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Back in Black? Der Mac App Store wird ein Erfolg

11.06.2018 | 13:35 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue Version des App Store bringt viele Verbesserungen, für Entwickler wie für Nutzer wird er deutlich interessanter.

Zum App Store haben viele Entwickler ein eher gespaltenes Verhältnis. Die vielen Kritikpunkte können wir hier gar nicht ausreichend darstellen , vor allem bei Themen wie Kundengewinnung und Support gibt es zahllose Beschwerden von Entwicklern. Einschränkungen wie die Sandbox sind dabei für die meisten Entwickler weniger das Problem, eher der fehlende Kontakt zu Kunden und flexiblere Angebote.

Einer der häufigsten Kritikpunkte war übrigens die fehlende Unterstützung von Demo-Versionen, die Apple ab September erlauben will. Wie bei vielen per Web veröffentlichten Apps seit Jahrzehnten üblich, kann eine Kunde nun während einer festen Demoperiode eine App ausprobieren und wirklich alle Funktionen testen. Bisher war dies nur bei per Abo finanzierten Apps möglich, nun kann man diese eigentlich selbstverständliche Option auch für Kauf-Apps bieten. Eher ein Krampf ist ja die Möglichkeit, Funktionen nur per In-App-Kauf anzubieten, was auch bei Kunden oft zu empörten Rezensionen führt. Interessant finden wir aber auch eine zweite „verkaufsfördernde Maßnahme“, die zur Verfügung steht: Ein Entwickler kann den Beginn eines Abos vergünstigt anbieten – etwa die ersten drei Monate zum halben Preis.

Allerdings gibt es hier doch noch einige offenen Fragen. Zu Recht kritisiert etwa der Entwickler Daniel Jalkut, dass die kostenlosen Demoversionen zu einigen Problemen führen – etwa bei der Frage, ob die Apps nach Ablauf der Demo weiter nutzbar sein müssen und wie die Apps in den Kategorien aufgelistet werden.

Neue Optik und neue Inhalte

Die neue Oberfläche des Stores hat Apple stark überarbeitet, er bietet weit mehr als einen schicken Dark Mode! Der erfolgreiche Schwester-Store für iOS war dabei offensichtlich das Vorbild. Das ist kein Wunder, ist doch der iOS Store der weit erfolgreichere der beiden Shops und sorgt für höhere Umsätze. Auch der neue Mac App Store wird von eine Redaktion gepflegt, erhält die bekannten neuen Rubriken wie "App des Tages" oder "Spiel des Tages§ und liefert umfangreiche Artikel zu bestimmten Themen oder stellt ausgiebig interessante Apps vor.

Neben den neuen Rubriken „Discover“, „Create“, „Work“ „Play“ und „Develop“ kann man aber weiterhin Kategorien aufrufen oder die integrierte Suche nutzen. Noch immer ist im iOS Store übrigens die Suchfunktion die häufigste Methode, wie Nutzer und App zueinander finden.

Die Kategorien wirken ebenfalls aufgeräumter als zuvor
Vergrößern Die Kategorien wirken ebenfalls aufgeräumter als zuvor

Diese redaktionellen Artikel und Listen sind nach unserer Meinung eine sinnvolle Neuerung, da nur an Download-Zahlen oder Nutzerwertungen orientierte Top-Listen große Nachteile haben. Diese Top-Listen führen ja oft dazu, dass Nutzer immer nur die gleichen obersten zehn Apps sehen und kaufen, für neue Apps ist es dann kaum möglich, sichtbar zu werden. Im iOS-Store war Apple damit laut Marktforschern ja ziemlich erfolgreich , so ist laut App Annie die Sichtbarkeit der von Apple vorgestellten Apps sehr groß.

Einen großen Wert legt Apple aber auf Nutzerberichte und Wertungen, die im neuen Layout sehr prominent platziert werden. Ein Entwickler kann jetzt sogar aus seiner App ein Formularfenster öffnen, in die der Nutzer nur noch seine Wertung eingeben und Sterne verteilen kann. Tipp: In einem per WWDC-App verfügbaren Entwickler-Video gibt Apple einige Tipps für die sinnvolle Nutzung dieser Funktion.

Ein Anwender kann über ein Formular Note und Kommentar vergeben.
Vergrößern Ein Anwender kann über ein Formular Note und Kommentar vergeben.

Nicht ohne Ironie: Während Safari seit High Sierra Autoplay-Videos automatisch blockt, gehören jetzt automatisch startende Video zu den neuen Funktionen. Nicht nur für Entwickler von Spielen sind die neuen Videos aber sicher eine sinnvolle Neuerung – wenn auch ihre Produktion natürlich zusätzliche Arbeit macht.

Warum plötzlich doch? Adobe und Microsoft im Store

Ein Grund für die mäßige Beliebtheit des Mac App Store ist aber das begrenzte Angebot an Software. Bisher sind die Softwaregiganten Adobe und Microsoft nur mit wenigen Apps vertreten, scheuen viele gut bekannte Softwarefirmen doch Apples hohe Provision. So überraschte es dann doch, dass Apple während der Keynote eine ganze Flut neuer Anbieter ankündigen konnte. Die wichtigste Ankündigung war wohl Microsoft Office 365 im App Store aber auch Lightroom CC ist eine echte Bereicherung für den Store. Barebones und Panic sollen ebenfalls zurück in den App Store kommen, beiden Anbieter hatten ihre beliebten Apps BBedit und Transmit vor einigen Jahren bewusst aus dem Store entfernt. Offensichtlich gab es da hinter den Kulissen einige Verhandlungen, von den Softwareentwicklern selbst gab es dazu leider bisher keinen Kommentar. Nicht ganz klar ist außerdem das Preismodell, so könnte Microsoft ja Office 365 einfach zum Listenpreis plus Apple-Provision anbieten – was viele Kunden enttäuschen würde.

Zu den neuen App Store-Anbietern gehören neben Microsoft und Adobe übrigens Serif, Bloom, Feral, Corel, Snapchat, Blackmagicdesign, Aspyr, Intua und Houseparty. Wir sind gespannt, um welche Apps es sich da handeln wird und wie es mit den Gebühren aussehen wird.

Fazit:

Apple Neuerungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, wenn wir auch von Apple verfasste Softwaretests nicht ideal finden – verlässt da Apple doch seine neutrale Rolle als Anbieter.  Leider fehlen aber doch noch viele der von Entwicklern gewünschten Optionen. So ist es immer noch nicht möglich, bezahlte Upgrades anzubieten. Auch auf Photoshop werden wir ja anscheinend noch länger warten müssen. Ganz sicher wird aber der App Store mit 10.14 erfolgreicher und weit mehr Nutzer ansprechen – im Vergleich zur aktuellen Version ist das aber eigentlich keine ganz so große Leistung.

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