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Das alte Lied: Apple ist zu teuer und doomed

18.01.2019 | 09:22 Uhr | Peter Müller

149 Euro für eine Akkuhülle? Gewiss ein stolzer Preis, aber kein Beleg für die These, dass "Apple uns für dumm verkauft". Eine Medienkritik.

Sie kennen bestimmt das Macalope, den gehörnten Kolumnisten unserer US-Schwester Macworld und seine Medienkritik? Wenn nicht, lesen Sie doch seinen jüngsten Beitrag – wieder mal köstlich (siehe Kasten.) Durchstriffe das Macalope den hiesigen Blätterwald und die Savanne der Online-Publikationen, fände es bestimmt jede Menge Futter. Vor allem die Seiten der Springer-Presse erwiesen sich als sehr nahrhaft. Leider kann das Macalope kein Deutsch, also müssen wir das erledigen.

Delektieren wir uns also an der Geschichte von Andreas Filbig auf Techbook.de , der uns wieder das altbekannte Lied von "Apples Ende ist nah" singt. Nein, quatsch, der Kollege hat die Platte "Apple ist viel zu teuer" aufgelegt, diesmal die Strophe mit dem Zubehör. Ja, das iPhone ist zuletzt deutlich teurer geworden, die Gründe sind bekannt. Und Original-Zubehör von Apple hat ebenso stets einen Premiumpreis gekostet. Warum? Weil's die Leute zahlen und weil es ihnen das wert ist. Die erneute Kritik – oder fast schon Polemik – entzündet sich nun am Smart Battery Case, das mit 149 Euro ja so viel kostet, wo anderswo ein Smartphone. Aber das ist dann halt kein iPhone, schon gar kein aktuelles.

Die Hülle ist hässlich, mit ihrem Buckel? Haben auch wir so oder so ähnlich gesagt, aber irgendwo muss die externe Batterie ja hin, sonst wäre es kein Smart Battery Case. Apple kann vieles, aber nicht die Physik überlisten. Zudem ist die neue Hülle etwas weniger plump als die alte für iPhone 6/6S/7. Was macht aber Techbook zur Untermauerung des Hässlichkeitsvorwurfs? Genau: Bildet die alte Version des Smart Battery Case ab, jenen wenig eleganten Buckelwal.

Weiter geht es mit der Klage, Apple würde nichts zur Leistung der Batterie sagen, sondern nur Zeitangaben nennen. Da rollt es dem Physiker die Zehennägel auf. Was Apple nicht verrät, ist die Ladung des Akkus in Milliampèrestunden, respektive seinen Energieinhalt in Wattstunden. Wie oft haben wir für diese Kenngröße den falschen Begriff "Kapazität" gehört, aber "Leistung" schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Das Macalope und wir schütteln traurig mit dem Geweih.

Aber die These des Artikels lautet ja auch "Wie Apple uns für dumm verkauft". Indem es etwa Armbänder für die Apple Watch für gut 60 Euro in den Handel bringt, von anderen Herstellern könnte man für den Preis zehn Stück kaufen. Wir wissen nicht, ob der Kollege je ein solches Billigarmband getragen hat, aber aus eigener Erfahrung, dass man in der Zeit, die ein Originalband von Apple übersteht, man locker zehn Billigbänder ramponieren und in den Plastikmüll geben kann. Bei aller berechtigten Kritik an so manchen Apple-Preisen: Man bekommt meist hohe Qualität aus Cupertino und sollte es sich nicht leisten, billig zu kaufen. Denn dann kauft man doppelt und dreifach und produziert entsprechend Abfall. Aber das Lied vom Niedergang und der Abzocke kann man besser an seine Hörer, äh, Leser verkaufen als komplexere, mehrstimmige Arien und Choräle.

Die jüngste Kolumne des Macalope

Apple is doomed – das schon seit bald 43 Jahren. Ein neues Kapitel in der so falschen wie faden Erzählung von Apples Niedergang schlägt John Kheit auf Mac Observer auf: Tim Cook versagt im operativen Geschäft. Cook? Der CEO, der Steve Jobs nachfolgte und davor als COO, also Chief Operations Officer eine höchst effiziente wie funktionierende Lieferkette aufgebaut hatte? Das darf man nicht behaupten, will man es nicht mit dem Macalope zu tun bekommen . Und unser gehörnter Kolumnistenkollege von der Medienkritik zerlegt den Artikel des Mac Observer nach allen Regeln der Kunst und vor allem mit Fakten. Das fängt mit dem schiefen Bild an, dass Cook "die Züge hat nicht pünktlich fahren lassen" würde – eine ebenso perfide wie falsche Anspielung an den Diktator Benito Mussolini – und hört nicht damit auf, dass Kheit sich darüber beschwert, von den im Jahr 2018 in Forschung und Entwicklung investierten 18 Milliarden US-Dollar noch nichts zu sehen. Das sei, wie sich beim Frühstück zu beschweren, wo denn das Abendessen vom nächsten Dienstag bliebe. Das Macalope ist also immer einen Lesetipp wert, genießen Sie die heutige Folge .

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