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Behördenanfragen an Apple: Die meisten kommen aus Deutschland?

23.05.2017 | 12:40 Uhr |

Apple veröffentlicht regelmäßig die Anzahl von Behördenanfragen zu Geräten und Nutzerdaten. Hier ist Deutschland wieder einmal an der Spitze, was aber etwas in die Irre führt.

Halbjährlich veröffentlicht Apple einen Transparenzbericht , der auflistet wie oft Behörden und Privatleute Daten zu Apple-Geräten und Nutzerdaten einfordern . Meistens sind es Strafverfolgungsbehörden, die sich bei Diebstählen oder Ermittlungen gegen Straftäter an Apple wenden . Die Zahlen sind zwar offen, aber erläuterungsbedürftig. (Der komplette Bericht ist hier verfügbar.)

Wie in früheren Jahren waren zwischen erstem Juli und 31. Dezember 2016 deutsche Behörden besonders aktiv und forderten in 11 711 Anfragen Informationen zu 20 647 Apple-Geräten. Das ist internationaler Rekord, Deutschland war das Land mit den meisten einzelnen Anfragen, selbst aus dem Apple-Land USA kamen nur 4254 Anfragen zu 20013 Geräten. Allerdings handelt es sich bei den Anfragen um Auskunftsersuchen zu Geräten – nicht zu Nutzerkonten, die Apple separat auflistet. Die Gründe für die Anfragen werden nicht erläutert, bei der Vielzahl von Einzelanfragen zu Geräten handelt es sich aber wohl um Informations-Anfragen nach einem iPhone-Diebstahl – wobei es laut Apple vor allem um Daten wie IMEI oder Seriennummer geht. Auffällig: Aus Südkorea kamen 90 Anfragen zu 52 031 Geräten, wir vermuten hier Anfragen von Zollbehörden zu fragwürdigen iPhone-Lieferungen. Auf unsere Anfrage bei der deutschen Polizei, was zu den besonders hohen Anfragezahlen führt, gab es bisher keine Antwort.

Anfragen zur Identifizierung eines iPhones sind wohl meist im Interesse ihrer (früheren) Besitzer, anders sieht es bei Anfragen zu Nutzerdaten aus: Bei Letzteren wollen die Behörden Informationen über iCloud-Inhalte wie Kalender, Kontakten oder Emails von Apple.

Hier waren mit 1219 Anfragen die USA führend, Großbritannien mit 199 liegt auf Platz zwei. Schon auf Platz drei folgt dann allerdings die Bundesrepublik mit 159 Auskunftsersuchen. Benutzerdaten wie E-Mails oder Fotos wurden aber nur in zwei Fällen an deutsche Behörden ausgehändigt, in 109 Fällen ging es nur um „Non-content data“ wie Verbindungsdaten. Hier waren die USA bedeutend erfolgreicher, so musste Apple den Behörden in 372 Fällen Nutzerdaten aushändigen. Dazu kommen außerdem noch spezielle US-Anfragen wie ein so genannter „Account Preservation Requests“. Hier musste  Apple in 1019 Fällen die Daten eines Nutzers für 90 Tage archivieren – eine Anfrage, die aus anderen Ländern nur für 64 Accounts kam. In gewisser Weise sind die Daten zu US-Anfragen außerdem unvollständig. So kann Apple zur Anzahl und dem Erfolg so genannter U.S. National Security Orders keine exakte Angabe machen: Diese sind ebenfalls Anfragen zu Geräten und iCloud-Daten, Apple darf aber nur ihre ungefähre Anzahl angeben. Im letzten Halbjahr immerhin zwischen 5750 bis 5999 Anfragen. Nicht nennen darf Apple außerdem einen so genannten National Security Letter, der erst nach einem Gerichtsverfahren genannt werden kann. Im Bericht führt Apple nur einen dieser auch NSL genannten Behörden-Brief auf, der bereits als „declassified“ gilt.

Fazit : Zahlen können in die Irre führen, deutsche Behörden sind beim Datenschutz zurückhaltender als man auf den ersten Blick vermutet. Was aber offensichtlich kein Vorurteil ist: US-Behörden sind stark an Apples Nutzerdaten interessiert und stellen weltweit auch die meisten Anfragen.

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