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Apples Streaming-TV: Auch für Amazon, Roku und Konsorten offen?

06.12.2018 | 11:44 Uhr |

Die Kooperation von Apple Music mit Amazon Echo könnte ein Zeichen dafür sein, was Cupertino für Apple TV plant.

Wie bedeutend ist die Ankündigung von Amazon von letzter Woche, dass Apple Music auf Echo-Geräte kommt? Das hängt davon ab davon ab, wie sehr man Apples Abonnement-Services gewichtet, vor allem im Vergleich zur traditionellen Strategie, mit Hardware Geld zu verdienen.

Der Kalte Krieg zwischen Amazon und Apple scheint endlich zu Ende zu gehen. Amazon's Prime Video App kam vor exakt einem Jahr endlich auf dem Apple TV an . Apple-Geräte sind dank eines neuen Vertrags zwischen den beiden Unternehmen bei Amazon weit verbreitet. Und jetzt gibt es diese neue Entwicklung, nach der Amazon der zweite Drittanbieter von Lautsprechern (nach Sonos) sein wird, der Support für Apple Music anbietet.

Doch kommt man hier fast zwangsläufig zum Schluss, dass Apples erklärtes Bestreben, seine Service-Einnahmen schnell zu steigern – dazu gehören der App Store, iCloud, Apple Music und mehr – sich schon jetzt für das Unternehmen auszahlt. Die jahrzehntelang verfolgte Strategie, durch den Verkauf von Hardware mit großen Gewinnmargen viel Geld zu verdienen, tritt allmählich in den Hintergrund.

Steigerung der Reichweite und des Umsatzes von Apple TV

Wenn Apple Music auf Amazons Echoes spielt, verliert der Homepod sein Alleinstellungsmerkmal als sprachgesteuerter Wohnzimmerlautsprecher mit Apple-Music-Wiedergabe. Apple hat oft auf Exklusivität gesetzt, um den Verkauf von Hardware voranzutreiben. Das ist der Grund dafür, dass man bei iTunes gekaufte Filme auf Amazon-Fire-TV- oder Roku-Geräten nicht ansehen kann. Jetzt muss sich der Homepod alleine als High-End-Premiumlautsprecher behaupten und nicht mehr als buchstäblich die einzige Option, wenn Sie einem für Apple Music fähigen intelligenten Lautsprecher Sprachbefehle geben wollen.

Dies ist ein Schritt, der enorme Auswirkungen auf den bevorstehenden TV-Service von Apple haben könnte. Das aktuell erhältliche Gerät Apple TV ist derzeit zwischen Apples Wunsch nach höheren Serviceumsätzen und seinem klassischen Fokus auf Hardware-Profitmargen gefangen. Tatsächlich erinnert die mögliche Befreiung aus dem Dilemma uns an einen ähnlichen Schritt aus den Jahren 2002 und 2003, als Apple den iPod mit Windows-PCs kompatibel machte.

Zu dieser Zeit entschied Apple, dass der iPod kein Produkt mehr ist, dessen Wert darin besteht, den bestehenden Mac-Markt zu bedienen und den Mac attraktiver zu machen. Es dauerte lange – und nach einigen Berichten war Steve Jobs vehement dagegen – bis Apple seine alten Annahmen aufgab, dass jedes Apple-Produkt vor allem dazu dienen müsse, den Mac attraktiver zu machen. Stattdessen wurde man sich in Cupertino der Tatsache bewusst, dass der Erfolg des iPod allein lukrativer sein würde als jeder kleine Schub, den er Mac-Verkäufen bieten könnte. Am Ende wurde ein Schuh daraus: Der iPod erwies sich für Millionen von Menschen als ihre allererste Erfahrung mit einem Apple-Produkt. Die positiven Eindrücke ebneten den Weg für das Wachstum des Mac und den späteren Erfolg des iPhone.

Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Apple nun auf die gleiche Erkenntnis bezüglich seiner Dienstleistungen kommt. Es ist schwer vorstellbar, dass Apple seine in Inhalten für den Videodienst in Höhe von einer Milliarde US-Dollar riskieren will, weil der Konzern seine Zielgruppe auf diejenigen beschränken würde, die ein Apple TV gekauft haben, das dreimal so viel kostet wie die Geräte der  Mitbewerber.

Letzte Woche habe ich geschrieben, dass das Apple TV billiger werden muss , und das wäre sicherlich ein guter Weg für Apple, seinen Service auf die Fernseher von Menschen auf der ganzen Welt zu bringen. Aber die Ankündigung von Apple Music auf Amazon Echo lässt mich rätseln, ob Apple nicht sogar bereit ist, einen noch größeren Schritt weg von seinem in einem ummauerten Garten eingeschlossenen Ökosystem zu gehen.

Denken Sie nur mal an die TV-App. Apple hat diese in den letzten Jahren als zentrale Anlaufstelle für alle eigenen Inhalte sowie derer von Drittanbietern aufgebaut. Apples Vision ist, dass Nutzer von iPhone, iPad und Apple TV die TV-App als Schnittstelle für iTunes-Käufe und -Verleih, Live-Sport, andere Dienste und natürlich den eigenen Videoservice von Apple nutzen werden.

Stellen Sie sich nun die TV-App auf Roku und Amazon Fire TV vor. In einem einzigen Schritt würde Apple sein Ökosystem – nicht nur den zukünftigen Apple-Video-Service, sondern auch den bestehenden Verlieh und Verkauf von Filmen und TV-Shows über  iTunes  sowie möglicherweise andere von Apple weiterverkaufte Video-Services – auf die beliebtesten TV-Streaming-Boxen bringen. Das Apple TV wäre wie schon der Homepod dazu gezwungen, sich als margenstarke "Premium"-Hardware zu behaupten – aber die Abonnement-Services von Apple und die Video-Verkäufe wären nun einem breiten Publikum zugänglich.

Es würde sicherlich die Anzahl der Personen erhöhen, die den neuen Videoservice von Apple abonnieren könnten. Und vielleicht, nur vielleicht, wäre es wie der iPod und fungiert als Tor, um einige dieser Menschen weiter in das Ökosystem von Apple zu locken.

Mit der Ankunft von Apple Music im Amazon Echo in diesem Monat wird deutlich, dass Apple bereit ist, sich viel anders zu verhalten als in der Vergangenheit, um die Reichweite seiner Abonnementmediendienste zu erhöhen.

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