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Der Homepod im Blick der Tester

22.02.2018 | 14:14 Uhr |

Nach ersten Testberichten kann der Homepod vor allem durch seine gute Qualität als Lautsprecher überzeugen – Siri muss noch lernen.

Der Homepod ist da – nach der Apple Watch und den AirPods wieder eine neue Produktkategorie von Apple. Der Homepod soll zweierlei sein: Eine Antwort auf die immer populärer werdenden smarten Lautsprecher von Amazon und Google und ein klanglich hochwertiges Abspielgerät für Apple Music. So setzten auch Rezensenten an beiden Stellen an: Wie schlägt sich Siri auf dem Homepod im Vergleich zu  Alexa und dem Google Assistant auf ihren Geräten? Und wie klingt der Lautsprecher im Vergleich zu anderen der Preisklasse?

Einen weiteren Aspekt kann man leider noch nicht behandeln, zwei Homepods lassen sich erst in etlichen Wochen oder einigen Monaten zu einer Stereoanlage zusammen spannen oder gar mehrere zu einem Multi-Room-System. Hier ein Überblick dessen, wie Rezensenten weltweit über den Homepod  urteilen.

Unseren eigenen Test des Homepods in voller Länge finden Sie hier: "Homepod im Macwelt-Test "

Eine Frage der Qualitätssicherung

Eher prinzipielle Fragen und andere als die Toningenieure stellt ein Designer: Der Homepod kann unschöne weiße Ringe auf Holzoberflächen hinterlassen, hat Apple schon letzte Woche eingeräumt. Und die Sache gleich herunter gespielt. Das sei völlig normal, weil die Öle im Silikondämpfer, auf dem der Lautsprecher stehe, nun einmal mit dem Holz reagieren könnten, andere Lautsprecher würden gleiche Effekte produzieren. Nein, das sei nicht normal, widerspricht nun der Experte für Industriedesign Cesar Viramontes von Y Studios aus San Francisco via "Business Insider ". Apple habe offensichtlich den Homepod nicht ausführlich genug getestet, hätte man die Verfahren zur Qualitätssicherung ausgereizt, wäre auch aufgefallen, dass in vollkommen üblichen Nutzungsszenarien dieser Effekt auftreten könne. Die gute Nachricht: Apple könne die Produktion in vier bis sechs Wochen anpassen und ein weniger Abdrücke hinterlassendes Silikon einsetzen. Auch noch eine halbwegs gute Nachricht: Der Fehler, wenn man ihn als einen solchen betrachtet, tritt bei weitem nicht auf allen Oberflächen auf, in unserem Test war auf dem rauen Brett aus Kieferholz nichts zu sehen.

Hingehört und gemessen

Audiophile mögen über den HomePod erstmal die Nase rümpfen, aber auch andere 360-Grad-Lautsprecher dieser Preisklasse finden keinen Gefallen bei derart strengen Ohren. Dennoch machen sich auch Leute, die sonst Stereoanlagen für mehrere tausend Euro testen an Klangproben des HomePod, mit Messgeräten und mit den bloßen Ohren ausgestattet. Ein Reddit-User mit dem Nickname WinterCharm etwa legt dar, wie er den Lautsprecher in seiner Wohnung vermaß und zu dem Schluss kam, er sei besser als Lautsprecher, die deutlich teurer seien.  Wie sich in der Diskussion des Reddit-Beitrages ergibt, haben die Messungen ein kleines Manko, da sie nicht aus einer Schallmesskammer stammen, sondern aus einer voll eingerichteten Wohnung. Damit sagen sie wenig über absolute Werte aus, durchaus aber über relative: Referenzgeräte hat der Musik-Freund eben dort vermessen.

Der Test des Blogs "The Computer Audiophile" sagt indes mehr darüber aus, wie sich der Homepod im Vergleich zu höher wertigen Anlagen schlägt. Nicht gut, meint der Autor und Betreiber des Blogs Chris Connaker. Das DSP des Homepod, also die digitale Verarbeitung der Musiksignale erzeuge keinen guten Eindruck, wer lineare Frequenzverläufe schätzt, wird den Homepod wenig lieben. Mehr noch: Andere (teure) Smart Speaker sollen besser sein.

Siri hängt zurück

Keine besonders gute Bewertung bekommt der HomePod im Test unserer Kollegen der Macworld, nur drei von fünf Mäusen. Dabei stimmen die Tester in den allgemeinen Tenor ein: Das Problem des HomePod ist nicht der Klang, sondern der aktuelle Zustand von Software und Services. Derzeit könne man den HomePod nicht empfehlen, doch bestehe eine gute Chance, dass Apple auf Seiten der Software nachbessern könne. Aber derzeit gebe Siri keine korrekte Antworten, etwa auf die Nachfrage des Darstellers von Wolverine im Film "Logan". Ebenso auf der Negativ-Seite stehe die begrenzte Vielfalt in der Heimsteuerung: HomeKit funktioniere zwar bestens, doch seien die wenigsten erhältlichen Smart-Home-Geräte zu Apples Standard kompatibel - hier ist Cupertino einfach weit hinter die Konkurrenz von Google und Amazon zurückgefallen.

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Erste Eindrücke

Guter Klang, aber: Gut 48 Stunden, bevor der Apple den Homepod an die ersten Vorbesteller ausliefert, erscheinen immer mehr Testberichte über den schlauen Lautsprecher. Der Tenor: Der Klang ist ja recht gut, aber Siri könnte besser sein. Viel besser. So bemängelt etwa die "New York Times", dass der Homepod entgegen Tim Cooks Versprechungen kein Uber-Fahrzeug bestellen kann. Darauf kann man ja noch verzichten, aber weit schwerer wiegt für den Rezensenten Brian X. Chen, dass Siri auch keine Rezepte vorliest oder Kalendereinträge vornimmt.

Die größte Enttäuschung sei aber gewesen: Siri habe auch in einer Woche nicht gelernt, welche Musik dem Tester denn gefällt und Sachen gespielt, die so gar nicht dem Geschmack entsprechen. Dann kann man auch gleich Bayern 3 oder ein anderes Formatradio hören. Besser hat der Homepod in den Ohren von Niley Patel von "The Verge" geklungen, dem aber missfällt, dass Siri auf dem Homepod (noch) nicht in der Lage ist, Stimmen zu unterscheiden. So könnte sich also ein jeder die persönlichen Nachrichten des verbundenen Accounts vorlesen lassen, solange man die Personal Requests nicht abschalte.

Matthew Panzarino von "TechCrunch" hält die Spracherkennung per se aber für die beste aller verfügbarer Smart Speaker. Einig sind sich die Tester aber weitgehend, was die Klangqualität des Homepod betreffe. Diese sei überragend, meinen unisono Jim Dalrymple oder Joanna Stern ("Wall Street Journal"). Wie aber Matthew Panzarino bemerkt: Gefalle einem Apple Music nicht, solle man keinen Homepod kaufen.

HomePod aus Sicht des Herstellers

In einem Interview mit "Sound and Vision" erklärt Apples Marketingchef Phil Schiller den HomePod. Vor allem betont Schiller dabei die einfache Nutzbarkeit des Systems, auch wenn man nicht wisse, wie man einen smarten Lautsprecher bediene und mit Siri spreche, könne man ihn einfach aufstellen und einrichten. Der HomePod erkennt automatisch die Räumlichkeiten und strahlt etwa den zentralen Gesang direkt in die Wohnstube ab und Background und Hall über Schall reflektierende Wände, um dem Klang mehr Tiefe zu verleihen. Der Homepod richte sich jedesmal neu ein, wenn er bewegt werde. Siri und Apple Music dienen dazu, dem Hörer stets seine Lieblingsmusik präsentieren zu können und zu verstehen, was er mit "Musik für das Abendessen" meinen könnte. Möglich gemacht habe die Entwicklung die große Kompetenz der Audioingenieure bei Apple, die sich seit Jahren um stete Verbesserung des Sounds von iPad und iPhone kümmerten. Mit dem eher gescheiterten Apples iPod HiFi von vor zwölf Jahren könne man die Soundmaschine daher überhaupt nicht vergleichen. Bei der Frage nach der Integration von Homekit-Geräten blieb Schiller ein wenig vage, Apple arbeite mit vielen Herstellern und Marken zusammen, um den HomePod zum Steuergerät der Wahl für das intelligente Heim zu machen.

Vorab angehört

Während sich viele Rezensenten (auch wir) den HomePod kaufen mussten, belieferte Apple im Vorfeld einige wenige Publisher mit Testmustern. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Sichtweise

Refinery 29

Zu den von Apple ausgewählten Testern gehört Madeline Buxton vom Blog "Refinery29". Optisch gefällt ihr das Gerät gut, es wirke in der Realität deutlich kleiner als auf den bisher veröffentlichten Fotos. Der Homepod sei etwa so groß wie der Konkurrent Sonos One, aber deutlich kleiner als der Google Home Max.

Wichtig ist für Buxton aber vor allem die Klangqualität und im Vergleich klänge das Apple-Gerät deutlich besser als die von Apple bereitgestellten Vergleichsgeräte Google Home Max, Sonos One und Amazon Echo. So wirke etwa Gesang deutlich klarer und frischer. Gut gefällt ihr auch, dass der Lautsprecher den Klang in die Position des Hörers ausrichtet und wie bequem man Lautstärke und Player per Siri kontrollieren könne.

Gegenüber Alexa und Google Assistant sei Siri zwar etwas in Hintertreffen geraten, mit iOS 11 habe  Apple aber bereits viele Verbesserungen geliefert. So sei die neue Stimme von Siri eine Verbesserung, was beim Sprechen von Song-Titeln und Zusatzinformationen zu Bands und Alben positiv auffiele. Ein Nachteil sei aber, dass man für viele Funktionen des Homepod ein Abo von Apple Music benötige. Schade sei außerdem, dass immer nur ein Benutzer den Homepod für Funktionen wie Nachrichtenversand und Erstellen von Notizen und Erinnerungen benutzen könne. So erkennen Google Home und Alexa unterschiedliche Personen an ihrer Stimme.

Was Homepod mit Siri kann.
Vergrößern Was Homepod mit Siri kann.

Mashable

Auch Pete Pachal von "Mashable" ist von dem Klang begeistert, offensichtlich sei der Homepod ein „aural triumph“. Er fragt sich allerdings, ob die Kunden sich überhaupt so sehr für den Klang interessieren. Der Amazon Echo sei ja allein durch seine Unterstützung für Sprachbefehle so erfolgreich geworden. Außerdem könne man einen Echo auch einfach an Lautsprecher anschließen.

Hervorragend ist der Klang bei den von Apple ausgewählten Songs, zu denen „Side to Side“, „Hotel California“ oder der Disney-Song „Let it go“ gehören. Gut gefällt Pachal die automatische Anpassung des Klangs an die Position des Hörers – wie ihm auffällt, erkennt ein Bewegungssensor sogar, wenn man den Homepod bewegt und der Homepod scannt automatisch den Raum neu. Eine typische Stärke von Apple sei die einfache erste Konfiguration eines neuen Gerätes, schade aber die Bindung an einen einzelnen Benutzer.

Seine Lieblingsfunktion wäre aber, wie das Siri-Lichtsignal auf der Oberseite des Homepod auf Sprachbefehle reagiere – ein wenig wie der M5-Computer in Star Trek.

Insgesamt ist Pachal von Klangqualität und Design des Homepod beeindruckt, fragt sich aber, wie sich der Homepod gegen andere intelligente Lautsprecher behaupten wird - die weit mehr Funktionen bieten würden.

Medium

An einen mit Mesh-Material überzogenen Mac Pro erinnert Lance Ulanoff der Homepod. Gut gefällt ihm beim Probehören die gute Auflösung des Klanges. So sei es bei „Shape of You“ von Ed Sheeran gut möglich gewesen, den Klang von Gitarre und Stimme zu unterscheiden - fast wie bei einem kleinen Auftritt in einem Café. Auch der Klang des Bassbereiches wäre ausgezeichnet. Installation und Nutzung von Apple Music funktioniere einfach und komfortabel. Gut: Auch bei 90 Prozent Lautstärke würde ein Befehl wie „Hey Siri, stop“ sofort erkannt. Per Siri hat man Zugriff auf Nachrichten, man kann den Wetterbericht abfragen und bequem eine Einkaufsliste diktieren. Noch etwas schwach erscheint ihm, wie auch Pachal, die Einbindung in Homekit. Insgesamt fragt er sich aber, ob die Kunden bereit sind, für bessere Tonqualität und iOS-Integration den vierfachen Betrag wie für den Amazon Echo zu zahlen.

Sechs Jahre Entwicklung

Apple hatte den Homepod von Dezember 2017 auf Februar 2018 verschieben müssen, wobei die nicht englisch sprechende Welt noch länger auf den schlauen Siri-Lautsprecher in lokalisierter Form warten muss. Warum Apples Projekt gut drei Jahre Rückstand auf Amazons Echo hat und wie Apple die Lücke schließen will, beleuchtet Bloomberg näher . Der Homepod sei bei Apple schon als Nebenprojekt eine ganze Weile in Entwicklung gewesen, ehe Amazon 2014 überraschend mit dem mit Alexa ausgestatteten Echo herauskam. Apples Ingenieure waren von der Qualität des Lautsprechers wenig angetan und machten sich wieder an die Arbeit, um eine besser klingende Lösung zu entwickeln. Seither habe es bei Apple aber mehrere Projektstopps und Neuanläufe gegeben, die Ingenieure schwankten zwischen vielen Lösungsansätzen und brauchten einige Zeit um herauszufinden, wie der Homepod am Besten in die Wohnungen der Kunden und zu Apples Ökosystem passen könnte. Der Homepod ist schlussendlich als weiteres Zubehör gedacht, mit dem man die Kunden loyal hält. So wird sein Funktionsumfang gegenüber dem von Amazon Echon und Google Home auch  vorwiegend auf Musikabspielen und Steuerung einiger HomeKit-Anwendungen eingeschränkt sein. Wobei die ursprüngliche Stoßrichtung des Nebenprojektes auch die Klangqualität war, Apples Ingenieure wollten eine Lösung, die mit denen von JBL oder anderen mithalten kann.

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