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Der lange Weg zum faltbaren iPhone

09.11.2018 | 10:56 Uhr |

Ein faltbares iPhone nach dem Vorbild Samsung wäre das Richtige für Apple, kommt aber nicht so bald. Warum, erklärt Michael Simon.

Das erste Falthandy von Samsung ist schon beinahe Realität. Auf seiner Entwickler-Konferenz präsentierte der Telefonhersteller sein neues Infinity-Flex-Display zusammen mit einem Prototypen als "Proof of Concept" eines ersten faltbaren Galaxy-Handys .

Das wird wahrscheinlich ein sehr teures Nischenprodukt werden, wenn es 2019 auf den Markt kommt, aber eines ist klar: Smartphones werden  sich nicht mehr nur als abgerundete Rechtecke definieren. Nach mehreren Fehlversuchen mit gebogenen, doppelseitigen und Split-Screen-Handsets kann man jetzt aber mit Sicherheit sagen, dass das Falten die Zukunft des Smartphones sein wird, mit einer Art 2-in-1-Design, das auf einem tragbaren Gerät bisher undenkbar war.

Neue Zeiten, neuer Look

Und wenn Google von Anfang an dabei ist, wird nicht nur Samsung sich mit Klapptelefonen ausprobieren. Wie bei Phablets – jenem Zwischending aus Tablet und Phone – wird jeder große Android-Handy-Hersteller bald eine eigene Version des Falttelefons haben. Richten Sie sich darauf ein, dass die Smartphones im Handyladen um die Ecke ganz anders aussehen als heute.

Nur das iPhone wird so aussehen wie immer, zumindest in nächster Zeit. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Apple sein Design für die Kollektion 2019/2020 ändern wird, so steht Cupertino mal wieder am Spielfeldrand, wenn die Industrie am Beginn eines weiteren revolutionären Wandels steht. Angenommen, Klapptelefone werden zum Erfolg – und ich glaube daran, dass das passiert, trotz der Klobigkeit von Samsungs Prototypen – wird jeder auf Apple schauen, um zu sehen, wie es richtig gemacht wird. Und eines Tages werden wird genau das passieren. Nur noch nicht so bald.

Langsam, gleichmäßig und erst wenn es fertig ist

Sie müssen kein Historiker sein, um zu sehen, dass Apple sich nicht von Branchentrends überrumpeln lässt.  Sie erinnern sich gewiss, dass volle drei Jahre vergingen vom ersten 5,3-Zoll-Samsung Galaxy Note, bis Apple mit seinem erste 5,5-Zoll-iPhone (6 Plus) in die Ära des großen Bildschirms eintrat, und es dauerte noch länger, bis Apple ein OLED-Handy anbot.

Dass Samsung vor Apple mit neuer Technologie auf dem Markt kommt, ist nichts Neues.
Vergrößern Dass Samsung vor Apple mit neuer Technologie auf dem Markt kommt, ist nichts Neues.
© Samsung

Aber Apple wartet nicht nur um des Wartens Willen. Cupertino veröffentlicht dann Produkte, wenn sie bereit und ausgereift sind, nicht wenn die Menschen sie haben wollen, weil sie dem aktuellen Trend entsprechen. Während die Apple Watch nicht die erste tragbare Uhr war, steht sie aber seit ihrer Enthüllung im September 2014  an der Spitze der Revolution der Smartwatches. Genau wie die AirPods in ihrem Segment. Und natürlich gibt es Touch ID und Face ID, die beide eine Reihe von Nachahmern hervorgebracht haben. Einfach ausgedrückt, Apple arbeitet nach seine eigenen Zeitlpan, und fühlt sich selten zur Eile gedrängt. (Siehe: Homepod.)

Apple hat sicherlich keine Angst, die Dinge auf seinem iPhone um des Fortschritts Willen zu ändern, und ich bin mir ziemlich sicher, dass es viel Geld investiert und Zeit damit verbringt, Faltdisplays zu entwickeln. Aber der wichtigste Grund, warum ich auf ein klappbares iPhone hoffe, ist ein simplerer als dem Folgen von Branchentrends und Setzen historische Meilensteine: die Kerbe ab iPhone X.

Neuartige Bildschirme

Sie lieben oder hassen sie, die Notch des iPhone X war aber eine radikale Abkehr von allem, was Apple zuvor gebaut hatte. Cupertino realisierte damit Symmetrie und Immersivität innerhalb der Grenzen dessen vor, was möglich und (relativ) bezahlbar war, ohne die Innovationen zu riskieren, welche die Frontkamera mit ihrem TrueDepth-System brachte.

Senior Vice President Justin Denison bot nur einen kurzen Einblick in das neue Telefon von Samsung, aber es kommt definitiv bald.
Vergrößern Senior Vice President Justin Denison bot nur einen kurzen Einblick in das neue Telefon von Samsung, aber es kommt definitiv bald.

Aber die Kerbe ist eindeutig eine Notlösung. Vermutlich wird sie für mindestens einige weitere iPhone-Aktualisierungen aufgrund von Fertigungsproblemen bleiben, die Notch bleibt dennoch ein inhärenter Kompromiss. Wenn Apple ein echtes All-Screen-iPhone in Serie produzieren könnte, habe ich keinen Zweifel daran, dass dies der Fall wäre. Die Notch am iPhone XS und XR lässt Apple in die Nähe das Designs kommen, das es wirklich will: Einen vollständig von Kante zu Kante reichenden Bildschirm.

Und ein faltbares Display könnte das Ding sein, das Apple dorthin bringt. Wie Samsung bei der Enthüllung des Infinity Flex demonstrierte, ist ein Faltscreen mehr als nur ein futuristisches Gimmick. Er eröffnet neue Möglichkeiten für Arbeit, Kommunikation und Multitasking. Die Wahl zwischen der Nutzung eines Tabletts oder eines Smartphones muss nicht mehr länger bestehen – Sie können nahtlos zwischen den Gerätetypen in einem einzigen wechseln. Aber das wird noch dauern. Wie wir an Samsungs Prototyp sehen, hat die langwierige Entwicklung des Falt-Telefons Fahrt aufgenommen, aber wie das Galaxy Note wird das Klappsmartphone zweifellos mehrere bedeutende Änderungen durchlaufen, bevor sich ein finales Design herauskristallisiert. Aber im Gegensatz zu Apple ist Samsung gerne bereit, in der Öffentlichkeit die notwendigen Iterationen zu durchleben.

Die Revolution muss noch geschehen

Apple hat eindeutig den Weg zur Konvergenz eingeschlagen. Sofern Cupertino tatsächlich  an der überfälligen iOS-Aktualisierung arbeitet, die das iPad endlich zu einem geeigneten Notebook-Ersatz macht, sollte das Single-Tasking-iPhone der nächste Schwerpunkt von Apple sein. Das Smartphone ist zwar schnell genug für echtes Multitasking, aber der Bildschirm setzt dafür Grenzen - es kann nicht mehr viel größer werden, bis es unhandlich wird. Aber wenn man es zusammenfalten kann, löst ein klappbares iPhone mehrere Probleme auf einmal:

  •  Es verkleinert das iPhone auf ein handlicheres Format

  •  Es ermöglicht echtes Multitasking ohne Anwendungen in kleine Kästen zu zwängen

  •  Es öffnet iOS für eine Art von vollständigem Umdenken, die längst überfällig ist

Die neue faltbare Benutzeroberfläche von Samsung ist viel mehr auf Multitasking ausgerichtet.
Vergrößern Die neue faltbare Benutzeroberfläche von Samsung ist viel mehr auf Multitasking ausgerichtet.
© Samsung

Ich würde aber ein klappbares iPhone nicht unbedingt vor, sagen wir einmal, einem Augmented-Reality-Headset aus Cupertino erwarten, aber ich vermute, Apple wird irgendwann eines bringen. Es ist ja nicht so, als würden sie nicht daran arbeiten. Apple hat kürzlich ein Patent für "ein Gehäuse, das sich um eine Achse biegt; ein Display im Gehäuse, das die Biegeachse überlappt und sich biegt, wenn sich das Gehäuse um die Achse biegt" sowie die zugehörige Batterie erhalten, die ein einzigartiges Display antreiben würde, das sich wie Pergamentrolle nach oben rollt. Diese spezifischen Designs werden vielleicht nie das Licht der Welt erblicken, da Apple ständig mit neuen  Konzepten experimentiert, aber ich wäre nicht überrascht, wenn es mehrere klappbare iPhone-Designs gäbe, die in Jony Ives Labor herum schweben.

Aber es wird noch viele Jahre dauern, bis es eines von ihnen auf den Markt schafft. Ein iPhone, das sich in einen iPad Mini verwandeln lässt, wäre ein wirklich revolutionäres Produkt für Apple und eines, das das iPhone an die Spitze der Post-PC-Ära stellt. Gewöhnen Sie sich aber lieber an die Notch, denn sie wird noch eine Weile bleiben.

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