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Bildbearbeitung mit macOS: Erweiterungen für Fotos

10.08.2020 | 12:05 Uhr | Thomas Armbrüster

Fotos bietet eine Reihe von Optionen zur Bildbearbeitung. Wer mehr Funktionen benötigt, kann das Programm mit einer anderen Anwendung erweitern.

Die Bildbearbeitungsprogramme Pixelmator Pro, Graphic Converter und Raw Power lassen sich sowohl als eigenständige Anwendungen einsetzen, als auch als Erweiterung in Fotos. Pixelmator Pro und Raw Power blenden ihre Werkzeuge direkt im Fenster von Fotos ein. Graphic Converter öffnet zum Bearbeiten das Bild in seinem Fenster, übergibt die Bilder dann beim Sichern wieder an Fotos. In allen Fällen werden die Bearbeitungsschritte nicht in das Originalbild eingerechnet, sondern separat gespeichert, sodass man in Fotos immer zum Original zurückkehren kann, genauso wie es bei der Bearbeitung mit den Werkzeugen von Fotos ist.

Damit die Erweiterungen in Fotos verfügbar sind, müssen sie in der Systemeinstellung aktiviert sein.
Vergrößern Damit die Erweiterungen in Fotos verfügbar sind, müssen sie in der Systemeinstellung aktiviert sein.

Geht man von Fotos nochmals zurück zu Raw Power oder Pixelmator Pro, lassen sich zudem etliche Einstellungen weiter bearbeiten oder zurücknehmen. Während Pixelmator Pro und Graphic Converter viele Werkzeuge zum Bearbeiten von Bildern umfassen, mit denen man unter anderem einzelne Bildteile verändern und Objekte und Text hinzufügen kann, lassen sich mit Raw Power nur das ganze Bild betreffende Einstellungen vornehmen, genauso wie mit den Werkzeugen von Fotos. Damit die Programme als Erweiterung in Fotos verwendet werden können, aktiviert man sie in der Systemeinstellung „Erweiterungen“ unter „Fotos-Bearbeitung“. In Fotos wechselt man dann in den Bearbeitenmodus, klickt in der Symbolleiste auf das Kreissymbol mit den drei Punkten und wählt im sich einblendenden Menü die Erweiterung aus.

Im Bearbeitenmodus greift man über das Kreissymbol mit den drei Punkten auf die Erweiterungen zu.
Vergrößern Im Bearbeitenmodus greift man über das Kreissymbol mit den drei Punkten auf die Erweiterungen zu.

Pixelmator Pro: Gestandene Bildbearbeitung

Das Bildbearbeitungsprogramm Pixelmator Pro umfasst nicht nur Optionen zur Bildverbesserung, sondern auch Werkzeuge zum Zeichnen und Malen und zum Einfügen von Text, sowie Werkzeuge zum Klonen, Löschen und Reparieren von Bildbereichen. Hinzu kommen verschiedene Auswahlwerkzeuge und Werkzeuge, um lokale Bereiche aufzuhellen, zu sättigen oder zu schärfen. Außerdem unterstützt Pixelmator Pro Ebenen. Und wie es sich für eine gestandene Bildbearbeitung gehört, kann man zwischen vielen Bildeffekten auswählen. Was wir vermissen, ist ein vernünftiges Werkzeug zum Ausrichten des Horizonts. Man kann zwar unter „Transformationen“ ein Gitter einblenden, dieses dreht sich beim Drehen des Bildes jedoch mit. Sichert man ein bearbeitetes Bild mit „Änderungen sichern“ in Fotos und kehrt später wieder zu Pixelmator Pro zurück, sind manche Bearbeitungsschritte wieder zugänglich und man kann beispielsweise Bildanpassungen zurücksetzen und Objekte bearbeiten oder löschen. Dazu muss in den Voreinstellungen des Programms die zerstörungsfreie Bearbeitung aktiviert sein.

Bewegt man den Mauszeiger über ein Werkzeugsymbol von Pixelmator Pro, blenden sich alle Bezeichnungen ein.
Vergrößern Bewegt man den Mauszeiger über ein Werkzeugsymbol von Pixelmator Pro, blenden sich alle Bezeichnungen ein.

Die Werkzeuge sind im Fenster von Pixelmator Pro auf der rechten Seite untereinander mit Symbolen angeordnet. Bewegt man den Mauszeiger über eines der Symbole, blenden sich alle Beschreibungen der Funktionen ein. Klickt man ein Werkzeug an, blenden sich links davon die dazugehörigen Einstellungen ein. Viele der Werkzeuge haben zusätzliche Optionen, erkenntlich an dem kleinen Pfeil in der rechten unteren Ecke des Symbols. Entweder klickt man gezielt auf diesen Pfeil, um das Menü mit den Optionen einzublenden, oder man macht einen Sekundärklick auf das Werkzeugsymbol. So lässt sich beispielsweise für das Auswahlwerkzeug festlegen, ob es eine rechteckige oder eine ovale Auswahl erstellt, und bei Text kann man zwischen normalem Text und Text auf einem Pfad wählen. Die sich einblendenden Beschreibungen für die Werkzeugsymbole ändern sich entsprechend. Eine Möglichkeit, die Reihenfolge der Symbole zu bearbeiten oder um nicht benötigte Werkzeuge auszublenden gibt es nicht.

Über „Hinzufügen“ lässt sich in Pixelmator Pro die Anzahl der Werkzeuge zur Bildverbesserung erweitern.
Vergrößern Über „Hinzufügen“ lässt sich in Pixelmator Pro die Anzahl der Werkzeuge zur Bildverbesserung erweitern.

Links neben dem Bild sind die Ebenen angeordnet. Für jedes neu hinzugefügte Objekt erstellt Pixelmator Pro eine neue Ebene, außerdem kann man über das Kontextmenü selbst Ebenen anlegen. Die Ebenen lassen sich schützen und ausblenden, die Symbole hierfür erscheinen, wenn man den Mauszeiger über eine Ebene bewegt. Im Kontextmenü einer Ebene gibt es noch weitere Optionen, beispielsweise für Masken, und man kann hier die Ebene löschen. Mit Option (⌥)-L lässt sich der Ebenenbereich ausblenden, und mit Option (⌥)-T die Seitenleiste mit den Werkzeugen.

Das Werkzeug „Farben anpassen“, mit dem sich die Einstellungen für das gesamte Bild vornehmen lassen, blendet zuerst nur die Standardwerkzeuge für Weißabgleich, Helligkeit und Farbbalance ein. Mit einem Klick auf „Hinzufügen“ lassen sich weitere Werkzeuge wie das Histogramm, die Tonwertverteilung oder die Gradationskurve aktivieren. Dort findet man unter anderem auch Werkzeuge für die Schärfe, die selektive Farbkontrolle oder die Schwarz-Weiß-Umwandlung. Der Klick auf „Original anzeigen“ oder der Buchstabe „O“ auf der Tastatur blendet das unbearbeitete Bild ein, und mit „Anpassungen zurücksetzen“ werden alle Einstellungen zurückgenommen. Zur automatischen Bildverbesserung klickt man auf „ML Enhance“ oder auf den Button „ML“ bei den einzelnen Anpassungswerkzeugen.

Verwendet man Pixelmator Pro als eigenständiges Programm, ist die Bedienung weitgehend identisch mit derjenigen als Fotos-Erweiterung. Man kann auch Bilder aus der System-Fotomediathek von Fotos öffnen und bearbeiten, nicht aber wieder dort speichern.

Graphic Converter: Der Klassiker für den Mac

Graphic Converter ist ein Urgestein auf dem Mac. Ursprünglich als Programm zur Konvertierung von Bildformaten gestartet, verfügt die Anwendung inzwischen nicht nur über Funktionen zur Konvertierung und Stapelverarbeitung, sondern auch über einen umfangreichen Werkzeugkasten zur Bildbearbeitung inklusive einer langen Liste mit Filtern. Es gibt auch einen Browser, mit dem man auf Ordner mit Bildern und auf die System-Fotomediathek von Fotos zugreifen und die Bilder unter anderem sortieren, bewerten, als Diashow anzeigen und drucken kann. Beim direkten Zugriff auf die Fotos-Mediathek ist jedoch Vorsicht geboten. Denn sichert man ein direkt mit Graphic Converter aus der Mediathek geöffnetes Bild nach dem Bearbeiten, werden die Einstellungen in das Bild geschrieben, und man kann in Fotos nicht mehr zum Original zurückkehren. Anders sieht es aus, wenn man Graphic Converter in Fotos als Erweiterung aufruft. Dann wird an Graphic Converter ein TIFF-Bild übergeben, das nach dem Sichern zurück zu Fotos gelangt und dort mit „Änderungen sichern“ gespeichert wird. Wenn die Bearbeitung nicht gefällt, stellt man das Original wieder her.

Die Werkzeugpalette von Graphic Converter umfasst unter anderem Auswahlwerkzeuge, Werkzeuge zum Einfügen von Text und Objekten,  zum Verwischen, Aufhellen, Abdunkeln und einen Kopierstempel. Per Doppelklick auf ein Symbol öffnen sich die jeweiligen Einstellungen. Alle das gesamte Bild betreffenden Optionen sind im Menü „Bild“ zu finden. Hier lassen sich Helligkeit, Kontrast, Farbbalance, Tiefen und Lichter und der Tonwert einstellen sowie die Bilder drehen und spiegeln. Es gibt auch eine automatische Bildverbesserung. Mit Command (⌘)-Z nimmt man einzelne Bearbeitungsschritte wieder zurück.

Mit dem Live-Entzerrungswerkzeug lässt sich die Trapezkorrektur besonders einfach durchführen.
Vergrößern Mit dem Live-Entzerrungswerkzeug lässt sich die Trapezkorrektur besonders einfach durchführen.

Über das Menü „Effekt“ lassen sich Bilder schärfen oder weichzeichnen, Störungen entfernen, Rauschen hinzufügen und die Bilder wärmer oder kälter machen. In diesem Menü gibt es zudem einige Farbeffekte, etwa um ein Bild auf alt zu schminken, und Optionen für Schwarzweißbilder. Besonders hilfreich sind die beiden Entzerrungsfunktionen, um beispielsweise stürzende Linien zu korrigieren. Bei der einen arbeitet man mit Hilfslinien, bei der anderen kann man mit der Maus den Bildinhalt live verschieben, was besonders einfach ist. Außerdem gibt es im Menü auch Optionen zur Objektivkorrektur und für Schwarz-Weiß-Bilder sowie die Möglichkeit, Bildrahmen hinzuzufügen.

Im Menü „Filter“ hat man Zugriff auf alle Core-Image-Filter von macOS. Diese Filter lassen sich jeweils auch auf eine im Bild mit einem Auswahlwerkzeug angelegte Auswahl anwenden. Die anderen Filter, darunter Optionen für Duo-Tone, Postereffekte und zum Einfärben, beziehen sich immer auf das gesamte Bild. Eine Besonderheit sind der Xe8472-Filter, der Helligkeit, Sättigung, Kontrast und Farbeindruck bearbeitet, und der Filter „Pure Carbon“, um Graustufenbilder zu erzeugen. Beide haben eine spezielle Bedienoberfläche und arbeiten mit einem eigenen Algorithmus. Man muss mit beiden Filtern ein wenige experimentieren und geht dabei nach dem Bildeindruck. Für den Xe8472-Filter gibt es auch eine Automatik.

Die in Graphic Converter verfügbaren Optionen, die man in der Erweiterungsfunktion verwenden kann, sind sehr umfangreich, man benötigt jedoch einige Zeit, um sich mit den vielen Funktionen vertraut zu machen. Man kann auch zuerst Korrekturen in Fotos machen und dann erst das Bild an Graphic Converter übergeben. Bei Nichtgefallen kehrt man in Fotos dann zum Originalbild zurück, was alle Bearbeitungsschritte zurück nimmt.

Raw Power: Vielseitig

Raw Power setzt zwar einen Schwerpunkt auf Bilder im RAW-Format und verwendet dazu Apples RAW-Engine, man kann jedoch auch andere Bildformate wie JPEG, HEIC und PNG bearbeiten. Nur die spezifischen Optionen für RAW-Fotos sind für diese Formate nicht verfügbar. Die RAW-Bilder können sowohl von Digitalkameras stammen als auch mithilfe von Apps wie beispielsweise Halide oder ProCamera mit dem iPhone aufgenommen worden sein. Wichtig beim Bearbeiten der RAW-Bildern: Man darf sie nicht zuerst mit Fotos bearbeiten, da sonst an Raw Power nur ein JPEG übergeben wird. Das gilt auch für das Beschneiden oder Drehen. Man muss das unbearbeitete Original mit Raw Power öffnen. Aber auch bei anderen Formaten ist es sinnvoll, entweder nur die Optionen von Raw Power oder diejenigen von Fotos zu verwenden. Denn sonst kann man die Bearbeitungsschritte in der Erweiterung nicht mehr separat rückgängig machen, sondern muss in Fotos komplett zum Originalbild zurückkehren.

In Raw Power kann man sich die Bildbereiche anzeigen lassen, in denen keine Zeichnung vorhanden ist.
Vergrößern In Raw Power kann man sich die Bildbereiche anzeigen lassen, in denen keine Zeichnung vorhanden ist.

Raw Power, dessen Entwickler lange Jahre bei Apple in der Entwicklung der Fotos-Anwendungen in leitender Funktion tätig war, bietet neben den speziellen Werkzeugen für RAW-Bilder einige weitere Vorteile gegenüber den Werkzeugen von Fotos. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, sich im Bild die Stellen anzeigen zu lassen, die in den hellen beziehungsweise dunklen Bereichen keine Zeichnung enthalten, und kann diese bei den Einstellungen besonders im Auge behalten. Zudem arbeiten manche Werkzeuge wie die automatische Verbesserung oder die Schärfenfunktion anders als diejenigen von Fotos, mit oft besseren Resultaten. Es gibt auch ein Werkzeug, um Bilder zu entzerren, was in Fotos auf dem Mac bisher fehlt, und man kann chromatische Aberrationen bearbeiten und mit dem Kanalmixer Farben austauschen. Anders als bei den Bearbeitungswerkzeugen von Fotos lassen sich diejenigen von Raw Power individuell zu einem Set zusammenstellen sowie die Einstellungen als Vorlagen speichern und beim nächsten Bild wieder anwenden. Einige Sets werden schon mitgeliefert.

Stimmt die Perspektive nicht, lässt sie sich in Raw Power korrigieren.
Vergrößern Stimmt die Perspektive nicht, lässt sie sich in Raw Power korrigieren.

Verwendet man Raw Power als eigenständiges Programm, hat man unter macOS Catalina außer dem Zugriff auf Ordnern mit Bildern auch Zugriff auf die System-Fotomediathek von Fotos. Alle Änderungen, die man vornimmt, werden in Fotos zerstörungsfrei gespeichert und, sofern man Fotos in iCloud verwendet, zwischen allen mit iCloud verbundenen Geräten synchronisiert. Lästig ist jedoch, dass man das Speichern der Änderungen wegen der Sicherheitsfunktionen von macOS bei jedem Bild jeweils bestätigen muss. Man kann Bilder außerdem wie früher in iPhoto mit Sternen bewerten, mit einer Flagge kennzeichnen oder verwerfen. In der Fotos-Mediathek werden jeweils entsprechende Ordner angelegt, die auch in Fotos angezeigt werden. Raw Power gibt es zudem auch als App für iOS mit denselben Funktionen.

 

Die Erweiterung, um Anmerkungen einem Bild hinzuzufügen, ist in macOS standardmäßig verfügbar.
Vergrößern Die Erweiterung, um Anmerkungen einem Bild hinzuzufügen, ist in macOS standardmäßig verfügbar.

Markierungen

In Fotos ist im Bearbeitenmodus auch die Erweiterung „Markierungen“ verfügbar, die automatisch mit dem macOS installiert wird. Sie erscheint wie alle Erweiterungen im Menü, das man per Klick auf den Kreis mit den drei Punkten einblendet, und muss in der Systemeinstellung „Erweiterungen“ aktiviert sein. Man kann unter anderem Text in ein Bild einfügen, im Bild zeichnen, Formen hinzufügen und Bildbereiche hervorheben oder vergrößern.

 

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