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Citi: Apple würde von Trumps Steuerplänen profitieren

27.04.2017 | 10:43 Uhr |

Apple mag die Politik des Präsidenten schon mehrfach kritisiert haben. In Sachen Steuer wäre Cupertino aber dabei, meinen Analysten.

Update vom 27. April: Die Pläne liegen nun vor, müssen aber durch beide Häuser des Kongresses. Die Trump-Regierung will die Unternehmenssteuern von 35 auf 15 Prozent senken und dazu auch den Spitzensteuersatz. Schon jetzt ist der Staat jedoch in Geldnöten, und ob die Theorie stimmt, dass durch Steuersenkungen ausgelöstes Wachstum dem Fiskus auf lange Sicht mehr Einnahmen bringt, sei dahingestellt. Ähnliche Steuersenkungen der Präsidenten Reagan und Bush haben nicht den erhofften Effekt erzielt, im Gegenteil die Staatsverschuldung weiter erhöht.

Profitieren würden aber ohne Zweifel nicht nur die Unternehmen der Präsidentenfamilie, sondern auch Konzerne wie Apple, die ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne in die USA zurückführen und sie dort nicht nochmals versteuern müssten - es ist lediglich eine Abgabe in Höhe von zehn Prozent geplant. Für Apple haben das Analysten der Citi Group schon vor Wochen ausgerechnet, die Repatriierung würde zehn Prozent mehr Gewinn pro Aktie bescheren, der niedrigere Unternehmenssteuersatz würde weitere sechs Punkte hinzufügen. Für die Apple-Aktie würde das um einen um bis zu 32 Prozent gestiegenen Kurs bedeuten. Wenn dann auch noch mit dem iPhone 8 ein neuer Superzyklus einsetzen würde, könnte der Kurs geradezu durch die Decke gehen.

Nominell hat zwar die Partei des Präsidenten im Repräsentantenhaus eine satte und im Senat eine knappe Mehrheit, ob beide Häuser zustimmen, ist aber fraglich. Denn die Pläne würden die Staatsverschuldung weiter erhöhen, die vor allem in den Wahlkämpfen gegen Obama die Republikaner heftigst kritisierten - und zu senken versprachen. Eine mögliche Gegenfinanzierung in Form von Importzöllen ist aus den von Finanzminister Mnuchin vorgestellten Plänen jedoch verschwunden, laut Süddeutscher Zeitung habe hier eine von der Handelskette Wal-Mart angeführte Lobby von Unternehmen, die in den USA importierte Ware verkaufen, ganze Arbeit geleistet.

Stand vom 7. April: Was wäre, wenn US-Präsident Trump tatsächlich seine Pläne einer Unternehmenssteuerreform umsetzen könnte und Apple daraufhin sein im Ausland gelagertes Geld repatriieren würde? Das haben laut Business Insider die Analysten der Citi Group errechnet und sind dem Schluss gekommen, dass Apple rund 230 Milliarden US-Dollar in die USA zurückführen und dort versteuern würde. Nach den Plänen des POTUS soll die Unternehmenssteuer von 35 Prozent auf 15 Prozent sinken, auf in die USA zurück geholtes Kapital würde eine Steuer von zehn Prozent anfallen.

Apple würde dafür also "nur" 23 Milliarden US-Dollar an das Finanzministerium überweisen – die Rückführung des Kapitals, etwa zur Ausschüttung von Dividenden oder Aktienrückkäufe, käme nun günstiger als die Aufnahme von Krediten und Anleihen zu diesem Zweck. Im weiteren Verlauf würden Apples Gewinne pro Aktie um  insgesamt 16 Prozent ansteigen, da der US-Fiskus weniger Steuern auf Unternehmensgewinne erhebe. Zehn Prozentpunkte der höheren EPS (Earnings per Share) wären darauf zurückzuführen, dass weniger Anteile des Unternehmens frei wären, sechs Prozentpunkte mache die Steuersenkung aus. Die Analysten erwarten entsprechende Ankündigungen zu Apples nächster Bilanzpressekonferenz  am 2. Mai .

Umstrittene Theorie, fehlende Durchsetzungskraft

Gemäß einer seit den Achtzigern in den USA populären ökonomischen Theorie ( Laffer-Kurve ) steigert der Staat seine Einnahmen auf Dauer, wenn der die Steuern für Unternehmen senkt. Die Einnahmen des Staates seien bei Steuersätzen von null und 100 Prozent jeweils gleich null – klingt plausibel, dass niemand mehr gegen Geld arbeiten würde, müsste er alles abgeben. Zwischen null und hundert gebe es also einen Punkt, bei dem die Einnahmen nicht mehr mit steigenden Steuersätzen anstiegen.

Die Theorie besagt zudem, dass weniger besteuerte Unternehmen mehr investieren und stärker wachsen würden – und damit letztendlich zwar geringere Anteile, aber absolut mehr Dollars an Steuern bezahlen. Theorien von Wirtschaftswissenschaftlern haben aber meist den Haken, dass sie das Verhalten von Menschen und Organisationen nicht konkret vorhersagen können, es handelt sich schließlich um chaotische Systeme. Die Laffer-Theorie ist unter Ökonomen zudem stark umstritten.

Es ist also völlig dahingestellt, ob Apple tatsächlich sein Geld in den USA versteuert, tatsächlich mehr investiert und tatsächlich viel von dem gesparten Geld in Dividenden und Aktienrückkäufe investiert, wovon wiederum andere investieren könnten. Zudem dürfte Trump gegen die Widerstände mehr oder minder großer Teile beider Häuser des Kongresses auch dieses Vorhaben nur sehr schwer umsetzen können. Die Rechnung der Citi-Analysten ist also vor allem hoch spekulativ.

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