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Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling für Reisende im Vergleichstest

12.10.2017 | 17:45 Uhr |

Auch bei lauter Umgebung ganz in die Musik vertieft: Bose QuitComfort 35, Sony MDR-1000X und Teufel Mute BT im Vergleich.

Jeder, der schon mal ein paar Stunden im Flugzeug verbracht hat, weiß die aktive Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling) zu schätzen. Ein Pionier der aktiven Geräuschunterdrückung ist Bose. Nicht umsonst sieht man die Marke aus den USA auf vielen Köpfen in den Sitzreihen der Flugzeuge. Wir haben uns den QuietComfort 35 ins Testlabor geholt und mit den zwei Herausforderern Sony MDR-1000X und Mute BT von Teufel verglichen. Das Testlabor war natürlich nicht nur ein stilles Kämmerlein, sondern ein Atlantikflug nach Kanada mit drei verschiedenen Flugzeugtypen.

Noise Cancelling: So funktioniert die Technik

Noise-Cancelling-Kopfhörer müssen einen Spagat vollbringen: Auf der einen Seite sollen sie Außengeräusche eliminieren und auf der anderen Seite einen sehr guten Klang liefern. Dass dies schwierig ist, merkt man schon alleine am Klangvergleich zwischen eingeschaltetem und ausgeschaltetem Noise Cancelling.

Unser Vergleichstrio: Bose QuitComfort 35, Sony MDR-1000X und Teufel Mute BT
Vergrößern Unser Vergleichstrio: Bose QuitComfort 35, Sony MDR-1000X und Teufel Mute BT
© Thomas Bergbold

Aber wie funktioniert eigentlich Noise Cancelling?

Vereinfacht ausgedrückt so: Mikrofone an den Kopfhörern nehmen den Schall der Umgebung auf. Daraus wird ein Gegenschall berechnet, der zusammen mit der Musik an das Ohr weitergeleitet wird. Im Idealfall wird dadurch durch Auslöschung der als Lärm empfundenen Schallwellen des Außenbereichs – Wellental trifft passgenau auf Wellenberg – eine Ruhe erzeugt, die den Musikgenuss nicht mehr beeinträchtigt. Diese Methode ist auch als Active Noise Cancellation (ANC) bekannt. In der Regel funktioniert das sehr gut, bei einigen Menschen macht sich aber ein erhöhter Druck im Ohr bemerkbar, der bei längerem Musikhören unangenehm wird.

Teufel Mute BT im Macwelt-Preisvergleich (ab 170 €)

In der Praxis hat das Noise Cancelling bei allen drei Kandidaten überzeugt. Bei Bose und Sony fällt die Eliminierung etwas stärker aus. Im Gegensatz zu normalen Turbinen-Strahltriebwerken war eine Turboprop-Maschine eine harte Nuss, hier hat die aktive Geräuschreduktion nicht so gut funktioniert.

Ein Punkt dürfte jedem mit empfindlichen Ohren auffallen: Der Druck auf die Ohren nimmt bei aktiviertem Noise Cancelling zu. Und das wirkt sich interessanterweise in einem Flugzeug stärker aus als am Boden. Dieser Effekt ist bei Bose und Sony stärker als bei Teufel. Hier macht sich auch die zweistufige Noise-Cancelling-Schaltung des Bose positiv bemerkbar.

So sollte es bei Reisekopfhörern sein, richtige Hardcases für den perfekten Schutz
Vergrößern So sollte es bei Reisekopfhörern sein, richtige Hardcases für den perfekten Schutz
© Thomas Bergbold

Bluetooth und Noise Cancelling benötigen Strom und so ist die Akkulaufzeit ein wichtiger Punkt. Alle Hersteller geben eine Laufzeit von 20 Stunden und mehr an. Mit ausgeschaltetem Noise Cancelling haben wir bei Bose etwas mehr als die versprochenen 20 Stunden messen können. Bei Sony sogar mehr als 24 Stunden und bei Teufel über 33 Stunden. Mit eingeschaltetem Noise Cancelling liegen die Messwerte etwas niedriger. Bose landet bei den versprochenen 20 Stunden, Sony bei 22 Stunden und Teufel bei 28 Stunden. Das sind sehr respektable Werte. Interessant ist beim Mute BT von Teufel, dass dieser einen wechselbaren Akku besitzt. Ist der Akku mal leer, kann man alle Kopfhörer noch mit dem mitgelieferten Audiokabel weiter betreiben.

Schön aufgeräumt geht es in den Hardcases zu, neben den Flugzeugadaptern, finden auch die Kabel einen Platz. Nur beim Sony hat es kein eigenen Fach.
Vergrößern Schön aufgeräumt geht es in den Hardcases zu, neben den Flugzeugadaptern, finden auch die Kabel einen Platz. Nur beim Sony hat es kein eigenen Fach.
© Thomas Bergbold

Die Bedienung

Ein wichtiger Punkt bei Bluetooth-Kopfhörern ist eine gute Bedienbarkeit, damit das Smartphone in der Tasche bleiben kann. Bose ist hier ganz klassisch unterwegs und verwendet drei Taster für Wiedergabesteuerung und Lautstärke. Das ist bekannt von vielen Kabelfernbedienungen und wirft somit keine Fragen mehr auf. Herauszuheben ist die Tatsache, dass die Tasten durch ihre unterschiedliche Höhe eindeutig zu unterscheiden sind. Eine einfache Eigenschaft, die aber nur selten anzutreffen ist.

Ebenso klassisch ist der Ein/Aus-Schalter als Schiebeschalter auf dem rechten Ohrhörer zu finden. Das Noise Cancelling kann in zwei Stufen eingestellt sowie deaktiviert werden. Das erfolgt aber ausschließlich über die Bose Connect App.

Taster zur Musiksteuerung, die man kaum verwechseln kann. Da merkt man die lange Erfahrung von Bose.
Vergrößern Taster zur Musiksteuerung, die man kaum verwechseln kann. Da merkt man die lange Erfahrung von Bose.
© Bose

Viel moderner gibt sich hier Sony beim MDR-1000X, die sich für eine Kombination aus Tasten und einer Touch-Oberfläche entschieden haben.

Sony MDR-1000X im Macwelt-Preisvergleich (ab 270 €)

Normale Tasten mit Status-LED sind für Power, das Noise Cancelling und den Ambient Sound am linken Ohrhörer angebracht. Eine weibliche Stimme sorgt für Klarheit beim Drücken der Tasten. Damit weiß man auch im aufgesetzten Zustand, ob man die entsprechende Funktion jetzt aktiviert hat.

Auf dem rechten Ohrhörer befindet sich die Touchoberfläche. Auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar, ist hierüber die Musiksteuerung realisiert. Wie man das auch von anderen Herstellern her kennt: Ein Wischen nach oben erhöht die Lautstärke, nach unten wird es leiser. Bei einem Wischen nach rechts gelangt man zum nächsten Lied, nach links an den Anfang des aktuellen Liedes oder zum vorherigen.

Neben dem freundlichen Silber, gibt es den QuitComfort auch in Schwarz.
Vergrößern Neben dem freundlichen Silber, gibt es den QuitComfort auch in Schwarz.
© Bose

Interessant sind Pause und Wiedergabe umgesetzt. Hierfür muss man doppelt tippen. Der Vorteil ist, dass man nicht bei einer versehentlichen Berührung die Wiedergabe pausiert. Damit sind wir mit den interessanten Funktionen noch nicht am Ende, denn der Sony versteht auch „Handauflegen“. Damit ist nicht der Blick in die Zukunft gemeint, sondern die Funktion „Quick Attention“. Hier wird die Lautstärke der Musik minimiert und die Mikrophone in den Ohrhörern geben verstärkt die Außengeräusche an den Hörer weiter.

Das ist praktisch, um kurz mit seinem Gegenüber zu kommunizieren, wie zum Beispiel im Flugzeug, um auf eine Frage der Flugbegleiterin zu antworten. In der Praxis sieht es nur seltsam aus und dürfte auch unhöflich wirken. Auf jeden Fall waren die Reaktionen während unseres Tests sehr unterschiedlich. Auf eine App verzichtet Sony ebenso wie Teufel.

In der Farbe grau, wobei es eher in Richtung Champanger oder Titan geht, sieht der Sony MDR-1000X besonders edel aus.
Vergrößern In der Farbe grau, wobei es eher in Richtung Champanger oder Titan geht, sieht der Sony MDR-1000X besonders edel aus.
© Sony

Kabel optional – und im Flieger notwendig

Was bei einem Bluetooth-Kopfhörer nie fehlen darf, ist ein Kabelanschluss für ein Audiokabel. Allen dreien liegt ein passendes Kabel bei, das zum Beispiel bei leerem Akku den Musikgenuss sicherstellt. Praktisch ist so ein Kabel aber auch im Flugzeug, da hier in der Regel die Verwendung von Bluetooth nicht erlaubt ist.

Auf eine Fernbedienung verzichten alle Hersteller bei ihren Audiokabeln und auch die Steuerung über die jeweiligen Bedienelemente am Ohrhörer sind deaktiviert. Die Musiksteuerung erfolgt somit ausschließlich über das angeschlossene iPhone oder iPad. Das Noise Canceling lässt sich hingegen auch mit angeschlossenem Kabel aktivieren, was gerade im Flugzeug wichtig ist.

Noise Cancelling Kopfhörer sind Reisekopfhörer, somit sind Tasche bzw. Box essentiell. Alle drei Hersteller legen hier vorbildlich Hardcases für ihre Kopfhörer bei, in die auch gleich die Kabel und die mitgelieferten Flugzeugadapter passen. Außer bei Sony haben Kabel und Adapter sogar ein eigenes Fach. Bei Sony muss das Kabel leider so hineingelegt werden, die Tasche auf der Rückseite (Außen) der Box ist hierfür nicht optimal.

Ein Punkt hat uns beim Anblick der geöffneten Box von Sony begeistert: Eine Abbildung im Boden, die nicht nur anzeigt, wie man den Kopfhörer richtig in die Box legt, sondern auch gleich mit Symbolen die Bedienung erklärt. Das ist super.

Vorbildlich ist die Anleitung im Boden des Hardcase von Sony.
Vergrößern Vorbildlich ist die Anleitung im Boden des Hardcase von Sony.
© Thomas Bergbold

Klangkünstler: So klingen Bose, Teufel und Sony

Mit einem Fakt müssen wir gleich in den Klangvergleich einsteigen: Mit eingeschaltetem Noise Cancelling klingen alle Kopfhörer schlechter. Schaltet man die Funktion ab, klingen die Probanden deutlich freier und gelöster. Das ist, wie wenn die Erkältung weg ist. Auf dem Papier, beziehungsweise den Websites der Hersteller, bekommt man immer beste Klangqualität versprochen. Um es vorweg zu nehmen, schlecht klingt keiner der Kopfhörer.

Bose QuietComfort 35 im Macwelt-Preisvergleich (Ab 290 €)

Wir steigen mit Bluetooth und ausgeschaltetem Noise Cancelling ein und probieren zuerst den Sony. Bei Pop und Electronic gefällt die neutrale Abstimmung, der Bass liefert ein tolles Fundament, ohne übertrieben gesoundet zu klingen. Was uns speziell beim aktuellen Album von "The xx" begeistert hat. Die Höhenauflösung klingt schön klar, der MDR-1000X scheint wie gemacht für die Musik von "The xx". Was bei den „Pop-Opas“ von den Pet Shop Boys mit ihrem Album "Super", Depeche Mode und OMD nicht viel anders ist.

Können das die Mitbewerber toppen?

Bei dieser Anleitung bleiben keine Fragen offen. Bilder sagen mehr als 1000 Worte und hier bedarf eigentlich auch keiner Worte mehr.
Vergrößern Bei dieser Anleitung bleiben keine Fragen offen. Bilder sagen mehr als 1000 Worte und hier bedarf eigentlich auch keiner Worte mehr.
© Thomas Bergbold

Der Bose hat im direkten Vergleich einen viel kräftigeren Bass. Das geht deutlich zu Lasten der Neutralität und wirkt daher auch nicht so offen wie der Sony, sondern angestrengter und dunkler. Der Teufel macht hier seine Sache etwas besser, der ebenfalls kräftige Bass klingt etwas echter als die des Bose und die Abstimmung geht nicht zu Lasten von Hoch- und Mitteltönen.

Ein Ausflug in den Jazz und die akustische Musik offenbart erste Schwächen in der Hochtonausflösung. Dem Teufel gibt sich Diana Krall sehr musikalisch, warm und weiß zu gefallen. Etwas klarer in den Höhen zeigt sich der Sony, dafür fehlt es ihm im Vergleich zum Teufel etwas an Fundament. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Trompete von Till Brönner: Hier ist der Teufel warm und voll, hell und direkt der Sony. Es fällt schwer, einen Sieger auszumachen. Und der Bose? Für unseren Geschmack hat er einen etwas zu dick aufgetragenen Bass. An die Präzision des Sony in der Stimmenwiedergabe kommt er nicht ganz ran.

Ein vom Nutzer auswechselbarer Akku ist sehr selten geworden, Teufel macht es noch möglich.
Vergrößern Ein vom Nutzer auswechselbarer Akku ist sehr selten geworden, Teufel macht es noch möglich.
© Teufel

Fazit

Ein Nachteil vieler Noise-Cancelling-Kopfhörer ist, dass die Technik direkt beim Einschalten aktiv ist. Das beeinflusst den Klang. Und man möchte doch immer den besten Klang und das Noise Cancelling nur, wenn es die Umgebung erfordert.

Bei unseren Testkandidaten ist das leider auch so. Da ist es von Vorteil, wenn für die Noise-Cancelling-Funktion wie beim Sony und Teufel ein extra Schalter am Ohrhörer vorhanden ist. Bose hat darauf verzichtet und überlässt das der App. Das dauert seine Zeit, bis die App geöffnet und das Noise Cancelling deaktiviert ist. Der passive Schallschutz ist dank sehr gutem Sitz bei allen Dreien sehr gut. Die Akkulaufzeit bietet bei keinem Anlass zum Klagen, über 20 Stunden sind sehr gut.

Auch wenn auf den ersten Blick die Tasten für die Musiksteuerung weit genug auseinander liegen, so sind sie doch blind kaum zu unterscheiden.
Vergrößern Auch wenn auf den ersten Blick die Tasten für die Musiksteuerung weit genug auseinander liegen, so sind sie doch blind kaum zu unterscheiden.
© Thomas Bergbold

Wenn man früher einen Noise-Cancelling-Kopfhörer mit bestem Klang suchte, führte kein Weg an Bose vorbei. Das Rennen geht jetzt nicht mehr so klar an sie. Das Noise Cancelling ist immer noch spitze, doch der Sony ist bei unserem Test nicht viel schlechter. Und im Klang? Da zeigen alle drei Vertreter ihre Qualitäten. In der Summe geht aber der Sony knapp als Erster über die Ziellinie. Ob man dem Teufel oder dem Bose den Vortritt gibt, das ist Geschmackssache, weil beide mit ihrer Abstimmung eine sehr unterschiedliche Klientel ansprechen.

Der Teufel präsentiert sich in schlichtem schwarz, mit roter Schrift. Leider am Schalter für Ein/Aus schwer zu erkennen.
Vergrößern Der Teufel präsentiert sich in schlichtem schwarz, mit roter Schrift. Leider am Schalter für Ein/Aus schwer zu erkennen.
© Teufel

Im Kabelbetrieb ist, wie schon so oft in der Vergangenheit, der Klang viel gelöster und freier. Teufel und Bose klingen neutraler, der Sony klingt direkter, kräftiger. Wenn man den MDR-1000X im Kabelbetrieb einschaltet, aktiviert man den Verstärker und profitiert damit von der High-Resolution Audiowiedergabe. In diesem Betrieb zieht er deutlich an seinen Mitbewerbern vorbei. Ähnlich hatten wir das auch schon im Test des Audio-Technica ATH-DSR7BT.

Bewertungen

QuietComfort 35

Hersteller:

Bose

Preis:

€ 380,-

Note:

1,5 gut

Vorzüge:

sehr guter NC mit zwei Stufen, guter Klang

Nachteile:

NC direkt beim Einschalten aktiv, NC nur über App deaktivierbar, etwas zu kräftiger Bass

Preis auf Amazon:

Ab € 290,-

MDR-1000X

Herstelle:

  Sony

Preis:

€ 349,-

Note:

1,3 sehr gut

Vorzüge:

sehr guter Klang, gute Touchsteuerung, sehr guter NC

Nachteile:

NC direkt beim Einschalten aktiv, Gehäuse kratzempfindlich

Preis auf Amazon:

Ab € 290,-

Mute BT

Hersteller:

Teufel

Preis:

€ 170,-

Note:

1,5 gut

Vorzüge:

sehr guter Klang, angenehmes Polster, Tasten für alle Funktionen, wechselbarer Akku, lange Garantiezeit

Nachteile:

Tasten zur Wiedergabe und Lautstärke schwer zu unterscheiden, rote Beschriftung auf schwarzem Grund schwer zu lesen.

Preis auf Amazon:

Ab € 200,-

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