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Die Kinderkrankheiten des HomePod

08.10.2018 | 15:22 Uhr |

Nach sechs Monaten Nutzung ist unser Macworld-Kollege Dan Moren vom Homepod nur noch teilweise überzeugt. "Hey Siri!" hat er abgeschaltet – das sind seine Gründe.

Fast sechs Monate, nachdem ich mir einen Homepod angeschafft hatte, traf ich die Entscheidung, dass er mir nicht mehr zuhören sollte.  Wenn Sie sich denken: "Nun, das klingt nach einem ziemlich zentralen Merkmal des Gerätes?", dann haben Sie Recht. Ich habe jetzt im Wesentlichen einen sehr schönen, aber ziemlich teuren Airplay-2-Lautsprecher. Aber diese Entscheidung kam nach einer stetigen und maßvollen Beobachtung, wie ich den intelligenten Lautsprecher von Apple verwendet habe, was er richtig macht und was er eben weniger als richtig erledigt.

Etwa einen Monat, nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, die "Hey Siri"-Funktion zu deaktivieren, hatte ich kurz überlegt, sie wieder einzuschalten, tat dies aber nur für ein paar Tage, bevor ich sie wieder ausschaltete. 

Insgesamt hat mich meine Erfahrung mit dem Homepod, mehr als ein halbes Jahr nach seinem Erscheinen, weitgehend an die Anfänge der Apple Watch erinnert, zu denen der Hersteller auch keine klare Vorstellung davon hatte, was das Gerät eigentlich war.

Siri hört zu genau zu

Offensichtlich ist die Möglichkeit, dem Homepod "Hey Siri" zu sagen, ein entscheidender Aspekt seiner intelligenten Lautsprecherfunktionen. Andererseits können Sie die Start-Phrase nur in dessen Nähe verwenden, was ihm gegenüber Smartphone oder Tablet kaum Vorteile verschafft. Der wichtigste Grund für das Abschalten waren für mich aber die Fehlalarme.

Der HomePod zeigt einen Lichteffekt, wenn man auf ihm Siri anspriht.
Vergrößern Der HomePod zeigt einen Lichteffekt, wenn man auf ihm Siri anspriht.

Ich bin an intelligente Lautsprecher gewohnt, die mir irrtümlich antworten, weil sie denken, dass ich ihnen eine Frage gestellt habe. Ich habe zwei Alexa-Geräte derzeit in meiner Wohnung, und ich habe zu verschiedenen Zeiten ein oder zwei andere Echoes und ein Google Home oder zwei gehabt. Mit all diesen kleinen Roboterboxen und Zylindern erlebt man von Zeit zu Zeit Missverständnisse. Aber nach meiner Erfahrung ist der Homepod hier besonders schlecht. Neulich am Wochenende, während der Zeit, in der ich "Hey Siri" wieder aktiviert habe, hatte ich eine Gruppe von Freunden und Familie da, um ein Spiel zu spielen, und der Homepod ging zwei- bis dreimal los, bevor ich gezwungen wurde, ihn wieder zu deaktivieren.

Der offensichtlichste Weg, dies zu beheben wäre, wenn Apple seinen Algorithmus zur Erkennung der Aufwachphrase verfeinerte, aber wie gesagt, hat keiner der Smartspeaker Fehlalarme vollständig beseitigen können. Ein weiterer Vorschlag wäre also, eine Art von Training auf iOS-Geräten mit "Hey Siri" zu implementieren, nachdem nur bestimmte Stimmen den digitalen Assistenten auslösen können. Apple könnte sogar eine Möglichkeit implementieren, diese Voice-Prints von den vorhandenen iOS-Geräten zu synchronisieren, die sich bereits in Ihrem Zuhause befinden. Sicher, es verhindert, dass Gäste Ihren HomePod potenziell benutzen – aber vielleicht ist das sogar eine Art Bonus.

Nicht genügend Nutzen

Der andere Grund, warum ich bereit war, die Hörfunktion des Homepods zu deaktivieren, war, dass ich sie einfach nicht ausreichend genutzt habe und sie daher nicht vermisse.

Ja, der Homepod hat sich seit seiner Markteinführung verbessert. Mit dem neuesten kleinen Update von Apple wurden einige Funktionen integriert, die beim Start hätten vorhanden sein sollen, darunter mehrere Timer und die Möglichkeit, über den Homepod telefonieren zu können. In meinen Tests haben beide Funktionen sehr gut gearbeitet, wobei die Telefonanruffunktion nicht einmal die übliche Frage "Nutzen Sie eine Freisprecheinrichtung?" aufwirft. Das Update brachte auch verzweigte in einige andere sinnvolle Verbesserungen, die leicht zu implementieren waren, einschließlich der Möglichkeit, Ihr iPhone zu finden und Siri Shortcuts von Ihrem Handy aus auszuführen.

Aber selbst bei diesen Verbesserungen bleibt die Tatsache bestehen, dass hinsichtlich der Funktionalität des Homepod das Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch niedrig ist. Apple scheint bei der Erweiterung von Homepod-Features zur Zurückhaltung zu neigen, da es seinen Assistenten möglichst unaufdringlich machen wollte – aber ein gewisses Maß an "proaktiver" Intelligenz wäre willkommen. Eine Warnung etwa, wenn es Zeit ist, zu einem Termin zu gehen. Oder die Weitergabe anderer spezifischer Benachrichtigungen, wie es der Benutzer festlegt. Apple scheint jedoch entschieden zu haben, dass die Apple Watch das wesentliche Gerät für Benachrichtigungen ist und nicht der Homepod.

Der Lautsprecher des Homepods ist jedoch ziemlich gut und entspricht Apples hohem Qualitätsanspruch. Wie bereits erwähnt verwende ich ihn hauptsächlich als Airplay-2 Lautsprecher, wofür er gut geeignet ist. (Obwohl, wenn einige Unternehmen einen Airplay-2-Lautsprecher ohne "intelligente" Fähigkeiten bauen würden, wäre das auch toll.) Aber auch für Anwender im Apple-Ökosystem bieten Echo und Google Home eine Vielzahl von Funktionen, die nützlich und plattformunabhängig sind – und das für weniger Geld. Es gibt nicht genug, um den Homepod im Moment gegenüber der Konkurrenz hervorzuheben, vor allem nicht zum aktuellen Premium-Preis.

Als Lautsprecher ist der HomePod recht gut.
Vergrößern Als Lautsprecher ist der HomePod recht gut.

Lösung sucht Frage

Apple hatte Mühe, die Apple Watch in ihren ersten Iterationen richtig zu definieren. "Was kann sie? Was kann sie nicht?" schien die allgemeine Frage zu lauten, aber in den letzten Jahren konzentrierte sich das Unternehmen auf bestimmte Bereiche – Fitness, Gesundheit und Benachrichtigung – als Haupteinsatzgebiet seiner Smartwatch.

Anscheinend mit der Absicht, nicht zweimal den gleichen Fehler zu machen, kam Apple mit einem relativ schmalen Funktionsumfang für den Homepod aus den Puschen und konzentrierte sich auf die Musikwiedergabe und in geringerem Maße auf die intelligente Heimintegration. Wenn Sie kein Apple-Music-Abonnent sind und sich nicht mit der Technik des Smart Homes beschäftigt haben, gibt es im Homepod anscheinend nicht viel für Sie (ganz zu schweigen von der Fokussierung auf Funktionen, die mehrere Homepods erfordern – Multiroom-Audio und Stereo-Paarung – bei den bekannt hohen Preisen).

Es besteht aber Hoffnung, dass das, was als nächstes aus der Pipeline kommt, die Attraktivität des Homepods erhöht. Es gibt Kunden da draußen, die noch nicht herausgefunden haben, was ein intelligenter Lautsprecher für sie tun kann, und Apple muss ihnen zeigen, dass dies ein Gerät ist, das Ihr Leben einfacher und angenehmer machen kann. Bisher macht der Homepod das nicht, und wie in den Anfängen der Apple Watch liegt das daran, dass Apple zuerst herausfinden muss, welchen Zwecken der Homepod am Besten dient.

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