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Das Ende von Airport: Welche Geräte dem Ersatz dienen

07.05.2018 | 12:03 Uhr | Thomas Armbrüster

Apple lässt nach fast 20 Jahren seine Airport-Hardware auslaufen. Diese Alternativen stehen für Airport Express, Extreme und Time Capsule bereit.

Apple stellt die Weiterentwicklung der Airport-Router ein und verkauft nur noch die Lagerbestände. Wer geplant hatte, sich ein neues Airport-Gerät anzuschaffen oder wer ein altes Gerät mit einem neuen Modell ersetzen wollte, kann sich zwar für eines der noch erhältlichen Geräte entscheiden, zukunftssicherer ist aber der Kauf eines Routers von anderen Herstellern. Denn dann bekommt man nicht nur aktuelle Hardware (die Airport-Geräte wurden zuletzt 2013 überarbeitet), sondern kann auch von neuen Technologien wie etwa Mesh profitieren.

1. Ersatz für Airport Extreme

Anders als beispielsweise in den USA bekommt man in Deutschland vom Internetprovider in der Regel ein DSL- oder Kabel-Modem, das gleichzeitig auch einen WLAN-Router beherbergt, entweder als Leihgabe oder zum Kauf. Wer sich selbst ein Zugangsgerät anschafft, kauft meist ebenfalls ein solches Kombigerät, denn es gibt kaum Modems ohne WLAN für schnelles Internet per VDSL für den deutschen Markt, eine Ausnahme ist das Vigor 130 von Draytek . Hat man also Modem und Router in einem Gerät, entfällt die Notwendigkeit, sich zusätzlich einen Router wie die Airport Extreme anzuschaffen. Man kann natürlich das WLAN im Router des Internetproviders ausschalten und diesen nur als Modem nutzen und einen anderen WLAN-Router daran anschließen, weil dieser beispielsweise andere oder bessere Möglichkeiten bietet. Bei Kabelanschlüssen bietet zum Beispiel Vodafone einen Kabelrouter ohne aktivierte WLAN-Funktion an (die man sich gegen eine Monatsgebühr von zwei Euro freischalten lassen kann), und schließt dann ebenfalls einen eigenen WLAN-Router an. Ein Kabelmodem ohne WLAN scheint es auf dem freien Markt jedoch nicht zu geben.

Wer trotz dieser Situation eine Airport-Extreme-Station an einem Modem oder einem Router mit deaktiviertem WLAN betreibt und auf ein neueres Gerät umsteigen möchte, kann als Ersatz eigentlich jeden Router nehmen. Oder er steigt auf ein Kombigerät mit Modem und WLAN um, wenn er auch ein aktuelleres Modem für eine schnellere Internetverbindung benötigt. Sinnvoll ist es jedoch, auf diese Details zu achten, um für die zukünftige technische Entwicklung gerüstet zu sein:

– Der Router sollte ein Dual-Band-Router sein, also sowohl das Band mit 2,4 GHz als auch das mit 5 GHz unterstützen sowie den WLAN-Standard 802.11ac beherrschen, genauso wie die Airport-Extreme-Station. Alle aktuellen Macs, iPhones und iPads sind dazu kompatibel.

– Bei der Wahl des Routers sollte man zudem auf die Anzahl der Antennen achten. Es gibt sowohl Geräte mit zwei, drei oder vier Antennen (und seit kurzem auch solche mit acht Antennen). Die Router können dann parallel mehrere Datenströme an ein Gerät senden, eine Technologie die mit MIMO (Multiple Input Multiple Output) bezeichnet wird. Die Endgeräte müssen sich dazu ebenfalls auf MIMO verstehen und mindestens zwei Antennen beherbergen. Das ist bei allen aktuellen Geräten von Apple der Fall. Apple gibt aber bei den technischen Daten, wenn überhaupt, nur „MIMO“ an, nicht aber die Zahl der Antennen. Bei einem Macbook Pro sind es beispielsweise drei, bei einem Macbook Air oder einem iPhone 8 zwei. Wer zum Beispiel eine Fritzbox hat, kann sich die Anzahl der Datenströme und damit auch der Antennen unter „WLAN > Funknetz“ anzeigen lassen. Steht dort „2 x 2“, hat das Empfangsgerät zwei Antennen, bei „3 x 3“ drei. In letzterem Fall hat dann auch der WLAN-Router drei Antennen. Beim Router erkennt man die Antennenanzahl meist auf einen Blick, wenn die Antennen außen angebracht sind, oder an der Bezeichnung wie „3 x 3“ oder 4 x 4“. Bei internen Antennen kann man die Antennenzahl auch aus den Geschwindigkeitsangaben erschließen. Steht beim 5-GHz-Band beispielsweise „1300 Mbit/s“ oder beim 2,4GHz-Band „450 Mbit/s“, sind drei Antennen verbaut. Bei höheren Werten sind es mindestens vier Antennen, bei niedrigeren zwei.

Netgear Aktuelle Router wie dieser von Netgear haben meist drei oder wie hier vier Antennen für die parallele Übertragung mehrerer Datenströme.
Vergrößern Netgear Aktuelle Router wie dieser von Netgear haben meist drei oder wie hier vier Antennen für die parallele Übertragung mehrerer Datenströme.
© Netgear

– Eine Weiterentwicklung von MIMO ist MU-MIMO (Multi-User Multiple-Input, Multiple-Output). Router können dann Daten an mehrere Geräte parallel versenden, während bei MIMO immer nur eine gleichzeitige Verbindung zu einem Gerät möglich ist, diese ihre Daten also jeweils nacheinander empfangen. Bei vielen Geräten im lokalen WLAN kann MU-MIMO also vorteilhaft sein. Mobiltelefone, Tablets und Rechner müssen aber ebenfalls zu MU-MIMO kompatibel sein, um diesen Vorteil zu nutzen, was bei Apple-Geräten derzeit noch nicht der Fall ist. Auch von anderen Herstellern gibt es bisher nur wenige Endgeräte, die MU-MIMO unterstützen. Bei den Routern ist dagegen die Auswahl schon größer. Hier einige Router, die sich schon auf MU-MIMO verstehen: D-Link DIR 882 , Fritzbox 7580 , Fritzbox 7590 , Fritzbox 6590 Cable , Netgear Nighthawk R7800 und TP-Link Archer VR2800v . Wer sich nur wegen MU-MIMO einen neuen Router zulegt, kann davon mangels kompatibler Endgeräte momentan noch wenig profitieren. Es schadet aber nichts, bei einer anstehenden Anschaffung auf dieses Detail zu achten.

AVM Fritzbox 7590 im Macwelt-Preisverlgeich

Die Fritzbox 7590 unterstützt die gleichzeitige Übertragung von Daten an mehrere Endgeräte, sofern diese zu MU-MIMO kompatibel sind.
Vergrößern Die Fritzbox 7590 unterstützt die gleichzeitige Übertragung von Daten an mehrere Endgeräte, sofern diese zu MU-MIMO kompatibel sind.
© AVM

– Hat man eine größere Wohnung oder ein Haus, sodass sich nicht alle Bereiche mit einem Router abdecken lassen, sollten neu anzuschaffende Router Mesh unterstützen. Mithilfe der Mesh-Technologie werden mehrere WLAN-Geräte zu einem intelligenten Netz mit einheitlichem Zugang verknüpft , bei dem alle Zugangspunkte miteinander kommunizieren um sicherzustellen, dass die Daten jeweils den besten und schnellsten Weg nehmen. Das Netz sorgt dafür, dass die mit dem WLAN verbundenen Computer, Tablets und Mobiltelefone immer mit dem bestmöglichen Zugangspunkt verbunden sind, und es treten auch nicht mehr die Leistungsverluste auf wie bei nicht-vernetzten Repeatern. Ein Router übernimmt die Aufgabe der Zentrale, mit der sich die weiteren Zugangspunkte verbinden. Mesh-fähige Geräte gibt es von mehreren Herstellern. Dazu zählen unter anderem das Google Wifi , Orbi von Netgear , Deco von TP-Link oder Velop von Linksys . Letztere bietet auch Apple in seinen Läden und im Online-Store an. Wer eine Fritzbox von AVM im Einsatz hat, braucht sich nicht unbedingt neuen Router für Mesh anzuschaffen, denn einige Geräte lassen sich durch das Update auf die Version 6.90 oder neuer des Fritz-OS um die Mesh-Funktion erweitern. Momentan werden die Fritzbox 7590, 7580, 7560 und 7490 unterstützt, weitere Router sollen in Zukunft folgen. Für die Erweiterung des Netzes lassen sich momentan die Repeater 1750E, 1160, 450E und 310 sowie die Powerline-Adapter 1260E, 1240E, 546E, 540E einsetzen, die ebenfalls durch ein Software-Update Mesh-fähig werden.

Die Velop-Router von Linksys gehören zu der neuen Kategorie von Mesh-fähigen Geräten, mit denen sich WLAN-Router zu einem einzigen Netz zusammenfassen lassen.
Vergrößern Die Velop-Router von Linksys gehören zu der neuen Kategorie von Mesh-fähigen Geräten, mit denen sich WLAN-Router zu einem einzigen Netz zusammenfassen lassen.
© Linksys

2. Ersatz für Time Capsule

Einen direkten Ersatz für die Time Capsule gibt es nicht, da kein entsprechendes Gerät von anderen Herstellern angeboten wird. Wer nicht unbedingt darauf besteht, das Time-Machine-Backup drahtlos vorzunehmen, ist mit einer externen Festplatte mit USB 3/3.1 bestens bedient. Bei iMac, Mac Mini und Mac Pro kann diese dauerhaft angeschlossen bleiben, bei Mobilrechnern muss man sie jeweils an das Macbook anstöpseln. Oder man verwendet ein Dock mit angeschlossener Festplatte und verbindet das Macbook mit diesem, wenn man am Schreibtisch arbeitet. Hat man einen Router von Netgear aus der aktuellen Nighthawk-Serie, kann man an diesen eine USB-Festplatte anschließen, die im Mac-Format (GUID und Mac OS Extended) formatiert ist. Diese wird dann von Time Machine erkannt und kann für das Backup verwendet werden. Andere Router wie beispielsweise die Fritzbox unterstützen keine im Mac-Format eingerichteten Festplatten und damit auch nicht Time Machine.

Eine weitere Alternative ist eine Netzwerkfestplatte (NAS) für Privatanwender mit Time-Machine-Unterstützung, wenn man das Backup drahtlos machen möchte. Diese gibt es unter anderem von Western Digital mit den MyCloud-Geräten , von Synology mit der J-Serie und von Netgear mit der ReadyNas 100 Serie . Während Netgear nur Laufwerke mit Einschüben für zwei Festplatten anbietet, gibt es bei Synology und Western Digital auch Versionen mit nur einer Festplatte. Zwei Laufwerke bieten jedoch zusätzliche Sicherheit, da man die beiden Platten spiegeln kann und so keine Daten verliert, wenn eine Platte den Geist aufgeben sollte. Konfiguriert und verwaltet werden die Netzlaufwerke über einen Browser, und dort lässt sich jeweils eine Freigabe für Time Machine einrichten, die dann auf dem Mac für das Backup ausgewählt werden kann.

Auf am Router angeschlossenen Netzwerkfestplatten wie dem MyCloud Mirror lassen sich mit Time Machine Sicherungskopien über die WLAN-Verbindung anlegen.
Vergrößern Auf am Router angeschlossenen Netzwerkfestplatten wie dem MyCloud Mirror lassen sich mit Time Machine Sicherungskopien über die WLAN-Verbindung anlegen.
© Western Digital

Hat man sowohl einen stationären als auch einen mobilen Mac, kann man das Backup des mobilen Macs auch auf der Festplatte des stationären Macs oder einem an diesen extern angeschlossenen Laufwerk machen. Dazu benötigt man unter High Sierra nicht mehr die Serverversion von macOS, die Apple letztens nochmals deutlich abgespeckt hat . Man legt zuerst einen neuen Ordner für das Backup an und öffnet dann die Systemeinstellung „Freigaben“. Dort aktiviert man „Dateifreigabe“ und wählt nach einem Klick auf das Plussymbol unterhalb von „Geteilte Ordner“ diesen neu angelegten Ordner aus. Danach macht man einen Sekundärklick (rechte Maustaste) auf diesen Ordner und wählt im Kontextmenü „Erweiterte Optionen“ aus. Im sich öffnenden Fenster kann man dann „Als Ziel eines Time-Machine-Backups teilen“ markieren und festlegen, welches Datenvolumen für das Backup verfügbar sein soll. Öffnet man anschließend auf dem Macbook die Systemeinstellung „Time Machine“, erscheint nach einem Klick auf „Volume auswählen“ der für das Backup angelegte und freigegebene Ordner automatisch in der Liste und man kann ihn dort auswählen und sich mit Benutzernamen und Passwort des Zielmacs anmelden.

Time Machine erstellt auch eine Sicherungskopie auf einem anderen Mac im lokalen WLAN, …
Vergrößern Time Machine erstellt auch eine Sicherungskopie auf einem anderen Mac im lokalen WLAN, …
… wenn dort ein Ordner für das Backup freigegeben ist.
Vergrößern … wenn dort ein Ordner für das Backup freigegeben ist.

3. Ersatz für Airport Express

Verwendet man einen Airport-Express-Router für das drahtlose Übertragen von Musik vom iPhone, iPad oder Mac aus auf eine Stereoanlage oder auf Aktivlautsprecher, so gibt es von verschiedenen Herstellern WIFI-fähige Audio Receiver. Darunter den WR 320 von August , den AirLino von Lintech , den Audio-Streaming-Empfänger von Auvisio und den M30 Pro von iEast . Alle Geräte haben sowohl einen analogen als auch einen optischen Ausgang, funken im 2,4-Ghz-Band und sind Multiroom-fähig. Wer nur einen analogen Ausgang benötigt, kann auch zum M5 von iEast greifen. Auch dieser ist Multiroom-fähig und funkt im 2,4-GHz-Band. Von allen Herstellern gibt es eine App für iOS zum Einrichten und Bedienen der Geräte. Verwendet man die Airport-Express-Station als WLAN-Router für den Internetzugang in Kombination mit einem DSL-Modem, lässt sie sich durch jeden anderen aktuellen Router ersetzen (siehe Punkt 1) und man hat dann zudem den Vorteil, dass diese in der Regel auch den aktuelleren WLAN-Standard 802.11ac unterstützen, was bei der Express-Station noch nicht der Fall ist.

Einen Ersatz für die Audiofunktionen der Airport Express bietet unter anderem die M30 Pro von iEast.
Vergrößern Einen Ersatz für die Audiofunktionen der Airport Express bietet unter anderem die M30 Pro von iEast.
© iEast

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Eine kurze Geschichte des Airport

Physikalisch ist der Name "Airport" ein wenig Quatsch, denn die "über die Luft" empfangenen und versandten Funkwellen sind nichts weiter als sehr langwelliges Licht und benötigen daher kein Trägermedium. Also auch keine Luft und schon gleich gar nicht den im 19. Jahrhundert noch dafür postulierten Äther.

Der Funkstandard zur drahtlosen Übertragung von Daten, den Apple in seinen Produkten erstmals im Jahr 1999 verbaute, trug den sperrigen Namen IEEE 802.11b, da es die zweite Generation des vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) beschlossenen Standards 802.11 war.

Apple, das wenige Jahre zuvor eine zusammen mit Sony entwickelte schnelle drahtgebundene Schnittstelle "Firewire" getauft hatte, zeigte sich im Juli 1999 erneut kreativ und nannte seine Adaption der drahtlosen Schnittstelle (Port) eben "Airport", nach der Luft, durch die man die Signale schicken kann.

Ein erster passende Computer war das iBook, jener "iMac to go" den Apple auf der Macworld Expo im Sommer 1999 in New York präsentierte. Ein jeder Port benötigt aber auch ein Gegenstück, weswegen es zugleich auch die erste Airport Basisstation zu kaufen gab, die wie ein silbrig glänzendes UFO anmutete und die man an sein Modem oder seinen Kabelrouter anschloss.

In den Jahren danach bekam ein jeder Mac eine Airport-Karte eingebaut, ohne drahtlosen Netzanschluss sind Produkte wie iPhone und iPad ohnehin nicht denkbar. Doch machte auch der Standard Fortschritte und erlaubte nach und nach die Übertragung immer größerer Datenmengen mit immer höheren Geschwindigkeiten. Apple verabschiedete sich bei der Weiterentwicklung seiner Airportbasisstation - mittlerweile Airport Extreme genannt - erst vom UFO-Design und diversifizierte das Produkt schließlich. Mit Airport Express kam eine kleinere Fassung hinzu, die oft nur als Access Point für das Hausnetz diente und die zugleich Musik drahtlos in Empfang nehmen konnte, um sie auf Audiohardware weiter zu leiten.

Die im Jahr 2008 veröffentlichte Time Capsule schließlich verband zwei nützliche Funktionen: Funkrouter und drahtlose Backupfestplatte.

Allen AirPort-Produkten Apples ist jedoch gemein, dass man mit ihnen allein gar nicht ins Internet kommt, ein Modem oder ein Modemrouter ist für den Netzanschluss unerlässlich, im Gegensatz zu den Fritzboxen von oder den Speeports der Telekom fehlt der AirPort-Hardware jene Komponente. Der Grund dafür dürften die international stark unterschiedlichen Standards für den drahtgebundenen Internetanschluss sein, Apple hätte im Prinzip für jedes Land eine eigene AirPort-Reihe benötigt. Da der Routerzwang in Deutschland aber erst seit kurzem aufgehoben ist, war das für Apple nie ein attraktives Geschäftsmodell. Der Airport à la Apple ist Geschichte. Peter Müller

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