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Cook & Co.: US-Industrie gegen Ende des Klimaschutzes

01.06.2017 | 11:24 Uhr |

Heute Abend gegen 21 Uhr MESZ will der US-Präsident angeblich seine Entscheidung zum Pariser Abkommen verkünden - im Rosengarten des Weißen Hauses. Wer von seinen Beratern die Oberhand behält, ist noch nicht klar - die Industrie ist gegen den Ausstieg.

Der US-Präsident schiebt zwar die endgültige Entscheidung vor sich her , doch könnte er heute Abend unserer Zeit im Rosengarten des Weißen Hauses ankündigen, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen werden. Damit würde die größte Industrienation der Welt und nach China der zweitgrößte Verschmutzer ein völkerrechtliches Abkommen ignorieren und sich damit auf das Niveau der gescheiterten Staaten Nicaragua und Syrien begeben, die beide das Pariser Abkommen nicht unterschrieben haben. Schlimmer noch: Ohne die im Vertrag festgelegten Ziele wäre eine letztlich schwerwiegende globale Erwärmung des Planeten die Folge. Ohne die USA wäre das Abkommen zwar nicht außer Kraft, ob der Rest der Welt aber einfach den Klimaschutz seriös weiter betreibt, während einer der größten Verschmutzer sich einen feuchten Kehricht um die Zukunft des Planeten schert, sei dahin gestellt.

Noch ist es aber nicht zu spät, auch in den USA sind Unternehmen willens, den Weg fortzuführen. Im Gegenteil stellen einige gar ihr komplettes Geschäftsmodell auf die Abkehr von fossilen Brennstoffen und auf die völlige Wiederverwertbarkeit ihrer Produkte. So wundert es wenig, dass Apple und Tesla sich an die Spitze des Protests stellen und zusammen mit zahlreichen anderen Unternehmen das Weiße Haus auffordern, am Klimaschutz fest zu halten. Tim Cook habe am Dienstag dem POTUS persönlich am Telefon diese dringende Bitte vorgetragen, der Chef von Dow Chemical Andrew Liveris setzte mit den Vorständen von 30 weiteren Unternehmen einen offenen Brief mit der Forderung auf und Teslas Elon Musk verlautbarte auf Twitter beinahe verzweifelt, dass er alles getan habe, um den Präsidenten zu überzeugen.

Den Brief, den unter anderem auch Apple, Adobe, Microsoft und Google unterschrieben haben, erschien als ganzseitige Anzeige etwa im Wall Street Journal und der New York Times, der Salesforce-CEO Marc Benioff tweete ein Foto des Schreibens:

Darin argumentiert Corporate America etwa mit der steigenden Wettbewerbsfähgikeit von US-Unternehmen, wenn das Land weiter auf neue Technologien setze und warnt vor Geschäftsrisiken bei einem Ausstieg aus dem völkerrechtlich bindenden Kontrakt. Nicht zuletzt würde die Energie- und Technologiewende jede Menge neue Jobs in den USA und damit Wirtschaftswachstum bringen.

Auch aus den eigenen Reihen bekommt Trump den Ratschlag, dem Abkommen weiter zu folgen, Außenminister Rex Tillerson , der zuvor in der Ölindustrie als Chef von Exxon Mobile großen Einfluss hatte, ist laut der ARD etwa der Ansicht, das Pariser Abkommen sei ohnehin derart schwammig formuliert, dass die US-Industrie kaum Einschränkungen hinnehmen müsste. Radikal konservative Kräfte in der Republikanischen Partei fordern hingegen von Trump, dieses Wahlversprechen einzuhalten. Im Wahlkampf hatte er den Klimawandel als "eine Erfindung der Chinesen, um der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft zu schaden" bezeichnet. Der Republikaner rechter Rand leugnet nicht nur den Klimawandel, sondern glaube wohl auch daran, dass die Erde in sechs Werktagen erschaffen wurde, merkt Stefan Kornelius in einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung spitz an.

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