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Diese vier Mac-Apps gibt es seit 25 Jahren

14.01.2019 | 11:16 Uhr |

Manche der Mac- oder iPhone-Nutzer sind mittlerweile jünger als diese klassischen Apps unter macOS.

Unser Macworld-Kollege Glen Fleischmann hat sich mit etwas außergewöhnlichen Apps auseinandergesetzt: Diese gibt es nämlich seit einem Vierteljahrhundert!

Die Langlebigkeit dieser Indie-Apps ist umso außergewöhnlicher, wenn man bedenkt, welche Veränderungen Apple am Mac von Anfang der 90er Jahre bis 2018 vorgenommen hat. Apple wechselte von Motorola 680x0 Prozessoren zu PowerPC zu Intel Chips, von 32-Bit- zu 64-Bit Architektur und zwischen zahlreichen Programmiersprachen. Es aktualisierte System 7 auf 8 bis 9, dann auf Unix in nun 15 Hauptversionen (von 10.0 bis 10.14). Das ist viel für einen einzelnen Programmierer oder ein kleines Unternehmen.

Bare Bones's Chef Boss, Rich Siegel, und die Entwickler hinter drei anderen lang laufenden Mac-Programmen teilten mir ihren Einblick in die Entwicklungsgeschichte seit über 25 Jahren mit, was sich in dieser Zeit am meisten verändert hat und welche versteckten Schätze Benutzer noch nicht gefunden haben.

BBEdit: Mehr als ein Texteditor

BBEdit entstand 1989 zunächst als eine Art Demo eines Texteditors, entwickelte sich dann 1992 zu einer vollwertigen, aber kostenlosen App. Bare Bones veröffentlichte es als voll unterstütztes kommerzielles Programm mit der Version 2.5 am 11. Mai 1993, und von diesem Zeitpunkt an zählt die App ihr Alter. Gründer Rich Siegel treibt die Entwicklung auch heute noch von Rhode Island aus voran.

"Wir haben die interne Architektur von BBEdit umfassend neu geschrieben, aktualisiert und optimiert", sagt Siegel. Aber das Programm bedien immer noch die gleichen Fragestellungen. "Auch wenn es sich sehr stark weiterentwickelt hat, ist BBEdit seiner grundlegenden Mission sehr nahe geblieben: seinen Nutzern die Möglichkeit zu geben, Aufgaben zu erfüllen, die andere Werkzeuge herausfordern oder überfordern würden."

BBEdit hat im Laufe der Jahre viele Funktionen hinzugefügt, darunter intelligente und hochgradig konfigurierbare Autovervollständigung, Website-Verwaltung und Suche in mehreren Dateien. Während es als Programmier-Werkzeug begann, bietet es heute eine minimalistische Umgebung mit leistungsstarken Such- und Ersetzungswerkzeugen und Textmischwerkzeugen, die Programmierer, Autoren (ich habe täglich Stunden damit verbracht) und HTML-Coder ansprechen.

Siegel sagte, eine der ungewöhnlichsten Funktionen, die BBEdit integriert hat, sei die dessen FTP- und SFTP-Bearbeitung. Bevor das integriert wurde, konnte BBEdit mit File-Transfer-Software wie Fetch (siehe unten) in einer Art Rückflug-Lösung arbeiten. Siegel sagte, ein Kunde habe ein Plug-in erstellt und Bare Bones habe seinen Code übernommen und integriert.

Aber Siegel Meint auch,  was er sich nie hätte vorstellen können, sei ein "lorem ipsum"-Generator, der in der letzten Version 12.5 erschienen ist. Dadurch wird Platzhaltertext erzeugt und die Option reicht in der Seitenlayout-Software Jahrzehnte zurück. "Es gab ein bemerkenswertes Interesse an dieser Funktion", sagte er.

Auch nach fast 30 Jahren Entwicklung zeigt sich Siegel motiviert, BBEdit aufgrund von Kundenfeedback zu verbessern. "Sie sind diejenigen, denen wir dienen sollen, und wenn also jemand schreibt und ein Bedürfnis ausdrückt, das wir direkt ansprechen können, sind wir motiviert, diese Veränderung vorzunehmen", sagte er. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: Ich habe im Laufe der Jahre um viele Funktionen gebeten und einige davon waren für das Unternehmen sinnvoll.

Die Arbeitsbelastung von Bare Bones hat sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufte und unterstützte das Unternehmen fünf Apps, aber derzeit konzentriert es sich weiterhin auf BBEdit. "Wir sind ständig bestrebt, die Entwicklung neuer Funktionen für größere Upgrades, Wartungsarbeiten zur Behebung von Problemen, die unsere Kunden unmittelbar betreffen, und interne Modernisierungen zur Unterstützung der Plattformevolution auszugleichen", sagte Siegel.

Einige EasterEggs haben selbst Langzeitnutzer erst spät entdeckt:

Die im Feld "Über BBEdit" ist einer der Favoriten, aber eine bemerkenswerte Anzahl von Leuten scrollt nicht weit genug nach unten, um es zu sehen. Oder vielleicht haben sie es bemerkt, aber sie haben angenommen, dass es jemand anderes war. Es gibt auch eines, das am ersten April auftaucht, wenn Sie zufällig eines der wichtigsten Funktionen von BBEdit verwenden.

Bare Bones feierte das 25-jährige Jubiläum von BBEdit mit einer neuen Marketing-Kampagne. Treue Programmierer und Autoren können Marken-T-Shirts, Email-Pins und mehr kaufen, von denen einige den langjährigen Slogan der App tragen: "Es ist immer noch gar nicht übel."

PCalc: Der Taschenrechner für Programmierer

James Thomson war 1992 Student an der Glasgow University, als er beschloss, die in einem Seminar für Mensch-Computer-Interaktion erlernten Prinzipien zu nutzen, um seine Programmierkenntnisse zu testen. Er programmierte einen fortgeschritteneren Rechner als den, der mit Apples System 7 ausgeliefert wird. Mit binären und hexadezimalen Berechnungen, die für seine Programmierarbeit nützlich waren, nannte er es PCalc, kurz für "Programmer's Calculator".

Er veröffentlichte es am 23. Dezember 1992 als kostenloses Programm und beließ es kostenlos, während er in den 90er Jahren für Apple arbeitete. Im Jahr 2000 veröffentlichte er die erste kommerzielle Version, sie wurde von Apple kurzzeitig lizenziert, um sie in den frühen 2000er Jahren auf einigen iMacs zu integrieren. PCalc für iOS erschien zusammen mit einigen hundert anderen Apps im Jahr 2008, an dem Tag, an dem Apple seinen App Store für Drittanbieter eröffnete.

PCalc funktioniert weitgehend wie in seinen Anfängen und bietet ein vollwertiges Äquivalent zu einer Vielzahl von Taschenrechnertypen, einschließlich wissenschaftlicher Taschenrechner. Es bietet einige programmierbare Funktionen, ist aber nicht ganz in der Lage, einen Grafikrechner wie den TI-84 zu simulieren. Dennoch musste Thomson seine Benutzeroberfläche regelmäßig aktualisieren, um sie an die sich ändernde Apple-Ästhetik anzupassen, und zudem die Innenausstattung der App überarbeiten, da Apple eine Mathematik-Core entwickelt hat, die über alle vier Hardwareplattformen – macOS, iOS, watchOS und tvOS - konsistent ist. (Ja, es gibt einen PCalc für Apple TV.)

Im Mittelpunkt steht jedoch der 1992 geschriebene und aus seiner ursprünglichen Programmiersprache übersetzte Code. "Wenn von Apple etwas Neues kommt, setzt PCalc noch etwas drauf", sagte er.

Thomson sieht die die iOS- und Watch-Interaktionen als größte Veränderung in der Entwicklung an. "PCalc war schon immer eine "Emulation" eines physikalischen Rechners. Sie verwenden eine Maus oder tippen auf einer Tastatur, um die Tasten zu drücken", sagte er. "Jetzt, mit iOS, tippen Sie direkt auf die Tasten und es ist ein physischer Taschenrechner geworden, einer, der in Ihre Tasche passt. Wie das alte Sprichwort sagt, der beste Taschenrechner ist der, den man dabei hat."

PCalc hatte schon immer einen Layout-Editor, auf den Thomson sich bei der Erstellung neuer Rechnertypen verlassen konnte, und er öffnete diesen schließlich auch für Anwender. Die App fügte benutzerdefinierte Konvertierungen hinzu – nützlich, wenn Sie Pica zu Points und Points zu Inches umrechnen wollen – sowie die Unterstützung von Siri Shortcuts in der neuesten iOS-Version.

Da sich die Mathematik im Laufe der Zeit nicht ändert, hat Thomson glücklicherweise Freiraum, um PCalc auf mehreren Plattformen anpassbarer und bedienungsfreundlicher zu machen. Der Info-Bildschirm von macOS und iOS enthält einen Physiksimulator und ein Rennspiel. Und das sind nicht mal EasterEggs. Thomson hat auch iMessage-Sticker mit einem Panda-Motiv für PCalc entwickelt.

Thomson und seine Frau Saskia arbeiten in Schottland in Vollzeit für PCalc, dem einzigen Produkt ihres Unternehmens TLA Systems, das ist aus seiner Sicht ein motivierender Faktor für die weitere Entwicklung.

"Ich arbeite gerne daran und mache etwas, das die Menschen gleichermaßen gerne benutzen", sagte Thomson, "Und es ist ein Prozess des ständigen Lernens, jeden Tag lerne ich etwas Neues." Er hat keine Pläne, die App (oder sich selbst) in absehbarer Zeit außer Betrieb zu nehmen. "Meine Leidenschaft, seit ich vor fast 30 Jahren den Mac entdeckt habe, war es immer, interessante und lustige Benutzeroberflächen zu entwickeln. Und ich freue mich darauf, es noch lange zu tun", sagte er.

Während der Mac-Version von PCalc unerforschte EasterEggs fehlen, hat er diesen Hinweis in iOS angeboten: "Die meisten Leute haben wahrscheinlich nicht einmal Level 2 des Über-Bildschirms gefunden – dafür drehen Sie den Truck um und suchen Sie nach der goldenen Banane. Ich habe schon zu viel gesagt!"

Fetch

Jim Matthews, der Schöpfer des Dateiübertragungsprogramms Fetch, traf im Jahr 2000 die richtige Entscheidung, als Regis Philbin ihn fragte, ob er die letzte Frage in "Wer wird Millionär" beantworten könne. Zuerst benutzte er den Publikumsjoker. Dann entschied er sich, aufzugeben und mit 500.000 Dollar nach Hause zu gehen. Das war gut, denn das Publikum lag falsch und Matthews wusste nicht die richtige Antwort. (Die Frage war, welcher Nachrichtensprecher im Alter von 9 Jahren eine Kinderradiosendung moderiert hatte. Die Antwort? Peter Jennings.)

Matthews nutzte etwas von diesem Geld, um Fetch zu kaufen und die eigene Firma vom Dartmouth College auszugliedern, wo er viele Jahre gearbeitet hatte und wo er 1989 mit der Entwicklung von Fetch als internes Programm begann, das für Mitarbeiter und Studenten nützlich war. Matthews sagte, dass Dartmouth den Mac als seinen bevorzugten Desktop-Computer ausgewählt hatte, aber alle möglichen Computersysteme unterhielt. Er sprach sich dafür aus, Fetch als eine Art universelle Dateiübertragungs-App zu schreiben und entschied sich für FTP (File Transfer Protocol), weil es der einzige Standard war, der für alle funktionierte.

Fetch ist älter als System 7 und lief ursprünglich unter System 6 als Anwendung – und als Schreibtischoption, denn nicht jeder benutzte MultiFinder, Apples ersten Einstieg in die Möglichkeit, mehrere gleichzeitig verfügbare Programme zu nutzen.

Als das Internet immer verbreiteter wurde, begannen einige Institutionen, Archive mit legal verfügbarer Software und anderen Dateien zu hosten. Diese erforderten einen FTP-Client und Matthews sagte, dass dies letztendlich zu mehr Benutzern außerhalb von Dartmouth als auf dem Campus führte. Das Wachstum des Internets hat die Popularität von Fetch nicht verwässert, da die frühen Browser beim FTP-Zugang und -Download ziemlich schrecklich waren. "Zu meiner Überraschung hat sich Fetch von einem Werkzeug, das hauptsächlich für das Abrufen von Informationen verwendet wurde, zu einem Werkzeug gewandelt, das hauptsächlich für die Veröffentlichung von Informationen verwendet wurde", sagte Matthews.

Fetch hat schon immer einen Hund als Symbol benutzt und Matthews sagte, dass sein Schwiegervater das erste Symbol geschaffen hat. Er schickte ihm ein Bitmap-Rendering in MacPaint, das die Beine des Hundes in verschiedenen Positionen hatte, was ihn dazu veranlasste, eine winzige Animation für den Cursor des Programms zu erstellen, während die App Aktionen durchführt. "Es war eine kleine Ergänzung, hat aber im Laufe der Jahre mehr Kommentare von den Benutzern erhalten als jedes andere Feature", sagte er. (Matthews sagte, dass Fetch jetzt einen Cursor mit mehr Frames hat, der von Anthony Piraino von der Iconfactory gezeichnet wurde.)

Nachdem er Fetch aus Dartmouth ausgegliedert hatte, sagte Matthews, dass Ben Artin und Scott McGuire ihm geholfen haben, es in das zu verwandeln, was er "ein professionelles Stück Software" nannte. Aber im Laufe der Zeit hat sich Fetch von einem Vollzeitjob in ein Nebenprojekt für Matthews verwandelt, der jetzt an Trello für Atlassian arbeitet. Er lebt immer noch in New Hampshire.

Die Zukunft von Fetch ist nicht völlig gesichert, da Matthews keine größeren Neuerscheinungen geplant hat. Aber Fetch-Benutzer sagen ihm immer wieder, dass sie das Programm auch nach der Veröffentlichung von macOS 10.15 im Jahr 2019 verwenden wollen, was 32-Bit-Anwendungen eliminiert. "Ich versuche es jetzt, ob ich Fetch rechtzeitig zu seinem 30. Geburtstag im September 2019 in die 64-Bit-Welt holen kann", sagte er.

Was EasterEggs betrifft, gesteht Matthews: "Jedes echte EasterEgg ist so gut versteckt, dass ich vergessen habe, wo die alle sind." Aber er fügt hinzu: "Es gibt eine versteckte Präferenz für die Einstellung der Geschwindigkeit des laufenden Hundezeigers, die meiner Meinung nach nur ein Überbleibsel des Tests war – vielleicht qualifiziert das sich dafür."

GraphicConverter: Über 200 unterstützte Dateiformate

Thorsten Lemke wollte eine Möglichkeit, einige Bilddateiformate von Atari, Amiga, DOS und Windows für den Einsatz auf einem Mac konvertieren. Der bescheidene Funktionsumfang zum Start von GraphicConverter im Jahr 1992  ist mittlerweile über 200 Dateiformate in der Version 10 angewachsen, auch bekannt als GraphicConverter X.

GraphicConverter entwickelte sich von der einfachen Dateikonvertierung zu einem vollwertigen Bildbearbeitungsprogramm, Bilddateibrowser, Stapelprozessmanager und Metadateninspektor und -editor. Lemke bemerkte, dass das Programm nun auch über 200 Filter zum Ändern von Bildern enthält.

Trotz all der Entwicklungen, sagte Lemke, gibt es immer eine vollständige Liste von Benutzeranfragen nach neuen Funktionen und anderen Workflows. "Die weitere Entwicklung ist gesichert", sagte er.

Während die App in ihren Funktionen erweitert wurde und Lemkes Firma, Lemkesoft, nun mehrere Softwarepakete pflegt, ist er immer noch der Hauptangestellte. Auf der Website notierte Lemke: "Thorsten beantwortet persönlich zwischen 200 und 300 E-Mails von Nutzern weltweit".

Er sagte, dass er zwar den größten Teil der App selbst entwickelt hat, sich aber auf Auftragsentwickler verlassen hat, die die größeren Transformationen übernehmen. Wie die meisten der anderen lang laufenden Anwendungen bedeutete das mehrere, einschließlich der Verschiebung der zugrunde liegenden Programmiersprache von Pascal nach C auf die aktuelle Kombination von Objective-C und Apples neuerer Swift.

GraphicConverter hat sich von einigen wenigen Konvertierungen von Bilddateiformaten zu einem vollwertigen Bildbearbeitungsprogramm mit Hunderten von Filtern und Formaten entwickelt.

Lemke sagte, nach all den Jahren mag er immer noch "die Herausforderungen der neuen Entwicklungen und Techniken". Das hilft ihm, morgens aufzustehen und in die Arbeit zu gehen. Aber, so bemerkte er, er muss auch seine Kinder zur Schule bringen: "Mein Tag beginnt um 5:30 Uhr morgens."

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