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Beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotos mit Aurora HDR

07.08.2017 | 15:52 Uhr |

Schwarz-Weiß lebt von der Reduktion auf die Helligkeitswerte eines Bildes. Das Spiel zwischen Schwarz und Weiß, sowie der Kontrast zwischen den beiden Farben, machen die Faszination Schwarz-Weiß aus.

Der erfahrene Fotograf und Bildbearbeiter denkt beim Stichwort Kontraste auch unweigerlich an HDR. HDR – auch High Dynamik Range – ist die Bewältigung eines Kontrastumfangs durch mehrere unterschiedliche Belichtungen. In der Praxis hat man ein Motiv, das der Sensor der Digitalkamera nicht mit einer Belichtung erfassen kann. Entweder sind die hellen Stellen (Lichter) ohne Zeichnung oder die dunklen Stellen (Schatten) sind komplett schwarz. Hier kann HDR eine Lösung sein. Mit drei oder fünf Belichtungen werden Lichter und Schatten, sowie das Hauptmotiv korrekt belichtet. Anschließend werden mit einem speziellen HDR-Programm, die Belichtungen zu einem Bild zusammengerechnet. Wie das Endergebnis aussehen soll, entscheiden wir mit den Werkzeugen, die uns die Programme zur Verfügung stellen. Eines dieser Programme ist Aurora HDR von Macphun .

Für 99,- Euro erhält der Käufer ein Werkzeug an die Hand, mit dem man sehr feinfühlig seine eigene HDR-Umsetzung schaffen kann. Von realistisch bis kreativ sind kaum Grenzen gesetzt. Dass man //aurorahdr.com/de:Aurora HDR auch sehr gut für die Schwarz-Weiß Fotografie einsetzen kann, soll dieser Workshop zeigen.

Schwarz-Weiß mit Aurora HDR

Denkt man an perfekte Schwarz-Weiß-Bilder, kommt man unweigerlich auf den großen Fotografen Ansel Adams. Was seine Bilder auszeichnete, war nicht nur der tolle Bildaufbau und die monumentalen Landschaften Nordamerikas, sondern auch die perfekte Ausarbeitung im Labor.

Er prägte das Zonensystem. Dabei handelt es sich – vereinfacht ausgedrückt – um die Optimierung einzelner Bildbereiche nach Helligkeitsbereichen. In der digitalen Fotografie kommt man bei diesem Gedanken schnell auf HDR. Und zwar nicht in seiner extremen, eher künstlerischen Variante, sondern wenn es um eine ausgeglichene Belichtung geht.

Diese Eigenschaft von HDR kann man sich für Schwarz-Weiß zunutze machen, sowohl um eine ausgeglichene Belichtung á la Ansel Adams zu erreichen, als auch um knackige Schwarz-Weiß-Bilder mit klaren Strukturen zu erhalten. HDR-Programme verfügen über Regler, die Strukturen und Details verstärken. Das ist für Schwarz-Weiß perfekt. Eine große Spielwiese auch für ausdrucksstarke Drucke.

Speziell das Programm Aurora HDR 2017 verfügt über das Zonensystem in Form der Luminanzmaske für die Einstellungsebenen.

Schritt eins bei der Bearbeitung
Vergrößern Schritt eins bei der Bearbeitung

Bildauswahl und Bildkorrektur

Ein HDR-Programm ist spezialisiert darauf mit Belichtungsreihen, also einer Anzahl an verschieden belichteten Fotos, zu arbeiten. Zum Beispiel von der Ausgangsbelichtung des Belichtungsmessers der Kamera, ein Bild mit einer Blendenstufe reichlicher und ein drittes Bild mit einer Blendenstufe weniger, belichtet. Das wären dann drei Belichtungen. Wir können aber auch mit fünf oder sieben Belichtungen arbeiten. Das hängt auch vom Belichtungsumfang des Motives ab.

Für unser Schwarz-Weiß Motiv reichen in der Regel drei Belichtungen, die wir in diesem Fall mit Adobe Lightroom vorbereiten. Vorbereiten bedeutet, wir stellen den Weißabgleich bei allen drei Fotos auf den gleichen Wert. Auf einen Farbstich müssen wir für unser Schwarz-Weiß nicht achten.

Findet sich Sensorstaub auf den Fotos, dann entfernen wir diesen auch, ebenso wie eine Objektivkorrektur. Dann aber immer bei allen drei Bildern gleich. Ist eine Objektivkorrektur – zum Beispiel die Korrektur der Verzeichnung – unterschiedlich zwischen den Bildern, dann klappt das spätere überlappen der Bilder nicht. Wer sich unsicher ist, lässt diesen Schritt lieber weg.

Bildauswahl und Bildkorrektur in Aurora HDR
Vergrößern Bildauswahl und Bildkorrektur in Aurora HDR

Übergabe an Aurora HDR

Haben wir die Fotos entsprechend unserer Wünsche vorbereitet, können wir sie an Aurora HDR übergeben. Dabei haben wir zwei Möglichkeiten:

1.„open original images“

Hierbei werden die unbearbeiteten Fotos an Aurora HDR übergeben. Eventuell durchgeführte Anpassungen in Adobe Lightroom gehen also verloren.

Das klappt im Übrigen nicht nur mit JPEG´s, sondern auch mit RAW-Dateien, da Aurora HDR einen RAW-Konverter integriert hat.

2.„Use .TIFF with Lightroom adjusters“

Wenn wir Anpassungen in Adobe Lightroom durchgeführt haben, empfiehlt sich dieser Punkt. Aber nicht nur dann, sondern auch weil der RAW-Konverter in Adobe Lightroom bei vielen RAW-Formaten besser ist und mehr RAW-Formate unterstützt.

Hinweis : Aurora HDR lässt sich auch wunderbar als Standalone Programm nutzen, Adobe Lightroom ist also nicht nötig. Der Vorteil ist, dass man dann seine Bearbeitung als „.mpaur“-Datei speichern kann. Diese Datei kann wie ein Dokument geöffnet werden und jede Einstellung lässt sich wieder ändern. Bei der Übergabe von einem Hostprogramm wie Adobe Lightroom, wird nur das fertige Bild abgespeichert.

Übergabe an Aurora HDR
Vergrößern Übergabe an Aurora HDR

Ausrichten und Optimierung

Bevor Aurora HDR die Belichtungsreihe zusammenfügen kann, sind noch drei Optionen zu treffen:

1. Die wichtigste Option ist die „Ausrichtung“.

Sind die Bilder aus freier Hand entstanden, aktiviert man diese Option und Aurora HDR versucht anhand der Kontrastkanten die Belichtungsreihe perfekt übereinander zu legen. Das klappt in der Regel so gut, dass man bei kurzen Belichtungszeiten auf ein Stativ verzichten kann.

2. „Ghosting reduzieren“, also das Beseitigen von Geisterbildern, die entstehen können, wenn sich Objekte durch das Bild bewegen, lassen sich reduzieren oder sogar beseitigen. Hier kommt es stark auf die Art der Objekte an. Personen sind noch recht einfach zu entfernen, bei vorbeiziehenden Wolken oder fließendem Wasser ist es wesentlich komplizierter. Hier gilt es verschiedene Optionen auszuprobieren und zu entscheiden, was einem besser gefällt. Einen pauschalen Tipp gibt es leider nicht. Manchmal sieht es auch dramatischer aus, wenn man die Option absichtlich deaktiviert.

3. „Chromatische Aberration entfernen“ entfernt Farbsäume, die speziell bei nicht perfekt korrigierten Objektiven auftreten können. Wer in JPEG fotografiert und die Objektive des Kameraherstellers einsetzt, bekommt neben einer Korrektur der Verzeichnung auch die Chromatische Aberration von der Kamerasoftware korrigiert. Hier kann man dann den Haken weglassen.

Beim RAW-Format übernimmt das der RAW-Konverter, in unserem Fall Lightroom, wenn wir das zuvor bei der Vorbereitung ausgewählt haben.

Ausrichten und Optimierung
Vergrößern Ausrichten und Optimierung

Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Voreinstellungen

Ein Klick und alles ist erledigt. Das geht mit fertigen Voreinstellungen, die es für Schwarz-Weiß auch in Aurora HDR gibt.

Sie können eine gute Grundlage für eigene Experimente sein, da man sieht, wie die Regler in den Einstellungen eingestellt sind. Das ist auch hilfreich, möchten man lernen, wie man den ein oder anderen Effekt hinbekommt. Durch die Voransicht im Filmstreifen am unteren Rand bekommt man auch einen ersten Eindruck ohne die Voreinstellung direkt anzuwenden.

Ist einem die Voreinstellung zu stark, hilft es auch einfach nur den Regler für die Stärke in der Voransicht zu reduzieren.

Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Voreinstellungen
Vergrößern Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Voreinstellungen

Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Feinstellung

Einer der Gründe, warum man Aurora HDR für die Schwarz-Weiß-Umsetzung einsetzt, ist die Arbeit mit Einstellungsebenen, in Aurora HDR Anpassungsebene genannt. Bevor man damit allerdings loslegt, stellt man auf der Ebene mit dem Originalbild die Belichtung und den HDR-Effekt ein. Dies erfolgt am besten so neutral wie möglich, die Akzente setzt man später selektiv mit Anpassungsebenen.

Wir lassen die Regler neutral und erstellen gleich eine „Anpassungsebene“, die vom Handling her identisch zu den Einstellungsebenen in Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen ist.

Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Feinstellung
Vergrößern Umwandlung in Schwarz-Weiß mit Feinstellung

Schwarz-Weiß mit Anpassungsebenen

Die erste Anpassungsebene ist dann auch die Reduzierung auf Graustufen durch eine Sättigung von „-100“. Damit wir später wieder wissen, was die einzelnen Anpassungsebenen machen, achten wir auch auf eine verständliche Namensgebung.

Selektives Arbeiten mit Masken – Vorarbeit

In den Steinen wollen wir die ersten Akzente setzen, dazu bieten sich die Regler für „HDR Struktur“, „HDR Detail“ und „Details“ an.

Damit sich die Einstellungen aber selektiv nur auf die Steine auswirken, braucht man eine Maske, die die unangetasteten Bereiche schützt. Um diese Maske zu erzeugen, gibt es zwei Möglichkeiten: den Einsatz des Pinsels oder die Luminanzmaske.

Wir verwenden die Luminanzmaske, bei der man die Helligkeitsbereiche von 1 bis 10 in der Menüleiste auswählen kann. In der Voransicht sieht man die Bereiche in Grün, auf die sich die Einstellungen später auswirken. Alles, was nicht grün ist, wird durch die Maske geschützt.

Das erinnert stark an das Zonensystem von Ansel Adams. Sind wir mit der Auswahl zufrieden, bestätigen wir sie mit dem grünen Haken.

Selektives Arbeiten mit Masken – Vorarbeit
Vergrößern Selektives Arbeiten mit Masken – Vorarbeit

Optimieren der Maske

Was man jetzt rot sieht, ist nicht die Maske selbst, sondern der ausgewählte Bereich. Diesen kann und sollte man auch mit dem Pinsel optimieren. Leider wird ein drucksensitives Grafik Tablet nicht unterstützt, das würde die Arbeit doch stark vereinfachen. Eine kleine Voransicht der Maske sieht man auch im Symbol der Anpassungsebene.

Optimieren der Maske
Vergrößern Optimieren der Maske

Arbeiten mit Belichtungen

Man kann nicht nur die HDR-Mischung für die Bearbeitung nutzen, sondern auch auf jede einzelne Belichtung zugreifen. Das machen wir uns für den Himmel zunutze und erzeugen eine neue Ebene mit einem der Quellbilder für den Himmel. Damit dann auch wirklich nur der Himmel von dieser Ebene verwendet wird, legt man wieder eine Maske an, bei der die Steine und das Meer ausmaskiert werden – also in der Maske schwarz sind. Zum Beispiel mit dem Pinsel. Jetzt kann man sehr gut, wie schon bei den Steinen, über die Belichtung „HDR Struktur“ und „HDR Detail“ den Himmel nach den eigenen Vorstellungen anpassen.

Arbeiten mit Belichtungen
Vergrößern Arbeiten mit Belichtungen

Finishing mit Effekten Teil 1

Der Himmel und die Steine sind mit eigenen Anpassungsebenen optimiert und im letzten Schritt wollen wir den Wellen etwas mehr Ausdruck verleihen.

Hierzu setzen wir „Strahldichte“ und „Glühen“, wieder in einer eignen Anpassungsebene, ein. Bei „Glühen“ bekommen die hellen Bereiche helle Halos, die den Wellen ein Shining bzw. dem Nebel Effekt verleihen. „Strahldichte“ gibt dem Bild einen Glow-Effekt und erhöht den Kontrast. Das führt im Ergebnis zu einem verträumten Look. Mit den Reglern für „Int. Einfärben“ und „Farbtemperatur“ könnte man den Wellen jetzt auch eine Tonung geben. Das geht aber besser über die Regler unter „Farbtöne“.

Finishing mit Effekten
Vergrößern Finishing mit Effekten

Finishing mit Effekten Teil 2

Unter „Farbtöne“ haben wir abschließend die Möglichkeit eine Tonung mit Farbe für die Glanzlichter, also die hellen Bildbereiche und die Schatten, also die dunklen Bildbereiche, zu setzen. Unter „Tönung“ wird die Farbe ausgewählt und unter „Sättigung“ die Stärke der Farbe.

Schwarz-Weiß kann sehr selektiv wirken. Möchte man den Fokus auf einen wichtigen Bildbereich, zum Beispiel die Mitte, setzen, ist eine „Vigenettierung“ das perfekte Mittel. Normalerweise möchte man eine Vignettierung – also eine Randabschattung – aus den Bildern entfernen, wir nutzen aber den Effekt als stilistisches Mittel. Es führt den Zuseher in das Bild hinein, was gerade bei unserem Motiv mit seinen starken Kontrasten und den tollen Strukturen im Stein, ganz hervorragend funktioniert.

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Papiertipp

Schwarz-Weiß-Bilder müssen gedruckt werden. Tonwerte, Strukturen oder auch das Filmkorn, das zeigt gerade der Druck am besten. Ein ganz besonderes Papier ist das Titanium Luster Metallic (ab 42 Euro auf Amazon) vom englischen Hersteller Permajet.

Das 280 Gramm schwere Fotopapier verfügt über eine Perlglanzoberfläche, die unter dem Mikroskop wie kleine Berge und Täler aussieht. Diese Struktur sorgt dafür, dass der schöne Glanz des Papiers unregelmäßig reflektiert wird. Der Zuschauer spiegelt sich nicht im Bild und trotzdem zeigen sich Farben kräftig. Perfekt für die Präsentation in einem Rahmen an der Wand.

Die Oberfläche hat aber auch noch weitere Vorteile, sie ist etwas unempfindlicher gegenüber Kratzern und verleiht dem Bild etwas mehr Tiefe und Schärfe. Genau die letztere Eigenschaft wird bei dem Titanium Luster Metallic durch noch eine weitere Eigenschaft verstärkt: Die Metallic silberne Farbe. Dadurch bekommt der Druck eine zusätzliche Dimension. Diese ist gerade bei HDR-Aufnahmen faszinierend und zieht den Betrachter förmlich in das Motiv hinein. Ein Erlebnis, das man live erleben muss. Ich habe versucht mit zwei Detailaufnahmen des Drucks dies zu verdeutlichen. Darüber hinaus passen auch glänzende Objekte und Oberflächen, wie sie bei Metall oder Schmuck zu finden sind, zu diesem Papier.

In der Verarbeitung ist es sehr unproblematisch und zeigt sich sehr robust – typisch für Pearl bzw. Lustre Papiere. Planlage und Haptik sind mustergültig. Die Preise für ein A4-Blatt beginnen bei knapp 1,- Euro. Zu haben ist das Papier beim deutschen Distributor Foto Mayr in Dietzenbach und Online unter permajet.de .

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