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Artikel 13: Das Ende von Youtube & Co droht... nicht

09.11.2018 | 14:13 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Eine Welle zieht gerade durchs Web, die ein besonders dunkles Bild zeichnet: Das Ende von Youtube oder gar des Internets drohe. #Saveyourinternet lautet der dazugehörige Hashtag. Youtube-Stars heulen vor laufender Kamera. Eine Petition zur Rettung des Internets hat schon fast 2 Millionen Unterschriften. Update: Video!

(Update, 9.11.2018: Video hinzugefĂŒgt)

Mittlerweile hat sich auch die EU-Kommission zu der Kritik von Youtube-Chefin Susan Wojcicki an der geplanten Reform geĂ€ußert. Wojcicki hatte in diesem offenen Brief zu Protesten mit dem Hashtag #SaveYourInternet aufgerufen. Einem Aufruf, dem seit einigen Tagen viele Youtuber und Nutzer eifrig folgen.

Ein Sprecher der EU-Kommission erklĂ€rte laut der Deutschen Presseagentur, dass der Vorwurf, die EU sei gegen das Internet, ein "Unsinn" sei. Der Artikel 13 richte sich nicht gegen Youtube-Nutzer. "Sie werden weiterhin in der Lage sein, das zu tun, was sie heute tun, etwa Anleitungen oder andere kreative Inhalte hochladen", so der Sprecher der EU-Kommission. Ziel sei es, die Rechteinhaber zu stĂ€rken und zu erreichen, dass sie ihre Inhalte besser vergĂŒtet erhalten.

Was ist da los?

Anlass ist der Artikel 13, der Teil einer neuen Urheberrechtsrichtlinie der EuropĂ€ischen Union ist. Sollte er – irgendwann - in Kraft treten, so die BefĂŒrchtung, dann bestehe Gefahr fĂŒr die Zukunft des Internets. Fast 2 Million Nutzer haben mittlerweile eine Petition gegen den Artikel 13 hier auf Change.org unterzeichnet.

Fakt ist allerdings: In der aktuellen (mehrmals in der Vergangenheit verĂ€nderten) Formulierung richtet sich besagter Artikel gar nicht gegen die Internetnutzer, kleinere Gruppen oder etwa Wikipedia, sondern gegen große Internet-Unternehmen, wie etwa Youtube, Facebook und Twitter, die mit den Inhalten von Nutzern gutes Geld verdienen.

Diese Unternehmen, so heißt es in Artikel 13, sollen kĂŒnftig direkt fĂŒr die UrheberrechtsverstĂ¶ĂŸe ihrer Mitglieder haftbar gemacht werden können.

Youtube schĂŒrt Angst und mobilisiert seine Nutzer

Dagegen wehren sich diese Unternehmen schon lange, schließlich stört dies ihr Geldverdienen. Entsprechend rĂŒhrt auch Youtube derzeit verstĂ€rkt die Angst und fordert ĂŒber diese Seite die Youtuber dazu auf, sich an dem Protest mit dem Hashtag "#SaveYourInternet" zu beteiligen.

„In der aktuellen Formulierung könnte Artikel 13 Millionen von Menschen in der EU daran hindern, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen. Hunderttausende Jobs wĂ€ren gefĂ€hrdet, darunter die von europĂ€ischen YouTubern, Unternehmern und KĂŒnstlern sowie ihrer Mitarbeiter“, sorgt sich Youtube. Und fĂŒgt hinzu: „EuropĂ€ische Zuschauer könnten außerdem den Zugang zu Milliarden von Videos von YouTubern und KĂŒnstlern aus der ganzen Welt verlieren.“

In der Tat wird da ein Horrorszenario gezeichnet. Verschwiegen wird seitens Youtube allerdings auf besagter Seite, dass das Unternehmen bereits jetzt schon mit ContentID die von den Nutzern hochgeladenen Inhalte auf UrheberrechtsverstĂ¶ĂŸe hin ĂŒberprĂŒft. SchlĂ€gt ContentID zu, dann erlaubt Youtube nicht die Veröffentlichung.

Ist es nun grundsĂ€tzlich Zensur, wie einige Youtuber aktuell in ihren Clips behaupten, wenn die Verbreitung urheberrechtlich geschĂŒtzter Inhalte verstĂ€rkt kontrolliert wird? Die Antwort darauf lautet nein, denn Urheberrechtsschutz hat nichts mit Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung zu tun.

Keine große Änderung durch Artikel 13 zu erwarten?

Warum sollte also Artikel 13 dafĂŒr sorgen, dass Youtube-KanĂ€le geschlossen werden mĂŒssen? Solange die Youtuber wie bisher ihr Ding machen, Ă€ndert sich auch nichts an der Lage. Hinzu kommt: Bisher ist der Artikel 13 noch gar nicht endgĂŒltig formuliert, weil zwischen den Verantwortlichen noch krĂ€ftig diskutiert wird und unterschiedliche Ansichten bestehen, die in diesem Blogeintrag sehr gut erlĂ€utert und verglichen werden.

Kurz zusammengefasst: Die eine Seite möchte beispielsweise Dienste ausnehmen, die bereits Upload-Filter einsetzt. Womit Youtube ohnehin aus dem Schneider wÀre und alles beim Alten bliebe. Die andere Seite möchte diese Ausnahme nicht machen. Derzeit ist noch völlig unklar, welche Seite sich durchsetzen wird

In beiden Szenarien wĂŒrde aber ziemlich sicher kein Ende von Youtube-KanĂ€len drohen. Außer fĂŒr Youtube-KanĂ€le, die massiv Urheberrechtsverletzungen betreiben. Aber denen droht ja mit Content ID ohnehin schon jetzt die Schließung. Immer wieder betonen aber verantwortliche Politiker, dass sich Artikel 13 nicht gegen einzelne Youtuber richte, sondern auf den Dienstanbieter ziele.

Angst vor Upload-Filtern ist berechtigt

Content ID beweist allerdings, wie schlecht solche Upload-Filter teils funktionieren. Es gibt viele Berichte von Youtubern, die ihre Inhalte nicht hochladen konnten, weil Content ID falschen Alarm schlug. Es gibt aber auch trotz Content ID unzĂ€hlige Videos auf Youtube, bei denen ganz klar Urheberrechte verletzt werden – und dies seit Jahren, ohne dass Youtube sich darum kĂŒmmern wĂŒrde.
VerschĂ€rfte oder erweiterte Upload-Filter bergen die Gefahr in viel mehr FĂ€llen zu versagen. FĂŒr die Ersteller der Inhalte sorgt dies wiederum fĂŒr mehr Ärger, wenn sie ihre Inhalte freischalten lassen wollen.

Auch weiterhin keine Angst mĂŒssen aber Internet-Nutzer und damit auch Youtuber haben, die wie bisher Urheberrechte achten und unter UmstĂ€nden selbst als kreative Nutzer von dem verbesserten und aktualisierten Urheberschutz profitieren.

Cool bleiben - es besteht jetzt kein Grund zur Panik

Bei aller - doch auch berechtigter - Kritik an Artikel 13 heißt es letztendlich doch cool bleiben und sich informieren. Wie heißt es so schön: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Vor allem gilt es jetzt abzuwarten, wie die endgĂŒltigen Formulierungen des Artikel 13 lauten werden. In diesem Jahr wurde im Internet bereits einmal die große Angst geschĂŒrt: Vor der EinfĂŒhrung der DSVGO im Mai 2018. Man kann heute zur DSVGO stehen wie man will, der große, oft beschworene Gau fĂŒr die Websites ist nicht eingetreten.

Verlage haben ĂŒbrigens auch noch Artikel 11 im Blick. Hier geht es um das sogenannte Leistungsrecht und ob Internet-Dienste, wie Google oder Facebook, den Verlagen Geld bezahlen mĂŒssen, wenn sie AuszĂŒge aus ihren Websites - sogenannte Snippets - verwenden. Auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen und der Internet-Riese Google hat bereits in Spanien gezeigt, dass er sich die EinfĂŒhrung einer Linksteuer nicht gefallen lĂ€sst und Google News in Spanien bereits im Jahr 2014 eingestellt.

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