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Das iPhone mit dem Fernseher nutzen

29.06.2017 | 11:05 Uhr |

Videos, Fotos, Spiele oder Präsentionen vom iPhone auf den Fernseher bringen. Apples Airplay ist die Lösung, die iPad und iPhone auf den großen Bildschirm bringen. Dies müssen Sie über Airplay wissen.

Es kann viele Gründe geben, warum man iPhone oder iPad mit dem Fernseher zusammenspielen lassen möchte: Moderne Dia-Abende mit Fotos oder Videos aus dem Urlaub, Filmstreams aus dem Web oder beispielsweise Präsentationen und Kreativ-Brainstorming.

Wie Airplay funktioniert

Airplay ist Apples Peer-to-Peer-Streaming direkt zwischen Geräten. Es funktioniert über WLAN. Anders als beispielsweise Googles Chromecast überträgt das iPhone hier tatsächlich das ein Video auf das Apple TV. Bei Chromecast überträgt das Smartphone eine URL, die das Chromecast-Endgerät anschließend selbst aufruft. Bei Apples Lösung rendert das iPhone das Video und überträgt einen Videostream auf das Apple TV. Dies ermöglicht die Funktion "Airplay-Synchronisation", bei dem das Display von iPhone oder iPad auf den Fernseher gespiegelt werden.

Gegenstelle Apple TV

Es gibt nur einen offiziellen Weg, um Videos, Fotos oder den Bildschirminhalt des iPhone auf den Fernseher zu bekommen. Dies ist Apples eigenes Apple TV ab der 2. Generation. Dieses Modell unterstützt jedoch nur maximal 720p-Auflösung. Für Full-HD muss es mindestens das dritte Apple TV aus dem Jahr 2012 sein. Aktuell verkauft Apple nur die vierte Generation neu. Diese kostet ab rund 180 Euro und hat einen App-Store, bietet somit die größte Vielfalt und die größte Anzahl Videoquellen. Für 4K-Videos hat Apple aktuell noch gar keine Lösung.

Ideal für Airplay: Apple TV der dritten (links) und vierten Generation (rechts).
Vergrößern Ideal für Airplay: Apple TV der dritten (links) und vierten Generation (rechts).

Muss es das neuste Apple TV sein? Nein! Das Apple TV der vierten Generation hat zwar einige kleine Vorteile wie die Touch-Fernbedienung mit Siri-Sprachsteuerung und flotte Hardware, dafür fehlt ihm allerdings ein Audioausgang – es gibt lediglich HDMI. Wenn es nur darum geht, Inhalte von iOS auf den TV zu übertragen, bringt der Aufpreis auf das neuste Apple TV nur kleine Vorteile.

Hier kann sich ein gebrauchtes Apple TV der dritten Generation lohnen. Diese kosten aus zweiter Hand rund 60 Euro. Aufpassen: Beim Apple TV der dritten Generation gibt es zwei Versionen: Modell A1427 und A1469. Letzteres unterstützt Peer-to-Peer Airplay. Das bedeutet, dass auch Geräte, die nicht im gleichen WLAN sind, an das Apple TV senden können. Die vierte Generation unterstützt diese Funktion ebenfalls. In punkto Airplay sind die zweite Inkarnation der dritten Generation und die vierte Generation der Apple TVs identisch.

So funktioniert es

In iOS 10 sind die Einstellungen für Airplay aktuell ein wenig verwirrend. Denn es gibt zwei ähnlich klingende Optionen, die Unterschiedliches bewirken. Um Inhalte vom iPhone auf den Fernseher zu bringen, muss man das Kontrollzentrum besuchen, die Schnelleinstellungen. Dazu wischen wir mit dem Finger vom unteren Displayrand nach oben. Hier gibt es unter iOS 10 zwei Seiten. Auf der ersten, linken Seite sehen wir unter anderem "Airplay". Dies ist jedoch nicht das allgemeine Airplay-Menü, sondern die Option für die "Airplay-Synchronisation". Das bedeutet, der iPhone-Screen wird auf dem Fernseher gespiegelt.

Im Kontrollzentrum aktivieren wir Airplay.
Vergrößern Im Kontrollzentrum aktivieren wir Airplay.

Wollen wir lediglich ein Video oder den Ton über den Fernseher oder die Stereoanlage abspielen, müssen wir auf die zweite Seite des Kontrollzentrums gehen. Hier sehen wir rechts eine Liste der greifbaren Airplay-Geräte in der Umgebung. Wählen wir hier unser Apple TV aus, werden Videos und Ton darüber abgespielt. Auch dann, wenn das iPhone in den Ruhezustand geht.

Zwar kann man Videos selbstverständlich in den meisten Fällen problemlos mit der Airplay-Synchronisation auf dem Fernseher anzeigen, wenn dies vom Entwickler sauber umgesetzt wurde. Falls nicht, stoppt die Wiedergabe auf dem Fernseher, sobald sich der iPhone-Bildschirm ausschaltet.

Fernseher und Drittgeräte mit Airplay

Muss es denn immer ein Apple TV sein, um Airplay zu nutzen? Es gibt durchaus Fernseher, Mediacenter-Geräte oder Receiver, die versprechen, mit Airplay kompatibel zu sein. In der Praxis sieht dies jedoch deutlich anders aus. Apple lizenziert Airplay nicht offiziell an Dritthersteller. Zumindest gilt dies für Airplay Video. Audio via Airplay gibt es dagegen durchaus offiziell unterstützt für Drittgeräte.

Während Video per Airplay nur mit dem Apple TV geht, ist Airplay Audio mit vielen Geräten möglich.
Vergrößern Während Video per Airplay nur mit dem Apple TV geht, ist Airplay Audio mit vielen Geräten möglich.

Das bedeutet, dass Drittanbieter Airplay (für Videos) nur nachbauen. Dies kann dazu führen, dass das nächste Update für iOS die Kompatibilität wieder abschaltet. Von diesen semi-seriösen Lösungen sollten Nutzer die Finger lassen. Bei Airplay Audio sieht es besser aus. Airplay-Lautsprecher sind weit verbreitet und von Apple offiziell unterstützt.

Spiele und Co.

Mit Airplay wird das iPhone zur rudimentären Spielekonsole. Mit Display Sharing gelangen auch Spiele auf den Fernseher. Besonders gut klappt dies, wenn Spiele diesen Modus aktiv unterstützen. Dann sehen wir nicht einfach den iOS-Bildschirm noch einmal in groß auf dem Fernseher. Nein, stattdessen ist es möglich, dass der Fernseher das Bild im richtigen Seitenverhältnis anzeigt und ein anderes Bild anzeigt als das iOS-Gerät.

Das iPhone als Controller, der Fernseher stellt das Spiel dar: leider gibt es dies viel zu selten.
Vergrößern Das iPhone als Controller, der Fernseher stellt das Spiel dar: leider gibt es dies viel zu selten.

Denn manche Spiele nutzen die Airplay-Funktion für einen richtigen Game-Modus. Das iOS-Gerät zeigt dann Steuerungselemente an, der Fernseher das eigentliche Spiel. Leider ist die Zahl der Spiele, die diesen Modus gut unterstützen, relativ gering. Es hat sich bisher nicht gut durchgesetzt. Zudem ist das iPhone als reiner Gamecontroller nicht ideal, denn dem Touchscreen fehlen die haptischen Knöpfe, um blind präzise steuern zu können. Bei Rennspielen kann das gut funktionieren, wenn das iOS-Gerät zum Lenkrad wird.

Tolle Beispiele für Airplay-Spiele sind Real Racing 3 und das langsam veraltete Ballerspiel N.O.V.A. Leider ist dies schon beinahe die vollständige Liste der empfehlenswerten und gut umgesetzten Airplay-Spiele. Auf Seiten der Entwickler hat sich diese Möglichkeit schlicht nicht durchgesetzt.

Nachteil iPad

Auch wenn das iPad als Zuspieler grundsätzlich genauso gut funktioniert wie das iPhone, gibt es einen Haken: für Screen Sharing ist das Display-Format in 4:3 nicht gut geeignet. Denn es bedeutet, dass sich rechts und links dicke Balken zeigen. Beim iPhone ist das Verhältnis 16:9, was perfekt zu üblichen Fernsehern passt. Mit dem iPhone 6/6S/7 Plus gibt es sogar einen Quermodus, was den Fernseher in vielen Apps und dem Homescreen in der richtigen Orientierung exakt ausfüllt. Für Videos ist dies auch am iPad kein Problem, diese werden in ihrer vollen Größe an den Fernseher gesendet.

Die Plus-iPhones passen im Quermodus perfekt zum Bild des Fernsehers. Hier: Safari.
Vergrößern Die Plus-iPhones passen im Quermodus perfekt zum Bild des Fernsehers. Hier: Safari.
© Patrick Woods

Leider haben wir keine App gefunden, die das iPad zum großformatigen digitalen Whiteboard ohne schwarze Balken macht. Mit iPad Pro, Apple Pencil, Apple TV und einem großen Fernseher hätte man im Büro oder Konferenzraum ein prima Setup für Skizzen, Brainstormings oder den Unterricht. Leider scheint kein App-Entwickler davon auszugehen, dass jemand so viele Apple-Geräte gleichzeitig besitzt. Lediglich Belkin Stage Pro oder Doceri gehen in die Richtung, sind jedoch im 4:3-Format.

Diashows in modern

Airplay eignet sich bestens dazu, Fotos vom iPhone oder iPad auf dem Fernseher zu zeigen. Dazu einfach die iOS-Fotos-App öffnen, das "Teilen"-Menü aufrufen und dort "Airplay" wählen. Dies bringt das aktuell angezeigte Foto auf den Fernseher. Alternativ funktioniert dies automatisch, wenn die Airplay-Synchronisation beraeits aktiv ist. Die Steuerung und die Bild-Miniaturen sind dagegen nur auf dem iOS-Gerät sichtbar.

Perfekte Präsentationen

Apples Präsentationsprogramm Keynote ist ebenfalls für den Airplay-Modus ausgelegt. Hier ist es möglich, seine Präsentation auf dem iPhone oder iPad zu steuern und dort eine Vorschau und seine Notizen zu sehen. Gleichzeitig zeigt der Beamer oder Fernseher nur die reine Folie – und dazu auf Wunsch Markierungen oder einen virtuellen Laserpointer, die wir live auf den iOS-Bildschirm malen.

Keynote und Powerpoint unterstützen Airplay-Präsentationen.
Vergrößern Keynote und Powerpoint unterstützen Airplay-Präsentationen.

Microsofts Konkurrenzprodukt Powerpoint beherrscht dies in ihren iOS-Versionen ebenfalls. Auch hier können wir die Präsentation auf dem iPhone/iPad abspielen, unsere Notizen als Spickzettel nutzen und einen virtuellen Laserpointer auf den Fernseher oder Projektor zaubern. Bei beiden Apps reicht es, die Airplay-Synchronisation zu aktivieren. Schon läuft die Wiedergabe unserer Folien auf dem Fernseher. So werden  Apple TV und ein iOS-Gerät zu tollen Vortragshelfern.

Fazit

Für den Konferenzraum oder Besitzer eines älteren Fernsehers ohne Internetfunktionen kann sich ein Apple TV durchaus lohnen. So gelangen Internetvideos und Präsentationen auf den großen Bildschirm – per iOS oder über die eingebauten Apps. Leider nutzen Entwickler die Möglichkeiten von Airplay zu selten und zu wenig, um noch weitere Anwendungsfälle für ein Apple TV oder Airplay-Sync zu rechtfertigen. Wer ein Apple TV vornehmlich für Airplay kaufen möchte, sollte ein Gebrauchtgerät der dritten Generation Rev. A (A1469) suchen, das aktuelle Modell hat bei Airplay keine Vorteile.

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