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ARM-Roadmap sagt keine neuen Macbooks voraus

20.08.2018 | 13:16 Uhr |

ARM verspricht, Intels Chips in Sachen Leistung und Energieeffizienz bald zu schlagen, aber das wird die Pläne von Apple nicht beeinflussen: Die neue Roadmap von ARM sagt uns nichts darüber aus, dass Apple seine eigenen Mac-CPUs herstellt.

ARM hat vergangene Woche den beispiellosen Schritt unternommen und eine Roadmap für seine zukünftigen CPU-Designs vorgestellt. Darin behauptet das Unternehmen, dass sein neues Cortex-A76-Design eine ähnliche Performance wie Intels U-Serie-CPUs für dünne und leichte Notebooks bietet, aber das nur bei einem Bruchteil der elektrischen Leistungsaufnahme.

Das wäre ein nettes Verkaufsargument für immer eingeschaltete und stets mit dem Web verbundene  PCs und kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Windows-Welt beginnt, sich mit ARM-basierten Laptops und konvertierbaren Tablets zu beschäftigen. Einige Analysten schauen sich die Roadmap von ARM an und spekulieren, dass Apple bald seine eigenen Prozessoren für Macs entwickeln wird.

Ich kann nicht sagen, ob Apple tatsächlich plant, in den nächsten Jahren eigene CPUs für Macs zu bauen, aber ich kann Ihnen sagen, dass diese ARM-Roadmap nichts damit zu tun hat.

Immer das Kleingedruckte lesen

Die Roadmap-News von ARM sind interessant, aber nicht sehr informativ. Der Cortex-A76 wurde bereits im Mai angekündigt, und ARM erinnert uns noch einmal daran, dass er viel schneller ist als seine Vorgängergeneration. Die Ankündigung wird von zweifelhaften Grafiken wie dieser begleitet:

ARM vergleicht die CPU des nächsten Jahres mit dem Intel-Chip des letzten Jahres.
Vergrößern ARM vergleicht die CPU des nächsten Jahres mit dem Intel-Chip des letzten Jahres.
© ARM

Der Cortex-A76, der in einem echten Prozessor noch nicht für den eigentlichen Test zur Verfügung steht (und somit projizierte Ergebnisse verwendet), ist schneller als ein Core i5-7300U im Grundtakt und fast genauso schnell im Turbotakt. Alles mit weniger als einem Drittel der Leistung! Wow!

Aber schauen Sie genauer hin. Fällt Ihnen etwas auf? ARM spricht nur über die Leistung in SPECINT 2006, einem ziemlich alten synthetischen Benchmark, der die Integer-Performance misst. Die Ergebnisse sind für den üblichen Industriestandard-Benchmark gut, aber geben kaum Hinweise auf die Gesamtleistung des Prozessors bei der Ausführung von realen Anwendungen und Betriebssystemen. Die Cache-Performance, das Speicher-Subsystem, die Gleitkomma-Performance und eine ganze Reihe anderer Faktoren spielen eine Rolle bei der realen Prozessorleistung.

Und hey, wurde der Core i5-7300U (ein Core Produkt der 7. Generation) nicht im Frühjahr 2017 veröffentlicht? Sollen wir beeindruckt sein, dass das CPU-Design des ARM, das für die Produkte des nächsten Jahres bestimmt ist, Intels zwei Jahre alte CPU schlagen kann? Intel hat bereits Core-Prozessoren der 8. Generation auf dem Markt. Sicher, Intel ist bei der Einführung des 10nm-Prozesses ins Schleudern gekommen, aber das ist nicht so leicht miteinander in Bezug zu setzen.

Es ist wunderbar zu sehen, wie ARM eine CPU-Leistung der Laptop-Klasse (in einem einzigen Integer-basierten synthetischen Benchmark) behauptet, die mit dem Stromverbrauch der mobilen Klasse daher kommt, aber ein vollständiges Bild ergibt sich daraus nicht.

Am wichtigsten für die Kaffeesatzleserei bezüglich neuer Apple-Produkte ist aber folgender Fakt: Apple verwendet nicht einmal ARM-CPUs. Diese Performance-Roadmap hat nichts mit den aktuellen oder zukünftigen Produkten aus Cupertino zu tun.

Apple verwendet keine ARM-CPUs!

ARM bietet zwei Arten von CPU-Lizenzen an: Es verkauft Lizenzen für komplette CPU-Designs, die seine Kunden dann in ihre eigenen Prozessoren integrieren können, und es verkauft eine weitere Lizenz, die es Kunden erlaubt, ihre eigenen CPU-Designs zu erstellen, die mit dem ARM-Befehlssatz kompatibel sind.

Zum Beispiel verwendet MediaTek die erste Art von Lizenz für seinen Prozessor Helio X30. Dieser verfügt über zwei leistungsstarke Cortex-A73-Kerne, vier energieeffiziente Cortex-A53-Kerne und vier sehr energieeffiziente Cortex-A35-Kerne. Ja, das sind 10 Prozessorkerne, alle von ARM entwickelt. Aber ARM entwickelt nicht den gesamten Prozessor: MediaTek verbindet diese ARM-CPU-Kerndesigns mit einem Grafikkern von PowerVR.

Samsung verwendet beide Lizenztypen in seinen Exynos-Prozessoren. Der Exynos 9 Octa 8895, der im Galaxy S8 zu finden ist, verwendet Samsungs eigenes M2 -Hochleistungskerndesign zusammen mit den stromsparenden Cortex-A53-Kernen von ARM. Die Snapdragon-Prozessoren von Qualcomm haben im Laufe der Jahre eine Mischung aus eigenen ARM-kompatiblen Designs und Cortex-Designs von ARM entwickelt. Apple hingegen verwendet die Designs von ARM überhaupt nicht. Seit dem A6-Prozessor, der 2012 mit dem iPhone 5 debütierte, verwendet Apple eigene CPU-Kerne.

Leistung der Apple-Chips ist unübertroffen.

Apples CPU-Kerne sind außergewöhnlich. Es ist schwer, die Leistung mit anderen ARM-kompatiblen Produkten zu vergleichen, da die Plattformen, die sie verwenden, so unterschiedlich sind, aber jeder neue Apple-Prozessor der letzten Jahre hat die Konkurrenz in Benchmarks wie Geekbench klar übertroffen.

Insbesondere durch ihre Single-Core-Leistung haben sich die Prozessoren von Apple im Vergleich zu den Wettbewerbern ausgezeichnet. Fällt Ihnen im Diagramm von ARM etwas auf?

Schaut man sich das Kleingedruckte an, so zeigt die Grafik die Single-Core-Performance in SPECINT 2006. Die Tatsache ignorierend, dass das Diagramm nicht den neueren Core i5-8250U der 8. Generation enthält, oder dass Intel die Anzahl der Kerne in seinen Prozessoren der U-Serie im letzten Jahr verdoppelt hat, zeigt es den kommenden Cortex-A76, der einen großen Sprung in der Single-Core Performance gegenüber dem A75 liefert.

Aber das ist nur eine Aufholjagd. Die glanzlose Single-Core-Leistung ist die wichtigste Verbesserung von Samsungs und Qualcomms kundenspezifischen zu ARM kompatiblen Hochleistungssprozessoren. Ihre kundenspezifischen CPU-Kerne übertreffen bereits die Single-Core-Leistung der ARM-Designs, und die Single-Core-Leistung von Apple ist noch höher. Apples Single-Core bei Geekbench ist über 4200 für den A11, etwa 10 Prozent größer als der Core i5-7300U (nehmen Sie diesen Vergleich wie Sie wollen, da die Plattformen nicht identisch sind). Das ist eher ein mehrdimensionaler Benchmark als SPECINT, und der A12, den wir in diesem Jahr auf den iPhones finden werden, wird sicherlich noch schneller sein.

Gerüchte um Apples Mac CPU

Vielleicht arbeitet Apple an einer eigenen CPU für Macs, wie bereits berichtet. Es gibt viele Gründe dafür und dagegen. Apple setzt seinen T2-Prozessor bereits in den iMac Pro und das neue Macbook Pro ein, dieser arbeitet als eine Art Co-Prozessor. Das Unternehmen will zweifellos das Schicksal seiner wichtigsten Komponenten kontrollieren. Und während der Übergang von x86-Kompatibilität zu ARM-Kompatibilität in macOS (und seinem gesamten Ökosystem von Anwendungen und Zubehör) schwierig wäre, hat Apple bereits zwei ähnliche Übergänge hinter sich gebracht. ( von 68 k auf PowerPC auf Intel, Anm. d. Red. )

Aber die Roadmap von ARM für die eigenen CPU-Designs hat nichts mit Apples CPU-Plänen zu tun. Apple hat die Verwendung von ARM-CPU-Designs vor Jahren eingestellt und produziert bereits eigene ARM-kompatible CPUs, die eine viel bessere Leistung bieten. Einige argumentieren, dass der A11 im iPhone 8 und X bereits so schnell ist wie Intels Prozessoren der U-Serie.

Wenn es darauf ankommt, haben Apples Bedenken, auf seine eigenen Prozessoren umzusteigen, wahrscheinlich wenig mit seiner Fähigkeit zu tun, einen besseren energieeffizienten Prozessor für dünne und leichte Laptops herzustellen. Apple kann es wahrscheinlich schon. Vielmehr geht es um die Schwierigkeit, das gesamte macOS-Ökosystem (einschließlich Anwendungen und Peripheriegeräte) umzustellen, und um die Fähigkeit von Apple, leistungsstarke Prozessoren, wie sie in iMac und Mac Pro zu finden sind, die mit den besten von Intel oder AMD konkurrieren.

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