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Apples Services 2019: Starkes Wachstum mit Filmen

06.01.2019 | 08:28 Uhr | Peter Müller

Apples Services-Sparte wächst weiter enorm. Im kommenden Jahr erwarten wir einen zusätzlichen Schub durch Apple TV.

Geschafft! Gut drei Wochen vor dem Jahresende ist Apple Pay in Deutschland angekommen. Die Wartezeit von vier Jahren gegenüber der Premiere in den USA hat mehrere Gründe. Einerseits ist das Bankensystem in Deutschland relativ kompliziert, mit mehr als 2000 Instituten, von denen viele nur regional oder lokal agieren. Mit öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Und mit den genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken. Andererseits ist Deutschland nach wie vor Bargeldland, manche behaupten gar, ein komplett digitaler Zahlungsverkehr würde ihre Freiheit beschränken. Und dann gibt es natürlich den Grund, dass Banken hierzulande eigene kontaklose Bezahlsysteme aufgesetzt und auf Apple geradezu gewartet haben. Denn vor allem will Cupertino mit Apple Pay eine Sache: Geld verdienen. Geld, das bisher bei den Banken und ihren Services komplett hängen geblieben ist und von dem der iPhone-Hersteller nun profitieren will.

Denn das weiß man in Cupertino: iPhone-Hersteller und auch Mac-Hersteller wird man noch lange bleiben. Aber schon jetzt kündigt sich die Zeit nach dem iPhone an, die Verkäufe steigen schon seit zwei Jahren nicht mehr. In einem gesättigten Markt bleibt Apple einerseits nur, für Umsatzwachstum die Preise zu erhöhen. Oder andererseits aus seinen Kunden Geld auf regelmäßiger Basis zu ziehen, aus ihrem täglichen Leben. Mit Dienstleistungen, die Apple in seiner Sparte Services in der Bilanz separat ausweist und die seit Jahren stolzes Wachstum zeigen.

Täglich von der Kundschaft profitieren – und nicht einmalig

Apple Pay ist nur einer davon, aber vielleicht der nachhaltigste. Denn das Bezahlen mit iPhone und Apple Watch soll das mit Plastikkarten oder Scheinen ablösen. Allein aus der installierten Basis von mehr als einer halben Milliarde iPhone-Nutzern kann Apple täglich Cent-Beträge in Form von Transaktionsgebühren für die täglichen Einkäufe ziehen – das summiert sich gewaltig, auch wenn die Partnerbanken immer noch ihr Scherflein abbekommen. Je attraktiver, sicherer und bequemer Apple Pay angenommen wird, umso mehr Kunden bleiben der Marke treu – oder wechseln auf Apples Plattform. So verdient Cupertino doppelt: An der eigens angeschafften Hardware und an deren Gebrauch über Jahre.

Doch auch mit anderen Dienstleistungen nimmt Apple regelmäßig Geld von seinen Nutzern ein. Für jede App oder jeden Inhalt, die man sich für sein iPhone, iPad oder Mac kauft, entfallen 30 Prozent des Kaufpreises an den Betreiber der App Stores, in denen es auch Musik, Filme und Bücher gibt.

TV separat oder im großen Bundle

Der iTunes (Music) Store ist in diesem Jahr 15 Jahre alt geworden, sein Prinzip hat sich aber bereits überholt. Denn Musik wollen die Kunden mittlerweile im Abo genießen. Apple hat das spät erkannt, aber immerhin erkannt, dass es besser ist, eine regelmäßige monatliche Gebühr für den Zugriff auf den Gesamtkatalog zu verlangen, als darauf zu warten, dass der Kunde mal wieder vorbeischaut und sich ein Album oder eine Single kauft. Apple war nicht der Pionier in Sachen Musikstreaming, ist mit mehr als 40 Millionen zahlenden Kunden aber immerhin bereits die Nummer zwei hinter Spotify.

Kommendes Jahr wird dann endlich das schon lang erwartete TV-Angebot an den Start gehen, die Vermutung liegt nahe, dass Apple erneut die WWDC Anfang Juni für die Vorstellung seines neuen Services nutzen wird und schon eine oder zwei Wochen später die ersten exklusiven Serien und Filme sowie einen starken Back-Katalog in das Internet entlässt. Die kolportierte Milliardensumme an Investitionen pro Jahr klingt nur auf den ersten Blick als hoch, Netflix und Amazon investieren deutlich mehr in ihr Angebot. Kleckert Apple hier nur, anstatt zu klotzen?

Die bisherigen Spekulationen über die Ausgestaltung des künftigen Services gehen weit auseinander. Wird Apple TV – so der mutmaßlich Name – nur ein Teil von Apple Music, um dessen Attraktivität so weit zu steigern, dass die Lücke zu Spotify merklich schrumpft? Kostet der Dienst extra, etwa so viel wie auch schon Apple Music und damit etwas mehr als Netflix oder Amazon Prime Video? Wird Apple TV gratis – die Eintrittskarten dafür sind Mac, iPad, iPhone und Apple TV (die Hardware), auf anderen Geräten wird man die spannenden neuen Inhalte nicht empfangen können? Oder plant Apple eine große Service-Pauschale, in der alles drin ist: Apple Music, Apple TV, iCloud und auch noch eine Flatrate für Zeitungen und Zeitschriften via Texture , das Spekulationen vom Jahresende zufolge im Frühjahr 2019 als kostenpflichtiger Zusatz in der News-App kommen soll? Letzteres klingt nach einem gar nicht mal so unattraktiven Angebot - weder für den Nutzer, noch für Apple, das von seinen Kunden dann jeden Monat 30 bis 50 Euro überwiesen bekommt, je nach Ausgestaltung des Abos für Inhalte und Online-Speicher.

Anders als beim Thema Apple Pay scheint aber auch eine Öffnung für Dritte sinnvoll. Apple Music läuft ja bereits auf Android, da sich die Beziehungen von Apple und Amazon zuletzt stark verbessert haben und Apple Music auch auf den Echo-Lautsprechern des Handelsriesen läuft, wäre Apple TV (der Service) auch auf anderen Geräten neben dem Apple TV (der Hardware) denkbar. Apple entkoppelte damit Inhalte vom Medium. Das Musik- und Fernsehangebot muss sich mit denen von Amazon, Netflix, Spotif (je nachdem) messen, während etwa der HomePod und das Apple TV sich als Premium-Hardware präsentieren. Warum dann aber nicht Käufer jener Geräte mit einem halben oder sogar ganzem Jahr freier Inhalte locken? Spätestens dann hat Apple die Neukunden soweit angefixt, dass sie bleiben.

Fazit

Dienstleistungen sind ein wichtiger Teil von Apples Wachstumsstrategie und werden das Unternehmen die Zeit überbrücken helfen, bis langfristige Entwicklungen zu Technikfelder wie AR oder autonomes Fahren marktreif sein. Die Services-Sparte wird bei Apple auch im Jahr 2019 wieder kräftig wachsen, nicht erst im zweiten Halbjahr, wenn das Streaming-TV an den Start gegangen ist.

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