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China und USA im Wettstreit um die IT-Vorherrschaft

16.03.2018 | 10:16 Uhr |

Im Konflikt mit der aufstrebenden Macht China ergreifen die USA die falschen Maßnahmen, legt der Economist dar. Statt Strafen seien Investitionen notwendig.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich zu, nicht ohne Grund. Der Satz "Designed by Apple in California. Assembled in China", der noch auf jedem iPhone steht, gilt so auch nicht mehr, wie der "Economist" darlegt : Amerika liefert das Hirn und China die Muskeln. Im Gegenteil hat China in vielen Technologiebereichen aufgeholt und setzt zum Überholen an, der GPS-Rivale des Landes wird etwa 2020 fertig sein, Googles Eric Schmidt schätzt, dass die Forschung an künstlicher Intelligenz in China im Jahr 2025 die in den USA überholt haben wird – 800 Millionen Internetnutzer liefern dafür wertvolle Daten. Chinesische Firmen wie Alibaba oder Tencent erreichen Marktkapitalisierungen von rund 500 Millionen US-Dollar und sind für Facebook eine ernste Bedrohung. Kein Markt für Online-Zahlungen sei größer als der chinesische, zudem steht der schnellste Supercomputer im Land und das weltweit größte Forschungszentrum für Quantencomputer.

Die USA reagieren mit Strafzöllen, Einfuhrverboten für bestimmte Technologien und ihre Hersteller und dem Verbot von internationalen Firmenübernahmen – dabei ist Broadcomm, das Qualcomm kaufen wollte, nicht einmal chinesisch. Experten in den USA schätzen den durch China angerichteten Schaden durch Diebstahl geistigen Eigentums auf 1000 Milliarden US-Dollar. Ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz verbietet staatlichen Behörden Geschäfte mit ZTE oder Huawei.

Was die USA aber laut "The Economist" tatsächlich benötigten, um im globalen Wettbewerb ("The motherboard of all wars") nicht zurück zu fallen, wären nationale Investions- und Forschungsprogramme – davon ist in Washington D.C. aber nichts zu sehen. Die ökonomische Bedrohung erfordere eine Strategie und keine über das Knie gebrochene Antwort. Präsident Trump habe eine echte Herausforderung erkannt, gebe aber wie so oft eine stümperhafte Antwort, urteilt der Economist. Es sei geradezu natürlich, dass eine beinahe einen Kontinent überspannende Volkswirtschaft und Kultur der Wissenschaft eine technologische Renaissance erlebe. Amerikas Rezept, China klein zu halten und der Versuch, das Internet gewissermaßen zu balkanisieren, werde nicht aufgehen. Für Amerika drohe konkret die Gefahr, dass China in Informationstechnologien, die auch Kern von Waffensystemen sein können, eine uneinholbare Position erreiche. Technologie erscheint dem repressiven Regime in Peking als Mittel zu einem Zweck zu sein, der den USA nicht gefallen könne.

Doch hier gibt es ein historisches Vorbild, dem nun die USA mit klugen Investitionen folgen könnten. Die Vormachtstellung der USA in den 50er und 60er Jahren resultierte aus der Antwort auf den Vorsprung der Sowjetunion in Weltraum- und Waffentechnik. Staatliche Programme und Investitionen hätten Industrie und Bildungswesen wachgerüttelt und bedeutende Entwicklungsfortschritte nach sich gezogen – letztendlich ist daraus auch das Silicon Valley entstanden. Nun benötigten die USA 60 Jahre nach dem Sputnik-Schock einen ähnlichen Mix aus staatlicher Förderung und Initiative der Privatwirtschaft, ein liberales Einwanderungssystem ermöglicht es, die  hellsten Köpfe aus aller Welt in das Land zu holen.

Die reale Bedrohung durch spezielle chinesische Technologie könne man nicht mit einem Hammer abwehren, es benötigte eher ein Skalpell. Denn pauschale Verbote von Übernahmen oder Technologieaustausch würde den Fortschritt der heimischen Industrie hemmen. Stattdessen seien genauere Untersuchungen kritischer Komponenten auf potentielle Sicherheitsrisiken notwendig, Großbritannien würde so vorgehen.

Vor den unvorhersehbaren Folgen eines durch gegenseitige Strafzölle ausgelösten Handelskrieges mit China warnt nun auch der US-Handelskammer. Deren Vorsitzender Thomas Donohue sagte laut Reuters :  "Zölle könnten zu einem zerstörerischen Handelskrieg mit ernsten Konsequenzen für das US-Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen führen". Die Effekte der erst kürzlich erfolgten Steuerreform würden verpuffen, Verbraucher, Bauern und Unternehmen wären Leidtragende des Streits. Die Verhängung von Zöllen sei der falsche Ansatz gegen unfaire Handelspraktiken.

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