2333282

Der Tag in der Mac-Geschichte: "Schwarzer Mittwoch" bei Apple

26.02.2018 | 10:20 Uhr | Peter Müller

Heute kaum vorstellbar, dass Apple in seinen frühen Tagen die Hälfte der Belegschaft feuern musste.

Man stelle sich vor: Der Apple-CEO stellt sich vor die halbe Mannschaft des Unternehmens – also wirklich die Hälfte der kompletten Belegschaft – und sagt so etwas wie: "Ich dachte immer, wenn es mir bei Apple keinen Spaß mehr macht, dann gehe ich. Da ich aber CEO bin bin, sage ich: Ich feuere so lange Leute, bis es mir bei Apple wieder Spaß macht. Ihr übrigens könnt bleiben." Unvorstellbar. Also heute, da Apple das wertvollste Unternehmen der Welt ist, in Börsenwert gemessen. Genau das ist aber passiert. In Apples früher Geschichte. Auswirkungen auf heute hatten diese Tage im Jahr 1981 aber sehr wohl.

Es war am 25. Februar 1981 , als der CEO Michael Scott derartige Sätze vor der halben Belegschaft äußerte, nachdem er die andere Hälfte gefeuert hatte. Zugegeben, es waren auf der einen Seite 40 Leute und auf der anderen ebensolche 40 – Apple war damals ja gerade fünf Jahre alt. Aber aus der Garage des Jobs'schen Elternhauses längst entwachsen und genau das war das Problem, vor dem Michael Scott stand. Denn Apple war in finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten geraten, weil es eben zu schnell gewachsen war. Scott selbst hatte am Missmanagement aber gewaltigen Anteil, denn er war es, der nun mittelmäßige Manager angeheuert hatte, die wiederum nur mäßige Mitarbeiter für Apple gewannen. Steve Jobs hatte daraus gelernt und später in seinem Leben das Bonmot geprägt: "A-People hire A-Plus-People. B-People hire C-People". Das müssen wir nicht übersetzen, wir wissen alle: Schlaue Firmenchefs stellen Leute an, die schlauer sind als sie selbst, alles andere führt zu Organisationen, in denen das Peter-Prinzip gelebt wird. Immerhin waren drei von vier Entlassenen jenes Mittwoch im Februar vor 37 Jahren Manager, also jene Abteilungs- und Teamleiter, die ebenso wenig in der Lage waren, Abteilungen und Teams zu leiten, wie es Zitronenfaltern gelingt, Zitronen zu falten.

So hatte der "Schwarze Mittwoch" für Apple sein Gutes. Finanzielle Schwierigkeiten sollte das Unternehmen noch öfter in seiner Geschichte durchleiden. Die Hälfte der Belegschaft auf einen Schlag musste Apple nicht mehr entlassen. Scott blieb auch nicht lange nach jenem Tag auf seinem Posten, ihm folgte Mike Markkula, später sollte Steve Jobs auf die nicht komplett gute Idee kommen, John Sculley von Pepsi abzuwerben, jenen Erwachsenen, der auf die Jungs in Cupertino besser aufpassen sollte.

Eine andere Personalrochade war defintiv zum langfristigen Nutzen Apples. Andy Hertzfeld hatte die Rasur der Apple-II-Abteilung überstanden, er war ja kein Manager, sondern einer der besten Entwickler, die Apple je hatte. Steve Jobs, der gerade erst bei der Suche nach einer Aufgabe für sich in das von Jef Raskin angestoßene Mac-Projekt reingeplatzt und die Leitung okkupiert hatte, warb Hertzfeld ganz einfach ab. Die am 26. Februar, dem Tag nach dem Massaker gestellte Frage: "Willst du für den Mac arbeiten?" war eher rhetorisch, denn als sich Hertzfeld Bedenkzeit erbat, stöpselte Jobs einfach dessen Computer vom Stromnetz ab und fuhr in mitsamt Hertzfeld zum Gebäude, in dem der Mac Gestalt annehmen sollte. Der überrumpelte Hertzfeld war überrascht, dass in seinem neuen Schreibtisch in den Schubladen noch persönliche Gegenstände des Vorgängers lagen, blieb aber doch in der neuen Projektgruppe. Und leistete entscheidende Beiträge zur Entwicklung des Macintosh.

Macwelt Marktplatz

2333282