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Apple-Bilanz Q1 2019: Umsatz geht zurück – Schwaches iPhone

30.01.2019 | 10:20 Uhr | Peter Müller

Die Bilanz für das erste Quartal von Apples Geschäftsjahr fällt wie angekündigt hinter den Rekordwerten von vor einem Jahr zurück. Vor allem das iPhone zeigt Schwächen, in anderen Bereichen zeigt sich Cupertino stark.

Der Umsatz im Dezemberquartal hat laut der gestern Abend vorgelegten Zahlen 84,3 Milliarden US-Dollar betragen, der Gewinn 19,965 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr hat Apple gut fünf Prozent an Umsatz verloren, damals nahm der iPhone-Hersteller noch 88,3 Milliarden US-Dollar ein. Der Gewinn schrumpfte jedoch kaum, vor einem Jahr standen 20,065 Milliarden US-Dollar unterm Strich. Vor drei Monaten hatte Apple jedoch in seinem Ausblick für das erste Quartal 2018/19 einen Umsatz zwischen 89 und 93 Milliarden US-Dollar avisiert.

Vor allem das iPhone zeigt Schwäche. Apple nennt seit diesem Quartal keine Stückzahlen mehr, nur noch Umsätze. Diese fielen von im Vorjahr 61 Milliarden US-Dollar auf nun mehr 52 Milliarden US-Dollar. Das erfolgreichste iPhone derzeit ist nach Aussagen von Apples Finanzchef Luca Maestri das iPhone XR, insgesamt seien weltweit 900 Millionen Geräte in Betrieb.

Als eine mögliche Maßnahme gegen den Verkaufsrückgang hat Apple-CEO Tim Cook gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt, außerhalb der USA die Preise nicht mehr in US-Dollar anzusetzen. Das führe meist zu höheren Preisen. Wenn Apple im Ausland die Preise in den lokalen Währungen festlegt, könnte das zu niedrigeren Preisen und wieder höherer Nachfrage führen, lautet die Überlegung. Doch hätten auch fehlende Subventionen von Providern und das Batterieaustauschprogramm, in dem man für wenig Geld beinahe ein neues Telefon bekommen hat, für den Absatzrückgang gesorgt.

Umsätze und Gewinne Apples seit 2012
Vergrößern Umsätze und Gewinne Apples seit 2012

iPad, Mac und Services stark

Abgesehen von der iPhone-Problematik legt Apple jedoch wieder eine starke Bilanz vor. Der Umsatz mit den iPads stieg gegenüber Vorjahr von 5,7 auf nun 6,7 Milliarden US-Dollar, der Mac-Umsatz stieg von 6,9 auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Wieder besonders stark waren die Zuwächse im Services-Bereich, die 10,9 Milliarden US-Dollar Umsatz bedeuten gegenüber dem Vorjahr ein Plus von fast 2 Milliarden US-Dollar oder 19 Prozent. Gar um 33 Prozent legte der Bereich zu, der bisher unter "Sonstiges" geführt wurde und nun etwas konkreter "Wearables, Home and Accessories" heißt: Von 5,481 Milliarden US-Dollar ging es hoch auf 7,308 Milliarden US-Dollar.

So abhängig ist Apples Gesamtumsatz (violett) vom iPhone (grün). Services-Umsätze wachsen kontinuierlich (rot).
Vergrößern So abhängig ist Apples Gesamtumsatz (violett) vom iPhone (grün). Services-Umsätze wachsen kontinuierlich (rot).

Aussichten gar nicht mal so trübe

Für das angelaufenen März-Quartal rechnet Apple auch wieder mit einem Rückgang gegenüber Vorjahr, nur wird der womöglich nicht so stark ausfallen. Nach eigener Einschätzung wird Cupertino zwischen 55 und 59 Milliarden US-Dollar einnehmen, im März 2018 standen 61 Milliarden US-Dollar Umsatz in der Bilanz. So verabschiedete Apples CEO Tim Cook im Conference Call Analysten und Journalisten auch mit positiven Aussichten: "Obwohl wir enttäuscht sind, dass wir unser Umsatzziel verpasst haben, managen wir Apple langfristig, und das abgeschlossene Quartal zeigt, dass die zugrunde liegende Stärke des Unternehmens tief und weit reicht." Im nachbörslichen Handel legte die Apple-Aktie um 4 US-Dollar zu. Und einen Rekord hatte Apple dann doch zu melden: Mit 4,18 US-Dollar war der Gewinn pro verwässerter Aktie (diluted share) so hoch wie noch nie zuvor.

Kommentar: Was nun?

Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Also tönen wir eifrig mit: Das Wachstum des iPhones ist gestoppt, weil der Markt gesättigt ist. Wachstum mit Services sind schön und auch recht beeindruckend, können den Schwund beim iPhone noch lange nicht kompensieren. Die Apple Watch mag in ihrem Segment unangefochtener Marktführer sein und weiter stark wachsen, ist aber doch nicht das "nächste große Ding". Was man von Homepod, Apple TV, Beats-Kopfhörer und Airpods noch weniger behaupten kann. Was also jetzt?

Apple hatte vor zwölf Jahren das Glück und Geschick, eine Marktlücke entdeckt und ein wahrhaft revolutionäres Gerät dafür entwickelt zu haben, das den damaligen Wachstumstreiber iPod ziemlich genau an seinem Zenit ablöste. Ein ähnliches Produkt ist heute nicht in Sicht. AR-Brillen? Vage Zukunft, vielleicht überbewertet. Autonomes Fahren? Hochkomplex, auch in Sachen Gesetzeslage und Infrastrukturen. Musik-, Video-, Gaming-Servies? Wichtig, um aus der installierten Basis (1,4 Milliarden Apple-Geräte weltweit, davon 900 Millionen iPhones) regelmäßig Umsätze zu erwirtschaften, mit stetem Wachstum. Aber da nicht einmal Apple für Flatrates von Inhalten Premium-Preise verlangen kann, redet man hier im Vergleich zum iPhone ja eher von Peanuts.

Apples Problem: Die Börsenhektik verlangt auch dann noch vierteljährliche Berichte, wenn der Markt keine jährlichen iPhone-Upgrades mehr liefern kann. Rendite und Wachstum sollen zwar langfristig sein, müssen aber kurzfristig immer wieder mit Rekordmeldungen unterfüttert werden. Apple wird zwar gewiss nicht hoffen, dass der Börsenwert bald dem Barvermögen entspricht und man sich gewissermaßen von den Anlegern zurück kaufen kann, doch kann der im Jahrzehnt des iPhones angefutterte Speck nun für magere Zeiten helfen. Investitionen in vielversprechende Unternehmen, Ausgaben für Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt, um nervöse Anleger mit Dividenden und Aktienrückkäufen zu besänftigen. Das klingt zwar etwas langweiliger als die Hoffnung auf das "nächste große Ding". Jenes wird aber umso größer, je niedriger die Erwartungen sind. Apple darf man noch lange nicht abschreiben, aber in nächster Zeit keine Wunder aus Cupertino erwarten. pm

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