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Die Zielgruppe des neuen Mac Mini: Profis und Nerds?

22.08.2018 | 09:16 Uhr | Stephan Wiesend

Der neue Mini soll sich an Entwickler, Server-Betreiber und Nutzer von Medien-Centern richten – wir haben einen Verdacht, warum.

Ein neuer Mac Mini soll laut einem glaubwĂĽrdigen Bericht von "Bloomberg" bald erscheinen, das ist in jedem Fall eine gute Nachricht. Leider soll er auch etwas teurer werden: Ausgestattet mit 16 GB RAM und einem TB SSD-Speicher mag er sogar an der 2000 Euro-Grenze kratzen, wird aber sicher ein Renner.

Eine Überraschung ist allerdings, welche Zielgruppe für den neuen Mac im Artikel von Mark Gurman und Debby Wu genannt wird: Einstmals waren ja so genannte „Switcher“ die Zielgruppe des Mac Mini. Noch-Windows-Nutzer, die der günstige Einsteiger-Mac in die Apple-Welt locken sollte. Nun werden im Artikel andere Zielgruppen genannt: Heute sei der Mac Mini bei App-Entwicklern, Nutzer von Heim-Medien-Centern und Betreibern von Server-Farmen beliebt. An diese „Pro User“ soll die neue Generation gerichtet sein. Aus der Perspektive von Apple eigentlich nicht verwunderlich. Büro- und Heimanwender sollen natürlich zu den profitableren iMacs und Macbooks greifen, der so genannte „Creative Professional“ zum iMac Pro oder Macbook Pro. Natürlich werden sich die Käufer nicht daran halten und auch der Profi wird ihn zu schätzen wissen.

Die genannten Einsatzarten haben uns dann doch überrascht: Der Mac Mini wird wirklich in Server-Umgebungen genutzt, das sind aber doch eher Einzelfälle. Bei Videoprofis ist es sogar eher der Mac Pro oder iMac Pro, der im Rack festgeschraubt wird. Auch als Medien-Center ist ein vollwertiger Desktop in Zeiten von Netflix und iTunes 4K eigentlich überholt: Ein auf Videowiedergabe maßgeschneiderter Apple TV erfüllt diese Rolle weit besser. Werden doch Filme heute eher gestreamt als archiviert – und bleiben dank Kopierschutz in der Cloud. Für App-Entwickler ist der Mac Mini der günstigste Einstieg in die Apple-Welt, etwa wenn eine App auch als iOS-Version erscheinen sollte.

Wir haben aber einen Verdacht, warum diese Zielgruppen Apple Sorge bereiten könnten und Apple ihnen Konzessionen macht. Es handelt sich dabei aber weniger um die genannten Einsatzarten, als um die Gruppe der Mac-Nutzer, die für diese Nutzungsarten stehen: Entwickler und erfahrene Mac-Anwender mit langjähriger Computer-Erfahrung, wie es sie immer häufiger gibt. Eine auch als Geeks oder Nerds geschmähte Zielgruppe, die vielleicht schon iMac oder Notebook besitzt, aber für ihre tausend professionelle Entwickler- oder Hobby-Projekte zusätzlich einen Mac ohne Bildschirm schätzt – oder denen ein 27-Zoll-Monitor nicht genügt. Und Nerds empfinden ja eine CPU von 2013 fast schon als Beleidigung....

Eine weitere Gefahr für Apple: Ein großer Teil dieser technisch versierten Zielgruppe steht  vermutlich kurz davor, ihren alten Mac Mini von 2012 oder 2014 einfach durch einen kompakten Intel NUC zu ersetzen – doppelt so schnell und halb so teuer. Mit etwas Vorwissen kann man darauf nämlich relativ schnell macOS installieren . Ist man ein treuer Apple-Fan wie der bekannten Mac-Blogger Jason Snell von Six Colors, kann man ja danach zumindest ein Apple-Logo auf das NUC-Gehäuse kleb en... Hier sah Apple dann vielleicht wirklich einen Anlaß, langsam eine Alternative zu bieten, bevor man es sich mit dieser Nutzergruppe komplett verscherzt und "illegale" Installationen überhandnehmen. Auch der Autor kam ja schon langsam in Versuchung.

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