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Beim Mac-Verkauf abgezockt - neue Betrugsmasche per Paypal

24.01.2018 | 08:36 Uhr | Stephan Wiesend

Verkauft man etwas per Paypal, steht man bei einem Betrug schnell mit leeren Händen da.

Oft wundert man sich über die Vorliebe mancher Händler für Bargeld, diese haben dafür aber gute Gründe. Wie eine Leserin jetzt berichtet, steht man beim Vertrauen auf moderne bargeldlose Zahlungsverfahren wie Paypal nämlich schnell ohne Ware und ohne Geld da.

Beim Fall einer Leserin wollte die Frau ihr Macbook über die Ebay-Kleinanzeigen verkaufen: Nach der Veröffentlichung der Annonce fand sich bald ein Käufer, der aber den Kaufpreis von fast 1000 Euro nur per Paypal bezahlen wollte – was die Verkäuferin verständlich fand und akzeptierte. Das Geld wurde sofort auf das Paypal-Konto übertragen, ein Mann holte kurz darauf das Macbook ab. Schon wenige Tage später kam allerdings eine E-Mail von Paypal betreffs einer „Untersuchung eines unberechtigten Paypal- Kontozugriffs“. Die Person, von deren Konto das Geld kam, hatte die komplette Summe zurückbuchen lassen. Die Zahlung wäre ohne seine Autorisierung erfolgt und der Nutzer hatte das Geld zurückzahlen lassen – das ist etwa bei einem gehackten Account möglich.

Die Verkäuferin stand nun ohne Geld und ohne Macbook da. Eigentlich bietet ja Paypal für genau solche Fälle einen Verkäuferschutz . Von Paypal erfuhr sie aber nun, dass dieser Schutz nicht bei „Haustürverkäufen“ gilt, was leider genau ihrem Fall entspricht. Laut AGB gilt der Schutz  nämlich nur bei einem dokumentierbaren Versand an die Adresse des Käufers. Zudem hatte Sie den Betrag über die Funktion „Geld senden“ erhalten, was von Paypal ebenfalls bemängelt wurde. Ihr blieb damit nur noch eine Anzeige bei der Polizei, die Aussicht auf eine Wiederbeschaffung Ihres Macbooks ist aber gering.

Eine Lösung fiel dem Opfer noch ein: Apple hätte doch die Möglichkeit das Notebook zu sperren! Leider weigert sich Apple, in solchen Fällen aktiv zu werden. Nur wenn der Nutzer die Ortungsfunktion aktiviert hat, kann ein Mac gesperrt oder geortet werden. Allerdings muss man ja als Verkäufer eines gebrauchten Macs diese Funktion deaktivieren, damit der neue Besitzer kompletten Zugriff auf seinen neuen Mac erhält . Neben Paypal und Ebay konnte auch Apple also nicht helfen, allenfalls kann man seinen Mac in eine Datenbank gestohlener Geräte aufnehmen . Das ist aber die Aufgabe der Polizei, die während der Anzeige auch die Seriennummer des Gerätes aufnimmt.

Der Betrug ist kein Einzelfall und erinnert ein wenig an eine ältere Betrugsmasche, den Lastschriftbetrug . Auch hier kann ja jeder Käufer den Betrag sofort wieder zurückbuchen lassen, was schon viel Ärger bei Läden und Webshops verursacht hat. Aber auch Paypal hat bei vielen Anbietern einen eher mäßigen Ruf, was vor allem den Verkäuferschutz betrifft. Insbesondere Verkäufer und Betreiber von Webshops haben sich schon oft über Paypal beschwert, erfolgt doch die Rückbuchung sofort und ohne Prüfung durch Paypal.

Leider gibt es wenig, was man in diesem Fall tun kann. Streitlustige Menschen könnten sich etwa einen Anwalt suchen und mit Paypal verhandeln – etwa ob der Account wirklich gehackt wurde. So gab es ja zuletzt einige BGH-Urteile , die das Recht der Verkäufer gegen Paypal gestärkt haben. Ein Rechtsanwalt ist allerdings teuer und vor allem durch das "Haustürgeschäft" vermutlich wenig aussichtsreich. Zumindest eine Beratung über eine Verbraucherzentrale kann aber in ähnlichen Fällen helfen.

Fazit:

Will man sich beim Verkauf seines Macs oder iPhones vor Betrügern schützen, gibt es einige Möglichkeiten. Vor allem bei wertvollen Artikeln sollte man auf „Haustürgeschäfte“ verzichten oder gleich auf Bargeld setzen. Kann man doch auch eine Überweisung schnell rückgängig machen. Ein Versand per DHL, Hermes oder UPS ist da die sicherere Variante, auf den Versand als unversichertes Päckchen sollte man dabei aber unbedingt verzichten.

Allgemein sind anonyme Kleinanzeigenmärkte wie die Ebay Kleinanzeigen leider deutlich unsicherer als Ebay. Um schnell Mini-Artikel wie ein iPhone-Kabel oder einen Apple Pencil zu besorgen sind sie sehr praktisch, bei teuren Artikeln wird es aber schnell riskant: Weder als Käufer noch Verkäufer hat man vom Betreiber viel Schutz zu erwarten, wirbt Ebay Kleinanzeigen doch sogar damit, dass eine Anmeldung in 30 Sekunden erledigt ist! Und das schnelle Löschen eines solchen Profils hilft einem Betrogenen nur wenig. Hier hat man es bei Ebay leichter, verspricht hier doch ein gut bewertetes Käufer- oder Verkäuferprofil zumindest ein wenig Schutz.

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