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Blue Ella – Der Kopfhörer mit der besten Klangqualität

18.08.2017 | 08:30 Uhr |

Ein gelungener Spagat zwischen der Wärme und Präzision, der Ella zu einem der besten Kopfhörer unserer Testgeschichte macht.

Sie kennen Blue nicht als Kopfhörerhersteller? Das liegt daran, dass man in erster Linie die auffälligen Mikrofone im Retro-Look wie das Yeti kennt. Die Kopfhörer sind eher unbekannt. Doch das könnte sich jetzt ändern. Das auffällige Design ist am offensichtlichsten, der integrierte, audiophile Verstärker das wichtigste Argument.

Blue Ella bei Amazon.de ab 800 Euro

Die technischen Daten lassen aufhören: Audiophiler Verstärker mit drei Betriebsmodi und planar magnetische Membrankonstruktion. In der Beschreibung des Kopfhörers liest sich das so: „Die 50 mm x 50 mm Treiber von Ella arbeiten mit selbst stabilisierenden Planarmembranen mit einer Stärke von weniger als 50 Mikrometern für eine schnelle Ansprache und extreme Präzision.“ Was hier so schön detailliert ausgeführt wird, ist eine Flächenmembran, die aufgrund ihres Preises und Platzbedarfs nur selten bei Kopfhörern zu finden ist. Klanglich verspricht sie aber Qualität vom Feinsten. Damit der integrierte Verstärker auch arbeiten kann, ist ein Akku für rund zwölf Stunden im großen Ohrhörer integriert.

Ganz klassisch verfügt der Ella über eine Fernbedienung im Anschlusskabel. Drei Tasten haben die Musiksteuerung im Griff: Die Tasten am Rand sind für die Lautstärke und die mittlere steuert die Musik.

Einmal klicken für ‚Wiedergabe/Pause’, zweimal klicken für ‚ein Lied weiter’ und dreimal klicken für ‚zurück’. Das ist von anderen Kopfhörern bekannt und leicht zu verstehen. Leider liegen die Tasten sehr nahe beieinander und sind nur mit viel Gefühl zu unterscheiden. Dafür zeugt das Anschlusskabel von Liebe zum Detail: Die Gewebeummantelung sieht klasse aus und sorgt für die Flexibilität des Kabels.

Tasten, die man eigentlich nicht wirklich unterscheiden kann, sollten bei einem High-End Produkt nicht vorkommen.
Vergrößern Tasten, die man eigentlich nicht wirklich unterscheiden kann, sollten bei einem High-End Produkt nicht vorkommen.

Sitzkomfort und Anpassungsmöglichkeiten

Große Ohrhörer sind oft ein Zeichen für einen bequemen Sitz – so auch beim Ella. Der Memory-Schaumstoff sorgt für eine sehr gute Anpassung an die Kopfform und das weiche Leder ist angenehm auf der Haut.

Die monströse Konstruktion der Kopfbügel mit den Gelenken flößt Respekt ein und stellt den Nutzer vor die Frage, wie man das aufziehen soll, zumal die Links-Rechts-Markierungen fehlen. Der Kopfhörer passt nur, wenn der Kabelanschluss auf der linken Seite ist. Die Gelenke sorgen für eine sehr gute Anpassung an die Kopfform und das weiche Kopfpolster lassen einen das hohe Gewicht von 481 Gramm ertragen. Überhaupt trägt sich Ella sehr gut, ein Kopfhörer für die aktive Teilnahme am Straßenverkehr ist Ella ohnehin nicht, sondern eher für das gemütliche Musikhören zu Hause im Sessel.

Es ist schade, dass man kaum erkennen kann, ob der Verstärker ein- oder ausgeschaltet ist. Das würde einem einen frühzeitigen leeren Akku ersparen.
Vergrößern Es ist schade, dass man kaum erkennen kann, ob der Verstärker ein- oder ausgeschaltet ist. Das würde einem einen frühzeitigen leeren Akku ersparen.

Durch die sehr gute Abschottung gegenüber Außengeräuschen kann man sich sehr gut auf den Musikgenuss konzentrieren. Und das lohnt sich.

Klang – voll

Man hat drei Möglichkeiten, den Klang einzustellen: Verstärker aus, Verstärker ein und ein Modus für Vinyl-Aufzeichnungen mit einem angepassten Bassbereich.

Wir starten im Modus „Verstärker aus“ mit Simply Red´s ‚Shine On’. So ganz springt der Funke nicht über, warm und brav möchte der Schein nicht leuchten. Mit ‚Big Love’ sieht es schon besser aus, die Liebe umhüllt uns angenehm.

Mit eingeschaltetem Verstärker ist Ella wie ausgewechselt, Mick Hucknall nimmt man jetzt auch ab, dass er mit Leidenschaft über die große Liebe singt. Und auch mit ‚Shine On’ swingt man jetzt leicht in den Abend.

Wir bleiben erst einmal bei ruhiger Musik und lassen uns ‚Hello’ von Adele zurufen. Kennt man andere sehr gute Kopfhörer wie den B&W P7, fällt sofort das sehr viel wärmere Klangbild auf. Nicht ganz so klar und hoch, singt Adele sehr voll und kräftig mit dem Ella. Zu ‚Send My Love’ passt die Abstimmung viel besser. Der Bass kommt sehr schön druckvoll und versprüht eine Konzertsaalatmosphäre.

Wo Adele nicht so klar rüber kommt, war die spannende Frage, wie er sich mit Kiesza schlagen wird, die normalerweise eine sehr große Herausforderung für Kopfhörer ist. Um es kurz zu machen: Super. Ganz anders als andere Kopfhörer der Spitzenklasse nimmt der Ella Kiesza die Schärfe, ohne sie aber zahm und stumpf werden zu lassen. Zu ‚Hideaway’ passt die Abstimmung sehr gut und lässt uns die Kanadierin neu erleben.

Und wie passt das warme, aber direkte Klangbild zu elektronischer Musik? Yello mit ihrem aktuellen Album ‚Toy’ und den schnellen Beats zeigt es. Steigen wir ein mit den sehr hellen sphärischen Klängen von ‚Frautonium Intro’. In der Schärfe gekappt, zeigt sich das Stück sehr angenehm. Mit ‚Limbo’ wird man sofort aus den Träumen gerissen. Schnelle Beats, direkt auf den Punkt, so macht Limbo Spaß.

Bleiben wir elektronisch, aber diesmal rau und düster mit Depeche Modes aktuellem Album. Das ruhige Stück ‚Fail’ zeigt, dass Ella auch hier perfekt harmoniert. Wunderbar warm und weich trägt uns Martin L. Gore seine Ballade vor. Mit der Liebe von ‚So much Love’ beenden wir unseren Test. Die harten Beats des Machine Mix zeigen, dass Ella nicht nur in der Stimmreproduktion zu gefallen weiß, sondern auch einen ordentlichen Bass zaubern kann. Nicht übertrieben, eher realistisch.

Fazit

Kopfhörer mit Besonderheiten und exotische Produkte testet man als Journalist besonders gerne. Wenn wie im Fall des Ella beides zusammen kommt – also eine besondere Membrankonstruktion, ein audiophiler Verstärker und ein exzentrisches Design – ist die Neugierde geweckt. Vor dem Musikgenuss muss man einige Hürden überwinden: Erstens das Aufsetzen, denn der Hersteller Blue hat schlicht die Kennzeichnung für rechts und links vergessen. Zweitens das Riesen-Kopfhörer Konstrukt mit seinen vielen Gelenken. Sie flößt zwar Respekt ein, aber wenn man sie eingestellt hat, wird man mit sehr guter Passform belohnt. Das hohe Gewicht von 481 Gramm merkt man beim Bewegen. Und drittens schließlich die Fernbedienung mit ihren nicht unterscheidbaren Tasten. Das sollte bei einem High-End-Produkt nicht vorkommen.

Das Wichtige am Ella ist der Klang. Der technische Aufwand, den Blue betreibt, zahlt sich aus. Er ist nicht der erste Kopfhörer in unserem Testlabor, der wie ein Magnetostat funktioniert. Liebhaber von Magnetostaten oder Flächenlautsprechern, schätzen den stressfreien Klang. Genau hier kann Ella punkten und in vielen Musikgenres gefällt seine Wärme, die kaum auf Kosten der Präzision der Wiedergabe geht. Ein sehr gelungener Spagat, der ihn somit zu einem der besten Kopfhörer unserer Testgeschichte macht. Mit ausgeschaltetem Verstärker haben wir übrigens keine Musik mehr gehört. Warum auch, der Verstärker ist einfach viel zu überzeugend. Nur eine Frage bleibt am Ende: Wie gut wäre der Klang geworden, wenn Blue nicht den Klinke- sondern den Lightning-Anschluss gewählt hätte?

Blue Ella

Hersteller:

Blue Design

Preis:

800 Euro

Note:

1,3 Sehr gut

Vorteile:

exzellenter Klang, angenehm am Ohr, toller Verstärker.

Nachteile:

große Konstruktion mit vielen Gelenken und hohem Gewicht, hoher Preis, kurze Akkulaufzeit, kein Lightning

Alternative

Audeze Sine

Preis bei Amazon:

800 Euro

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