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Die besten Kopfhörer mit Lightning-Anschluss

25.04.2018 | 16:58 Uhr | Peter Müller

Keine Klinkenbuchse – kein Problem. Wer aber nicht auf Bluetooth setzen kann oder will, greift ab dem iPhone 7 zu Lightning-Kopfhörern. Wir haben hier einige interessante Modelle versammelt.

Seit dem iPhone 7 verzichtet Apple auf eine Klinkenbuchse beim Smartphone. Bluetooth ist für die meisten Musikhörer oder Büroarbeiter beim Telefonieren die Schnittstelle der Wahl, doch hat die Technik Grenzen. Bei der Soundqualität sind die Abstriche zwar nicht so hoch, man braucht schon gute Ohren, um bei hochwertigen Kopfhörern Unterschiede zwischen der Übertragung per Kabel oder Funk zu hören. Doch kann der Stream gerade in hoch frequentierten Umgebungen für Sekundenbruchteile immer wieder abreißen: Wenn sich viele Bluetooth-Kopfhörer und Headsets im Büro oder auf belebten Straßen gegenseitig stören, ist das verdammt lästig, so dass man wieder zum Kopfhörer mit Kabel greift.

In einem anderen Fall ist Bluetooth stets ungeeignet: Bei der Musikproduktion. Nun sind zwar iPad und iPhone nicht die allererste Wahl für Profis und solche, die es werden wollen, fällt einem unterwegs aber etwas ein, das man schnell auf der virtuellen Klaviatur in Garageband einspielen möchte, muss man sich auf die internen Lautsprecher verlassen oder eben auf Kabelkopfhörer: Denn via Bluetooth wird das Signal mit einer kleinen Verzögerung ausgegeben, diese Latenz stört beim bloßen Hören nicht, aber gewaltig, wenn man die angeschlagenen Noten sofort hören sollte.

Immerhin sorgt Apple schon ab Werk auf zweierlei Weise für Abhilfe: Jedem iPhone ab dem Modell 7 sind ein Lightning-auf-Klinke-Adapter beigegeben und Lightning-Earbuds. Diese klingen auch nicht besser als jene, die Apple zuvor mit dem iPhone ausgeliefert hatte und da sie genau die gleiche Form aufweisen, rutschen sie ebenso leicht aus den Ohren. Auf einen Test der Apple Lightning-Earbuds haben wir hier daher verzichtet und zeigen lieber einige gut klingende und wohl durchdachte Lösungen von Drittherstellern.

Anker SoundBuds Digital IE10 – In-Ear-Kopfhörer mit Lightning

Der Vorteil von Lightning ist die Umgehung eines Qualität mindernden DA-Wandler im iPhone. Ein DAC Prozessor mit 24-bit 48 kHz ist die Voraussetzung für einen High-Resolution-Klang. Und das merkt man den SoundBuds Digital IE10 von Anker auch an. Stimmen sind sehr schön fein aufgelöst und klingen frei. Das macht sich positiv bemerkbar und sorgt für ein stressfreies Klangbild. Stimmenbetonte Musik profitiert hier sehr stark, was man sehr schön bei Vocal-Jazz feststellen kann.

Am anderen Ende der Frequenzskala hingegen sind die SoundBuds eher schwach ausgeprägt. Jüngere Musikfreunde wird das enttäuschen, wobei dies auch stark von der Abmischung der Musik abhängig ist. Ältere Musik aus den 80ern klingt mit den SoundBuds sehr schwach und kraftlos. Neuere Popmusik mit einer kräftigen Loudness-Abmischung hingegen klingt angenehm und schon fast neutral.

Anker SoundBuds
Vergrößern Anker SoundBuds
© Anker

Der Preis des Kopfhörers im Handel schwankt sehr stark und damit auch die Einsortierung einer Empfehlung. Sicher bedeutet der Lightning-Anschluss einen gewissen Preisaufschlag, der normalerweise auch durch den besseren Klang gerechtfertigt ist. Die neutrale Klangabstimmung ist jedoch nicht jedermanns Sache und Hörer, die einen kräftigen Bass bevorzugen, werden daher enttäuscht sein.

Der fein aufgelöste Klang ist jedoch ein Vorteil der SoundBuds. Das größte Problem im täglichen Leben stellt allerdings das Kabel dar, weil die an der Kleidung entstehenden Bewegungsgeräusche sich auf die Kopfhörer übertragen und damit das Musikerlebnis negativ beeinflussen. Den ausführlichen Test der Anker SoundBuds lesen Sie hier...

Hersteller: Anker

Preis: 70 Euro (Ab 67 Euro im Macwelt-Preisvergleich )

Audeze Sine – Magnetostat über das Ohr

Auf den ersten Blick ist der Sine ein ganz normaler Over-Ear Kopfhörer, der die Vorteile Außengeräuschabschottung und große Membrane vereint – wichtige Punkte für stressfreien Musikgenuss.

Im Detail steckt unter der dem schön gestalteten Gehäuse mehr als bei den meisten Mitbewerben, nämlich eine größere Membranfläche. Das ist möglich, weil der Sine keine herkömmlichen dynamischen Treiber mit einem Magneten in der Mitte besitzt, sondern ein Magnetostat ist. Diese besondere Konstruktion verfügt im Falle des Sine über eine 80 x 70 mm große sehr leichte Folie, die in Schwingung gebracht wird. Dieses Konstruktionsprinzip findet sich auch bei großen Lautsprechern und wird auch Flächenstrahler genannt. Die Vorteile dieser relativ großen und leichten Membran ist ein dynamisches und detailliertes Klangbild. Der Nachteil sind die höheren Fertigungskosten.

Audeze Sine
Vergrößern Audeze Sine
© Audeze

Die sehr gute Abschottung der Außengeräusche und die magnetostatische Konstruktion sind Voraussetzungen für einen sehr guten Klang. Und das merkt man auch bei den ersten Takten der Musik. Die Luftigkeit und feine Auflösung der Musik ist unüberhörbar. George Michael hat selten so frei sein Album „Songs from the last Century“ zu Gehör gebracht. Das merkt man speziell bei den akustischen Instrumenten, wie dem zarten Streichen der Becken. Aber auch elektronische Musik profitiert davon.

Hersteller: Audeze

Preis: ab 547 Euro im Macwelt-Preisvergleich

iSine 10: Magnetostaten auch für das Innenohr

Audeze hat das Magnetostaten-Prinzip auch für In-Ear-Hörer umgesetzt. Dass in den iSine von Audeze (spricht sich wie Odyssee aus) jede Menge von Permamagneten stecken, merken wir schon daran, dass die beiden Muscheln gerne leicht aneinander haften bleiben oder sich auch am Magnetverschluss unserer iPhone-Hülle fest setzen. Die Konstruktion benötigt mehr Energie als die dynamischen Treiber, weswegen die Audeze eben nur mit Kabel zu haben sind. Der Hersteller liefert in einer schicken Tragetasche auch gleich zwei Kabel mit, eines mit 3,5-Millimeter-Audioklinke für den Mac und eines mit Lightning für das iPhone. Damit verliert dann hochauflösende Musik auf dem Signalweg nichts von ihrer Qualität. Denn das ist das Versprechen der Magnetostaten: Verzerrungsfreie Musik auch bei höheren Lautstärken.

Audeze iSine 10
Vergrößern Audeze iSine 10
© Audeze

Für den Klang ist aber auch hier der Sitz entscheidend, Audeze liefert Silikonüberzüge für das Hörrohr in drei Größen mit, die sich aber nur wenig unterscheiden. Wir haben so leichte Schwierigkeiten, eine für uns passende Kombination zu finden. Interessanter Nebeneffekt: Wir hören auch dann noch sehr gut, wenn sich das Hörrohr aus dem Gehörgang zu verabschieden beginnt, bei anderen Lösungen war schon beim kleinsten Verrutschen der Klang nicht mehr optimal.

Der Sound ist wirklich hervorragend, da verzerrt in den Mitten und Höhen nichts, der Bass ist klar, ohne zu wummern. Audeze liefert zwei Kabel mit, eines mit Lightning-Stecker und eines mit Audiostecker. Beim Hören von "Sgt. Peppers Lonely Heart's Club Band" hören wir auch einen deutlichen Unterschied zwischen dem Mac (Audio-Buchse) und dem iPhone (Lightning): Vom Mac aus muss die Musik durch den D/A-Wandler der Audiobuchse, via Lightning kommt der Sound digital zum Kopfhörer, der nun seinerseits die Informationen in analoge umsetzt, die die Membranen zum Schwingen bringen – konkret ist die Technik dafür in der Fernbedienung versteckt. Der Sound vom Mac mumpfelt einfach ein bisschen, das iPhone liefert ein deutlich saubereres Klangbild.

Am besten klingen für uns die iSine in der Grundeinstellung, aber wer mag, kann mit der App sich etwa die Mitten anheben, oder dem Bass oder den Höhen oder beiden einen kleinen Boost verabreichen. Am Lightningkabel ist zudem die obligatorische Fernbedienung eingebaut, mit der man die Musik lauter oder leiser machen kann, sie stoppt oder in der Wiedergabeliste vor oder zurück springt.  Das zugegebenermaßen eindrucksvolle Musikvergnügen hat aber seinen Preis , einen recht stolzen.

Hersteller: Audeze

Preis: ab  382 Euro im Macwelt-Preisvergleich

Pioneer Rayz Plus: Laden und hören

Wie wir bei den Audeze gesehen und vor allem gehört haben, hat der Anschluss eines Kopfhörers per Lightning gewaltige Vorteile, nicht nur beim Klang. Der Nachteil: Hört man exzessiv Musik und nutzt sein iPhone auch sonst recht intensiv, muss man irgendwann dann doch auf Bluetooth-InEar oder -lautsprecher umstellen, weil der Akku mal wieder leer ist – und der hochwertige Kopfhörer gerade die einzige Buchse des Telefons belegt. Eine Lösung dieses Problems bietet Pioneer mit den Rayz Plus, Lightning-InEar-Kopfhörern , die in ihrem Kabel auch eine weitere Buchse bieten und so das iPhone auch während des Hörens aufladen. Der Preis von 180 Euro unterscheidet sich zwar um gute 50 Euro von dem der Rayz ohne die Ladebuchse, hochwertige Lightning-Hubs, wie etwa das von Belkin , kosten aber in der gleichen Größenordnung.

Pioneer Rayz Plus
Vergrößern Pioneer Rayz Plus
© Pioneer

Der Sound ist von sehr hoher Qualität, dank relativ großer Treiber auch mit einem ordentlichen Bass, der jedoch nicht überbetont ist. An Ohrstöpseln aus Silikon oder Schaumstoff liegt eine große Auswahl bei, wir finden einen passenden Überzug, damit der Ohrhörer richtig im Gehörgang sitzt und der Kopfhörer seine Klangqualitäten ausspielen.

Hersteller: Pioneer

Preis: ab 175 Euro im Macwelt-Preisvergleich

Libratone Q-Adapt: Unsere Referenz

Wie eingangs erwähnt, hat Bluetooth eine kleine Schwäche: Die Latenz. Spielt man beispielsweise auf seinem iPhone oder iPad in Garageband herum, möchte man das gewiss nicht auf Bluetooth-Hörern ausgeben. Denn erst geschätzte 50 bis 100 Millisekunden nach dem Anschlag auf die virtuelle Klaviatur hört man dann auch den Ton - ein Ding der Unmöglichkeit.

Libratone Q Adapt InEar
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© Libratone

Also doch wieder Kabel, wenn man einen derartigen Einsatz im Sinne hat. Was den Sound von InEars betrifft, setzt der Q-Adapt von Libratone gleich Maßstäbe. Im Klang steht er anderen High-End-Hörern in nichts nach, im Gegenteil, bei unseren In-Ear-Tests verwenden wir  diesen Kopfhörer mittlerweile als Referenz. Ebenso überzeugt das Active Noise Cancelling. Der Preis von 179 Euro laut UVP ist zwar nicht ohne, wer aber Ohren hat, um den Unterschied zu Billigstrippen zu hören, hält das für gut angelegtes Geld, zumal der Q-Adapt im Handel meist deutlich günstiger zu haben ist. Lesen Sie den kompletten Test hier .

Hersteller: Libratone

Preis: ab 140 Euro im Macwelt-Preisvergleich

Sennheiser Ambeo Smart Headset: Neutraler Klang und 3D-Aufnahmen

Die Kopfhörer von Sennheiser sind wegen ihres linearen Frequenzgangs vor allem in Tonstudios beliebt - das hört  man auch dem Ambeao Smart Headset an. Dessen eigentlicher Clou ist aber nicht die Klangwiedergabe und auch nicht die Einsatzmöglichkeiten als Bürokopfhörer an iPhone und iPad, sondern seine 3D-Mikrophone. Diese sind in den beiden Ohrhörern untergebracht und haben daher etwas mäßigere Ergebnisse beim Telefonieren zur Folge, dafür sind sie aber nicht gebaut. Sondern dazu, um einen immersiven Raumklang aufzunehmen - gewissermaßen erleben wir hier die Rückkehr der Kunstkopfaufnahmen.

Sennheiser Ambeo Smart Headset
Vergrößern Sennheiser Ambeo Smart Headset
© Sennheiser

Um die eigene Musik aufzunehmen, gibt es bessere Lösungen, zum Empfindlich reagiert der Stereomix auf Bewegungen des Kopfes. Doch gerade für Videoaufnahmen ist das immersive Klangerlebnis eine feine Sache - man ist nicht nur optisch mitten in der Szene, sondern auch akustisch, wenn man mit iPhone filmt und mit dem smarten Headset aufnimmt. Den ausführlichen Test lesen Sie hier.

Hersteller: Sennheiser

Preis: ab 299 Euro im Macwelt-Preisvergleich

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