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Cydia-Depositories geschlossen: Ist Jailbreak tot?

27.11.2017 | 15:59 Uhr | Halyna Kubiv

Das erste iPhone musste man regelrecht jailbreaken, weil damals noch kein App Store erlaubt war.

Es waren mal Zeiten, in denen Apples Entwickler von ihrer nicht offizieller Konkurrenz förmlich deklassiert wurden: Kaum wurde eine neue Version von iOS bzw. iPhone OS veröffentlicht, ein Tag später kam schon der fertige Jailbreak für das breite Publikum. Diese Zeiten sind längst vorbei: Für iOS 11 gibt es immer noch nicht kein halbwegs funktionierendes Jailbreak-Tool, auch das Interesse der Nutzer hat sich wohl gelegt. Warum auch, wenn das iOS schon so viel kann. Was das iOS nicht ab Werk bringt, kann man mit vielen verfügbaren Apps nachrüsten. Es gibt sogar eine Automator-Alternative, die wiederkehrende Abläufe abbilden kann – die Workflow-App.

Letzte Woche haben zwei der größten Cydia-Repositories – Macciti und ModMy – bekannt gegeben, dass sie ihre Dienste schließen, weil die Server-Kosten die Einnahmen vom Verkauf der Apps weit übersteigen. Sollte das jedoch bedeuten, dass das Konzept Jailbreak tot ist? Wie Steve Jobs es einmal mit Verweis auf Mark Twain meinte – Die Gerüchte über meinen Tod sind stark übertrieben. Nach Meinung der Jailbreak-Gemeinde waren die beiden Repositories schon länger inaktiv: keine aktuellen Apps oder aktuelle Update der Apps. So bilden die Entscheidungen der Inhaber nur den Status Quo ab. Die Alternative – Bigboss.org – bleibt jedoch im Betrieb und nimmt regelmäßig aktuelle Apps und Themes an. Bei dem letzten aktuellen Jailbreak hat es ebenfalls bis rund Mitte Dezember gedauert, bis das funktionierende Tool herauskam. So bleibt die Community optimistisch, dass noch bis zu Ende des Jahres ein Jailbreak für iOS 11 erscheint.

Unsere Meinung: Für Nutzer hat ein Jailbreak schon lange keine größeren Vorteile, das Tool hebelt eher unnötig die Sicherheit des iOS aus. Vielleicht deswegen hat sich die Entwicklung von solchen Mitteln weg von den frei und schnell verfügbaren Jailbreaks in die Richtung von professionellen Sicherheitsfirmen oder gar staatlichen Sicherheitsdiensten verschoben: Das FBI musste entweder Jailbreak oder vergleichbare Tools teuer einkaufen, um das iPhone 5C des San-Bernardino-Schützers zu entsperren. Viel Aufsehen hat der Angriff auf den Aktivisten aus Vereinigten Arabischen Emiraten Ahmad Mansour, der so genannte Pegaus-Hack erregt: Er hatte per SMS einen Link bekommen, die Webseite dahinter konnte auf dem iPhone unbemerkt einen Jailbreak ausführen und danach diverse Abhörprogramme installieren. Solche Tools werden wohl nie für das breite Publikum zur Verfügung gestellt werden, denn die iOS-Lücken werden teilweise für eine Million US-D ollar ausgeschrieben. Die Zeiten für obligatorische Jailbreaks sind längst vorbei, bietet doch iOS alles Nötige fürs produktive Arbeiten, Spielen und vieles mehr. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Sicherheitsforscher, Hacker und Geheimdienste nicht nach Lücken in iOS suchen würden.

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