler (beispielsweise für unterwegs mit einer Powerbank), kann jedoch auch Haken mit sich bringen. Schließt der Nutzer die Ladeschale an eine zu schwache USB-Versorgung, wird das Smartphone gar nicht oder nur sehr langsam geladen.

Neben den elektrischen Eigenschaften sind rein mechanische Merkmale ebenfalls wichtig. Ist die Schale griffig genug, sodass das Smartphone nicht verrutscht? Zudem existieren unterschiedliche Bauformen. Neben den typischen Hockeypuck-Bauformen bestehen auch Dock-Varianten, bei denen das Smartphone aufrecht in der Ladeschale steht. Dies ist praktisch für den Schreib- oder Nachttisch, wenn das Telefon ablesbar bleibt. Wichtig ist zudem eine Schutzschaltung gegen Überhitzung und dass die Schale den Datenkanal des Qi-Standards nutzt, um mit dem Empfängergerät zu kommunizieren. Dies sollten alle kompatiblen Ladegeräte tun.

Unterwegs nachtanken?

Viele – insbesondere die günstigen – Qi-Lader haben einen USB-Anschluss als Spannungsquelle. Das macht sie theoretisch vielseitig – für den USB-Anschluss im Auto, Powerbanks und andere mobile Lösungen. Diese haben leider oft eine geringe Ausgangsleistung. Manche Powerbanks haben inzwischen sogar direkt eine eingebaute Qi-Ladefläche. Dies kann man in den meisten Fällen als „Gimmick“ abhaken. Wenn es unterwegs darum geht, in kurzer Zeit den Akku möglichst effizient und flott wieder aufzupumpen (womöglich im Rucksack), dann ist ein Kabel mehr als sinnvoll. Das Alleinstellungsmerkmal von Qi ist schließlich der Komfort, nicht die Ladeleistung. Unterwegs gewinnt das Kabel immer.

Laden im Auto

Einige moderne Fahrzeuge haben bereits Qi-Ladeschalen eingebaut. Dann muss das Handy nur auf die vorgesehene, fest eingebaute, Ladeschale gelegt werden und am Ziel ist das Smartphone aufgeladen. Wer schon mal einen Neuwagen konfiguriert hat, ahnt: Das kostet sicher extra. Beispiele dafür sind einige Seat-Modelle (200 Euro Aufpreis), Opel Insignia (190 Euro), einige VW-Modelle (465 Euro), auch bei Mercedes (583 Euro) und BMW (143 Euro als Nachrüstung) ist dies erhältlich. In vielen Fällen ist hier jedoch gleichzeitig ein Upgrade auf eines der teureren Entertainment-Systeme nötig, sodass der Aufpreis in Einzelfällen noch um ein Vielfaches höher sein kann.

Bei Seat kostet die „Connectivity Box“ mit Qi-Funktion rund 200 Euro Aufpreis.
Vergrößern Bei Seat kostet die „Connectivity Box“ mit Qi-Funktion rund 200 Euro Aufpreis.
© Seat

Wenn es keine vollintegrierte Lösung sein muss: Zubehör-Qi-Ladeschalen, die an einen USB-Anschluss oder ein USB-Ladegerät für die 12-Volt-Buchse angeschlossen werden, kosten nur einige Euro. Diese gibt es auch speziell für das Auto mit Klebefläche oder als Klemmhalterung. Ein Nachteil ist jedoch, dass man für Apples CarPlay in den meisten Autos weiterhin ein Kabel für die Verbindung benötigt, drahtloses Laden deshalb nicht immer eine echte Alternative ist. Wer das iPhone im Auto als Navi nutzt und dabei viel Strom verbraucht, sollte generell weiterhin zum Kabel greifen. Ist das Smartphone nur mit Bluetooth oder dem noch seltenen CarPlay WiFi mit dem Auto verbunden, ist eine Qi-Ladeschale im Auto perfekt.

Auch Skoda bietet drahtloses Laden im Auto an
Vergrößern Auch Skoda bietet drahtloses Laden im Auto an
© Skoda

Apples Airpower

Mit dem iPhone 8 und X hat Apple eine eigene Qi-Lösung für bis zu drei Geräte gleichzeitig vorgestellt. Verkaufsstart: „2018“ – trotz diverser Gelegenheiten für die Ankündigung eines genaueren Termins gibt es diesen immer noch nicht. Warum Apple die eigene Ladestation nicht schon zum Start des iPhone 8 und X lieferbar hat, ist ungewiss. Mangels Verfügbarkeit gibt es keine Praxiserfahrungen zu Apples Airpower. Das Konzept verspricht jedoch Komfort durch multiple Ladespulen: Man kann mehrere Geräte gleichzeitig aufladen und muss nicht auf den Millimeter darauf achten, das Smartphone auf die richtige Ladeposition zu legen. Laut Apple nutzt Airpower Eigenentwicklungen von Apple als Erweiterungen des Qi-Standards. Apple möchte, dass diese in Zukunft Teil des Qi-Standards werden.

Apples Airpower soll irgendwann in diesem Jahr kommen.
Vergrößern Apples Airpower soll irgendwann in diesem Jahr kommen.
© Apple

Was dies in der Praxis bedeutet, hat Apple bisher nicht dargelegt. Airpower existiert bislang nur als Konzept, das auf der Keynote zum iPhone X gezeigt wurde. Marketingchef Phil Schiller sagt, dass Airpower die Ladeleistung offenbar smart verteilen soll. Zudem zeigt das iPhone bei der Demo den Akkustand aller Geräte an, die gerade geladen werden. Dies könnte jedoch auch klassisch per Bluetooth-Pairing passieren, wie es heute in der Widgetübersicht zu sehen ist – wenn auch mit einer schicken neuen Animation und direkt im Sperrbildschirm des iPhone.

Apples eigene Ladestation lässt derzeit noch auf unbestimmte Zeit auf sich warten. Deshalb empfiehlt Apple aktuell zwei Drittanbieterprodukte: Auf der Keynote zum iPhone 8 und iPhone X hat Apple zwei Ladeschalen vorgestellt, die offiziell von Apple unterstützt werden und die „entwickelt für das iPhone“ von sich behaupten dürfen. Was das bei einer standardisierten Technik genau bedeutet, ist eine andere Frage. Jedenfalls hat Apple die Lösungen von Mophie und Belkin offiziell als Kooperation angekündigt und bietet diese im Apple Store an.

Mophie Wireless Charging Base

Mophie ist seit vielen Jahren Begleiter des iPhone-Kosmos mit Akkulösungen und Stromzubehör. In den USA ist Mophie laut eigenen Angaben Marktführer bei Akkuhüllen. Kein Wunder, dass jetzt auch die Qi-Ladestation „Wireless Charging Base“ zum Sortiment dazugehört. Diese hat die weit verbreitete Puck-Form, großflächige Gummierung und ist ausschließlich in Schwarz erhältlich.

Die Ladestation von Mophie
Vergrößern Die Ladestation von Mophie
© Mophie

Einer der Nachteile von Mophies Lader ist das Stromkabel. Denn das Unternehmen nutzt ein Netzteil mit fest verbautem Kabel und eigenem Stecker zur Ladeschale, keine USB-Verbindung. Geht dieses Stromkabel kaputt, kann man es nicht einfach austauschen. Dazu ist aktuell nicht einmal das Netzteil mitsamt diesem fest verbundenen Kabel laut Hersteller einzeln lieferbar. Dafür liefert Mophies Wireless Charging Base die vollen 7,5 Watt Maximalleistung, die das iPhone akzeptiert. Im Duell der beiden offiziell von Apple unterstützten Ladestationen ist dies die Kleinere: Unter zehn Zentimeter im Durchmesser und unter zwölf Millimeter hoch. Mophie Wireless Charging Base ist im Apple Store oder direkt beim Hersteller erhältlich und kostet 65 Euro .

Belkin Boost Up

Auch Belkins Qi-Lader nutzt ein eigenes Netzteil (gut) mit einem proprietären Kabel (nicht ganz so gut). Ansonsten sind die Eckdaten ähnlich wie bei Mophies Lösung: 7,5 Watt, Gummiring für ordentlichen Halt, allerdings nur in Weiß erhältlich. Boost Up ist im Durchmesser knapp unter zwölf Zentimetern groß und knapp 1,5 Zentimeter hoch. Damit etwas größer und höher als Mophies Konkurrenzprodukt.

Die Ladestation von Belkin
Vergrößern Die Ladestation von Belkin
© Belkin

Eine Besonderheit ist die integrierte Garantie. Geräte, die damit geladen werden, seien bis zu 2000 Euro abgesichert, so der Hersteller. Preislich liegen Mophie und Belkin gleichauf: auch Belkin verlangt 65 Euro für die offiziell von Apple beworbene Ladelösung .

Belkin Boost Up auf Amazon.de ab 60 Euro

RAVPower Qi-Ladestation Quick Charge

Die kabellose Ladestation für Qi-fähige Geräte von Ravpower wird in einem quadratischen Karton in weiß-grau-mintgrün geliefert. Das Pad besteht aus einer Mischung aus Metall, Plastik und Gummi. Wie bei fast jedem anderem Qi-Ladegerät ist auf der Oberseite ein Gummiring angebracht, der das abrutschen des aufgelegten Gerätes verhindert. Der Output des Ladegerätes wird mit maximal 10 Watt angegeben. Das Micro-USB-Ladekabel ist mit Nylon ummantelt, und erscheint daher recht hochwertig. Zusätzlich wird auch noch ein Adapter für den Anschluss an die Steckdose mitgeliefert.

Eine LED auf der Vorderseite dient als Indikator für verschiedene Szenarien. Blinkt die LED langsam rot, so ist kein Gerät aufgelegt und das Pad schaltet sich nach 10 Sekunden ab. Blinkt die LED orange, so ist ein Gerät aufgelegt und wird mit normaler Geschwindigkeit geladen. Blinkt die LED grün, so ist ein "Fast Charge"-fähiges Gerät aufgelegt. Leuchtet die LED durchgehend grün, so ist das Smartphone vollständig aufgeladen. Das iPhone sendet im Vergleich zu anderen Herstellern kein Signal an das Ladegerät, deswegen bleibt die LED auch bei vollständiger Ladung orange. Hierbei schaltet sich das Pad nach 15 Sekunden ab. Blinkt die LED schnell Rot, so wird das aufgelegte Gerät vom Ladegerät nicht unterstützt oder es wurde Metall erkannt, welches die Ladefunktion unterbricht. Die Ladezeit eines iPhone X beträgt etwa 160 Minuten

In unserem Preisvergleich ist das Ladegerät für ca. 29 € verfügbar . Manuel Braun

Möbel unter Spannung?

Neben reinen Ladeschalen existieren viele weitere Geräte und Objekte, die eine eingebaute Qi-Ladefläche haben. Beispielsweise hat das Möbelhaus Ikea Nachttische und Lampen mit eingebauter Ladezone im Angebot. Diverse Bildschirme von Dell, Asus oder Samsung haben ebenfalls einen Qi-Lader im Displayfuß. Das kann praktisch und ein schönes Zusatzgimmick sein. Dennoch sollte dies kein Kaufkriterium sein. Suchen Sie sich den bestmöglichen Monitor für Ihr Budget aus. Nicht danach, ob er Qi unterstützt.

IKEA hat Tische mit integrierter Ladestation im Programm
Vergrößern IKEA hat Tische mit integrierter Ladestation im Programm
© IKEA
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