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Apple legt weitere Rekordbilanz vor

02.05.2018 | 12:01 Uhr | Peter Müller,

Von wegen Krise: Apple legt sowohl bei Umsatz als auch Gewinn deutlich zu und straft viele Kritiker Lügen.

Apples Niedergang fällt vorerst aus, das iPhone X ist offenbar doch kein Flop. Zumindest lässt sich derartiges aus den Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2017/18 schließen, die Apple gestern Abend vorgelegt hat. Besser hat der iPhone-Hersteller ein März-Quartal zuvor nicht abgeschlossen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf 61,1 Milliarden US-Dollar, der Gewinn sogar um 30 Prozent auf 2,73 US-Dollar pro verwässerter Aktie - insgesamt betrug der Nettoüberschuss 13,822 Milliarden US-Dollar, etwas mehr als 25 Prozent mehr als die 11,029 Milliarden US-Dollar von vor einem Jahr.

Umsatz und Gewinn seit Q2 2015
Vergrößern Umsatz und Gewinn seit Q2 2015

iPhone legt zu

Das iPhone macht weit weniger Sorgen, als das in den Augen der Analysten im Vorfeld zu befürchten war. Im Dreimonatszeitraum, der am 31. März endete, hatte Apple 52,2 Millionen Stück verkauft, drei Prozent mehr als vor einem Jahr. Der durchschnittliche Erlös betrug 728 US-Dollar, im Vorjahr lag der Wert bei 655 US-Dollar – das iPhone X, von dem Apple keine genauen Verkaufszahlen nennt, hat also seine Spuren hinterlassen. Gleichwohl hatte Apple im Weihnachtsgeschäft noch 796 US-Dollar pro iPhone eingenommen. Der mit dem iPhone erzielte Umsatz betrug 38,032 Milliarden US-Dollar. Laut Apple-CEO Tim Cook sei das iPhone X in jeder Woche des März-Quartals das bestverkaufte gewesen. Wie bei einem Superbowl wünsche man dem Gewinner vielleicht ein paar Punkte mehr, aber letztlich zählt das Resultat: Das iPhone X sei Apples Superbowl-Champion.

Die iPhone-Kurve in verkauften Stück seit 2007. Saisonale Ausschläge sind hier besonders stark.
Vergrößern Die iPhone-Kurve in verkauften Stück seit 2007. Saisonale Ausschläge sind hier besonders stark.

Mehr iPads verkauft, etwas mehr Umsatz mit Macs

Auch aus der iPad-Sparte meldet Apple Erfreuliches: Die Verkäufe stiegen gegenüber Vorjahr von 8,9 auf 9,1 Millionen Stück, die Hälfte der Käufe seien neue Kunden gewesen. Der Mac ließ jedoch leicht nach, die Stückzahlen sanken um drei Prozent auf nunmehr 4,078 Millionen, der Umsatz stieg jedoch leicht an, von 5,844 Milliarden US-Dollar auf 5,848 Milliarden US-Dollar.

Der Services-Bereich wächst weiter stark, im März-Quartal um 30 Prozent auf einen Umsatz von 9,2 Milliarden US-Dollar. Noch stärker fiel aber das Plus  für die anderen Produkte aus, 38 Prozent mehr spülten Homepod, AirPods, Apple Watch, Apple TV, Beats-Kopfhörer und weitere in Cupertinos Kassen, fast 4 Milliarden US-Dollar in Summe. Vor allem die Wearables haben laut Cook und seinem Finanzchef Luca Maestri dazu beigetragen, deren Zuwachs machte 50 Prozent aus. Zu den Zahlen des Homepod fiel kein Wort.

Verkäufe von Mac und iPad in Stückzahlen seit 2010
Vergrößern Verkäufe von Mac und iPad in Stückzahlen seit 2010

Weltweites Wachstum, 100 Milliarden US-Dollar an Aktionäre

Weltweit legte Apple zu, bemerkenswert ist das 21prozentige Umsatzwachstum in "Greater China" (Volksrepublik China, Hongkong, Taiwan), wo das iPhone X das populärste Smartphone sei und auch der Mac an Marktanteile zugelegt habe. Japan gewann 22 Prozent hinzu, Amerika 17 Prozent, Europa neun Prozent und Asia-Pacific  vier Prozent. Rekordzahlen könne man auch aus Indien vermelden.

Für Aktionäre interessant ist das neue Dividendenprogramm, das Apple nach dem Auslaufen des alten nun auflegt. In den kommenden Jahren will der Konzern 100 Milliarden US-Dollar an seine Anteilseigner in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden ausgeben. Apple habe auch bei seiner Suche nach einem Standort für einen weiteren Campus Fortschritte erzielt, in den kommenden fünf Jahren wolle man in den USA rund 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Für das dritte Quartal rechnet Apple mit einem Umsatz zwischen 51,5 und 53,5 Milliarden US-Dollar – was eine weitere Rekordbilanz bedeuten dürfte. Der Kurs der Apple-Aktie legte daher nachbörslich um vier Prozent zu – Wall Street ist wieder zufrieden.

Fünf Lehren der Bilanz – Erstens: Dem iPhone X geht es gut

Wie auf den ersten Blick ersichtlich, verkauft sich das iPhone X nicht so schlecht, wie es manche Berichte in der jüngeren Vergangenheit behaupteten. Apples Aussage, das iPhone X sei über den gesamten Berichtszeitraum das bestverkaufte gewesen, klingen glaubwürdig - sagen dennoch nichts darüber aus, ob die internen Erwartungen des Herstellers nicht doch höher waren. CFO Luca Maestri bestätigt in der Bilanzpressekonferenz, dass Apple die Bestellungen bei seinen Zulieferern zurück gefahren habe, das Inventar sei zuletzt wieder angestiegen. Kein Grund zur Panik, aber Apple hat mehr iPhones produzieren lassen, als es verkaufen konnte.

Umsatzänderungen im Vorjahresvergleich: Das Wachstum zieht sogar wieder an
Vergrößern Umsatzänderungen im Vorjahresvergleich: Das Wachstum zieht sogar wieder an
© Macworld

Der Samrtphone-Markt werde auch weiter wachsen, meint Tim Cook, bei weitem nicht ein jedes Handy weltweit sei ein Smartphone, werde es aber über kurz oder lang sein. Apple freue sich, an diesem Markt teilhaben zu können und sehe in naher Zuknft die Möglichkeit, die heute neuen Technologien des iPhone X auch bald in anderen, günstigeren Produkten verbauen zu können – die verkauften Stückzahlen würden dann wieder deutlich steigen.

Zweitens: Gesunde Geschäfte in China

China wird über kurz oder lang der wichtigste Markt für Apple sein und wenn auch das dortige Smartphonesegment ein wenig schwächelt, schlägt sich Apple besser als viele Konkurrenten. In China setze man aber auch auf den Mac, das iPad, die Apple Watch und weitere Produkte, die Services-Sparte ist wieder deutlich gewachsen. Cook zeigte sich optimistisch, dass man einen Handelskrieg zwischen den USA und China vermeiden könne. Seiner Ansicht nach hätten die beiden Länder "unvermeidliche Gemeinsamkeiten", China könne es nur gut gehen, wenn es auch den Staaten gut gehe und umgekehrt. Gemeinsame Handelsinteressen, Win-Win-Situation durch Austausch – leider sieht der US-Präsident den Welthandel als Nullsummenspiel und das gemeinsame Prosperieren könnte von heute auf morgen enden. Diese Sorge mag Apple aber allenfalls intern umtreiben, nach außen zeigt sich das Unternehmen optimistisch.

Drittens: Service-Umsätze gehen durch die Decke

Apples Umsatzkurven zeigen saisonale Schwankungen, bricht man sie auf Produkte herunter, wird das umso deutlicher. So hat Apple etwa im Dezemberquartal 65 Prozent mehr iPhones verkauft als im Zeitraum von Juli bis September, im zweiten Quartal des Fisklajahres waren es dann wieder 32 Prozent weniger als im ersten, in das das Weihnachtsgeschäft fällt. In anderen Sparten sieht es ähnlich aus. Nur die mit Services wie iTunes, Apple Music, iCloud Storage oder dem App Store erzielten Umsätze steigen kontinuierlich von Quartal zu Quartal.

Services kennen (kaum) Jahreszeiten
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© Macworld

Apple Music hat zuletzt die 40-Millionen-Marke bei den Abos überschritten, der Umsatz mit iClouzd Storage stieg um über 50 Prozent - für Apple zahlt es sich aus, den kostenlosen Storage seit 2011 auf vergleichsweise mickrige 5 GB zu halten. Jedes verkaufte iPhone und iPad mehr garantiert auch einen Zuwachs bei den Einnahmen durch Apps.

Viertens: Wearables sind attraktiv

Nein, von seinem Entschluss, keine genauen Verkaufszahlen für die Apple Watch zu nennen, rückt Apple weiterhin nicht ab. Also bleiben nur Aussagen wie "50 Prozent mehr Umsatz", die man erst einmal zur Kenntnis nimmt. Das Umsatzwachstum bei den "Sonstigen Produkten" lässt sich schwer auf einzelne Geräte herunterbrechen, das Schweigen zum HomePod klang aber sehr beredt.

Andere Produkte: Die Apple Watch dürfte der wichtigste Umsatztreiber sein
Vergrößern Andere Produkte: Die Apple Watch dürfte der wichtigste Umsatztreiber sein
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Fünftes: Der Homepod lebt

Immerhin ist das Ignorieren des HomePod kein schlechtes Zeichen, Apple hätte ja auch sagen können, dass man das Experiment wegen Erfolglosigkeit einstelle. Immerhin ließ sich Cook wenn auch nicht zu Aussagen über Zahlen doch über die nahe Zukunft hinreißen. Nichts Neues: Viele Leute halten den HomePod für toll und er werde bald neue Features bekommen und in internationalen Märkten herauskommen. Deutschland und Frankreich waren für das "Frühjahr" angekündigt, Apple wird sich beeilen müssen, bevor hier der Sommer ausbricht.

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