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Bericht: Yahoo will Mail-Daten an Werbeunternehmen verkaufen

29.08.2018 | 13:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Yahoo will laut einem US-Medienbericht Daten, die es von Yahoo-Mail-Nutzern erlangt, an Werbetreibende verkaufen. DafĂŒr analysiert Yahoo die Mail-PostfĂ€cher Nutzer.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Yahoo nicht nur die Mails der Yahoo-Mail-Nutzer scannt, um diesen passende Werbung anzuzeigen, sondern dass Yahoo die aus den Mails gewonnenen Daten auch noch an Werbetreibende verkaufen will. Das WSJ will das von Personen, die die entsprechenden PrÀsentationen von Yahoo gesehen haben, und von Mitarbeitern sowie Ex-Mitarbeitern von Yahoo erfahren haben. 

Yahoo geht dem Bericht von The Verge zufolge davon aus, dass viele Besitzer ihr Yahoo-Mail-Konto vor allem fĂŒr Spam- und Werbemails nutzen. Doch genau diese Informationen könnten fĂŒr Werbetreibende spannend sein, um zu erfahren, welche Produkte die Mail-Nutzer vielleicht kaufen möchten. Deshalb möchte Yahoo diese Informationen an Werbeunternehmen verkaufen. Laut dem WSJ-Bericht verhandelt Oath, die EigentĂŒmer von Yahoo, mit Werbeunternehmen darĂŒber, diesen einen Daten-Liefer-Service anzubieten, bei dem Oath die Eingangsordner von ĂŒber 200 Millionen Yahoo-Mail-Nutzern auswertet.

Oath hat gegenĂŒber dem WSJ bestĂ€tigt, dass es die Mails scannt. Dabei wĂŒrde sich Oath eigenen Angaben zufolge aber auf Werbemails beschrĂ€nken, die typischerweise von HĂ€ndlern kommen. Die Benutzer hĂ€tten die Möglichkeit, diese Funktion abzuwĂ€hlen. Oath begrĂŒndet seine Massenscans damit, dass die Nutzer keinen kostenlosen Mail-Dienst ohne Gegenleistung erwarten dĂŒrften.

Allerdings schreibt The Verge, dass Yahoo auch die Mails ĂŒberprĂŒfen wĂŒrde, die bei zahlenden Nutzern des kostenpflichtigen Yahoo-Pro/Premium-Mail-Dienstes eintreffen. Zumindest so lange die Nutzer diese Scan-Funktion nicht ausdrĂŒcklich im Ad Interest Manager abschalten wĂŒrden, den Yahoo außerhalb des EinstellungsmenĂŒs von Yahoo-Mail versteckt hat.

Die Analyse der Mails erfolgt sowohl ĂŒber Algorithmen als auch durch Mitarbeiter. Die Mail-Analyse dient zunĂ€chst einmal dazu, dem Yahoo-Mail-Nutzer passende Werbung anzuzeigen. Doch mit dem Verkauf der dabei gesammelten Daten an Werbetreibende wĂŒrde Yahoo eben noch einen großen Schritt weitergehen. Oath betont in diesem Zusammenhang gegenĂŒber dem WSJ, dass es private Mails nicht auswerten wĂŒrde und dementsprechend keine Daten aus privaten Mails weitergeben wĂŒrde. Wobei Yahoo laut dem WSJ in der Vergangenheit bei der Identifizierung von privaten Mails aber bereits Fehler gemacht haben soll.

Abgesehen von diesem zumindest diskussionswĂŒrdigen Umgang mit Nutzer-Mails genießt Yahoo-Mail ohnehin nicht den besten Ruf. Denn 2013 wurde Yahoo gehackt, dabei handelt es sich um den grĂ¶ĂŸten Hackerangriff aller Zeiten, wie erst 2016 bekannt wurde. Der Name Yahoo Mail ist also fest mit einem der grĂ¶ĂŸten DatendiebstĂ€hle der IT-Geschichte verbunden.

Yahoo ist kein selbststÀndiges Unternehmen mehr, sondern gehört zu Oath. In Oath hat das US-Telekommunikationsunternehmen Verizon seine diversen Internet-Unternehmen zusammengefasst, deren Namen an die wilden Jugendjahre des World Wide Web erinnern: AOL und Yahoo (gemeint ist das Internet- und Mail-KerngeschÀft; einige kleinere GeschÀftsbereiche des "alten" Yahoo wie beispielsweise Yahoo Japan landeten bei dem neuen Unternehmen Altaba), aber auch Engadget, The Huffington Post, Mapquest, Techcrunch oder Tumblr. Yahoo war zwar einer der Pioniere des Internet-Zeitalters, hatte dann aber den Anschluss verpasst und vergeblich nach einer neuen profitablen Unternehmensstrategie gesucht. Der letzten Yahoo-Chefin Marissa Mayer blieb nur noch der Verkauf an Verizon, bei dem sie ordentlich mitverdiente.

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