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Wearables im Sport

14.07.2017 | 15:02 Uhr |

Wer die ISPO 2017 besucht hat oder Teilnehmer der WT Wearable Technologies Conference 2017 Europe war, konnte sich bereits über die Trends für Wearables in der Sportbranche informieren.

Wearables, also alle Technologien, die in Körpernähe, am Körper oder mittlerweile sogar im Körper getragen werden, beeinflussen den Sport wie nur wenige andere Technologien zuvor. Für nahezu alle Sportarten gibt es tragbare Technologien, die die Athleten und Sportler beim Training oder sogar im Wettkampf unterstützen können.

Zunächst haben vor allem Einzelsportler diese Technologien zur Vorbereitung eingesetzt, jetzt finden immer mehr den Weg in den Wettkampf. Auf Mannschaftssportarten haben Wearables noch nicht denselben Einfluss wie auf Einzelsportarten. Wir stehen diesbezüglich jedoch ziemlich sicher erst am Anfang einer großen Ära und können bereits jetzt auf die Technik hochinnovativer und intelligenter Produkte zurückgreifen.

Viele Menschen verbinden Wearables vor allem mit sogenannten Fitness-Trackern oder Smartwatches. Diese Geräte sind etwa dazu in der Lage die Herzfrequenz zu messen, Schritte zu zählen oder auch verbrannte Kalorien aufzuzeichnen.

Die auf der WT Wearable Technologies Conference 2017 vorgestellten Technologien für den Sportbereich waren weit innovativer. Unter anderem wurde eine smarte Brille von Safilo (Smith Optics) vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit der kanadischen Firma Interaxon entwickelt wurde. Diese Brille soll helfen, die Konzentrationsfähigkeit mit Hilfe von Hirnstrommessung zu steigern. Basierend auf der Technologie von Interaxon für Hirnstrommessung analysiert die Brille diverse Daten und erlaubt - beispielsweise über Apps - Maßnahmen zur Konzentrationssteigerung zu erstellen.

Erstmals auf einer Bühne präsentierten die Entwickler von Bodycap ihre smarte Pille e-Celsius - eine tablettengroße Technologie, die wie eine herkömmliche Pille geschluckt wird. Statt Medizin steckt die kleine Kapsel allerdings voller Technik, die die Körperkerntemperatur so genau misst wie es bisher nicht möglich war und kabellos die gemessenen Daten nach außen sendet. Diese Technologie ist für nahezu alle Sportarten interessant, egal ob Fußball, Rugby, Radfahren oder Tennis und sogar für Sportarten mit extremen Wettersituationen wie Skifahren.

Ab März 2017 soll das Polar Team Pro Shirt verfügbar sein, das dem Coach während der gesamten Saison Informationen über Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Erholungsfähigkeit seiner Athleten liefert. Mithilfe zweier im Stoff untergebrachter Messpunkte zeichnet das Shirt kontinuierlich die Herzfrequenz seines Trägers auf. Ein dritter Sensor, der sich im Bereich des oberen Rückens befindet, „ trackt “ zudem weitere Daten. Hierzu zählen beispielsweise die Geschwindigkeit, gelaufene Distanz und Beschleunigung des Athleten.

Die Sportbranche setzt sich zunehmend mit dem Thema Digitalisierung auseinander und die Konsumenten im Sportmarkt sind auch mehr als bereit dazu, neue Technologien in ihre Trainingsroutinen zu integrieren, weil sich damit unter anderem Trainingsabläufe optimieren und Verletzungen vermeiden lassen.

Fitness-Tracker im Test

WT Innovation World Cup: Richtungweisender Wettbewerb für Wearables im Sport

Zur WT Conference präsentierten auch die Finalisten aus dem WT Innovation World Cups ihre Entwicklungen. Unter anderem war der AiO Sleeve von Komodo Technologies zu sehen, ein Kompressionsärmel, ausgestattet mit ECG- und EKG-Monitoring, UV-Sensor und einigen weiteren Funktionen. Sein Einsatzbereich liegt vor allem im Basketball oder Baseball - und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der AiO Sleeve in den größten Ligen wie der NBA oder der MLB zu sehen sein wird.

Obwohl hochinnovativ, musste sich der AiO Sleeve in der Kategorie Sports & Fitness des Innovation World Cups geschlagen geben: Das Schweizer Unternehmen Gaitup hat ein Wearable für Skifahrer namens Pomocup entwickelt, das seinem Träger Daten wie Geschwindigkeit, Distanz oder Anzahl von Rotationen übermittelt und dank seines OLED-Displays dies alles ohne zusätzliches Endgerät visualisiert.

Einer der Vorreiter in Sachen Wearables im Sport ist die amerikanische Football-Liga NFL. Nahezu alle Teams der amerikanischen Football-Liga nutzten bereits Entwicklungen aus dem Wearable-Bereich, um etwa die Spieler zu schützen oder auch Daten während des Trainings aufzuzeichnen, um die Leistung zu verbessern. Ein Viertel der NFL-Teams und 10 große College-Teams nutzen Produkte des australischen Herstellers Catapult Sports. Eines ihrer Top-Produkte ist Optimeye S5, der erste GNSS-Monitor (GNSS = Globale Navigations-Satelliten-Systeme) der Welt für den Mannschaftssport. Kameras können die physikalische und physiologische Belastung eines Spielers nicht erkennen. Optimeye dagegen zeichnet auch explosionsartige Mikrobewegungen auf und liefert damit wichtige Informationen für den Einsatz von Spielern in Kollisionssportarten.

Doch es gibt noch viele weitere Geräte, die die Athleten vor Verletzungen durch gegnerische Einwirkungen schützen, etwa Fitguard, einen speziellen Mundschutz mit Sensoren, die Anzeichen eines zu harten Checks erkennen, oder auch Q-Collar, einen ebenfalls mit Sensoren bepackter Nackenschutz. Die Major League Baseball (MLB) hat kürzlich das Tragen des Zephyr Bioharness während regulärer Liga-Spiele erlaubt. Der bluetooth-fähige Brustgürtel misst die Vitalwerte der Spieler und liefert damit Trainern wertvolle Erkenntnisse.

Ausblick in die Zukunft

Einzelsportler nutzen Wearables schon jetzt im Training und teilweise auch im Wettbewerb. Im Teamsport sind diese Technologien erst noch im Kommen. Dort werden sie zunächst vor allem im Training, später sicher aber auch im Spiel eingesetzt. Wir stehen hier noch am Anfang - können aber jetzt schon sagen: In Zukunft wird der Sport massiv von tragbaren Technologien geprägt werden.

Wearables als ständige Begleiter - Probleme & Möglichkeiten

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