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Das iPad Pro im Kreativ-Test - Teil 2: Videoschnitt

05.12.2018 | 13:33 Uhr |

Apple preist das iPad Pro seit dem ersten Modell nicht nur als Computer der Zukunft, sondern vor allem als ideales Arbeitsgerät für Kreative an. Wir testen, wie gut sich das Modell von 2018 schlägt.

Wenn es um die Frage geht, ob das neue iPad Pro den Zusatz im Namen wirklich verdient, dann ist das Thema Video sicher der echte Härtetest. Beim Bearbeiten und Gestalten von Bewegtbildern, gerade in 4K-Auflösung, ist Leistung gefragt. Hier kann der Chip A12X Bionic mit seinen acht Kernen die Muskeln spielen lassen, und es in Sachen Leistung mit dem Macbook Pro aufnehmen können – schneller als die meisten Notebooks will das iPad Pro sein. Die Performance spürt man schon bei der alltäglichen Nutzung des neuen Pro: Alles ist extrem flüssig, egal ob Zeichnen, Bildbearbeitung, Scrolling oder Schreiben. Beziehungsweise zeigt sich der Unterschied umso mehr, nimmt man wieder ein älteres iPad zum Vergleich in die Hand. Trotzdem: Bei der Arbeit mit Video, vor allem mit 4K-Videomaterial wird die Hardware erst richtig gefordert.

Von der Workstation aufs iPad Pro

Videoschnitt war vor nicht allzu langer Zeit ein Thema für Profis und ihre Workstations. Doch mit der Zeit wurde Software wie Adobe Premiere Pro immer mehr auch so optimiert, dass sie auch auf Notebooks flüssig läuft. Das ergibt Sinn, denn viele Filmemacher probieren schon am Drehort erste Kameraeinstellungen, Effekte und Rohschnitte aus.

Dank der Generation YouTube und Smartphone-Filmern hat digitales Video heute einen viel größeren Anwenderkreis denn je. Tools wie iMovie machen den Einstieg leicht und es auch für Gelegenheitsnutzer spannend, die ab und zu mal einen Urlaubsfilm oder die letzte Hochzeitsfeier zusammenschneiden möchten. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch. Kein Wunder: So zaubert schon iMovie teils kinowürdige Trailer in Minuten und YouTuber bieten Videos in einer Qualität, die es mit TV-Sendern oder Kinoproduktionen aufnehmen können.  Videos nimmt man heute immer und überall auf – oft mindestens in HD-Qualität oder 4K. Da passt das iPad Pro als mobiler Schnittplatz eigentlich perfekt dazu.

Mehr Platz für Kreativität

Auch in Sachen Hardware passt das iPad Pro: Während Videoschnitt zum Beispiel mit iMovie auch direkt auf dem iPhone möglich ist – und für das Zusammenfügen von einigen Clips oft reicht – fühlt sich Videos schneiden auf dem kleinen Bildschirm immer noch nach Notlösung an. Auf dem iPad-Bildschirm ist deutlich mehr und gefühlt genug Platz um gleichzeitig das importierte Matertial, die Zeitleiste, die Vorschau auf den fertigen Film, Effekte und mehr im Blick und im Griff zu haben. Grundsätzlich ist die Touch-Bedienung in iOS für das Schneiden im stark vereinfachten iMovie-Stil sehr gut geeignet. Noch mehr Platz für die Arbeit am Bewegtbild bietet das größere 12,9-Zoll-Modell. Das ist wie beim Zeichnen auch im Videoschnitt Gold wert, denn sonst stehen am Arbeitsplatz mehrere Monitoren bereit.

Das Kürzen von Clips, Ausprobieren von Effekten und Soundtracks fühlt sich auf dem iPad Pro schnell und intuitiv an. Das passt zu YouTube, Facebook und Instagram. Hier muss das Filmen und der Schnitt schnell gehen – aber soll dennoch gut aussehen. Und warum nicht gleich die Videos auf den mobilen Geräten im Schnitt anschauen, auf denen sie die Zuschauer dann auch sehen?

Flüssiges und intuitives Schneiden

Die spannende Frage bleibt aber: Wie fühlt sich das Schneiden selbst auf dem iPad Pro an? Und macht das überhaupt Spaß, oder ist es eine Notlösung im Vergleich zum Macbook, Macbook Pro oder großen Desktop-Mac? Die Antwort ist eindeutig „ja“, und mit dem neuen iPad Pro mehr denn je. Schon das Sichten von Material macht hier Spaß, denn das iPad Pro scrubbt (Scrubbing ist das schnelle Spulen durch Videoclips) superflüssig und ohne Ruckeln durch Videoclips. Wer Videos schneiden will, sollte sich unbedingt den Apple Pencil und das Smart Keyboard Folio als Zubehör zulegen. Der Pencil ist hier die Maus: Er macht schnelles und präzises Spulen, Trimmen und Tippen auf dem Touchscreen intuitiv und frustfrei. Dazu liefert die Tastatur praktische Kurzbefehle. Das führt zu flüssigem Arbeiten, das für die meisten typischen Videos für YouTube & Co und sogar mehr als locker ausreicht. Die immer flüssige Performance des iPad Pro und der großzügige Bildschirm des von uns getesteten 12,9-Zoll-Modells tragen einen großen Teil dazu bei.

iMovie auf dem iPad Pro
Vergrößern iMovie auf dem iPad Pro
© Macwelt

Ein großes Manko von iMovie war bisher immer die Beschränkung auf eine Videospur. Es ist zwar möglich, mehrere Clips mit Picture-in-Picture zu überlagern, aber anspruchsvollere Videografen stoßen irgendwann an Grenzen. Wer hier mehr wünscht, aber ähnlich schnell und intuitiv schneiden möchte, findet mit url link https://www.macwelt.de/a/adobe-veroeffentlicht-premiere-rush-cc,3439762 Adobe Premiere Rush CC _blank die richtige Antwort. Hier stehen nicht nur mehrere Spuren bereit, sondern auch Farbkorrekturen mit Lightroom-ähnlichen Vorgaben, anspruchsvollere Audiobearbeitung, die Dialoge mit künstlicher Intelligenz hörbar macht und vor allem helfen, vorgefertigte, aber anpassbare Motion Graphics dabei dem Video die Profi-Optik zu geben.

Premiere Rush: Die Lösung für Mobilgeräte
Vergrößern Premiere Rush: Die Lösung für Mobilgeräte
© Macwelt

Import von Filmmaterial

USB-C ersetzt beim iPad Pro im Jahr 2018 den Lightning-Anschluss. Das löste zwar nicht nur für Freude bei den Kunden aus, bringt aber neue Einsatzmöglichkeiten, die bei der Videobearbeitung wichtig sind. USB-C unterstützt zum Beispiel für die Datenübertragung von Kameras mit USB 3.1 Gen 2. So lassen sich Apples USB auf SD-Kartenleser oder Multi-Adapter von Drittherstellern nutzen, um Rohmaterial aus DSLR-Kameras auf das iPad zu übertragen. Wer oft mit dem iPhone filmt, kann es mit einem Lightning-Adapter ebenfalls am USB-C Port anschließen und sogar dabei aufladen. Ebenfalls funktioniert der Anschluss mit einem normalen Lightning-Ladekabel, wenn man den USB-Port in einem Multi-Adapter nutzt. Der Import läuft dann einfach über die Fotos App. Alternativ lässt sich die Dateien-App nutzen, um Videos zu übertragen. Zudem erlauben iMovie und Co auch den direkten Download aus der Cloud wie der Fotos-Mediathek oder Dropbox bei Adobe Premiere Rush CC.

Natürlich kann das iPad auch mit seiner Kamera direkt selbst filmen – und das mit 4K-Auflösung. Für den mobilen Einsatz ist das iPad sicher klobig, aber für einen schnellen Nachdreh für eine Sprecher-Szene am Tisch liefert es genug und gute Qualität. USB-C kann auch genutzt werden, um externe Monitore bis 5K anzusteuern ( respektive 4K, derzeit gibt es noch keine 5K-Monitore mit USB-C, Anm. d. Red. ). Für die Präsentation eines Videos – oder um zu prüfen, wie ein Schnitt auf dem großen Monitor oder TV wirkt, eine spannende Möglichkeit.

Schnellerer Import von Footage per USB-C
Vergrößern Schnellerer Import von Footage per USB-C
© Macwelt

Mehr Platz und mehr Performance

Premiere Rush läuft zwar wie iMovie auch auf dem iPhone, auf dem iPad Pro machen aber anspruchsvollere Schnitte deutlich mehr Spaß – allein durch das Mehr, was auf dem Bildschirm gleichzeitig sichtbar bleibt. Rush ist im Gegensatz zu iMovie nur auf Touch-Bearbeitung ausgerichtet, entsprechend macht die Arbeit Spaß. Und auch mehrere 4K-Streams mit Effekten spielt das iPad Pro ohne Mühe flüssig ab.

Das iPad Pro hat noch eine Spezialität im Ärmel, die für Videografen und YouTuber sehr spannend ist: Oft werden Videoclips noch mit Voice-Over-Aufnahmen besprochen. Da das neue iPad Pro mit fünf statt mit vorher drei Mikros ausgestattet ist, kann es Stereo Audio aufnehmen – egal in welcher Ausrichtung. So ist die Tonqualität von Voice-Over-Spuren sehr gut, auch wenn man kein externes Mikrofon zur Hand hat und mal ein schnelles Interview mit dem iPad aufnehmen möchte.

Die letzte Zutat wird dabei gern übersehen: Die 1-TB-Variante des iPad Pro ist für Videografen eine wichtige Option. Wer viel mit Auflösungen wie 1080p und 4K arbeitet, kann gar nicht genug Speicher haben und der war bei den bisherigen Modellen noch ein Flaschenhals, da das erweitern mit externen Speichermedien immer umständlich oder nur eingeschränkt möglich ist.

Fazit

Für mobile Videografen und YouTuber ist das iPad Pro ein genialer mobiler Schnittplatz, auf dem es dank der Performance und intuitiven Apps wie iMovie Spaß macht, Videos zu gestalten. Macbook-Ersatz? iOS und macOS unterscheiden sich nach wie vor, was sich auf die Arbeit auswirkt. Schneiden macht mit dem Apple Pencil und speziell auf Touch optimierter Software wie Premiere Rush CC sogar mehr Spaß als mit der Maus am Desktop – und in Sachen Performance braucht sich das iPad Pro nicht zu verstecken. Es ist immer noch ein nebeneinander, für Video ist das iPad auf jeden Fall eine kreative und sehr mobile Bereicherung.

iPad für Kreative

In dieser Serie ist bereits ein erster Artikel erschienen , der sich um die kreative Arbeit von Fotografen, Bildbearbeitern und Illustratoren auf dem iPad Pro dreht. Ein dritter Teil, der den Aspekt der Musikproduktion beschreibt, erscheint in der kommenden Woche.

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