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Baut Apple eine Nachrichten-Redaktion auf?

08.05.2018 | 12:50 Uhr | Stephan Wiesend

Stellenanzeigen in Apples Jobbörse weisen auf den Aufbau eines eigenen Newsroom in den USA und China hin.

Für seinen iTunes-Store oder für Marketing-Aufgaben hat Apple schon oft Journalisten und Redakteure eingestellt, in den USA „Editors“ genannt. Für Apples News-App arbeiten bereits zahlreiche Journalisten, dabei handelt es sich aber vor allem um Aufgaben wie die Auswahl und Planung externer Nachrichtenquellen.  Auch die in Deutschland noch nicht verfügbare App Apple News ist ein reiner News-Aggregator und auch der gerade übernommene Anbieter Texture produziert keine eigenen Nachrichteninhalte. Die App bietet nur gegen eine Monatsgebühr Zugriff auf Magazine verschiedener Verlage.

Wie Joshua Fruhlinger von "Thinknum" auffiel , hat Apple aber offenbar noch andere Pläne im Feld der Journalismus. So gab es in den letzten Monaten eine auffällige Häufung an Stellenausschreibungen für schreibende Journalisten, die sich um Bereiche wie Politik, Wirtschaft, USA kümmern sollen. Seit November hat Apple etwa eine Stelle für einen Politik-Redakteur ausgeschrieben, der sich vorrangig um die Wahlzyklen 2018 und 2020 kümmern soll – offenbar will sich da Apple nicht nur auf die Auswahl von externen Quellen verlassen. Aber auch ein TV und Film-Redakteur, News-Desk-Editor, Editorial Director und viele weitere Stellen weisen auf einen kompletten Apple-Newsroom hin.

Bei der App Apple News wird sich in Zukunft wohl einiges ändern. Fruhlinger glaubt, dass Apple sich in Zukunft sogar auf die Erstellung von journalistischen Inhalten verlegen wird. So bleibt ja unklar, ob Apple nur einen Politik-Redakteur oder gleich mehrere einstellen will.

Unsere Meinung : Apples News-App wird oft unterschätzt, hat aber eine immense Reichweite . Offensichtlich will Apple hier weiterhin nicht nur auf Algorithmen und Automatisierung setzen, was für einen relativ hohen Personalbedarf sorgt. Ob Apple aber auch in die Produktion eigener Inhalte einsteigt, wagen wir zu bezweifeln. Wir vermuten aber, dass Apple in Einzelfällen wie der Berichterstattung über den US-Wahlkampf nicht um eine eigene Redaktion in den USA herumkommt. Gab es doch während der letzten Präsidentschaftswahlen einige Probleme mit Fake News und sozialen Medien und die US-Zeitungen befinden sich in einer finanziellen Krise. In dieser Umbruchsphase wäre ein bestehendes Magazin oder eine Zeitung eigentlich günstig zu haben. Die 250 Millionen US-Dollar, die Jeff Bezos für die "Washington Post" zahlen musste, gilt im Nachblick ja geradezu als Schnäppchen. Die wichtige Apple-Aktionärin Laurence Powell Jobs hat vor kurzem ebenfalls ein Magazin übernommen, das berühmte Politmagazin „The Atlantic“ . Dieser Kauf lief aber über ihre Stiftung und hat keinerlei Bezug zu Apple.

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